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Entspannungsphasen

Entspannende Fantasiereisen verleihen Körper und Geist Flügel

Der Schulalltag ist für viele Schüler mit Anspannung, Hektik und Stress verbunden. Die Arbeitsphasen sollten daher durch Entspannungspausen und Fantasiereisen aufgelockert werden.

Entspannungsphasen: Entspannende Fantasiereisen verleihen Körper und Geist Flügel Meeresrauschen am Strand — das ist eines der möglichen Bilder für eine Fantasiereise © Visions-AD - Fotolia.com

„Können wir heute nochmal mit dem Heißluftballon fliegen?“, fragt Malte seine Lehrerin vor dem Deutschunterricht. Was nach einem tollen Klassenausflug klingt, ist eine Fantasiereise, die die Lehrerin gestern den Schülern der Klasse vorgelesen hat. Durch diese gelenkten Tagträume wird die Fantasie und Kreativität der Schüler gefördert. Der Stress und die Anspannung des Unterrichts werden abgebaut und die Schüler haben einen Moment, in dem sie sich ganz auf sich fokussieren und zur Ruhe kommen können. Haben sich die Schüler auf diese entspannende Erfahrung eingelassen, so werden einige Schüler wie Malte immer wieder nach einer Entspannungszeit vor oder nach der Arbeitszeit im Unterricht fragen.

Neben Fantasiereisen bieten sich ebenfalls kurze Entspannungsphasen für zwischendurch an, die für die Schüler eine Erholungspause sind, um im Anschluss wieder motiviert, konzentriert und mit neuer Energie an die Bewältigung der schulischen Aufgaben zu gehen.

Mit Entspannungsübungen beginnen

Da Fantasiereisen meist eine längere, ruhige und konzentrierte Zeitspanne in Anspruch nimmt, empfiehlt es sich zwischendurch mit kleinen Entspannungsphasen in diese meditativen Zeiten einzusteigen. Hierzu bietet sich beispielsweise eine Rückenmassage bei einem vertrauten Mitschüler an.

Dies kann durch das „Pizzabacken“ spielerisch begleitet werden und die Massage anleiten. Zunächst wird der Teig geknetet. Dazu knetet der Masseur seinem Partner leicht den Rücken. Um den Teig auszurollen, wird mit der flachen Hand über den Rücken des Nachbarn gerieben. Für den Belag tippen die Finger große oder kleine Kreise, je nachdem ob es sich um Pilze, Salami, Paprika o. Ä. handelt. Eine große Verwunderung tritt ein, wenn die Pizza in den Ofen kommt. Hierzu reibt der Schüler seine Handflächen so schnell wie möglich aneinander und legt dann die flachen Hände auf den Rücken des Partners. Eine wohlige Wärme durchströmt dessen Rücken. Zum Schluss wird die Pizza nur noch mit den Handkanten auf dem Partnerrücken geschnitten. Sicher fordert der Partner dann ebenfalls eine Pizzamassage, die auch am Boden im Kreis sitzend für alle Schüler gleichzeitig ausgeführt werden kann.

Entspannend und vorbereitend für eine Zeit der Stille der Fantasiereise ist die „stille Minute“. Hier sollen die Schüler eine Minute still sein, in sich hineinhören und auf das Umfeld achten. Im Anschluss können die gehörten Geräusche besprochen werden.

Beliebt bei jüngeren Schülern ist das sogenannte „Aufwecken“. Alle Schüler legen den Kopf für einen Moment auf ihren Tisch und schließen die Augen. Wenn alle Schüler so tun, als ob sie schlafen, schleicht der Lehrer oder ein Kind herum und tippt die Schüler nacheinander an. Wer angetippt wurde, ist wieder wach.

Links zum Thema:

Ideen für Fantasiereisen finden sich hier:
Tag-Archiv: Fantasiereise für Kinder

Fantasiereisen und Geschichten

Fantasiereisen für Kinder auf der Website „Entspannung-plus“

Ebenso entspannt ist die „Sonnenblume“. Hierzu hocken sich die Schüler auf den Boden und senken den Kopf. Der Lehrer erzählt vom Samenkorn, das langsam seine Blätter durch die Erde streckt. Dazu beginnen die Schüler langsam die Arme über den Kopf zu strecken. Während die Blume emporwächst, strecken sich auch die Schüler immer länger, bis sie mit den Fingerspitzen an die Decke zeigen. Zugleich auch eine gute Dehnübung für den ganzen Körper.

Atemübungen runden die Entspannungstätigkeiten in der Klasse ab. Hierzu können die Schüler ihre Hand auf den Bauch legen und versuchen, durch die Nase dorthin zu atmen und durch den Mund wieder auszuatmen. Dies geschieht im Tempo jedes einzelnen Kindes und kann individuell mehrere Male wiederholt werden.

