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Arbeitserleichterung

Tipps und Tools für Kopfnoten und Verbalbeurteilungen

Kopfnoten und Verbalbeurteilungen gehören in mehreren Bundesländern zum Zeugnis. Doch es kostet viel Zeit, jeden Schüler individuell zu beurteilen. Hier helfen zeitsparende Tools und Infos im Netz, fundierte und für Schüler hilfreiche Beurteilungen zu schreiben.

Arbeitserleichterung: Tipps und Tools für Kopfnoten und Verbalbeurteilungen Es macht viel Mühe und Arbeit, Kopfnoten für jeden Schüler und jede Schülerin zu schreiben © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Als im Jahr 2007 in Nordrhein-Westfalen (NRW) die Kopfnoten eingeführt wurden, rechneten die Lehrkräfte der Gesamtschule Köln-Holweide einmal kurz vor, wie viel Arbeitszeit sie das künftig kosten würde: In der Schule lernten damals 1800 Jugendliche und für jeden waren sechs verschiedene Noten zu erstellen, insgesamt also 10.800 Noten. Wenn das Kollegium über jede Note auch nur drei Minuten reden würde, „bräuchte es dazu 32.400 Minuten, also 540 Stunden – das sind am Stück mehr als 22 Tage und Nächte“, so fasste die Westdeutsche Allgemeine Zeitung auf ihrer Website das Ergebnis zusammen. – Ein enormer zeitlicher Aufwand, den manche Schulen dadurch umgingen, dass sie pauschal die Note zwei vergaben und „nur Ausreißer nach oben oder unten besonders“ (ebd.) hervorhoben.

Während in NRW die Kopfnoten bereits 2010 wieder abgeschafft wurden, gibt es sie noch bzw. wieder in vielen anderen Bundesländern. Und wenn Sie in einem Bundesland ohne obligatorische Kopfnoten unterrichten, so führt doch an verbalen Beurteilungen des Arbeits- und Sozialverhaltens, zum Beispiel in Form von Zeugnisbemerkungen, kein Weg vorbei. Wie Sie in beiden Fällen Zeit und Nerven sparen, zeigt der folgende Beitrag.

Transparenz für Eltern und Schüler schaffen

Kopfnoten führen oft zu Konflikten zwischen Lehrern und Eltern bzw. Schülern. Um dem vorzubeugen, sorgt die niedersächsische Schule am Osterfehn von vornherein für Transparenz: Ein Beitrag auf der Schulwebsite beantwortet alle wesentlichen Fragen: Wer beurteilt das Arbeits- und Sozialverhalten der Haupt- und Realschüler und wie kommen die Bewertungen zustande? Welche „Skills“ genau umfasst das Arbeitsverhalten, welche das Sozialverhalten? Was bedeuten Ziffernoten bzw. Verbalbewertungen und wie viele Notenabstufungen gibt es jeweils insgesamt? – Grundlage für die Informationen ist der Runderlass „Zeugnisse in den allgemeinbildenden Schulen“ des Kultusministeriums, dessen Regelungen für Kopfnoten auf der Schulwebsite auch für Nicht-Juristen verständlich auf den Punkt gebracht werden.

Eine detaillierte Auflistung der Bewertungsstufen mit festen Formulierungen erleichtert den Lehrkräften die Notengebung und sorgt für einheitliche Bewertungskriterien über alle Klassen hinweg. Die Liste dient auch Schülern und Eltern als Informationsquelle, denn hier ist zum Beispiel näher aufgeschlüsselt, was welche Notenstufe bei den einzelnen „Skills“ bedeutet oder dass sich hinter dem Beurteilungskriterium „Verlässlichkeit“ eine Aussage über die Zuverlässigkeit bei der Erledigung der Hausaufgaben verbirgt.

Ob die Erläuterungen zur Notengebung auf der Schulwebsite die Eltern auch wirklich erreichen, ist freilich ungewiss. Es empfiehlt sich daher, zweigleisig zu fahren, zum Beispiel indem Sie das Thema zusätzlich in einem Elternbrief oder bei einem Klassenelternabend kommunizieren.

Verbalbeurteilungen per Mausklick

Ausführlichere Wortgutachten bei der Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens sind für Sie als Lehrkraft mit einem besonders hohen Zeitaufwand verbunden. Doch zum Glück gibt es ein kostenfreies Online-Tool, mit dessen Hilfe Sie eine Schülerbeurteilung in kürzester Zeit per Maus erstellen können. Auf der Website schuelerbeurteilung.de geben Sie zunächst Vornamen und Geschlecht des Schülers ein und entscheiden, in welcher Zeitform Sie schreiben möchten und ob Sie den Schüler direkt ansprechen oder in der dritten Person formulieren möchten.

