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Lernerfolg

Arbeitsverhalten fördern — bessere Leistungen erzielen

Wenn Schüler konzentriert, strukturiert,selbstständig und motiviert lernen, ist der Lernerfolg größer. Deshalb sollten alle Kompetenzfelder für ein gutes Arbeits- und Sozialverhalten gezielt und wiederholt gefördert werden.

Lernerfolg: Arbeitsverhalten fördern — bessere Leistungen erzielen Die Schüler lernen, gemeinsam mit einem Partner Aufgaben zu erledigen © Christian Schwier - Fotolia.com

„Alle Schüler kippen heute den Ranzeninhalt auf ihren Schultisch und räumen auf!“, verkündet die Klassenlehrerin zu Beginn der Deutschstunde. Während einige Schüler nur einen alten Sticker als überflüssigen Ballast finden, fallen bei Maja Kuscheltiere, zerknüllte Blätter, ein leerer Joghurtbecher, zerknitterte Hefte und Bücher aus der Schulbücherei über den Tischrand. Es ist nicht verwunderlich, warum sie zu den Schülern gehört, die weder ihre Hausaufgaben erledigen, noch Elternzettel rechtzeitig abgeben können. Ihre Ordnung hat somit Auswirkung auf ihr Lernen. Nachdem sie mit Tinas Hilfe alle Arbeitsmaterialien sortiert, eingeheftet und strukturiert im Ranzen eingeräumt hat, schreibt die Klassenlehrerin ihr ins Hausaufgabenheft, welche Materialien fehlen, denn auch die Elternbriefmappe ist verschwunden. Neben der äußeren Ordnung ist auch die innere Ordnung von Schülern maßgeblich für den Lernerfolg. Wer sich gut strukturieren kann, ist oft erfolgreicher. Neben den Schulleistungen spielt also das Arbeitsverhalten eine große Rolle und kann und sollte vom Lehrer unterstützt und gefördert werden.

Den Tag und den Unterricht strukturieren

Damit sich Schüler zeitlich und räumlich in der Schule zurechtfinden, sind vorgegebene Strukturen durch den Lehrer sinnvoll. Wie bei Maja ist nicht davon auszugehen, dass Eltern dies immer zu Hause leisten. Daher ist Zeit fürs Aufräumen unter dem Tisch und im Ranzen in der Schule oft nötig. Ebenso das Training eines verlässlichen Ordnungssystems. Hier könnte besprochen werden, dass die Materialien für die Hausaufgaben sowie das Hausaufgabenheft immer einen festen Platz im vorderen Fach des Ranzens haben. Ebenso ist eine Elternmappe für Briefe nach Hause sinnvoll, die sich ebenfalls vorn befindet. Unter dem Tisch können nicht benötigte Materialien gelagert werden. So fällt es Schülern leichter, sich an eine Ordnung zu halten.

Ebenso sollte der Unterrichtstag strukturiert werden. Dies geschieht mit Karten mit Motiven zu den Fächern. An einer festgelegten Wand im Klassenzimmer können die Fächerkarten den Stundenzahlen 1 bis 6 täglich neu zugeordnet werden. Ein Pfeil visualisiert für die Schüler, in welcher Stunde sie sich befinden. Zeigt der Pfeil beispielsweise auf 3 Deutsch, so wissen die Schüler, dass nun in der dritten Stunde Deutsch ist und sie noch zwei weitere Stunden Kunst bis nach der 5. Stunde haben.

Eine visuelle Unterstützung der Arbeitsphasen erleichtert weiterhin den Überblick. Plakate mit Symbolen zu Sitzkreis, Stillarbeit, Gruppenarbeit, Besprechung etc. erleichtern Schüler die räumliche Orientierung. Schreibt der Lehrer zusätzlich Arbeitsaufträge an die Tafel, sollten sich Nachfragen wie „Was sollen wir jetzt machen?“ erübrigen. Schüler, die bereits mit ihren Aufgaben fertig sind, können sich durch Schilder, die auf Zusatzmaterialien hinweisen, im Klassenraum besser orientieren und bewegen und sich hier mit weiteren Unterrichtsmaterialien versorgen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Viele Schüler müssen noch lange durch Kontrollen und Aufforderungen unterstützt werden. Neben der Erledigung der Schulaufgaben, muss hier das Aufschreiben und Erledigen der Hausaufgaben sowie der Bestand an vorhandenen Materialien wie bei Maja täglich kontrolliert werden. Dies kostet Zeit und Kraft, zahlt sich aber bei regelmäßigem und strengem Durchführen irgendwann aus. Auch Maja wird es irgendwann verinnerlicht hat.

