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Regelkonformes Verhalten

Schwierige Schülerinnen und Schüler — eine Herausforderung

Der Umgang mit schwierigen Kindern fordert den Lehrer immens. Wenn Kinder nicht abwarten, stillsitzen und sich an Regeln halten können, ist dies eine Belastung für das Unterrichtsgeschehen. Umso nötiger ist es, sich Maßnahmen zu überlegen, die in dieser Situation hilfreich sind.

Regelkonformes Verhalten: Schwierige Schülerinnen und Schüler — eine Herausforderung Regeln und Rituale helfen Schülern, die aus der Reihe tanzen, sozial verträgliches Verhalten einzuüben © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Was mache ich bloß mit meinem schwierigen Schüler?“ Viele Lehrerinnen und Lehrer beklagen täglich Unterrichtsstörungen. Regelunkonformes Verhalten von Kindern zu Schuleintritt kommt häufig vor. Treffen auch noch mehrere Kinder in einer Klasse aufeinander, deren Sozialverhalten nicht angemessen ist und die sich gegenseitig beeinflussen, so ist dies kein leichtes Arbeiten. Es müssen Maßnahmen überlegt werden, um für alle Schüler eine angenehme Klassenatmosphäre und ein entspanntes Lernen zu ermöglichen. Dazu müssen verschiedene Überlegungen zur Struktur, zu Konsequenzen, zu Gesprächen und für Hilfen überlegt werden.

Strukturen schaffen und Sicherheit bieten

Die Sitzordnung spielt für die Kinder eine entscheidende Rolle. Optimal arbeiten Kinder mit geeigneten Lernpartnern. Allerdings sitzen in unruhigen Klassen die Kinder zunächst am besten frontal zur Tafel. Auch wenn hier „Old School“ mit Zweiertischen hintereinander und Lücke extrem veraltet daherkommt, so ist es doch hilfreich und zunächst effektiv. Haben alle Schüler erst einmal gelernt zuzuhören, kann diese Tischordnung immer wieder verändert werden.

Effektiv ist ebenso die Einrichtung eines festen Sitzkreises: egal ob mit Sitzbänken oder Stühlen. Um einen ruhigen Beginn des Tages im Sitzkreis und für Erklärungsphasen zu initiieren, ist es sinnvoller, die Kinder tragen nicht ihre Stühle durch den Raum. Eine feste Installation ist weniger konfliktanfällig. Wenn hier wie an den Tischen Namensschilder angebracht sind, gibt es auch keine täglichen Diskussionen zur Sitzordnung. Ideal sind hier beispielsweise Garderobenbänke von Möbelhäusern.

Gleiche Rituale jeden Tag sorgen für Sicherheit: Hausaufgaben nachschauen, Morgenkreis, Beginn mit Deutsch (auch täglich gleicher Ablauf im Buchstabenlehrgang etc.), Flitzepause, Mathe, Hausaufgaben notieren, Fantasiereise etc. ... Wenn die Tage möglichst überschaubar und gleich gestaltet werden, kommt Ruhe und Sicherheit in die Klasse.

Ebenso bietet ein gleicher Stundenaufbau Orientierungsmöglichkeiten für die Schüler. Ein gleicher Stundenablauf sorgt dafür, dass die Kinder wissen, was auf sie zukommt. Hier hat sich beispielsweise bewährt: Nachschauen der Hausaufgaben, Plenum mit Erklärung neuer Inhalte, je nach Bedarf kurze Partnerarbeit zum Umsetzen des neuen Inhalts, Einzelarbeit, Erklärung, Verteilen und Notieren der Hausaufgaben. Wer es ganz genau möchte, schreibt auch diese Schritte an die Tafel wie zum Beispiel:

1. Stunde Deutsch:

  1. HA
  2. Tafel: Nomen
  3. PA: Nomen ordnen
  4. Einzeln: Weiterarbeit Heft
  5. HA: Nomen

Im 1. Schuljahr entsprechend mit verabredeten Zeichen dazu wie gemalter Tafel, zwei Strichmännchen für Partnerarbeit, eins für Einzelarbeit, Heft für Hausaufgaben etc. So können sich die Kinder orientieren und wissen bereits zuvor, wann Aufmerksamkeit von ihnen erwartet wird.

