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Kindern den Umzug erleichtern

Übergänge bewältigen: Wenn Kinder wegziehen oder neu kommen

Ein Umzug ist ein harter Einschnitt im Leben eines Schülers oder einer Schülerin. Wie Sie diesen Übergang so gestalten können, dass nicht nur die betroffenen Kinder und ihre Eltern, sondern auch das Klassenklima gestärkt wird, lesen Sie hier.

Kindern den Umzug erleichtern: Übergänge bewältigen: Wenn Kinder wegziehen oder neu kommen Ein Umzug sollte den Kindern so leicht wie möglich gemacht werden © Maksym Povozniuk - stock.adobe.com

„Wir müssen dir etwas Wichtiges sagen: Wir ziehen um!“ – Bei dieser Ankündigung der Eltern bricht für Kinder oft eine Welt zusammen. So geht es auch dem jungen Reh im Video „Das Reh zieht um“. Es hat „endlich Freunde gefunden“, und die soll es jetzt verlieren? „Du kannst sie ja in den Sommerferien besuchen“, sagt die Mutter, „oder ihr schreibt euch“. Doch das Reh ist verzweifelt: „Das ist doch nicht das Gleiche! Ihr seid so gemein!“, ruft es und rennt in sein Zimmer.

Die vertraute Umgebung und alle Freundinnen und Freunde, die Klasse, die Lehrkräfte und die Schule zurückzulassen – das ist nicht nur schwer, sondern kann Heranwachsende nachhaltig belasten. Besonders dann, wenn die Kinder introvertiert sind, wie eine repräsentative Studie mit 7108 US-amerikanischen Probandinnen und Probanden zeigte: „The more residential moves participants had experienced as children, the lower the levels of well-being as adults“, so fassen die Forschenden Shigehiro Oishi und Ulrich Schimmak ihre Ergebnisse zusammen. Und nicht nur die Lebenszufriedenheit leidet, sondern Introvertierte haben nach häufigen Umzügen sogar ein erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten 10 Jahre zu sterben.

Kinder und auch ihre Eltern brauchen Unterstützung, um mit größeren Abschieden wie einem Umzug und mit den vielen kleinen Abschieden im Schulalltag fertig zu werden. Hilfreich für die Kinder sind situationsbezogene Rituale, die Ihnen der folgende Beitrag an die Hand gibt. Damit unterstützen Sie nicht nur die Neu-Ankömmlinge, sondern auch die Mitschülerinnen und Mitschüler. Eine gute Lektion in Empathie, die sich positiv auf das Sozialklima auswirkt. Sowohl in der alten als auch in der neuen Klasse.

Eltern kompetent beraten

Wenn Familien mit Kindern umziehen, sind es oft zunächst die Eltern, die Unterstützung und Beratung brauchen: 

Zum einen suchen Sie Ihren Rat hinsichtlich der organisatorischen To-dos, die ein Schulwechsel ihres Kindes mit sich bringt. Wenngleich Sie als Lehrkraft ihnen die damit verbundenen Tasks nicht abnehmen können, ist es doch hilfreich, wenn Sie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Zielschule signalisieren. Bestimmt werden die Eltern auch dankbar sein, wenn Sie sie auf unterstützende Informationsangebote hinweisen, zum Beispiel bei einem Umzug in ein anderes Bundesland. Auf der Website der Deutschen Post umziehen.de etwa gibt es einige probate Praxistipps für Eltern – auch für Sie als Lehrkraft eine gute Adresse als Vorbereitung für Ihre Eltern-Beratung
Zum anderen erleben es Eltern häufig als sehr belastend, das Kind aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen. Wichtig ist es dann, das Kind mit seiner Trauer und seiner Wut ernst zu nehmen und seine Gefühle auszuhalten. Auf der Website biber-blog.com, auf der sich auch die Geschichte vom Reh findet, buchstabiert die Züricher Akademie für Lerncoaching verständnisvolle Eltern-Sätze (oder auch Sätze der Lehrkraft) aus: „Ich kann gut verstehen, dass dich das traurig macht und dass du am liebsten hier bleiben würdest“ oder „Die Vorstellung, in eine neue Klasse zu kommen, macht dir Angst ...“ oder „Du bist wütend (...) und das darfst du auch sein“.

