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Ukraine-Unterricht souverän managen

Unterricht mit ukrainischen Kids: „Erste-Hilfe-Kit“ im Netz

Von heute auf morgen sitzen ukrainische Lernende in Ihrem Unterricht, und es heißt: Die Situation souverän managen! Die folgenden Praxistipps und Webangebote unterstützen Sie bei den ersten Schritten.

Ukraine-Unterricht souverän managen: Unterricht mit ukrainischen Kids: „Erste-Hilfe-Kit“ im Netz Netztipps für den Unterricht mit Schulkindern aus der Ukraine © Svetlana - stock.adobe.com

Seit 24. Februar herrscht in der Ukraine Krieg, und es zeichnet sich ab, dass dieser Krieg uns noch lange begleiten wird. Immer mehr Lehrkräfte unterrichten geflüchtete Kinder und Jugendliche, die vor Putins Armee aus der Ukraine geflohen sind. 

Lehrerin Arberi Veselaj etwa arbeitet schon seit Mitte März mit ukrainischen Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren. Eine Lerngruppe, die nicht nur altersmäßig sehr heterogen ist.

Alle Schülerinnen und Schülern hatten anfangs eines gemeinsam: Deutsch war für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Doch sie verständigen sich mit Händen, Füßen und über alle möglichen anderen Kanäle, berichtet Karlo Clever am 19.04.22 in der Aachener Zeitung. Zum Beispiel über „Symbole“, die an der Wand hängen: Auf das große Fragezeichen etwa zeigen die Jugendlichen, wenn sie eine Frage stellen möchten. Einige sprechen Englisch und übersetzen immer dann, wenn die Lehrerin ihre Landsleute nicht versteht. Und auch Frau Veselaj lernt manchmal das eine oder andere russische Wort: „Punkt, Punkt!“ hatte sie immer einem Schüler zugerufen, der seine Sätze ohne Satzzeichen aneinanderreihte. Plötzlich hatte er verstanden, was sie meint: „Ah, totschka, totschka“ ...

Willkommenskultur gestalten

Offenheit für die Kultur der Ankommenden, die Bereitschaft zu improvisieren und bei der Verständigung alle Register zu ziehen, das alles gehört zu einer gelungen Willkommenskultur in der Schule. Und auch der Blick über den eigenen Tellerrand auf Good-Practice-Beispiele gibt wertvolle Impulse. 

Nick Krichevsky, Lehrer an der Robert-Biosch-Gesamtschule in Hildesheim will gute Ideen und Ansätze dafür „anstoßen, sammeln und in die Breite tragen“, was er auf der Website ukraine-hilfe-bildung.de tut. Hier finden Sie vier zielgruppenspezifische Padlets, in denen die Community des „Erste Hilfe Online-Barcamps“ die besten Webangebote strukturiert verlinkt.

  • Eltern erhalten verschiedene Impulse, wie sie Kontakte zu den Eltern (meist Müttern) ukrainischer Kinder aufnehmen können. Ein zweisprachiger Willkommensflyer unterrichtet die Ankommenden über wichtige Gepflogenheiten und Abläufe (Beispiel bei Krankheit die Schule informieren etc.). Deutsche Eltern könnten Elternpatenschaften übernehmen, sich mit Vereinen und anderen Schulen vernetzen oder gemeinsame Aktivitäten (Infoabend, Grillen, Spaziergang durch die Stadt oder Gemeinde) initiieren.
  • Lehrkräfte finden in ihrem Padlet u. a. Bildwörterbücher und Piktogramme zum freien Download oder auch Links zu Übungsmaterialien. Viele praktische Impulse helfen dabei, die Basis für einen wertschätzenden, herzlichen Umgang aller Mitglieder der Schulfamilie zu schaffen: offene Gesprächsräume oder ein Patensystem in der Klasse implementieren, sich für Pausen und Kontakte außerhalb des Unterrichts auf eine gemeinsame Sprache, z. B. Englisch, verständigen, einen „Raum der Stille“ bereitstellen u. v. m.
  • Besonders auch die Schülerinnen und Schüler können eine ganze Menge tun, damit sich ihre neuen Mitschüler und Mitschülerinnen schnell einleben: z. B. einen Crashkurs „Ukrainisch für Anfänger“ belegen und das Gelernte anwenden, Teambuilding-Aktionen und gemeinsame Freizeitaktivitäten anregen, WhatsApp-Gruppen zusammen mit den Neuen einrichten u. v. m. 

