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Konzentration fördern

Strategien und Übungen zur Förderung der Konzentration

Viele Schüler/-innen sind im Unterricht unruhig und können sich schwer über einen längeren Zeitraum auf eine Sache fokussieren. Mit kleinen Übungen und neuen Ideen lässt sich die Konzentration im Unterricht (und zu Hause) steigern. 

Konzentration fördern: Strategien und Übungen zur Förderung der Konzentration Konzentriertes arbeiten müssen Kinder lernen © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

“Meine Klasse ist so unruhig. Die Kinder können sich einfach nicht konzentrieren.“ Eine Aussage, die man von Lehrkräften häufig hören kann. Auch manche Eltern beschweren sich, weil ihr Kind unruhig ist oder bei den Hausaufgaben nicht konzentriert arbeiten kann. Die Fähigkeit zur Konzentration ist eine wichtige Voraussetzung, um zu lernen. Wer schon länger mit Kindern arbeitet, weiß, dass Konzentrationsprobleme bei Schüler/-innen im Laufe der letzten Jahre enorm zugenommen haben. Diese Tatsache hat vermutlich mehrere Ursachen, die unter anderem auch auf unsere schnelllebige Zeit und die enormen Impulse, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind, zurückzuführen ist. Nicht zuletzt scheint der erhöhte Umgang mit digitalen Medien, Einfluss auf das Konzentrationsvermögen von Kindern und Jugendlichen zu haben. Eine Überreizung des Nervensystems kann zu einem erhöhten Erregungsniveau führen und das macht Kinder unruhig und unaufmerksam. Schlafmangel und Stress-Situationen sind auch Auslöser für Müdigkeit und Aufmerksamkeitsschwächen. Auf der anderen Seite konnten Lehrkräfte auch beobachten, dass das Homeschooling über einen längeren Zeitraum, bedingt durch die Pandemie, bei Schüler/-innen im Präsenzunterricht auch zu Lethargie, Lustlosigkeit und Problemen bei der Aufmerksamkeit geführt hat.  

Was bedeutet Konzentration?

Unter Konzentration versteht man die fokussierte Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum auf eine Handlung oder ein Thema. Je größer die Konzentrationsfähigkeit ist, desto länger kann sich jemand mit einer Sache beschäftigen. Umso interessanter ist zu beobachten, dass manchmal auch unruhige und unkonzentrierte Kinder bei ihrer Lieblingsbeschäftigung - sei es malen, bauen oder spielen – über einen längeren Zeitraum ruhig sitzen und sich fokussieren können. Dies zeigt einmal mehr, dass die Konzentrationsleistung von verschiedenen Faktoren abhängig ist. In diesem Fall erhöht der Spaß an der Handlung die Aufmerksamkeit. Doch Kinder müssen lernen sich zu konzentrieren, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auch auf andere Dinge zu fokussieren. Diese Fähigkeit kann man nicht auf Knopfdruck erzwingen.  Durch Druck von außen oder Ermahnungen erreicht man nur das Gegenteil. Sie muss geübt werden und erweitert sich durch die Verbesserung der Aufmerksamkeitspanne. Die Intensität und Dauer der Konzentration ist also einem Lern- und Reifungsprozess unterlegen und kann trainiert werden. Konzentration ist auch nicht zu jeder Zeit abrufbar, sondern sie hängt von verschiedenen Situationen ab.

Das Konzentrationsvermögen ist bei Kindern und Erwachsenen unterschiedlich und zeitlich begrenzt. Im Durchschnitt hält die Konzentration bei Kindern doppelt so lange wie ihr Alter. Das heißt, dass ein Erstklässler mit sechs oder sieben Jahren im Schnitt eine Aufmerksamkeitsspanne von 12-15 Minuten hat und Schüler/-innen mit 10 bis 12 Jahren 20 bis 25 Minuten. Ein psychologischer Sachverhalt, der wenig berücksichtigt wird, wenn man bedenkt, dass eine Unterrichtsstunde in der Regel 45 Minuten dauert. 

Konzentrationsprobleme – oder -störungen

Viele Schüler/-innen sind im Unterricht unruhig und können sich schwer über einen längeren Zeitraum auf eine Sache fokussieren. Das heißt jedoch nicht gleich, dass sie unter einer Konzentrationsschwäche leiden, die eine dauerhafte gestörte Konzentrationsfähigkeit bedeutet. In diesem Fall kann das Kind sich in keiner Situation über einen längeren Zeitraum intensiv beschäftigen. Diese Störung müsste diagnostisch abgeklärt werden und könnte eine neurologische oder psychosomatische Ursache haben (z. B. ADS oder ADHS).

