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Übung für unruhige Kinder

Hyperaktive Kinder mit dieser Übung unterstützen und verstehen

Manche Kinder fordern Lehrkräfte im Unterricht durch ihre unruhige Art sehr heraus. Hier erhalten Sie viel Wissen aus der Praxis und bekommen eine zielführenden Körperübung, die sie diesen Kindern anbieten können.

Übung für unruhige Kinder: Hyperaktive Kinder mit dieser Übung unterstützen und verstehen Kleine Bewegungen sorgen schon für Entspannung © Jacek Chabraszewski - stock.adobe.com

Glücklicherweise sind wir unseren schulalltäglichen Herausforderungen meist gut gewachsen. Doch mal ehrlich, Kinder mit permanenter Unruhe oder dem sogenannter ADHS Syndrom, auf die sind wir einfach nicht gut vorbereitet. Sie fordern uns und unsere Geduld oft bis aufs Äußerste, und nicht selten liegen die Nerven einfach blank. 
Ein Beispiel aus der Praxis 

„Ich hab alles versucht doch A. lief heute wieder nur durch die Klasse, fühlte sich ungerecht behandelt und rempelte beim Hinausgehen wieder alle, die ihm im Weg standen. Gearbeitet hat er nur, wenn ich direkt danebenstand. Beim Abschreiben hat er sich dann so oft verschrieben, dass er vor lauter Wut sein Schreibblatt rausgerissen und zusammengeknüllt hat.“ So oder ähnlich klingen oftmals die Beschreibungen von den Kollegen und Kolleginnen, wenn wir Fallbeispiele aus dem Unterrichtsalltag in der Fortbildung „Konzentrationsförderung im Unterricht- so geht`s“ besprechen. 

Ich möchte Ihnen nun einige Tipps aus den Erfahrungen meiner Fortbildung geben, inklusive einer zielführenden Körperübung, die sie den Kindern direkt anbieten können. So kann es für alle Beteiligten im Schulalltag zunehmend stressfreier und ruhiger werden.

Der Hintergrund hyperaktiver Kinder

Im Umgang mit hyperaktiven Kindern ist es gut zu wissen, dass der Hintergrund dieser Kinder oft eine körperlich gravierte existentielle Lebensunsicherheit ist. Damit verbunden ist ein nicht ausgebildetes Urvertrauen und oft wenig Körperempfinden. Dadurch „müssen“ diese Kinder immer auf der Hut sein, um mögliche Bedrohungen ihrer Umgebung direkt zu erkennen und abwehren zu können. Für uns außenstehende Lehrer und Lehrerinnen sieht es wie Abwesenheit, Unkonzentriertheit oder motorische Unruhe des Schülers oder der Schülerin aus. In Wirklichkeit sind sie auf all das ausgerichtet und konzentriert was ihr Wahrnehmungsradar gerade auffängt und sie „gefangen“ nimmt. Das ist ihre Strategie, um das Überleben zu sichern. Die Reizauslöser können (in schneller Folge) ein vorbeifliegender Vogel, grinsende Schülergesichter, umgefallene Schultaschen  - letztlich alles sein. 

Mit diesem Wissen wird es verständlich das wir diesen Schülern eine Schulumgebung bieten sollten, die ihnen dabei hilft, ihr Sicherheitsgefühl, gleichbedeutend mit innerer Ruhe und Vertrauen in Lernsituationen zu stärken. Und gleichzeitig sollten wir versuchen möglichst viel Reizablenkung im Vorfeld auszuschalten, um bessere Fokussierung auf das Unterrichtsgeschehen zu ermöglichen. Dazu einige hilfreiche Orientierungspunkte zur Strukturierung des Schulalltages mit hyperaktiven Kindern. 

Literaturtipps

Christine Weber, Volle Konzentration durch KonzCoaches! E-book, Scolix Verlag. (Bildnachweis Seite 63)

Frauke Teschler und Meike Jürgensen, Konzentration leicht gemacht- Effektive Übungen für zuhause und Schule, mit denen Ihr Kind zu Konzentration und Aufmerksamkeit findet. 2021 Teschler Verlag

Holl, A.: AD(H)S: Was Grundschullehrer tun können. Materialien für Unterricht und Schulalltag. Hamburg: 2018 AOL Verlag 

