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Sozialverhalten trainieren

Sozialkompetenz lässt sich nur gemeinsam lernen

Ein friedliches, freundliches und wertschätzendes Miteinander ist Voraussetzung für ein gutes Lernklima. Umso wichtiges ist es, von Anfang an die Sozialkompetenz der Schüler zu trainieren.

Sozialverhalten trainieren: Sozialkompetenz lässt sich nur gemeinsam lernen Durch Spiele lässt sich der Gruppenzusammenhalt stärken © pololia - Fotolia.com

„Warum lässt sich Maximilian immer wieder auf die Provokationen seiner Mitschüler ein und prügelt sich mit Jan, er ist doch so intelligent?“, fragt die Klassenlehrerin der 3b ihre Kollegin. Eine Antwort hat diese darauf nicht parat. Fakt ist, dass intelligente Schüler sich nicht immer auch sozial verhalten. Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (Dipf) in Frankfurt hat dazu herausgefunden, dass sich Intelligenz und moralisches Denken unabhängig voneinander entwickeln. Diese Forschungsergebnisse bei Grundschülern bedeuten, dass auch intelligente Schüler durchaus in ihrer Sozialkompetenz Förderbedarf haben und sich nicht wie vermutet aufgrund ihrer Intelligenz fair, gerecht und zuvorkommend gegenüber Mitschülern verhalten. Die Erziehung der Schüler zu sozialkompetenten Partnern spielt daher für alle Schüler eine Rolle und sollte im Grundschulunterricht nicht vernachlässigt werden.  

Höflichkeitsbekundungen und Komplimente

Das soziale Miteinander und eine positive Klassenatmosphäre sind wichtig für entspanntes und motiviertes Lernen von Grundschülern. Es sollte daher mit besonderen Maßnahmen im Unterricht und generell im Umfeld Schule gefördert werden. Zunächst geht es um den freundlichen Umgang der Schüler untereinander und gegenüber Lehrern und anderen erwachsenen Personen. Neben den eigentlich selbstverständlichen Höflichkeitsbekundungen wie „Bitte“, „Danke“, „Entschuldigung“ und „Guten Morgen!“ wünschen sich alle freundlich und zuvorkommend angesprochen zu werden. 

Dies muss vom ersten Schultag an mit den Schülern eingeübt werden. Hierbei spielt die Vorbildfunktion des Lehrers eine entscheidende Rolle. Immer wieder kann er durch seine ruhige und freundliche, aber bestimmte Ansprache an Schüler das Klassenklima prägen und mitbestimmen. Spielerisch kann dies durch sogenannte „Höflichkeitstage“ eingeübt werden, an denen die Schüler ganz besonders auf einen Wortlaut achten. Zum Beispiel, dass sie am ersten Übungstag immer wenn sie etwas möchten oder bekommen „Danke“ sagen und so weiter. 

Besonders wirksam und witzig ist es auch, an einem Tag oder in einer Unterrichtsstunde überzogene Komplimente zu geben. Diese übertriebene Höflichkeit macht Spaß und sorgt für ein entspanntes und positives Lernklima. Oft fordern die Schüler dies auch für weitere Tage ein. Gleichzeitig trainiert diese Übung den Wortschatz der Schüler an höflichen Worten.

Lasst Taten sprechen

Ein respektvoller, kollegialer Umgang miteinander kann ebenso durch „gute Taten“ eingeübt werden. Hierzu kann jeder Schüler einen Namen eines Mitschülers und eine sogenannte „gute Tat“ per Losverfahren ziehen. Diese „Wohltat“ soll er dann im Laufe des Schultages geheim ausführen. Dies kann zum Beispiel das gemeinsame Spielen in der Pause, die Hilfe im Unterricht o. Ä. sein. Die „geheime Mission“ motiviert die Schüler in der Regel besonders und im Feedback wird deutlich, dass es ein positives Gefühl ist, jemand anderem etwas Gutes zu tun. 

Lob und Kritik äußern

 Keiner mag Angeber und Besserwisser. Dies aber erfahren Schüler oft, die ihre Stärken herauskehren und ihre Schwächen überspielen müssen. Schüler, die ihre Stärken und Schwächen realistisch einschätzen können, haben oft ein gutes Selbstwertgefühl und müssen nicht prahlen oder sich kleinmachen vor anderen. 

