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Leistungsbewertung

Zeugnisberichte in Klasse 1 schreiben

Die Ansprüche an ein für alle Beteiligten verständliches Berichtszeugnis sind hoch. Mit einigen wenigen Vorüberlegungen zu individualisierten Formulierungen kommt man einfacher ans Ziel.

Leistungsbewertung: Zeugnisberichte in Klasse 1 schreiben Das erste Zeugnis sollte so formuliert sein, dass es die Erstklässler zum Lernen motiviert © 1dbrf10 - Fotolia.com

„Das Zeugnisschreiben in Klasse 1 ist so ein großer Aufwand, viel lieber würde ich Noten geben“, hört man eine Kollegin im Lehrerzimmer klagen. Tatsächlich stellt das Berichtzeugnis in Klasse 1 eine große Herausforderung für die Klassenlehrer dar. Doch ist es, wenn es verständlich und überlegt geschrieben ist, viel aussagekräftiger und trifft die Leistungen des Schülers besser als eine Note.

Alle Klassenlehrer haben eine Vorstellung vom Berichtszeugnis: Es soll sachlich und formell richtig sein, aber auch für Eltern und Schüler verständlich, damit Schwächen und Stärken richtig verstanden werden.

Um diese Anforderung zu meistern, müssen verschiedene Merkmale beachtet werden:

Die Sätze müssen kurz und prägnant sein sowie in einfacher Sprache. Fachbegriffe sollten weggelassen oder erklärt werden. Es werden Fakten und Kompetenzen genannt und keine Möglichkeiten oder Interpretationen geschrieben. Außerdem soll das Zeugnis keine Aneinanderreihung von Standardsätzen als Satzbausteine beinhalten, sondern flüssig und gut lesbar sein.

Individuelle Beschreibung von Stärken und Schwächen

Auf die individuelle Beschreibung von Schwächen und Stärken des Schülers kommt es an, damit die persönlichen Defizite benannt und so verbessert werden können. Auch die Stärken sind oft individueller als im Standardsatz, daher müssen sie ebenso individualisiert werden.

Auch wenn die Nutzung von Software mit Satzbausteinen reizvoll erscheint, so zahlt sich doch die Mühe aus, für jeden Schüler personalisierte Einschätzungen zu formulieren. Sicher gibt es gut durchdachte Zeugnisformulierungshilfen, die aber meist in ihrer Vielzahl sehr umfangreich und kaum zu überblicken sind. Um den für den Schüler passenden Satz zu finden und auszuwählen, ist oft seitenlanges Lesen und Suchen in den Büchern/in der Software nötig. In dieser Zeit ist in Eigenarbeit eine individuelle Beschreibung oft schneller und präziser gelungen.

Zeugnisbereiche klar definieren und darstellen

Im Zeugnis sollten außer den Fächern, deren Beschreibung leichter vereinheitlicht werden kann, weitere Bereiche  beschrieben werden. Zum Beispiel: Ist der Schüler bei Unterrichtsgesprächen unkonzentriert, unsicher, ablenkbar oder bereichert er den Unterricht mit regelmäßigen Wortbeiträgen? Gibt es Wortmeldungen von ihm eher bei klar formulierten Fragen oder bringt er mit seinen eigenen, vielleicht kreativen, weitergedachten Beiträgen den Unterricht voran? Berichtet er begeistert oder monoton? Kann er Unterrichtsinhalte wiederholen, erklären oder auch begründen? Das müsste im Zeugnis als Feedback zu seiner Beteiligung konkret formuliert sein.

Das Arbeitsverhalten eines Schülers muss ebenso in die Beurteilung einfließen wie Faktoren, die über seinen Schulerfolg und seine Fähigkeiten, den Anforderungen gerecht zu werden, Auskunft geben. Zum Beispiel: Arbeitet der Schüler unkonzentriert, lenkt er sich und andere ab, ist er unsicher beim Arbeiten, traut er sich nachzufragen oder sitzt er bei Unwissen untätig da? Eine langsame Arbeitsweise ist sicher akzeptabel, am besten wird der Grund dafür deutlich benannt: Hat er Konzentrationsprobleme, Verständnisschwierigkeiten, Scham Mitschüler oder Lehrerin um Hilfe zu bitten oder sucht er Aufmerksamkeit durch Arbeitsverweigerung? Nach einem Schuljahr an Beobachtung findet der Lehrer hier sicher die richtige Formulierung dazu.

