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Emotionales Lernen

Herzensbildung lernen und Spaß dabei haben

Herzensbildung ist Sozial- und Selbstkompetenz, nur viel schöner formuliert. Die Schüler lernen dabei Hilfsbereitschaft, Empathie und Zugewandtheit. Kleine Projekte mit Kopf, Herz und Hand tragen zu einem positiven Miteinander und einem guten Lernklima bei.

Emotionales Lernen: Herzensbildung lernen und Spaß dabei haben Es ist gut, Schüler darin zu bestärken, Empathie und Mitgefühl zu zeigen © pololia - stock.adobe.com

„Herzensbildung“ — was ist das eigentlich? Es klingt altertümlich — doch das klassische Bildungsideal, das den Menschen als Ganzes sieht, ist eigentlich hoch modern. Nicht nur Körper und Geist, sondern auch Herz und Gefühle sollen umfassend gebildet werden. Dieses Ideal der Menschenbildung geriet aber leider bis Mitte des letzten Jahrhunderts in Vergessenheit. Pflichtbewusstsein und Gehorsam wurden „Herz und Humanität“ vorgezogen. (vgl. dazu auch Ute Frevel auf der Website des Goethe-Instituts) Das mit zum Teil martialischen Folgen.

Und welche Rolle spielt die Herzensbildung heute? Ute Frevert begrüßt das „Empathietraining“, mit dem „neuerdings immer mehr Schulen“ experimentieren, als „die seit Langem konkreteste und praktischste Umsetzung“ von Herzensbildung im klassischen Sinne. Auch im Unterrichtsvorschlag „Herzensbildung“ der Aktion Schulstunde vom rbb spielt das Mitgefühl eine wichtige Rolle.

Mitgefühl macht glücklich und manchmal auch traurig

Ein gutes Herz macht das Leben nicht unbedingt einfacher, sagt der kleine Philosoph Knietzsche im dreiminütigen Erklärfilm „Herzensbildung“ (ebd.). Der Grund: „Mitgefühl lässt einen traurig werden“ und „Ungerechtigkeit raubt einem den Atem“. Knietzsche entführt die Kinder in die Welt der drei Musketiere. Ihre Ideale „Güte“, „Ehre“ und „Freundlichkeit“ sind „auch Bildung, nur eine Bildung des Herzens“. Bei ihren Abenteuern nehmen sie Gefühle und Stimmungen anderer wahr, haben Mitleid und trösten andere, helfen Schwächeren und können auch verzeihen. Knietzsche und die drei Musketiere gewinnen Freunde und sind im Einklang mit sich selbst. Er kommt zu dem Schluss, dass sich Herzensbildung lohnt: „Vielleicht weint man mehr“, weil man das Unglück anderer empathisch wahrnimmt, „aber auf jeden Fall ist man auch glücklicher, weil man sich selbst mehr mag“, sagt er.
Im folgenden Filmgespräch könnten die Schüler von ihren eigenen Erfahrungen erzählen: „Hast du auch schon einmal jemandem geholfen?“ „Hat dich schon einmal jemand ‚gerettet‘?“ Und natürlich: „Wann hattest du mit jemandem Mitleid?“ — Nach diesem — vermutlich sehr lebendigen — Einstieg stecken die Kinder schon mitten im Thema.

Gelebte Herzensbildung im Unterricht

Mit den differenzierenden Materialien, die die Redaktion von rbb für den ARD-Thementag „Zukunft Bildung“ zusammengestellt haben, lernen die Kinder — ganz in Pestalozzis Sinne — mit Kopf, Herz und Hand. Als Lehrkraft wählen Sie aus 12 verschiedenen Unterrichtsideen beliebig aus. Vielleicht starten Sie direkt mit den Materialien „Das Herz bilden“ im Bereich „Mach dich schlau!“ Hier gibt es ein Informationsblatt „Herzensbildung“, das einige interessante weil lebensweltnahe Aspekte beleuchtet, z. B. „Jeder zeigt Gefühle anders“, „Familie als Team“ oder „Glück als Schulfach“. Daraus lesen die Kinder Abschnitte oder Sie fassen einfach kurz das Wichtigste zusammen, denn bei den dazugehörigen Arbeitsaufträgen auf den Arbeitsblättern werden die Kinder aktiv: Sie malen ein glückliches, trauriges, wütendes und lustiges Gesicht oder basteln sich aus einer Vorlage Gefühlskarten und spielen das spannende Spiel „Gefühle deuten“: Verdeckt eine Gefühlskarte ziehen, das Gefühl pantomimisch darstellen. Die Klasse rät, um welches Gefühl es hier geht. — Bei diesem einfachen Spiel erleben die Kinder mit allen Sinnen, wie unterschiedlich Gefühle wahrgenommen und auch ausgedrückt werden können.