Tipps zur Strukturierung des Schulalltags

Im Klassenzimmer
  • Sicherheit gebender fester Sitzplatz, guter Sichtkontakt zum/zur Lehrer/-in
  • eine reizarme Lernumgebung
  • Ordnung in der Klasse, auf dem Arbeitsplatz, in der Schultasche
Im Unterricht
  • Visualisierte Transparenz der täglichen Stundentafel inklusive Unterrichtsinhalten
  • Klare, einfach formulierte Klassenregeln einhalten und einfordern
  • Routine und Klassenrituale nutzen
Schriftliches Arbeiten
  • Reduzierung der schriftlichen Aufgaben, Alternativen von Sprachmemos, mündlicher Vortrag etc. nutzen
  • Aufgaben in drei klare Arbeitsschritte gliedern
  • Kurze Lerneinheiten- Bewegungsmöglichkeiten anbieten
Beziehungspflege
  • Verlässliche, konsequente-liebevolle Beziehung zum Schüler/ zur Schülerin pflegen
  • Schulkinder als Experten einsetzen (Kreideholdienst/ Musikgerätebeauftragter o. ä.)
  • Einmal wöchentlich stattfindender Klassenrat
  • Gemeinsame Wohlfühlzeiten der Klassengemeinschaft (Musikpause, Igelball Massagen, Spielezeit etc.) im Wochenstundenplan einbauen 

Sicherheit-Transparenz- Reizarmut- Ordnung-Regeln-Routine sind die Zauberwörter im Umgang mit hyperaktiven und ADHS Kindern, egal ob sie Arbeitsblätter konzipieren oder einen Klassenausflug planen. Sie brauchen klare und eindeutige Orientierung, damit sie den Lernalltag konfliktfreier und erfolgreicher bewältigen können.
Mit Übung zu mehr innerer Ruhe gelangen

Soweit das äußere Schulsetting. Dringend brauchen die Schülerin und der Schüler eine zielgerichtete Entladungsmöglichkeit ihrer ständigen Übererregung. Dadurch schaffen sie sich erstmal die Voraussetzung, um sich auf das Unterrichtsgeschehen fokussieren zu können. Hierzu folgende Übung aus der körperorientierten Teschler Lernförderung.

Die Übung „Zappelfinger“ kurz erklärt

  • Haltung wie im Bild einnehmen
  • Füße stehen schulterbreit auseinander
  • Schultern bleiben entspannt
  • Fäuste zu den Wangenknochen führen und gerade nach vorne strecken
  • Fäuste öffnen und nur aus den Mittelhandknochen alle Finger bewegen lassen
  • Der Blick geht über die zappelnden Finger hinweg
  • Rücken bleibt gerade, falls Tendenz zum Hohlkreuz besteht, Becken ein wenig nach vorne kippen
  • immer gut atmen
  • Die Übung so lange ausführen, wie es möglich und angenehm ist


Diese Übung „Zappelfinger“ bewirkt ein gezieltes Ausagieren der Überspannung sowohl der Nerven wie auch der Gehirnaktivität unserer Schüler/-innen. Die schnellen Fingerbewegungen wirken sich direkt auf die Gehirndurchblutung und die Gehirnströme aus. Die Übungspraxis dient dem Abbau von Hyperaktivität und motorischer Unruhe. Sie ist eine Wohltat bei sogenannter ADHS, Schulkopfschmerz, Albernheit und jeder Art von Schulstress.

Die „Zappelfinger“ lassen sich gut im Morgenkreis, Förderunterricht oder im Sportunterricht einführen. Nachdem eine recht zappelige Schülerin meiner Klasse die Übung kennengelernt hatte, stellte sie erleichtert fest „Wie schön, endlich ist mal Ruhe da oben“. Auch wenn die Übung scheinbar einfach aussieht, kann sie anfangs für unsere hyperaktiven Kinder herausfordernd sein. Doch hier lohnt Geduld, denn mit dieser Übung bekommen sie ein direktes Deeskalationsmittel an die Hand. Zunehmend können die Kinder so zu mehr Ruhe kommen, wenn sie auch im Unterricht die Möglichkeit haben die Haltung auszuführen. Meine Schüler konnten diese dann auf dem Flur ausführen. In einer anderen Klasse hatte eine Kollegin einen Lern-Paravent, der für Übungen reserviert war.

Ich wünsche Ihnen viele positiven Erfahrungen mit den „Zappelfingern“ und spürbar mehr Ruhe bei ihren hyperaktiven Kindern.

Weitere Übungen zur Konzentration: 

Christine Frank


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