Phasenwechsel sind unbedingt nötig: je kleiner die Kinder, je öfter, da ihre Konzentrationsspanne noch kurz ist. Diese sollten bereits bei der Unterrichtsvorbereitung, evtl. auch mit den Wortlauten für kurze Erklärungsphasen, berücksichtigt werden. Zum Sammeln der Kinder für Erklärungsphasen können hier alle mithilfe von Zeichen (zum Beispiel Signalkarten) oder Anweisungen zum Mitmachen aufgefordert werden. Ebenso kann mit leiser werdender Musik oder leiser werdenden rhythmischen Bewegungen zum Zuhören animiert werden. Bewegungspausen, kleine Erzählrunden, Klassenspiele für zwischendurch oder Fantasiereisen lockern den Unterricht auf und sorgen für neue möglichst motivierte und konzentrierte Arbeit danach.

Konsequenz und immer wieder Konsequenz

Nicht müde werden, immer wieder Regeln und Aufgaben anzusagen und kleinschrittig einzufordern, das ist die große Kunst! Egal ob zur Ordnung, zum Arbeitsverhalten oder dem Sozialverhalten: Der Lehrer sollte sich nicht erweichen lassen und geduldig warten und ermuntern, bis die Anweisungen befolgt werden. Werden Regeln missachtet, müssen sinnvolle Konsequenzen folgen wie Wiedergutmachungsbrief, Nacharbeiten, Auszeit etc. Die Einbeziehung der Eltern und Mitteilungen über das Hausaufgabenheft, Telefongespräche oder Mails sind unerlässlich, damit auch zu Hause immer wieder Regeln besprochen werden.

Feedback für die Kinder

Positive Verstärker, z. B. durch verteilte Smileys,  haben sich zur Verbesserung des Arbeits- und Sozialverhalten bewährt, am besten parallel zu einem direkten Lob und einer Wertschätzung von guten Taten. Bei nicht gelungenen Aktionen kann ein Tipp, wie es beim nächsten Mal besser gemacht werden kann, gegeben werden. Manche Kinder haben Dinge nicht anders (als falsch) gelernt und verstehen gar nicht, was sie falsch gemacht haben. Hier ist ein Hinweis des Lehrers oder anderer Kinder hilfreich.

Hilfen für regelkonformes Verhalten

Unterstützend kann der Lehrer für Kinder folgende Hilfsmaßnahmen vereinbaren: ruhiger Platz, vereinbarte nonverbale Signale zum Erinnern an Regelverstöße, 1-2-3-Auszeit-Regel, festgelegte Arbeitszeit (beispielsweise leises Arbeiten mit Küchenuhr oder Lärmampel kontrollieren), evtl. Sonderaufgaben wie Zeitwächter, Hausaufgabenkontrollhelfer, Sitzkreiskoordinator etc. sorgen für das Selbstwertgefühl der Kinder.

Das Angebot einer Sprechstunde mit der Lehrerin, um über Probleme zu sprechen, aber auch Ziele zu vereinbaren, nehmen Kinder oftmals gern an. Im Zweiergespräch kommen oft Ängste und Probleme der Kinder zutage, die so nicht offensichtlich waren. Diese Probleme können dann gemeinsam gelöst werden und die Lehrerin kann das Verhalten des Kindes besser verstehen und es begleiten auf dem Weg zu einer Verhaltensänderung.

Zur Sprechstunde kann man neben dem freiwilligen Angebot auch Kinder bestellen. Hier können Lehrer ihnen ihr Verhalten versteckt als Beschreibung eines Tieres oder des Klassenmaskottchens benennen und das Kind sagen lassen, was es dem Tier raten würde, um besser klarzukommen. Oftmals besteht über ein anderes Medium die bessere Möglichkeit zur Selbstreflexion, Hilfen zu überlegen, anzunehmen und umzusetzen.

Wenn Lehrer frühzeitig und konsequent das Arbeits- und Sozialverhalten Ihrer Schüler fördern, schaffen Sie ein positives Lernklima, das durch gegenseitige Wertschätzung geprägt ist.

Marion Keil

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