Ein paar Regeln zu Beginn der Reise

Will man mit Fantasiereisen beginnen, sollte man feste Regeln mit den Schülern verabreden. Dies ist besonders wichtig, da schon kleinste Geräusche die Entspannung während der Reise stören. Daher sollte der Lehrer die Geschichte nicht unterbrechen, schon gar nicht einen Schüler mehrmals ermahnen müssen. Daher ist es ratsam, gerade für die Einführung der Fantasiereise eine Belohnung als Türöffner in Aussicht zu stellen. Dies kann ein Punkt auf einem Verstärkerplan, ein Klassenspiel, Spielezeit o. Ä. sein. Schüler, die nicht ruhig werden können, werden ohne Verwarnung zum „Time-Out“ für die restliche Zeit der Fantasiereise in eine Nachbarklasse geschickt. Dies sollte mit der Kollegin der Nachbarklasse abgesprochen werden.

Sind die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche, störungsfreie Fantasiereise geklärt, nehmen die Schüler eine angenehme Sitzposition ein. Ideal ist die eutone Sitzhaltung mit vier Körperwinkeln bei Fuß und Unterschenkel, Unterschenkel und Oberschenkel, Oberschenkel und Rücken sowie Hals und Kinn. Die Hände ruhen dabei auf den Oberschenkeln, der Rücken ist an die Stuhllehne gelehnt und die Augen sind geschlossen. Natürlich können die Schüler sich bei entsprechend großem Klassenraum, in einem Versammlungsraum oder der Turnhalle auch mit Matten auf den Boden legen.

Sitzen oder liegen die Schüler still auf ihrem Platz, so beginnt die Reise mit langsamer und leiser Stimme des Lehrers. Immer wieder sollte er Pausen einlegen, damit die Schüler sich in das Gesprochene hineinversetzen und hineinfühlen können.

Themen für Fantasiereisen

Im Internet und in der Literatur finden sich sehr viele verschiedene Fantasiereisen. Auch CDs mit entspannender Musik werden angeboten. Um ein passendes Thema zu finden, sollte man die Schüler der Klasse nach Ängsten befragen. Hat jemand zum Beispiel Angst vor dem Fliegen, so empfiehlt sich keine Reise als Vogel, mit einem Flugzeug oder einem Heißluftballon.

Grundsätzlich mögen die Schüler eine Erzählung zum Rauschen der Meereswellen, die sie an Urlaub am Strand erinnert. Das Laufen über eine bunte Blumenwiese löst viele positive Empfindungen bei Kindern aus. Ebenso eine Reise durch den Körper. Bei dieser Reise spüren die Schüler die Stellen des Körpers nach. Begonnen wird meist mit einem kleinen Körperteil wie Hände oder Füße, die entspannt auf dem Boden ruhen. Dann geht es weiter durch Arme und Beine über den Bauch bis zu Kinn, Nase, Ohren, Augen und dem Kopf. Angelehnt an das autogene Training können die Schüler auch Schwere und Wärme der Körperteile empfinden, wenn dies genannt wird.

Sehr fantasieanregend ist eine Reise mit einem fliegenden Teppich. Ebenso die Beobachtung eines Regenbogens bis hin zum vergrabenen Schatz an dessen Ende oder eine Floßfahrt auf eine einsame Insel.

Haben Schüler und Lehrer einige vorgefertigte Fantasiereisen erlebt, so ist es auch möglich, eigene Ideen zu Fantasiereisen aufzuschreiben oder frei zu erzählen.

Feedbackrunde zur Entspannung

In der Regel strecken die meisten Schüler bei der Frage nach einer Rückmeldung zur Fantasiereise ihren Daumen in die Luft. Ein Zeichen, dass ihnen der entspannte Tagtraum gefallen hat. Schüler, die ihren Daumen senkrecht oder nach unten halten, können oft die Ruhe nicht gut aushalten, sind abgelenkt und können ihre Gedanken nicht auf die Geschichte fokussieren oder haben Ängste beim ausgewählten Thema empfunden. Aufschlussreich ist hier ein „Blitzlicht“, ein spontan zur Erfahrung geäußerter, unkommentierter Satz jedes Schülers im Kreis, zur Frage: „Wie war es heute für dich?“.

Möchte der Lehrer die Entspannungserfahrungen noch vertiefen, so können die Schüler die Bilder aus ihrem Kopf bei entspannter Musik aufmalen oder dazu schreiben.

Übrigens eignen sich Fantasiereisen und Entspannungsphasen auch für die Entspannung nach dem Auspowern im Sportunterricht oder vor dem Schlafengehen auf der Klassenfahrt. Und sicher fallen Ihnen noch mehr Momente ein, in denen Ihre Schüler eine Entspannung benötigen. Da sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Marion Keil

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