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Schulbeginn

Die ersten Unterrichtstage in Klasse 1

Die Übernahme einer neuen ersten Klasse ist für den Lehrer besonders spannend. Das Willkommenheißen der Kinder ist ebenso wichtig wie das Schaffen einer angenehmen Klassenatmosphäre von Anfang an, damit auch das soziale Miteinander nicht zu kurz kommt.

Schulbeginn: Die ersten Unterrichtstage in Klasse 1 Ein guter Start zum Schulanfang legt den Grundstein für eine geglückte Schul-Arbeit © drubig-photo - Fotolia.com

„Was mache ich bloß in der ersten Schulwoche, ich kann doch nicht gleich mit Unterricht beginnen, oder?“ Diese Frage stellen sich Lehrer bei der Übernahme einer ersten Klasse oft. Meist ist die erste Kontaktaufnahme schon in den Sommerferien erfolgt: Die Lehrerin hat zum Beispiel an ihre Schulkinder einen Brief geschickt, in dem sie sich vorstellt und die Kinder um Rücksendung eines gemalten Bildes bittet. Dies kann ein Bild des Kindes oder ein Bild der Familie sein. Zusätzlich kann dem Brief noch eine Art „Wartezeitverkürzung“ bis zum ersten Schultag beigelegt werden: eine Raupe, deren Körper entsprechend viele Teile wie Tage bis zum Schulbeginn hat. Jeden Tag können die Kinder ein Segment anmalen und so die Zeit bis zum ersten Schultag mitverfolgen.

Der erste „richtige“ Schultag nach der Einschulung

Nachdem der aufregende Einschulungstag vorbei ist, beginnt der Schulalltag. Da nicht davon auszugehen ist, dass alle Kinder sich bereits kennen, stehen Namens- und Kennenlernspiele in den ersten Tagen im Morgenkreis im Vordergrund. Haben die Kinder bereits ein Bild des Sommerferienbriefes an die Lehrerin geschickt, so ist dies ein guter Anknüpfungspunkt für die ersten Begegnungen. Die Kinder können ihren Namen nennen und ihr Bild dazu zeigen und eventuell erklären, wer darauf zu sehen ist.

Die erste Begegnung mit Buchstaben erfolgt durch das Gestalten eines von der Lehrerin vorbereiteten Namensschildes. Gestaltet man es als Umhängeschild, so können die Kinder es täglich mit in den Kreis bringen. Ein Namensschild am Platz ist ebenso sinnvoll. Dies kann als erste Hausaufgabe gestaltet werden.

Rituale, Regeln und Orientierung von Anfang an

Um den Kindern eine schnelle Orientierung in der Schule zu ermöglichen, sollte direkt ein Rundgang durch die Schule mit der Klasse erfolgen. Mit Ankündigung können hier auch alle anderen Klassen kurz während des Unterrichts besucht werden. So lernen Kinder schnell die Klassenräume von ihren Paten oder Freunden und die anderen Lehrerinnen und Lehrer kennen. Wichtig ist das Zeigen der Toiletten und die Erklärung der dazugehörigen Regeln. Die Verwaltungsräume und das Lehrerzimmer sind wichtige Anlaufpunkte für die Kinder, falls sie Hilfe benötigen.

Um Kindern ein Gefühl von Sicherheit zu geben, sollten bereits in den ersten Tagen Rituale eingeführt werden. Dies kann der tägliche Morgenkreis sein, beispielsweise täglich mit dem Zählen der Kinder, dem Singen eines Liedes, einer Erzählrunde mit Erzählstein, einem Kennenlernspiel etc. Im Anschluss daran kann täglich eine Einführungsphase, gefolgt von einer Arbeitszeit folgen.

Da Kinder zu Schulbeginn noch eine sehr kurze Konzentrationsspanne von circa 15 bis 20 Minuten haben, sind viele Phasenwechsel nötig. Die Konzentrationsphasen können immer wieder durch Bewegungsphasen im Klassenraum oder auf dem Schulhof unterbrochen werden.

