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Lösungsstrategien

Schulsachen vergessen – Lösungsorientiertes Arbeiten mit Kindern

Immer wieder ein leidiges Thema: Manche Schüler vergessen häufig ihre Schulsachen. Das stört nicht nur den Unterrichtsablauf, sondern erschwert auch die Mitarbeit der betreffenden Schüler. Lösungsorientierte Ansätze helfen, gemeinsam mit diesen Schülern Ordnung in das eigene Chaos und die Schultasche zu bringen.

Lösungsstrategien: Schulsachen vergessen – Lösungsorientiertes Arbeiten mit Kindern Wenn die Schultasche richtig gepackt ist, ist das ein nicht zu unterschätzendes Erfolgserlebnis für das Kind © kids.4pictures - Fotolia.com

„Marius, hast du wieder dein Lesebuch vergessen?“ – Wie viel einfacher wäre das Unterrichten, wenn alle Kinder immer die richtigen Materialien dabei hätten. Doch wie können sie als Lehrer intervenieren?

In manchen Familien leiten die Eltern ihre Kinder ab der ersten Klasse dazu an, nach den Hausaufgaben oder am Abend die Schultasche zu packen. Manche Kinder schaffen es von sich aus, andere benötigen Unterstützung durch den Lehrer.

Hier gibt es verschiedene Herangehensweisen:

Möglichkeit 1: Ein Telefonat mit den Eltern. Manchmal genügt schon ein kleiner Tipp, am Nachmittag oder Abend gemeinsam mit den Kindern die Schulsachen für den nächsten Tag zu packen. Dies funktioniert aber je nach Elternhaus nicht immer.

Möglichkeit 2: Theoretisch könnten sie auch dem Kind vorgeben, wie es vorgehen sollte: auf den Stundenplan schauen und alle Materialien einpacken, die am  nächsten Tag gebraucht werden. Leider funktioniert gerade das häufig nicht. Stattdessen sollten man einen lösungsfokussierten Ansatz mit dem Kind erarbeiten.

Individuelle Lösungen mit dem Kind erarbeiten

Die Lebenssituation jedes Kindes ist anders, deshalb kann auch nur eine individuelle Lösung funktionieren. Schaffen Sie die Gelegenheit, mit dem Kind allein  und ungestört zu reden. Grundregel dabei ist: Fragen Sie das Kind direkt an, was passieren muss, damit die Schultasche richtig gepackt wird. Fordern Sie das Kind immer wieder auf, Lösungen zu finden, statt sich durch  Entschuldigungen und Rechtfertigungen vor einem Lösungsvorschlag zu drücken. Hier kommt es sehr darauf an, genau hinzuhören und das Kind bei der Lösungsfindung zu unterstützen.

Das Kind muss am Ende des Gespräches einen genauen Handlungsablauf im Kopf haben, damit es weiß, was es im Einzelnen zu tun hat. bzw. welche Schritte notwendig sind, um die Aufgabe zu erfüllen.

1. Schritt

„Was müsste geschehen, damit du alles für die Schule dabei hast?“ Um überhaupt den Ranzen packen zu können, muss das Kind auf den Stundenplan schauen. „Wo ist dein Stundenplan?“ Ist der Stundenplan nicht mehr auffindbar, sollte das Kind einen neuen Stundenplan anfertigen. Bei leseschwachen Kindern empfiehlt es sich, den einzelnen Fächern Farben und Symbole zuzuordnen, damit diese sich im Alltag einen schnelleren Überblick verschaffen können.

2. Schritt

„Gut, jetzt haben wir einen Stundenplan, auf dem du nachschauen kannst, was du am nächsten Tag brauchst. Was musst du immer für „Deutsch“ einpacken?“

Klären Sie im Gespräch, ob das Kind sicher weiß, was es für  das jeweilige Fach benötigt. Wenn nicht, erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Kind einen Plan, was es für jedes Fach einpacken muss. Arbeiten Sie auch hier evt. mit Symbolen.

3. Schritt

„Du hast einen Stundenplan und weißt, was du für die einzelnen Fächer mitbringen musst. Wo liegen zu Hause denn immer deine Hefte und Bücher?“

Vereinbaren Sie mit dem Kind – und später ggf. in einem Telefonat mit den Eltern – einen festen Platz für alle Schulsachen. Besprechen Sie auch, wo ein Stundenplan hängen/liegen sollte, damit das Kind immer den Plan und die Schulsachen in räumlicher Nähe hat.

Manche Kinder haben keinen eigenen Schreibtisch und im Extremfall kein Regal oder anderen festen Platz für ihre Schulsachen. In manchen Wohnungen herrscht auch einfach nur Chaos und die Kinder haben nie gelernt, dass bestimmte Dinge feste Plätze haben sollten, damit man sie wiederfindet. Wenn das womöglich der Fall sein sollte, besorgen Sie einen Karton, in dem das Kind seine Sachen aufbewahren kann und besprechen Sie, an welchem Ort in der Wohnung dieser Karton am sichersten stehen könnte. Auch hier ist ein Gespräch mit den Eltern sinnvoll.

4. Schritt

„Jetzt hast du deinen Stundenplan, weißt, was du für jedes Fach einpacken musst und hast deine Bücher und Hefte immer beisammen liegen. Was müsstest du als Nächstes tun?“

Dieser Schritt ist für die Kinder nun ganz einfach, sie erkennen, dass man nur auf den Plan gucken muss und für die jeweilige Stunde einpacken muss. Achten Sie darauf, dass die Kinder ein systematisches Vorgehen wählen: erst für die erste Stunde einpacken, dann für die zweite usw. Einige Kinder neigen zu willkürlicher Vorgehensweise, da kann dann schon mal eine Fachstunde übersehen werden.

5. Schritt

„ Wann wirst du in Zukunft immer deine Schultasche packen?“ Finden Sie mit dem Kind heraus, wann es am günstigsten im Familienalltag ist, die Schultasche zu packen: nach den Hausaufgaben, vor oder nach dem Abendbrot etc. Das Packen der Tasche frühmorgens in aller Eile vor der Schule ist kein optimaler Zeitpunkt.

6. Schritt

Loben Sie das Kind, dass es nun einen genauen Plan hat, wie es vorgehen muss. Bitten Sie das Kind, noch einmal genau zu erzählen, was es wann und wie macht. Halten Sie das Ergebnis ihrer gemeinsamen Lösung schriftlich oder mit einem Bild fest. Wenn es die Schultasche gepackt hat, soll es noch einmal kontrollieren, ob auch nichts vergessen wurde.

7. Schritt

Motivieren Sie das Kind, dieses jeden Tag zu tun, indem Sie ihm einen „Sonnenschein-Plan“ geben: mit Spalten für  das jeweilige Datum und den Vermerk „Auf den Stundenplan geschaut und für den Schultag alles eingepackt“.

Für jeden Tag, an dem der Schüler alles Notwendige für die Schule eingepackt hat, zeichnen/stempeln Sie eine Sonne. Wenn das Meiste da ist, eine Wolke, und wenn sehr viel vergessen wurde, Regen.

Loben Sie das Kind jedes Mal, wenn es alles dabei hat und motivieren Sie es, wenn es mal nicht so geklappt hat, indem Sie darauf hinweisen, dass es das schon einmal geschafft hat und wieder schaffen kann.

Ruth Hölken

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