Bei den meisten Schüler/-innen mit einer Konzentrationsproblematik gibt es möglicherweise keinen medizinischen Hintergrund. Sie tritt nur vorübergehend auf und ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Symptome, die sich in der Schule zeigen können

In der Schule kann man bei Schüler/-innen bei einer Konzentrationsproblematik möglicherweise folgende Auswirkungen beobachten:

  • Unruhe und Gereiztheit
  • Zerstreutheit
  • Die Hausaufgaben werden vergessen
  • Leichte Ablenkbarkeit
  • Flüchtigkeitsfehler schleichen sich ein
  • Ungeduld
  • Die Motivation ist eingeschränkt
  • Die Gedanken schweifen ab und der Blick geht in eine andere Richtung.
  • Bauchschmerzen oder Schwindelgefühl
  • Unaufmerksamkeit im Gespräch
  • Müdigkeit

Mögliche Ursachen 

Das Gehirn benötigt bestimmte Bedingungen, um sich konzentrieren zu können. Ein großer Faktor ist dabei wie schnell sich Schüler/-innen ablenken lassen. Wird schnell auf Klingeltöne, Vibrationen und Lärm reagiert oder hat der Schüler / die Schülerin gelernt, mehrere Dinge gleichzeitig machen zu können. Das hat Auswirkungen auf die Konzentrationsleistung. Dies geschieht beispielsweise, wenn die Konzentration auf ein Spiel oder eine Beschäftigung ständig durch neue Aufgaben oder Anfragen unterbrochen wird. Eine gestörte Konzentration hindert dann ein Kind, dem Unterricht in der Schule fokussiert zu folgen oder Inhalte zu behalten.

Verschiedene Voraussetzungen können zu Konzentrationsstörungen führen:

  • Schnell laufende Bilder, wie bei Internet oder Videospielen
  • Stundenlanger Gebrauch von digitalen Medien 
  • Die ständige Erreichbarkeit beim Smartphone
  • Schlafmangel durch zu spätes ins Bett gehen
  • Hohe Erwartungen und Leistungsdruck durch Erwachsene
  • Schlechte oder falsche Ernährung.
  • Ohne Frühstück in die Schule gehen
  • Psychische Belastung durch Konflikte innerhalb der Familie oder mit Freunden
  • Zu wenig Bewegung, Sport oder Spielen im Freien
  • Zu wenig Flüssigkeitszunahme
  • Zu viel Freizeitprogramm ohne Ruhephasen
  • Überforderung oder Demotivation
  • Gleichgültigkeit und wenig Unterstützung durch die Eltern

Ablenkungen passieren auf unterschiedliche Weise

Durch die fortschreitende technische und digitale Entwicklung werden Kinder und Jugendliche immer mehr Reizen ausgesetzt. Visuelle und akustische Impulse, nicht zuletzt auch eine Fülle an Freizeitangeboten oder überfüllte Kinderzimmer, führen zu einer Reizüberflutung. Kinder mit einer Konzentrationsproblematik lassen sich bei ihren Aufgaben leicht ablenken. Dazu gehören bestimmte Faktoren.

In der Schule:
  • Ein hoher Geräuschpegel stört. 
  • Der Arbeitsplatz ist überfüllt mit nicht benötigten Gegenständen.
  • Das Smartphone unter dem Tisch in der Klasse wird in der Hand gehalten und permanent beobachtet.
  • Der /die Tischnachbar/in redet die ganze Zeit.
  • Überforderung im Unterricht oder bei individuellen Aufgaben.
  • Ein Platz am Fenster kann ablenkend sein.
  • Konflikte in der Klasse belasten eventuell.
  • Unruhe entsteht auch durch die Angst vor einer Klassenarbeit
  • Entwicklungsbedingte Lebensphasen haben Einfluss ( z. B. die Pubertät).
  • Eine zu leise und unsichere Stimme der Lehrkraft zieht zu wenig Aufmerksamkeit.
Zu Hause:
  • Das Smartphone liegt neben den Hausaufgaben und wird ständig betrachtet, ob es klingelt oder vibriert.
  • Durch einen übermäßigen Gebrauch von digitalen Medien entsteht ein Suchtverhalten, dass von anderen Beschäftigungen ablenkt.
  • Der Arbeitsplatz ist überfüllt mit nicht benötigten Gegenständen.
  • Es gibt keinen festen Arbeitsplatz.
  • Im Fernseher oder Computer läuft während der Hausaufgaben ein Film.
  • Anwesende Personen unterhalten sich.
  • Es läuft laute Musik oder Hörspiel im Hintergrund.
  • Beim Schreiben oder Lernen wird gleichzeitig gegessen.
  • Spielende Geschwister befinden sich im gleichen Zimmer.
  • Spielzeug liegt  am Arbeitsplatz.

