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Konzept Snoezelen II

Entspannung durch gezielten Einsatz von Sinneseindrücken

Beim Snoezelen sollen Schüler für sie ungewöhnliche Sinneseindrücke erleben und sich dadurch entspannen. Deshalb ist es wichtig, die verschiedenen Wahrnehmungsbereiche nur sparsam und gezielt anzusprechen.

Konzept Snoezelen II: Entspannung durch gezielten Einsatz von Sinneseindrücken Etwas für die visuelle Wahrnehmung: Eine Diskokugel sorgt für farbige Lichtreflexe an Wand und Decke © Claudia Omonsky

Das Snoezelen wurde zunächst als Angebot zur Entspannung für Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung konzipiert. Innerhalb kurzer Zeit wurde deutlich, dass man es in allen Entwicklungsstufen und in verschiedenen Bereichen der Freizeit, Förderung und Therapie anwenden kann. Die grundlegenden Ziele beim Snoezelen fokussieren auf Angstabbau und Vertrauensaufbau, auf Ruhe und Entspannung sowie Konzentration und Aufmerksamkeit. Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des jeweiligen Schülers begleitet ein Betreuer die Angebote in der Wahrnehmungsschulung. Es geht nicht in erster Linie darum, etwas Neues zu lernen, sondern mehr um das Erleben und die dabei entstehende Entspannung. 

Mit allen Sinnen entspannen

Für Lehrkräfte kann es hilfreich sein, die Angebote im Snoezelenraum zu strukturieren, um eine Reizüberflutung oder Überforderung zu vermeiden. Die Aufschlüsselung der  Wahrnehmungsbereiche stellt eine sehr gute innere Systematik dar:

Visuelle Wahrnehmung: Zunächst sucht sich der Schüler einen angenehmen Platz und richtet sich dort gemütlich ein. Da der Raum in seinen Einzelelementen immer wieder veränderbar ist, gibt es hier sehr viele Möglichkeiten und Angebote, beispielsweise auf der Liegefläche, in der Hängematte, auf dem Wasserklangbett, im Bällchenbad usw. Ausgehend von einer sehr reduzierten Lichtgebung findet sich der Schüler zunächst auf einem Platz ein und zur Ruhe. Dann leitet die Lehrkraft beispielsweise eine Fantasiereise an, die innere Bilder provoziert (Sternenhimmel, Sonne, Kerze...) und lenkt dabei die Aufmerksamkeit auf sparsam dazugeschaltete Lichteffekte im Raum. Der Schüler kann sich auf die Hell-Dunkel-Wirkung oder auf farbliche Akzente ausrichten, Objekte mit den Augen verfolgen und die Wirkung von Farben erfahren. Die visuellen Effekte im Snoezelenraum wirken stark auf die Psyche und lösen immer wieder andere Emotionen aus. Darum gilt auch hier: weniger ist mehr.

Literatur und Link zum Thema:

Sybille Günther: Snoezelen — Traumstunden für Kinder. Praxishandbuch zur Entspannung und Entfaltung der Sinne mit Anregungen zur Raumgestaltung, Phantasiereisen, Spielen und Materialhinweisen. Münster 2002

Krista Mertens, unter Mitarbeit von Ad Verheul, Sandra Köstler, Ulrich Merz: Snoezelen — Anwendungsfelder in der Praxis. Dortmund 2005

Informationen zur Raumausstattung und Einrichtung finden Sie hier.

Auditive Wahrnehmung: Um die Aufmerksamkeit auf das Hören zu lenken, nimmt die Lehrkraft die visuellen Effekte zurück und legt eine kurze Pause ein. Mit einer Stille-Übung kann eine gute Ausgangslage für die auditive Wahrnehmung eingeleitet werden. Der Einsatz von Klangschalen zeigt häufig eine besonders starke Wirkung. Die Schallwellen bzw. Tonfrequenzen der Klangschale sind nicht nur zu hören, sondern in besonderer Weise auch zu spüren. Bei Schülern mit einer Präferenz im auditiven Bereich löst dies meist besonderes Wohlbefinden aus. Aber auch Abwehrreaktionen sollte die Lehrkraft ernst nehmen. Als weitere Kombination können auch sparsame visuelle Reize mit auditiven Angeboten kombiniert werden, z. B. durch die Kombination von Naturgeräuschen und dazu passenden Lichteffekten.

Vestibulär-kinästhetische Wahrnehmung: Als besonderes Highlight empfinden viele Schüler das Wasserklangbett. Hier vereinen sich Hören und ganzkörperliches Spüren von Klang. Die angenehme Wärme zusammen mit den sanften Schwingbewegungen, die den akustischen Reizen angeglichen sind, bewirken eine tiefe Entspannung. Manche Schüler können dabei sehr schnell einschlafen, besonders wenn das Angebot durch Lichteffekte entsprechend unterstützt wird. 

Bei der vestibulär-kinästhetischen Wahrnehmung finden auch zahlreiche Lagerungsmöglichkeiten einen passenden Einsatz im Snoezelenraum, z. B. Vibrationsboard, Hängematte oder Sitzsack. Sehr beliebt bei Schülern sind in der Regel auch körpernahe Übungen mit der Lehrkraft, beispielsweise wenn man die Hand auf das Schlüsselbein des Gegenübers legt und gemeinsam tönt. Die Vibration der Stimme und die Wärme des Körpers lösen ebenfalls Wohlbefinden und Geborgenheit aus. Bei solchen Übungen spielt gegenseitiges Vertrauen und Empathie eine große Rolle. 

Taktile Wahrnehmung: Für Angebote im taktilen Bereich bietet der Snoezelenraum mit seinen großen freien Flächen viel Bewegungsmöglichkeiten. Der Schüler kann auf neue, ungewöhnliche Weise gelagert werden, um die Hände frei zu haben. Dann kommen unterschiedliche Kleingeräte zum Einsatz, z. B. Massagegeräte, Infrarotlampen, Igelbälle, Bürsten usw. Aber auch die fest eingebauten Angebote im Raum, wie Trocken-/ Materialduschen, Wassersäule oder Bällchenbad haben viele Fans. Die Lehrkraft achtet auf taktile Über- oder Unterempfindlichkeiten und kann dabei Vorlieben oder Abneigungen herausfinden. Die Ausübung des taktilen Drucks kann dann sanfter oder etwas fester gestaltet werden.

Olfaktorische Wahrnehmung: In der angenehmen, ruhigen Atmosphäre des Snoezelenraums ist es sehr passend, auch einmal ein olfaktorisches Angebot zu machen. Hier bietet es sich an, eine Hand- oder Stirnmassage zu gestalten und dabei ein gut riechendes Öl zu verwenden. Düfte entfalten eine sehr starke Wirkung, der man sich auch nicht willentlich entziehen kann. Darum ist es besonders wichtig, hier sehr achtsam vorzugehen, vor allem wenn mehrere Schüler gleichzeitig im Raum entspannen. Auch die Frage nach Aktivierung oder Entspannung will überlegt sein – je nachdem welches Duftöl man verwendet, erzielt man eine andere Wirkung. 

Insgesamt geht es beim Snoezelen für den Schüler um Entspannung. Die Lehrkraft sollte dafür ein strukturiertes Angebot geben, um Signale und Reize anzubieten, die der Schüler zuordnen, unterscheiden und wiedererkennen bzw. vergleichen kann. Der Raum an sich bietet sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten, sodass der Kreativität und Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. So wird der Aufenthalt im Snoezelenraum für alle Beteiligten zu einem schönen Erlebnis.

Claudia Omonsky

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