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Kinderwertemonitor

Familie und Freundschaft statt Geld und Besitz

Eine repräsentative Befragung ergab, dass den 6- bis 14-Jährigen traditionelle Werte besonders wichtig sind. Zwischen ihnen und ihren Eltern gibt es dabei kaum Abweichungen.

Kinderwertemonitor: Familie und Freundschaft statt Geld und Besitz Familie spielt für Kinder eine zentrale Rolle. Darin sehen Eltern und Großeltern genauso © Monkey Business - Fotolia.com

„Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben. Sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher und es wird ihr niemals gelingen, unsere Werte zu erhalten.“ — Mit diesem Zitat leitete 1987 Paul Watzlawick einen Vortrag im Evangelischen Bildungswerk Hospitalhof Stuttgart (min 4:08) ein. Amüsiert nahm das Publikum zur Kenntnis, dass es sich dabei nicht etwa um ein Zitat aus einem „etwas konservativen Provinzblatt von vorgestern“ handelte, sondern dass sich der Text auf einer babylonischen Tontafel findet, die sich etwa auf 1000 v. Chr. datieren lässt.

Scheinbar geht die ältere Generation seit mindestens 3000 Jahren davon aus, dass angesichts einer mutmaßlich verrohten jungen Generation ein Werteverfall unmittelbar bevorsteht. Damit gab es also schon damals die von Sozialwissenschaftlern als „Generationslücke“, englisch „generation gap“ bezeichnete „Diskrepanz zwischen aufeinanderfolgenden Generationen (Kindern, Eltern, Großeltern) im Hinblick auf Lebensorientierungen, politische und soziale Einstellungen, kulturelle Werte, Bildungsniveau usw.“, wie die Website wirtschaftslexikon.co das Phänomen definiert. Doch welche Werte sind den 6- bis 14-Jährigen heute wichtig? Und wie groß ist die Diskrepanz zwischen ihren Wertvorstellungen und Lebensorientierungen und denen ihrer Eltern?

Kinderwerte — Elternwerte

Für den GEOlino-UNICEF-Kinderwertemonitors 2014 beantworteten 1012 sechs- bis 14-jährige Kinder und Jugendliche sowie deren Mütter (1002) und Väter (846) die Frage „Kinderwerte: Was ist für Kinder im Leben wichtig?“ Die Ergebnisse zeigten große Übereinstimmungen zwischen Jung und Alt:

Für die Kinder standen „Freundschaft“, „Familie“, „Vertrauen bzw. Zuverlässigkeit“, „Geborgenheit“, „Ehrlichkeit“, „Bildung“, „Gerechtigkeit“ und „Hilfsbereitschaft/Schwächeren helfen“ im oberen Drittel ihres Werte-Rankings. Ganz hinten finden sich „Geld/Besitz“ und „Glaube“. Seit der letzten Erhebung 2010 haben „Gute Manieren“ (Platz 15), „Toleranz“ (Platz 18), „Umweltschutz“ (Platz 20) und „Durchsetzungsfähigkeit“ (Platz 21) um jeweils drei bis sechs Prozentpunkte leicht zugelegt.

Ganz ähnlich wie bei den Sprösslingen die Top-Five der Mütter (Ergebnisse, Folie 7), wenn auch in der Rangfolge mit kleinen Abweichungen: „Geborgenheit“, „Ehrlichkeit“, „Familie“, „Vertrauen/Zuverlässigkeit“ und „Freundschaft“. „Geld/Besitz“ und „Glaube“ auch in dieser Gruppe Schlusslicht. Vergleichbare Werte betonen auch die Väter (Ergebnisse, Folie 8), ganz oben steht bei ihnen aber „Ehrlichkeit“.

Von einer Generationslücke ist also — zumindest in dieser Altersgruppe noch — wenig zu merken, und: „Kindern sind traditionelle Werte besonders wichtig“, so lautet ein Fazit der Ergebnispräsentation (Folie 9).

Lehrer als Wertevermittler immer wichtiger

Wer ist für die Wertevermittlung zuständig? Auch in dieser Frage liegen Kinder, Mütter und Väter nah beisammen: „Die Eltern“ werden von 98 Prozent der Kinder und von jeweils 99 Prozent der Mütter und Väter in erster Linie als Vermittler von Werten gesehen. Rang zwei belegen bei den Kindern (81 Prozent), Müttern (89 Prozent) und den Vätern (87 Prozent) übereinstimmend die Großeltern. Und danach folgen direkt die Lehrer bei 80 Prozent der Kinder, 82 Prozent der Mütter und 77 Prozent der Väter.

„Seit 2006 stieg das Ansehen der Lehrer als Wertevermittler kontinuierlich“, so das Resümee in der Ergebnispräsentation (Folie 16): um 30 Prozentpunkte von 50 auf 80 Prozent.

Was allerdings die Vermittlung von Selbstbewusstsein anbelangt, zeigten sich die Mütter und Väter mit den Lehrern weniger zufrieden. Wenn auch „Selbstbewusstsein“ an sich keinen Wert darstellt, so ist doch ein gesundes Selbstwertgefühl zumindest eine wichtige Voraussetzung für ethisches Verhalten, zum Beispiel wenn es um Toleranz geht oder darum, Verantwortung zu übernehmen.

Freie Meinungsäußerung in der Schule? Fehlanzeige!

58 Prozent der Kinder finden es „total wichtig, sagen zu dürfen, was sie denken“. (Folie 20) Die meisten (über 60 Prozent) dürfen zu Hause ihre Meinung frei äußern und über 40 Prozent werden von ihren Eltern auch noch dazu ermutigt. Mehr als 50 Prozent beteiligen sich „im Freundeskreis gern an Gesprächen“. Im Klassenzimmer hingegen sind es nur etwa 30 Prozent. Und leider nur ein Fünftel der Kinder stimmt der Aussage zu: „Meine Lehrer fordern mich auf, meine Meinung zu sagen.“

Insgesamt ist Schule OK und belastet die Kinder wenig

Trotzdem gefällt es den Kindern überwiegend in der Schule: zu 37 Prozent „sehr gut“ und zu 50 Prozent „einigermaßen gut“. Und wie sehen das die Eltern? Mit dem Schulleben ist ein knappes Viertel von ihnen „sehr zufrieden“ und 56 Prozent der Mütter und 58 Prozent der Väter sind „meistens zufrieden“. (Folie 28) Auch das schulische Pensum insgesamt ist für die meisten befragten Schüler gut zu schaffen: „Drei Viertel aller Kinder kommen mit der Schulbelastung (sehr) gut klar“. (Folie 32)

Martina Niekrawietz

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