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Lehrer-Schüler-Beziehung

Lehrer ist für positive Lernmotivation entscheidend

Schüler, die bereits zu Schulbeginn nach ersten Misserfolgen resignieren, müssen vom Lehrer besonders unterstützt und begleitet werden. Dies gelingt besonders durch eine wohlwollende und ermutigende Beziehung zum Kind.

Lehrer-Schüler-Beziehung: Lehrer ist für positive Lernmotivation entscheidend Schüler, die durch den Lehrer unterstützt und motiviert werden, können mit Lernschwierigkeiten besser umgehen © highwaystarz - Fotolia.com

„Das verstehe ich sowieso nicht. Ich bin einfach zu dumm dazu“, antwortet Jan seiner Lehrerin, nachdem sie ihm die Aufgaben zum Zehnerübergang erneut erklären will. Nachdem die Schüler hochmotiviert in die Schule kommen und im ersten Schuljahr zunächst Ausdauer zeigen, wenn sie Aufgaben bearbeiten und sich rege am Unterricht beteiligen, lässt bei einigen diese positive Grundhaltung zum Lernen sehr schnell nach. Sie schätzen ihre Leistungsfähigkeit mit der Zeit sehr schlecht ein und sind oft schwer zum Lernen zu motivieren. Diese oft negative Selbsteinschätzung prägt das weitere Lernverhalten.

Gründe für das pessimistische Selbstkonzept

Wenn sich die ersten Schwierigkeiten beim Lernen ergeben, resignieren einige Schüler oft schnell. Jedes Kind will lernen, sein Bestes geben, Erfolge erzielen und dafür Anerkennung erhalten. Diese These ist kaum nachzuvollziehen, wenn man Schüler in den ersten Klassen bereits sagen hört: „Dazu hab´ ich jetzt keine Lust“, „Das ist mir zu schwer, das mache ich nicht“, „Ich kann nicht mehr, das mache ich morgen weiter“.

Doch hinter diesen vermeintlichen Entzugs- und Verweigerungstaktiken der Schüler steckt ein anderer Grund: Die Angst zu versagen, nicht anerkannt zu sein, die gewünschte Leistung und den damit verbundenen Erfolg mit Lob und Würdigung nicht zu erzielen.

Durch Schutzbehauptungen wie „das passt mir jetzt gerade nicht, das mache ich ein anderes Mal“ entziehen sie sich der Anforderung und umgehen die schmerzliche Erfahrung zu scheitern.

Gerade Schüler mit niedriger Frustrationstoleranz neigen zum schnellen Aufgeben, einer Unsicherheit, die sie hinter „coolen Sprüchen“ verstecken. Für dieses mangelhafte Selbstbildnis sind die Ursachen vielfältig: Erwartungen der Eltern erfüllen wollen, angstbesetzte Erziehung, im Schatten der Geschwister leben, niemanden enttäuschen wollen, alles allein schaffen wollen, schlechte Lernerfahrungen, vor den Freunden nicht dumm dastehen wollen etc. Das negative Selbstkonzept hat sich manchmal bereits vor der Schule gefestigt. Da aber genetisch der Wille zum Lernen da ist und die negative Einstellung erlernt ist, kann man sie auch wieder in positive Bahnen lenken. Ein Optimismus im Hinblick auf die eigene Leistungsfähigkeit muss neu erlernt werden. Hier ist der Lehrer von Anfang an gefordert, die Schüler zu motivieren und ihnen positive Lernmomente zu verschaffen, damit die negativen Lerngedanken nicht zur selbsterfüllenden Prophezeiung bei den Schülern werden.

Wege zu einem optimistischen Selbstbild  

Kennt man die Hintergründe von Lernverweigerung, so weiß man, dass „keine Lust“ des Schülers heißt, dass er den Lerninhalt nicht verstanden hat und seine Aufgaben nicht ohne Hilfe bewältigen kann. Hier benötigt der Lehrer neben motivierenden Worten wie „Komm, wir probieren es mal gemeinsam“ oder „Du schaffst das, mit wem würdest du denn gerne zusammenarbeiten?“ ein Repertoire an Hilfsangeboten und differenzierenden Maßnahmen, damit sich der Schüler auf die Aufgabe einlässt.