Wichtig ist, dabei das Vorgehen immer wieder zu erklären, damit sich Maja nicht gegängelt fühlt. Weiß sie, warum sie die Unterstützung bekommt und erfährt sie, dass durch den ordentlichen Ranzen und die zuverlässige Erledigung ihrer Hausaufgaben ihr Lernerfolg steigt, so wird sie dies selbstständiger erledigen. Um den Lehrer in diesen Kontrollen früher oder später zu entlasten, ist ein zuverlässiger Hausaufgabendienst hilfreich. Hier gehen zwei oder drei Schüler herum und schauen nach, ob die Mitschüler die Hausaufgaben notiert und erledigt haben.

Leise, konzentriert und zügig arbeiten

Nicht alle Schüler schaffen es, konzentriert zu arbeiten. Bestenfalls sind sie leise und schauen aus dem Fenster, während die Mitschüler bereits eine Seite geschrieben haben. Für Schüler, die sich und die Nachbarn während der Arbeitsphase ablenken, ist Flüsterzeit oder Stillarbeitszeit sinnvoll. Hierbei darf nicht gesprochen oder nur geflüstert werden.

Schüler oder Schülergruppen, die dies schaffen, können durch einen Verstärkerplan motiviert werden. Eine Belohnung für leises Arbeiten könnte eine vorher vereinbarte Spielzeit sein.

Für „Träumer“ bietet sich die räumliche Isolation an. Vielleicht können sie in Arbeitsphasen an einem ruhigen Extratisch arbeiten bzw. einen ruhigen Sitznachbarn zugeteilt bekommen. Damit Schüler direkt mit dem Arbeiten beginnen, kann es ein akustisches Signal des Lehrers in Form einer Glocke geben. Außerdem motiviert es Schüler zum Anfangen, wenn der Lehrer die Namen der Schüler nennt, die bereits arbeiten.

Selbstständig zum Ziel kommen

Neben den Leistungen und der Strukturierung der Arbeitsprozesse ist die Selbstständigkeit eine wichtige Kompetenz für Lernerfolg. Schüler, die Probleme selbstständig lösen können bzw. wissen, wie sie sich Hilfe holen können, werden erfolgreich sein. Um dies zu fördern, sollten Schüler immer wieder zum Lesen der Arbeitsanweisung aufgefordert werden. Verstehen sie eine Sache nicht, können sie Hilfe bei einem Mitschüler oder Lehrer einfordern. Motiviert an einer Problemlösung dranzubleiben, ist bereits der Weg zur Lösung.

Zuhören und sich beteiligen

Zum Lernprozess gehört das aktive Zuhören bei Absprachen und Erklärungen ebenso wie die aktive Beteiligung. Auch wenn Schüler aus einem bildungsfernen Elternhaus stammen, können sie Informationen wiedergeben, wenn sie dem Unterricht folgen und Informationen verarbeiten. Dies sollte immer wieder gefördert werden.

Schüler, die sich schnell ablenken lassen, sollten hier dicht neben dem Lehrer sitzen, damit er sie bei Bedarf durch Auflegen der Hand auf die Schulter oder andere vereinbarte Signale wie Anschauen, Finger heben etc. „zurückholen“ kann. Schüchterne Schüler sollten immer wieder in Einzelgesprächen zur Mitarbeit aufgefordert werden. Hier ist beispielsweise eine Strichliste hilfreich. Immer wenn sich das Kind meldet und etwas sagt, darf es sich einen Strich machen. So wird zunächst die Quantität seiner Beiträge für alle transparent. Auch vorbereitete Redebeiträge helfen schüchternen, ängstlichen Schülern, sich am Unterricht zu beteiligen. Durch die Sicherheit der Richtigkeit ihres vorbereiteten Beitrags trauen sie sich nachfolgend eventuell auch im Unterricht spontan mehr zu. Bestenfalls treiben die Unterrichtsvorträge von Schülern den Unterricht voran und bereichern den Lernprozess für alle.

Für den weiteren Schulerfolg nach der Grundschule ist es oft wichtiger, wie Schüler sich beim Arbeiten verhalten. Lernen sie selbstständig, strukturiert, konzentriert und motiviert in vielen Lernbereichen, so gelingt in der Regel das Erbringen von positiven Leistungen automatisch.

Marion Keil

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