Abschiedsparty und Abschiedsbuch zum Umzug

Wenn der Abschied näher rückt, könnte man in der Klasse eine gemeinsame Abschlussfeier organisieren. Höhepunkt der Party könnte die feierliche Übergabe eines Abschiedsbuches sein. Wenn möglich, trifft sich die Klasse oder auch nur eine kleinere Gruppe und überlegt, was alles in das Buch aufgenommen werden soll. Hier ein paar Ideen:

  • Ein Abschiedsbrief, Tenor: „Warum wir dich vermissen werden“
  • Ein Super-Zeugnis für das Kind, das wegzieht
  • Adressen und Fotos der Mitschüler und Mitschülerinnen
  • Ein persönlicher Gruß jedes einzelnen Kindes, vielleicht mit einer geteilten schönen Erinnerung
  • Gute Wünsche für die neue Heimat
  • Ideen, was man künftig miteinander unternehmen könnte
  • Vorausgefüllte Postkarten und bereits frankierte Briefumschläge mit den Adressen der Freunde und Freundinnen
  • Ein Mixtape mit den gemeinsamen Lieblingsliedern

Auch kleine Geschenke könnten übergeben werden, z. B. ein Talisman, ein selbst gestalteter Schutzstein mit guten Wünschen o. Ä. Und ganz wichtig: Ein fester Termin sollte bereits ausgemacht werden, an dem die alte Clique zu Besuch in der neuen Heimat kommt. Dann haben alle gleich etwas, worauf sie sich freuen können.

Gut ankommen, will vorbereitet sein

Beim Umzug eines Kindes sind natürlich nicht nur Abschiedsrituale hilfreich, sondern besonders auch die Willkommenskultur in der neuen Schule. Weil der Lehrer der neuen Waldklasse des kleinen Rehs die Mitschülerinnen und Mitschüler drei Wochen vorher darüber informiert, dass eine neue Schülerin kommt, kann sich die Klasse gut vorbereiten. Im Unterrichtsgespräch fragt Lehrer Dachs die Kinder, ob in eines von ihnen schon einmal einen Umzug erlebt hat. Eine Schülerin erzählt davon, wie sehr eine ihrer Freundinnen unter dem Wegzug gelitten hat. Die neuen Klassenkameradinnen und -kameraden entwickeln Empathie und ganz tolle Ideen: 

  • Sie schreiben dem Reh einen Brief und stellen sich vor – mit Foto der Kinder und von Herrn Dachs und dem neuen Klassenzimmer.
  • Der Bär will einen „riesigen Honigkuchen“ zur Begrüßung backen.
  • Und die Kinder suchen bereits einen Sitzplatz für das kleine Reh aus.

„Oft braucht es nicht mehr, als einige kleine Zeichen, die dem neuen Kind signalisieren ‚Du bist hier willkommen‘, damit es für alle leichter wird“, sagt Pädagoge Fabian Grolimond von der Akademie für Lerncoaching. Damit Sie als Lehrkraft selbst dann gut vorbereitet sind, wenn plötzlich neue Schülerinnen oder Schüler in Ihre Klasse kommen, nutzen Sie einfach die kleine Checkliste auf der Website buntesklassenzimmer.de. Grundschullehrerin Diana denkt an alles: Vom Bereitstellen eines Aufbewahrungsorts für die Sachen des Kindes über ein Infopaket für die Eltern bis hin zu konkreten Ideen für den ersten Tag. Auch ein Blick in die Kommentarspalte unter dem Beitrag lohnt sich, denn hier ergänzt Kollegin Inge noch weitere wichtige organisatorische Aspekte für einen guten Start. Besonders der Hinweis auf einen Paten/eine Patin für die neue Schülerin/den neuen Schüler sei hier noch hervorgehoben.

Martina Niekrawietz


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