Der Lehrer kann beispielsweise Fördermaterial bereithalten. Oder die Fragestellung gemeinsam mit dem Schüler noch einmal lesen, gegebenenfalls vorlesen und besprechen beziehungsweise die Aufgabe in anderen Worten neu erklären. Oft hilft bereits die Tatsache, dass der Lehrer in der Nähe des Schülers bleibt und er sich bei Bedarf rückversichern kann.

Bewährt hat sich, dass diejenigen Schüler, die noch Hilfe in der Arbeitsphase benötigen, Rückfragen haben oder einfach Zuspruch benötigen, während der Arbeitsphasen in der Klasse an einem Extra-Gruppentisch in der Nähe des Lehrers sitzen. Oft kommen zunächst viele Schüler mit ihren Heften und Büchern an den Tisch, die, nachdem sie mit dem Arbeiten begonnen haben und sich sicher fühlen, wieder an ihren eigenen Tisch zurückkehren. Viele Schüler genießen einfach das „Kümmern“ des Lehrers und seine Aufmerksamkeit am Tisch, obwohl sie gar keine Unsicherheiten mehr haben. Mit dieser Gemeinsamkeit signalisiert man als Lehrer seine Bereitschaft, als Helfer da zu sein.

Bei leistungsschwachen Schülern reicht von Anfang an das Signal: „Ich erkläre es dir nochmal und dann kannst du es“ oft nicht aus. Diese Schüler benötigen differenziertes Material. Sie sind beispielsweise mit langen Lesetexten im Deutschunterricht überfordert und benötigen zum Lesen groß geschriebene, kurze Texte mit Silbenkennzeichnung. Beim Üben von Lernwörtern müssen sie die Wörter zunächst länger verinnerlichen, um sie aus dem Gedächtnis aufschreiben zu können.

Sie sind mit „Rechenkonferenzen“ überfordert, bei denen die Schüler sich Rechenwege überlegen und ihren eigenen auswählen sollen. Hier muss der Lehrer ihnen den leichtesten Weg präsentieren und sie Aufgaben immer wieder zerlegen und in Schritten rechnen lassen. Legematerial ist zur Visualisierung der Zahlen noch lange nötig und Hilfsmittel wie Zahlenstrahl, Rechentafel etc. sollten für sie im Klassenraum bei Bedarf bereit liegen. Oftmals hilft bei diesen Schülern, für die eine „normale Fülle“ von

Arbeitsaufträgen aufgrund der Anzahl an zu erledigenden Aufgaben ein Grund zum Aufgeben ist, die Aufgaben nach und nach zu geben oder zu reduzieren.

Immer muss der Schüler spüren, dass er Hilfen anfordern und bekommen kann, sei es durch eine zusätzliche Erklärung durch den Lehrer oder einen anderen Schüler seiner Wahl, der es ihm nochmal in für ihn verständlicherer „Kindersprache“ erklärt.

„Lerntandems“, bei denen leistungsstarke mit leistungsschwachen Schülern im Partnerteam arbeiten, sind hier ebenfalls sinnvoll. Auch durch Hilfen in Form von Material, differenzierten Arbeitsblättern oder besonderen Absprachen mit dem Lehrer fühlt sich der Schüler oft bereits entlastet und kann die an ihn gestellten Aufgaben erfolgreich bewältigen.

Empathische Begleitung der Lernprozesse

Wichtig ist für den Lehrer, keinen Schüler aus den Augen zu verlieren, ihm zu zeigen, dass es immer eine Möglichkeit zur Verbesserung gibt und er wieder positive Gefühle zum Lernen aufbauen kann. Die Lehrer-Schüler-Beziehung spielt dabei eine große Rolle.

Warum nicht einfach einen Schüler in einem Gespräch darauf hinweisen, dass er auf die Unterstützung des Lehrers beim Lernen zählen kann. Ihm ermöglichen, eine Aufgabe nach dem Unterricht oder in einer Förderstunde nochmal ohne die neugierigen Blicke der Mitschüler zu bearbeiten oder durchzusprechen. Oder ihm bei misslungenen Aufgaben noch einmal Zeit geben, um die Arbeit zu verbessern — als Signal für den Schüler, dass er es durch mehr Zeit,  Übung und Zutrauen doch kann. Überhaupt ist die Tatsache, dass der Lehrer einem Schüler zutraut, dass er erfolgreich sein wird, neben allen Hilfen die größte Unterstützung, um ihn für die Erreichung seiner Ziele zu motivieren.

Marion Keil

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