Motivation und Rhythmus fördern die Aufmerksamkeitsspanne

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es einfacher ist, sich auf einen Vortrag zu fokussieren, wenn er interessant und präsent vorgetragen wird. Nicht anders geht es Schüler/-innen im Unterricht. Durch motivierend gestalteten und rhythmisierten Lernstoff, kann die Konzentration gefördert werden. Hier helfen lehrerzentrierte Phasen im Wechsel mit Eigenaktivität der Schüler/-innen. Eingelegte Ruhephasen sorgen für eine gedankliche Erholung und neuen Konzentrationsschub für das Lernen.
Fällt ein Kind durch Unaufmerksamkeit besonders auf, kann es helfen, sich direkt danebenzustellen oder ihm einen Auftrag zu erteilen. 
Wenn Sie merken, dass der Geräuschpegel lauter oder die Schüler/-innen unruhiger werden, legen Sie durch Bewegung oder Entspannung eine kurze Pause ein. Dabei können die Schüler/-innen auf ihren Stuhl und wieder heruntersteigen oder einmal untereinander die Plätze tauschen und wieder zurücklaufen. Den Kopf auf die Arme und diese auf den Arbeitstisch legen und fünf Minuten ruhig tief ein- und ausatmen. Entspannte Kinder lernen besser. 

Positive Rückmeldung und Unterstützung erhöhen die Motivation und Aufmerksamkeit. 

Kurze Konzentrationsspiele

Eine gute Übung ist es, vor Beginn des Unterrichts, kurze Konzentrationsspiele einzu

  • Lassen sie die Schüler/-innen die Augen schließen und fragen Sie sie, was sie bei ihren Mitschüler/-innen beobachtet haben. Zum Beispiel: Wer trägt heute eine Brille? Wer hat heute eine blaue Hose an? Wer trägt ein rotes T-Shirt? Die Kinder müssen die Antworten geben und dabei die Augen geschlossen halten.
  • Lassen Sie Arbeitsaufträge oder Aufgaben für zu Hause von den Schüler/-innen wiederholen. Sie prägen sich auf diese Weise besser ein und die Wiederholung fördert die Aufmerksamkeit. Für manche Schüler/-innen ist es einfacher, konzentriert zu arbeiten, wenn sie allein sitzen und nicht abgelenkt werden oder sogar (auf jeden Fall freiwillig) Ohrenschützer tragen. Der/die betroffene Schüler/-in sollte die Entscheidung des ruhigen Arbeitsplatzes jedoch mit bestimmen.
  • In manchen Unterrichtsstunden (Kunstunterricht, Freiarbeit) kann eine ruhige Musik im Hintergrund die Konzentrationsspanne steigern.
  • Die Schüler/-innen sollen konzentriert eine schriftliche Aufgabe erledigen? Dann kann die Aufmerksamkeit mit einem Trick gesteigert werden. Fordern Sie Schüler/-innen einfach auf, nur das benötigte Heft oder Blatt auf den Arbeitstisch zu legen und alles andere wegzuräumen. 
  • Benutzen Sie für Einzelaufgaben einen Timetimer. Das ist eine Uhr, die man aufstellen kann und die rückwärts läuft. Sie unterstützt das Zeitgefühl für Kinder, verschafft ihnen Arbeitsstruktur und ist eine andere Anregung als das Smartphone mit Stoppuhr.
  • Fordern Sie die Schüler/-innen auf, die nach der Einzelarbeit als erste fertig sind, den Stift hinzulegen, nach vorne zu schauen und auf die anderen zu warten. Vielleicht gibt es auch ein „Lückenfüller-Heft“, in das man nach der ausgeführten Aufgabe hineinmalen kann, wenn man die anderen nicht stören möchte.