Es empfiehlt sich, bereits in den ersten Tagen Regeln einzuführen. Hier genügen drei Dinge für den Anfang, am besten unterstützt durch Plakatbilder an der Wand:

  1. Zuhören: Wenn ich etwas sagen möchte, melde ich mich; wenn ein anderer spricht, höre ich zu.
  2. Respekt: Ich behandele andere Kinder so, wie ich auch behandelt werden möchte.
  3. Stopp: Wenn ich etwas nicht möchte, sage ich: „Stopp!“ Wenn ein anderes Kind „Stopp“ sagt, höre ich auf.

Der erste motivierende Umgang mit Buchstaben und Zahlen

Kinder kommen in der Regel hoch motiviert in die Schule und möchten bereits in den ersten Tagen lesen, schreiben und rechnen lernen und ihre Vorkenntnisse darin zeigen. Um diese Motivation zu erhalten, kann bereits in der ersten Woche mit Unterrichtsinhalten begonnen werden.

Für den Deutschunterricht gibt es vielleicht eine Fabelfigur oder ein Klassenmaskottchen. Dessen Namen kann beispielsweise mithilfe der Anlauttabelle gemeinsam an die Tafel geschrieben werden. So werden die Kinder an die Buchstaben und die Vorgehensweise mit dem Abhören der Buchstaben im Wort mithilfe der Anlauttabelle herangeführt. Das Schreiben des Namens gelingt den meisten Kindern bereits, sodass der eigene Name erste Schreibübungen möglich macht. Namenskärtchen für ein Namensplakat an der Tür, für die Kennzeichnung des Schreibheftes etc. sorgen für sinnvolle Namensschreibungen.

Um zu erfahren, ob Kinder bereits Buchstaben oder Wörter schreiben können, bietet sich ein Arbeitsblatt zu „Das kann ich schon“ an. Kinder, die noch keine Buchstabenkenntnis haben, können hier auch malen. Bevor mit dem Buchstabenlehrgang mit Abhören von Buchstaben im Anlaut und im Wort, Druckschriftlehrgang und verschiedenen Übungen zum Buchstaben begonnen wird, kann das eigene Schreiben weiter geübt werden. Hierzu bieten sich Steckbriefe der Kinder  im Klassenraum an , die fortlaufend mit Inhalten ergänzt werden. Von anfänglich an der Tafel gemeinsam geschriebenen Wörtern können hier immer mehr eigene Wörter der Kinder notiert werden. Thematisch kann dies sein: mein Lieblingswort, meine Lieblingsfarbe, mein Lieblingsspiel, meine Freunde, meine Familie etc. Im Klassenraum entsteht so eine Art erster Steckbrief der Kinder.

Um die mathematischen Vorkenntnisse der Kinder zu erfahren, können im Kreis Mengen- und Zahlplakate zugeordnet werden. Spannend ist hier ein Bild für den „Zahlenfresser“, in den die Kinder Zahlen und Mengen eintragen können, die ihnen bereits bekannt sind. Neben einem Ziffernschreibkurs können hier vielfältige Handlungen mit Mengen und Zahlen den Unterricht begleiten.

Erzählanlässe helfen schüchternen Schülern

Ein erster Erzählanlass für den Morgenkreis kann das Aufmalen und Vorstellen der Inhalte der Schultüte des Einschulungstages sein. Die Motivation vom Tag und den Geschenken zu berichten, ist bei den Kindern sehr hoch und auch schüchterne Kinder haben hiervon meist viel zu erzählen. Etwas von den anderen Kindern zu erfahren, ist ein weiterer Schritt zum Kennenlernen der Kinder untereinander.

Wenn die Wochenenderzählungen nicht ausreichend sind, können auch thematische Erzählkreise eingeführt werden. Hier kann zum Beispiel über das schönste Erlebnis, die besten Freunde, Hobbys etc. gesprochen werden. Später können die Erlebnisse auch verschriftlicht werden. Mit Illustrationen dazu entstehen Geschichtenbücher der Klasse. Diese werden erfahrungsgemäß immer wieder gern von Kindern und am Elternabend auch von den Eltern gelesen.

Die Zeit, um in den ersten Tagen Regeln und Rituale mit den Kindern einzuüben und den Erzählkreis zu etablieren, zahlt sich für ein positives Klassenklima aus. Daher sollte der Lehrer sich für die ersten Tage nicht zu viele Inhalte vornehmen. Gerade in den ersten Schultagen bedarf es auch Zeit, flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und sie im Schulalltag ankommen zu lassen.

Marion Keil

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