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Wechsel in die weiterführende Schule

Tipps für den Übergang auf die sanfte Tour

Viele Schüler/-innen empfinden den Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Schule als Bruch. Hier erfahren Sie, was Sie tun können, um den Übergang abzumildern?

Wechsel in die weiterführende Schule: Tipps für den Übergang auf die sanfte Tour Den Schulwechsel sanft gestalten, ist gar nicht schwer © InsideCreativeHouse - stock.adobe.com

Im Schulabschiedssong „Das Beste geben“ erzählen 4 Jungs, wie es sich anfühlt, wenn die Grundschulzeit zu Ende geht: Sie waren richtig gute Freunde und jetzt müssen sie getrennte Wege gehen. Die Mädels von der Girls-Band „High Five“ haben ihren Schulabschied vor dem Übertritt auf die weiterführende Schule schon längst hinter sich. „Fang bloß nicht an zu heulen“, entgegnen sie den Jungs in dem Lied. Es gehe „halt einfach weiter“ auf der Straße des Lebens, und dass da mal „große Steine liegen“ könne schon sein, aber „da bleibt man doch nicht stehen, die werden einfach überstiegen“.

Ganz so einfach ist es leider nicht, und viele Kinder erleben den Schulübergang nach der Grundschulzeit als ziemlich harten „Break“. Was können Lehrkräfte, Eltern und Schulen tun, um den Übergang abzumildern und für die Kinder erträglich zu gestalten? Der folgende Beitrag gibt Ihnen ein paar Anregungen an die Hand.

Professionelle Elternberatung tut not! 

Im europäischen Vergleich ist die deutsche Grundschule „ein Sonderfall“, wie Bildungshistoriker Jürgen Oelkers in einem Beitrag für das Deutsche Schulportal erläutert: Während die Kinder in den meisten europäischen Ländern sechs Jahre zusammen lernen, erfolgt hierzulande der Übergang auf die weiterführende Schule in fast allen Bundesländern (Ausnahme Berlin und Brandenburg) bereits nach der vierten Klasse. Das ist oft noch zu früh, um die Potenziale eines Kindes richtig einzuschätzen. Hinzu kommt, dass die Schulwahl vielerorts mittlerweile „freigestellt“ ist (ebd.), sodass am Übergang 4–5 ein Wettbewerb um die freien Plätze in der weiterführenden Schule entsteht.

Doch gerade bei dieser entscheidenden Weichenstellung sollte Druck rausgenommen und die Schulwahl mit Bedacht getroffen werden, um das Kind nicht zu überfordern. Wenngleich Übergangsempfehlungen in den meisten Bundesländern nicht mehr bindend sind, brauchen viele Eltern hier doch noch immer fundierte Beratung vonseiten der Lehrkraft.

Schriftliche Elterninfo im Vorfeld

Natürlich brauchen auch die Eltern bereits im Vorfeld Informationsmaterialien, um sich ein Bild machen zu können bzw. wohl präpariert ins Gespräch mit Ihnen zu gehen. Welche Materialien das sein könnten, soll hier exemplarisch anhand der Unterlagen der Karl-Kuck-Schule in Aachen-Brand gezeigt werden. Hier erhalten die Eltern ein Powerpoint-File mit allen erforderlichen Informationen zum Übergang auf weiterführende Schulen: 

  • Ablauf mit Zeitplan, 
  • Details zu den Beratungsgesprächen, 
  • Infos über die Empfehlungs-Zeugnisse, 
  • Infos über Anmeldung an der weiterführenden Schule (Formulare, Zeitraum), 
  • Überblick über mögliche Schulformen, 
  • Schulabschlüsse und Detailinfos über die Schulformen und ihre inhaltliche Ausrichtung
  • Checklisten „Welche Schule für mein Kind“

Außerdem stehen auf der Schulwebsite (Link s. o.) nützliche weiterführende Infos und Links zur Verfügung, unter anderem ein Erklärfilm zum Thema „Wohin nach der Grundschule?“ von den Machern der Sendung mit der Maus, der hier auch in vielen weiteren Sprachen zu finden ist. 