Tools und Files gegen die Sprachbarriere 

Ein gutes zwischenmenschliches Miteinander steht und fällt mit der gegenseitigen Verständigung. Deshalb nimmt das „Erste Hilfe Online-Barcamp“ auch „Technische Hilfsmittel zur Überbrückung der Sprachbarriere“ ins Visier. 

  • André Hermes stellt hier zum Beispiel das Übersetzungs-Tool DeepL vor, das Texte und ganze Dateien übersetzen kann. Sein Kommentar dazu: „Übersetzt schön, aber nur ins Russische“.
  • Ukrainisch „kann“ hingegen auch die kostenfreie App Google Übersetzer, wie dieses Video veranschaulicht. Besonders praktisch ist die Spracheingabefunktion. Hier klickt man auf ein Mikro, spricht einen deutschen Text ein und kann sich diesen direkt als Audio-Sprachausgabe anhören. Das geht auch umgekehrt (von Ukrainisch zu Deutsch) und in vielen weiteren Sprachen. Es gibt sogar eine Unterhaltungsfunktion: Man legt das iPad in die Mitte, und es übersetzt simultan hin und her. Und wenn Sie schnell mal ein Arbeitsblatt ins Ukrainische übersetzen möchten, nutzen Sie im Google Übersetzer die Kamerafunktion: Fotografieren und schon haben Sie automatisch das Arbeitsblatt mit ukrainischer Übersetzung in kyrillischer Schrift.
  • Klar, dass Übersetzungstools auf Dauer besser durch Sprachkenntnisse ersetzt werden sollten. Einen ersten Einstieg schaffen Sie z. B. mit diesem Bildwörterbuch. Einfach ausdrucken und den Schülern und Schülerinnen zum Lernen für unterwegs mitgeben! Genauso geht das auch mit den Refugee Phrasebooks: Hier stehen die wichtigsten Alltagssätze (short version), auch für den medizinischen Bereich und für Helfende in Notsituationen“.

Infektionsschutz sichern!

Viele Ihrer ukrainischen Schülerinnen und Schüler haben schlimme und oft traumatisierende Erfahrungen hinter sich. Nicht nur ihre seelische Gesundheit ist häufig angeschlagen, auch Ihr Immunsystem ist geschwächt. 

In Zeiten von Corona ist der Infektionsschutz natürlich in diesem Bereich besonders wichtig. - Nur wenige Ukrainer haben einen wirksamen Impfschutz gegen Covid 19: Die Geimpften sind fast immer mit einem in der EU nicht zugelassenen Impfstoffe immunisiert. Ihnen empfiehlt die STIKO eine zusätzliche Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) (vgl. dazu: „Geflüchtete aus der Ukraine sollen nachgeimpft werden“ auf aerzteblatt.de). 

Doch wie ist das mit Kindern und Jugendlichen? Hier sind es meist die Eltern oder Sorgeberechtigten, die über eine Corona-Schutzimpfung entscheiden. Falls Sie das auch für den Infektionsschutz in der Schule wichtige Thema bei einem Elternabend oder via Elternbrief anschneiden möchten, nutzen Sie am besten die Broschüre „Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche – eine Entscheidungshilfe für Eltern und Sorgeberechtigte“, die Sie hier auf der BMG-Website sowohl auf Deutsch als auch auf Ukrainisch herunterladen können.

Die STIKO hat außerdem für Geflüchtete mit fehlenden Impfungen oder unklarem Impfstatus Impf-Empfehlungen mit einem „Mindest-Impfangebot“ herausgegeben. Auf der RKI-Webseite findet sich außerdem ein Impfkalender in ukrainischer Sprache. Und diverse Impfinformationen auf Ukrainisch finden Sie hier auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.

Martina Niekrawietz


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