Dann wählen Sie eine von insgesamt zwölf Kategorien aus, vergeben eine Note von „1 – sehr gut“ bis „5 – ungenügend“, und schon steht Ihnen eine Vielzahl von Formulierungen zu unterschiedlichen Aspekten des Arbeits- und Sozialverhaltens zur Auswahl. Einfach einen zutreffenden Satz anklicken, und automatisch steht er im Textfeld. Innerhalb von einer Minute ist auf diese Weise zum Beispiel die folgende Bemerkung entstanden:

„Tim, mit deiner freundlichen und selbstbewussten Art kannst du das Klassenklima positiv beeinflussen. Du hast nie Probleme im Umgang mit deinen Klassenkameraden und bemühst dich um Lösungen in Konfliktsituationen. Im Laufe des Schuljahres gelang es dir immer besser, die anfängliche Schüchternheit zu überwinden und dich zunehmend aktiver am Unterricht zu beteiligen. Interessiert dich ein Thema, kannst du begeistert und einsatzfreudig mitarbeiten. Dann bereicherst du mit guten Ideen und richtigen Überlegungen den Unterricht. Mit etwas mehr Ordnung am Arbeitsplatz könntest du dir noch einiges an Zeit ersparen. Lobenswert sind deine gründliche Hausaufgabenerledigung sowie die Vorbereitung auf den Unterricht. Du bist in der Lage, schriftliche Aufgaben ausdauernd und selbstständig zu erledigen, wobei du jedoch bei deinem flotten Arbeitstempo nicht immer auf eine saubere und übersichtliche Darstellung achtest. Bei geplanten Unterrichtsaktivitäten in der Klassengemeinschaft unterstützt du deine Lehrer bereitwillig.“

Nach kleinen, kosmetischen Korrekturen (Nominalstil, eintöniger Satzbau, Wortwiederholungen etc.) kann dann die fertige Beurteilung direkt per Copy-and-paste in Word, EXCEL oder in eine andere Anwendung zum Erstellen der Zeugnisse übertragen werden.

Die 12 Beurteilungskriterien decken ein breites Spektrum der gängigen Kategorien in der Sekundarstufe ab: Sozialverhalten, Lernbereitschaft, Arbeitsweise, Arbeitsverhalten, Ordnung, Konfliktverhalten, regelmäßiger Schulbesuch, schriftliches Arbeiten, Arbeiten in der Gruppe, Verhalten zum Lehrer, Einhalten von Regeln und kognitive Fähigkeiten. Die derzeit etwa 900 Formulierungen können zudem um eigene Vorschläge ergänzt werden. Diese müssen allerdings einzeln in ein Formular eingegeben werden und stehen dann „erst nach einer Überprüfung und Anpassung der Zeitformen und Anreden zur Verfügung“, wie der User auf der Seite „Ihr Vorschlag“ erfährt.

Keine Kopfnoten „an den Schülern vorbei“

Für eine positive Lernentwicklung in den beiden zentralen Bereichen Arbeits- und Sozialverhalten ist natürlich eine möglichst individuelle Beurteilung jedes einzelnen Schülers eine wichtige Voraussetzung. Wo genau liegen meine Stärken? An welchen Schwächen sollte ich arbeiten? Diese Schülerfragen sollte eine Verbalbeurteilung möglichst konkret beantworten.

Auch sollten die Schüler verstehen, welche Kriterien bei der Beurteilung eine Rolle spielen, besonders dann, wenn – wie in vielen Bundesländern – lediglich zwei pauschale Bewertungen für „Mitarbeit“ und „Verhalten“ vergeben werden. Hier könnte sich das Kollegium der Schule auf einheitliche Bewertungskriterien über alle Jahrgangsstufen verständigen. Eine gute Grundlage dafür liefern detaillierte Beobachtungsbögen, wie sie auf dem Hessischen Bildungsserver zum Download stehen.

Über den Button Lern- und Arbeitsverhalten gelangen Sie zum Beispiel zu einem ausführlichen Kriterienkatalog mit konkreten Verhaltensweisen. Damit wird für Ihre Schüler nachvollziehbar, was genau da eigentlich bewertet wird oder was sie für gute Bewertungen bei „Lernbereitschaft“ oder „Arbeitshaltung“ tun können.

Aber lohnt es sich überhaupt, sich für gute Verhaltensnoten anzustrengen? Auf jeden Fall, denn zum einen korrelieren gute Noten beim Arbeits- und Sozialverhalten in der Regel mit guten Fachnoten. Und bei der Ausbildungsplatzsuche führen gute Kopfnoten auch dann oft zu einer Einladung zum Bewerbungsgespräch, wenn die Fachnoten „nicht so toll“ sind. Für viele Personalchefs wiegen Kopfnoten sogar „schwerer als Fächernoten“, wie eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin zeigt.

Martina Niekrawietz

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