Anregungen für Informationsangebote in der Schule

Wie ein solches Beratungsangebot aussehen könnte, zeigt beispielhaft der „Leitfaden zur Gestaltung des Übergangs von der Grundschule zur weiterführenden Schule“ in Rheinland-Pfalz: Gemäß der Bestimmungen der „Grundschulordnung“ gibt es hier eine „durchgängige Elternberatung“ (ebd., S. 2) vom ersten Schuljahr an, die sich im 4. Schuljahr noch einmal intensiviert: Es beginnt im September mit einem Elternabend, in dem das Prozedere und der Zeitplan für den Übergang besprochen wird. Im November sind die Lehrkräfte zu festgelegten Elternsprechzeiten erreichbar, und im Dezember/Januar finden dann die „Elterngespräche vor der Empfehlungskonferenz statt, wahlweise mit oder ohne die Kinder. Der Leitfaden enthält übrigens auch inhaltliche und organisatorische Hinweise zur Gesprächsvorbereitung, zur Durchführung und zur Nachbereitung, die sicherlich auch für Ihre eigenen Gespräche nützlich sind.
Natürlich sollen die Eltern auch die weiterführenden Schulen kennenlernen (ebd., S. 5 f). Das könnte zum Beispiel im Rahmen einer „Schulbörse“ stattfinden: An „ca. 2–3 Stunden am Abend“ kommen die Schulen der Region in den Räumen der Grundschule mit den Eltern ins Gespräch. Die Eltern teilen sich dabei in so viele Gruppen auf, wie Schulen da sind. Und dann läuft es so wie beim Speed Dating: Die Schulen stellen sich in einem bestimmten Zeitrahmen vor, beantworten die Fragen der jeweiligen Elterngruppe, und dann wird gewechselt. Besonders spannend wird es, wenn auch Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schule berichten.

Hilfen zur Entscheidungsfindung der Eltern

Bei der Entscheidungsfindung der Eltern unterstützt der Leitfaden (Link s. o., S. 4) mit einem kurzen Fragenkatalog zur Beobachtung des Kindes: Welche Interessen hat mein Kind? Arbeitet es gerne mit anderen zusammen? Kann es sich länger konzentrieren? 

Auch im Netz gibt es zahlreiche Angebote mit Praxistipps und hilfreichen Informationen zum Thema „Welche weiterführende Schule ist die richtige für mein Kind?“, zum Beispiel dieser umfangreiche und informative Beitrag auf der Website studienkreis.de.

Gemeinsame Projekte und Hospitationen

Bei der Gestaltung eines sanften Übergangs gehen Grund- und weiterführende Schulen zunehmend „auf Tuchfühlung“. Auf Ebene der Lehrkräfte von Grund- und weiterführender Schule schlagen die Autoren und Autorinnen des RLP-Leitfadens etwa gegenseitige Hospitationen, den Austausch über die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler nach dem Wechsel in die 5. Klasse der neuen Schule oder auch regelmäßige Arbeitsgruppen zu Themen wie Differenzierung, Rituale, Unterrichtsstörungen etc. (S. 8 f.).

Im 4. Schuljahr könnten auch die Schüler und Schülerinnen „ein fächerübergreifendes Projekt „Weiterführende Schulen“ in Angriff nehmen. Hierbei könnten sie mit einer Recherche auf den jeweiligen Schulwebseiten starten, dann Besuche der verschiedenen Einrichtungen organisieren, Schüler und Schülerinnen interviewen, Utopien entwickeln („Meine Traumschule ...“, „Mein Traumlehrer/meine Traumlehrerin ...“) usw.

Für die Kinder, die auf die weiterführende Schule wechseln, ist der Übergang eine echte Herausforderung. Besonders hilfreich ist es da, wenn sie schon einige Schülerinnen und Schüler oder auch die Räumlichkeiten der neuen Schule ein wenig kennengelernt haben. Die Meisenburgschule in Essen nutzt dazu diverse Möglichkeiten: gemeinsame Musical-Besuche, zusammen Weihnachtslieder singen oder auch eine „Roboter-Kooperation“, bei der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Oberstufe mit den Grundschulkindern Roboter bauen. – Eine tolle Sache, die zusammen mit all den anderen verstetigten Aktivitäten aus dem „Konzept zum Übergang in die weiterführenden Schulen“ der Meisenburgschule dazu beiträgt, den Kindern die Angst zu nehmen und die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt zu stärken. Alle Schuljahre wieder.

Martina Niekrawietz


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