Übungen zur Konzentrationsförderung

  • Geben Sie den Schüler/-innen am Anfang einer Stunde eine Zahlenreihe oder mehrere Tiere oder Begriffe (je nach Alter 2-5 verschiedene) vor. Am Ende der Stunde soll jede/r auf einen Zettel schreiben, welche Reihenfolge der Begriffe oder Zahlen Sie vorgegeben haben. (Beispiel: Tiger – Maus – Wurm oder 5 – 12 – 7 - 20) Diese Aufgabe nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.
  • Ein Kind nennt ein Element (Wasser, Luft, Erde). Das Kind, welches als erstes ein Tier nennen kann, das dort lebt, darf das nächste Element vorgeben.
  • Dies kann man auch mit Ländern und Hauptstädten machen.
  • Erzählen Sie eine Geschichte. Die Schüler/-innen müssen mitzählen, wie oft das Wort xxx darin vorgekommen ist. Variante: Die Schüler/-innen müssen bei dem Wort xxx immer aufstehen oder sich bei einem anderen Wort zuwinken.
  • Lassen Sie Wörter rückwärts buchstabieren.
  • Lesen Sie mit den Schüler/-innen ein Gedicht. Der Reihe nach muss immer eine/r nach vorne kommen und eine Zeile auswendig an die Tafel oder das Whiteboard schreiben.
  • Achtsamkeit: Bitten Sie die Schüler/-innen die Augen für eine Weile zu schließen und bewusst wahrzunehmen, was sie in diesem Augenblick riechen, hören oder schmecken. Anschließend berichten sie über ihre Eindrücke.
  • Suchen Sie sich ein Kunstbild mit leichten Motiven oder nur Farben. Machen Sie ein Bildakt, in dem Sie den Schüler/-innen vorgeben, was sie malen sollen. Beispiel: Am unteren Rand des Blattes ist eine grüne Wiese. Auf der Wiese stehen verteilt rote und gelbe Blumen. In der Mitte steht ein Baum, usw.
  • Fordern Sie die Schüler/-innen auf, sich einen Gegenstand aus der Klasse auszusuchen und genau zu betrachten, ohne ihn zu holen. Nun dürfen sie der Reihe nach ihren Gegenstand genau beschreiben und die anderen müsse raten, um was es sich handelt.
  • Variante: Die Schüler/-innen haben etwas von zu Hause in ihre Tasche gepackt, was die anderen nicht sehen können. Sie beschreiben ihren Gegenstand aus dem Gedächtnis.
  • Motivieren Sie die Kinder zum Lesen, oder erzählen Sie zwischendurch eine Geschichte. Bei älteren Schüler/-innen können es auch Textpassagen aus Literaturvorgaben sein. Es schult das Zuhören und die auditive Wahrnehmung.

Bitten Sie die Kinder, sich neben ihren Tisch zu stellen.

  1. Mit dem Zeigefinger auf die Nase tippen.
  2. Die rechte Hand liegt auf dem Bauch und macht Kreise. Gleichzeitig liegt die linke Hand auf dem Kopf und bewegt sich hoch und runter.
  3. Mit dem Daumen der Reihe nach alle anderen Fingerspitzen der gleichen Hand nacheinander berühren. Hin und zurück. Wer kann, mit beiden Händen gleichzeitig.

Die Eltern müssen einbezogen werden
Damit Kinder und Jugendliche effektiv lernen können, brauchen sie ein gutes Gedächtnis und ausreichend Konzentration. Diese Fähigkeiten lassen sich nicht allein in der Schule trainieren, sondern sie müssen auch im Elternhaus gefördert werden. Beziehen Sie die Eltern mit ein und geben Sie ihnen Tipps, welche Übungen sie mit ihren Kindern zu Hause machen können. Eine Anregung kann sein, ein Medientagebuch zu führen, um den Gebrauch zu kontrollieren und der Sucht durch übermäßiges Benutzen digitaler Medien entgegenzuwirken. Der Hinweis auf genügend Bewegung für Ihr Kind, gesunde Nahrung und ausreichend Flüssigkeit ist für manche Eltern hilfreich. Nicht zuletzt auch die Nahrung für die Seele, denn Anerkennung, Lob und Unterstützung helfen Kindern und Jugendlichen, sich motiviert auf Handlungen und Themen zu konzentrieren.

Angela Hentschel


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