Sich selbst realistisch einzuschätzen ist daher ein weiteres Ziel für ein angemessenes Sozialverhalten. Da einige Schüler Probleme damit haben, sich selbst und ihre Außenwirkung wahrzunehmen, ist es immer wieder notwendig, ihnen ihr Verhalten von außen zu spiegeln. 

Auch Kritik über sich zu hören und einzustecken, ist nicht immer einfach und sorgt häufig für Streit, weil Schüler sich ungerecht behandelt oder beleidigt fühlen, wenn sie von Mitschülern ungefilterte Kritik an ihrer Person und ihrem Verhalten erfahren. Eine gute Möglichkeit, Kritik so zu äußern, dass sie angenommen werden kann, ist das Vorgehen mit „Lob und Tipp“. Ein Beispiel: Die Schüler  nennen  einem Mitschüler zu seinem Referat zunächst drei positive Dinge in Form von „Lob“. Anschließend erfolgt eine Runde mit drei „Tipps“, was besser gemacht werden könnte. 

Durch die Verpackung der Kritik als positiv formulierter Hinweis können die Schüler dies sehr gut annehmen und reflektieren, meist sogar beim nächsten Mal bereits anwenden und umsetzen. Ebenso kann diese Methode auch das Verhalten positiv beeinflussen: „Du könntest es beim nächsten Mal höflicher sagen“.

Eine weitere Form von weich „verpackter“ Kritik sind „Ich-Botschaften“, die mit den Schülern eingeübt werden sollten. Ein Satz klingt freundlicher mit „Ich wünsche mir, dass du nicht gleich wütend wirst“ als „Du flippst immer gleich so aus!“. In dieser höflichen Rückmeldeatmosphäre werden Schüler lernen, immer offener mit ihren Stärken und Schwächen umzugehen. Das Signal des Lehrers, dass keiner perfekt ist, unterstützt weiterhin das ehrliche Miteinander.

Sich für andere einsetzen

Immer mehr Schüler kommen „ich-bezogen“ zur Schule. Viele haben soziale Tugenden wie Mitgefühl oder Hilfsbereitschaft nicht mehr gelernt und verinnerlicht. Hier kann die Schule durch einfache Übungen unterstützen. Ein Helfersystem während Arbeitsphasen ist einfach zu initiieren und hält alle zu Hilfsbereitschaft an. Jeder Schüler kann dazu eine „Helferhand“ als Pappsymbol basteln, die er aufstellt, wenn er Hilfe von Mitschülern möchte. Auch Klassen- oder Schuldienste wie Tafel putzen, Klasse kehren oder Müll wegräumen etc. fördern das Gemeinschaftsgefühl. 

Streit friedlich klären 

Gewaltfrei Konflikte zu lösen ist ein weiteres Ziel für sozialverträgliches Verhalten. Nun gibt es unter Schülern immer mal wieder kleine oder große Streitereien. Einige Schüler werden schnell aufbrausend und können sich nur mit Gewalt wehren. Diese kann verbal oder körperlich sein. Hier sind zunächst Methoden sinnvoll, die den Wütenden selbst beruhigen. Sie können im Klassenraum mit allen Schülern trainiert werden, bevor es zu Konflikten kommt: Zum Gewaltabbau können sich Schüler beispielsweise wegdrehen, bis zehn zählen, die Hand zur Faust ballen, die Zähne zusammenbeißen oder sich ein Entspannungsbild (Achterbahn, Strand, Haustier …) für den Fall eines Wutausbruchs denken. 

Gut ist es auch, einen Ansprechpartner im Streitfall zu kennen. Dies kann neben dem Lehrer auch ein vertrauter und friedliebender Mitschüler sein. Zudem kann der Lehrer mit den Schülern besprechen, wohin sie gehen können, wenn die Wut zu eskalieren droht. Ein Ort, um sich zu beruhigen, könnte beispielsweise der Musikraum oder ein anderer Raum der Schule sein.

Auf der anderen Seite der Streitpole müssen Schüler auch lernen, Grenzen zu setzen und zu signalisieren, dass eine solche überschritten wurde. Die vor dem Körper ausgestreckte Hand mit dem laut gesprochenen Wort „Stopp“ ist ein Signal für das Gegenüber — ob im Streit oder aus einem anderen Grund — , dass jemand aufhören soll.

Werden in der Schule diese unterstützenden Maßnahmen angewandt und vor allem vom ersten Schultag an geübt, dann ist die Chance auf ein friedliches Miteinander als Voraussetzung für ein angenehmes und gutes Lernklima für alle Beteiligten groß.

Marion Keil

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