Wichtig, um Lernerfolge zu haben, ist ebenso das Sozialverhalten: Hier sollte der Umgang mit anderen und das Regel- und Konfliktverhalten beschrieben werden. Mischt sich ein Kind permanent in Spiel und Streit anderer ein oder gehört er zu den Streitschlichtern und sozialen, hilfsbereiten Schülern? Auch hier muss der Lehrer im Vorfeld genau beobachten, um das Sozialverhalten jedes Schülers genau beschreiben zu können. Während Schüler, die reinrufen, Wutausbrüche bekommen oder sämtliche Regeln übertreten, immer präsent sind, darf man die Beobachtung von stillen, schüchternen Schülern nicht außer Acht lassen, um auch ihre Stärken und Schwächen exakt notieren zu können.

Sind Arbeits- und Sozialverhalten beschrieben, so werden die Hauptfächer Mathematik und Deutsch einen Großteil des Zeugnistextes einnehmen. Neben der Beschreibung von Arithmetik, Größen und Geometrie in Mathematik ist im 1. Schuljahr ist in Deutsch die Leistungsbewertung zu den Bereichen Buchstabenkenntnis, Lesen, lautgetreues Schreiben, Schriftbild und Abschreiben sinnvoll. Zu den Nebenfächern können kurze Sätze, manchmal auch in Zusammenfassung mehrerer Fächer beschrieben werden. Hier sollten besondere Begabungen oder Schwierigkeiten deutlich hervorgehoben werden.
 

Kinderzeugnisse: Wie war ich im 1. Schuljahr?

Oft sind die Schüler voller Erwartung auf ihr erstes Zeugnis und dann ist die Enttäuschung groß, weil sie den langen Text erstens noch nicht vollständig selbst erlesen können und zweitens nicht verstehen. Daher ist es für die Schüler schön, wenn sie ein kindgerechtes, eigenes Zeugnis bekommen. In diesem sollten in erster Linie motivierende Sätze zu ihren Leistungen im 1. Schuljahr stehen.

Es empfiehlt sich drei Stärken und einen Tipp zu notieren, in der Form wie „Das kannst du toll: Du hast lesen, schreiben und rechnen gelernt. Du bist höflich und hilfsbereit mit allen Kindern der Klasse. Du kannst toll erzählen. Übe weiter beim Lesen.“

Diese Sätze können die Schüler selbst lesen und verstehen. Die Anzahl eines Tipps zur Weiterarbeit ist von ihnen in der Regel gut anzunehmen und umzusetzen. Hierzu sollte eine für den Lernerfolg zunächst wichtigste Schwäche ausgewählt werden.

Diagnostik — eine wichtige Basis für Berichtszeugnisse

Um die Schülerleistungen exakt einschätzen zu können, bietet sich vor dem Schreiben der Zeugnisse eine Diagnostik in einzelnen Bereichen an. Im Deutschunterricht könnte dies ein Übungsdiktat sein. Um den Leseprozess und das damit verbundene sinnerfassende Lesen zu analysieren, kann ein Bild mit drei ähnlich klingenden Worten zum Ankreuzen sowie ein Lesetext mit Malanweisungen für ein Bild Aufschluss bringen. In Mathematik können Aufgaben zur Zahlraumvorstellung mit Zahlendiktat, Zahlen ordnen, Rechenaufgaben im kleinen und großen Zahlbereich mit Addition und Subtraktion, Uhrzeiten, Sachaufgaben und geometrische Formen abgefragt werden. Dies kann die Aussagen zu den Leistungen der Fächer unterstützen und den erreichten Lernerfolg am Ende des 1. Schuljahres genau abbilden.

Als Klassenlehrer haben Sie in der Regel einen guten Überblick über den Leistungsstand der Schüler in ihren Fächern, ebenso wie das Arbeits- und Sozialverhalten. Sprechen Sie aber auch mit den Fachkollegen und tauschen Sie sich über die gemeinsamen Beobachtungen aus. So werden Sie das Ziel, persönliche, treffende, weiterbringende, verständliche Zeugnisse zu formulieren, erreichen.

Marion Keil

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