Anderen helfen: Erklären will geübt sein

Erklären lernen die Kinder spielend bei dem Ratespiel im Bereich „Macht was zusammen“. Zunächst schneiden sie gemeinsam Wort- und Aktionskarten aus, die sie in zwei verschiedene Behälter legen, dann kann es losgehen. Die Klasse teilt sich in zwei Teams. Die Schüler ziehen verdeckt nacheinander jeweils einen Begriff (Dosenöffner, Fußball, Montag etc.) und eine Aktionskarte (malen, etwas pantomimisch darstellen, erklären ohne das Wort zu nennen). Dann gehen sie nach vorn und vermitteln den anderen den Begriff, so wie auf der Aktionskarte vorgegeben. Ein spannendes und schnelles Spiel, denn jedes Kind hat nur zwei Minuten Zeit, um das Wort zu erklären.

Die Aufgabentypen im Bereich „Was denkst du?“ enthalten auch Schreibaufträge, die gut in den Deutsch- oder Sachunterricht passen. In der Unterrichtseinheit „Herzensbildung“ bringen Kinder Erwachsenen etwas bei, indem sie für sie eine Anleitung zu einem Handy- oder Computer-Thema schreiben. So übernehmen die Kinder Verantwortung für die Menschen, die sich normalerweise um sie kümmern. Und sie versetzen sich in die Erwachsenen und überlegen: Wie stelle ich den Ablauf dar, dass auch wirklich verständlich wird, wie es geht? Ob ihnen das gelungen ist, testen sie anschließend zu Hause mit Oma, Opa oder anderen Menschen in ihrem Umfeld, die Nachhilfe in Sachen neue Medien gebrauchen können.

Andere und sich selbst stärken

Etwas besser als Erwachsene zu wissen und ihnen etwas beizubringen, das fördert auch das Selbstvertrauen der Schüler. Und das ist im Herzensbildungsunterricht unbedingt erwünscht, denn: „Nur wer sich selber liebt, kann auch andere lieben“, sagt Knietzsche (vgl. dazu das Porträt der Sonderpädagogin Sonja Kirschnick). Die Kinder besinnen sich auf ihre Stärken (Aufgabe: „Eigene Stärken entwickeln“) und sie versorgen sich und andere mit einer „Hoffnungskiste für schlechte Tage“: Dazu verzieren sie einen Schuhkarton, in den sie dann ihre selbst gestalteten „Mutmach- und Trostkarten“ mit Komplimenten, Aufmunterungen etc. legen. Knietzsches Tipp dazu: „Wer sich eine Karte aus der Hoffnungskiste nimmt, braucht vielleicht auch jemanden zum Zuhören. Frage ruhig nach!“

Sehr schön ist auch die Anregung, mit der Klasse ein „Freizeitheft“ zusammenzustellen. Dazu recherchieren bzw. sammeln die Kinder Möglichkeiten für tolle Unternehmungen in der Nähe. Museumsbesuch, Schwimmbad, Musikkurse — für jedes Freizeitangebot füllen die Kinder einen „Steckbrief“ aus, der alle W-Fragen beantwortet: Wo? Wann? Welcher Ansprechpartner ist zuständig? Und was kostet das? Und wer das Angebot schon einmal selbst ausprobiert hat, kann auch noch Tipps für die Mitschüler beisteuern.

„Einer für alle, alle für einen!“

Am Ende der Unterrichtseinheit könnte die Lehrkraft auch dauerhafte Herzensbildungs-projekte anregen: Wie können wir uns gegenseitig in der Klasse helfen? In einem Unterrichtsgespräch oder in Gruppenarbeit entwickeln die Kinder Vorschläge, wie sie das Drei-Musketiere-Motto „Einer für alle, alle für einen“ in die Tat umsetzen können: Lernpatenschaften, auf dem Schulhof einen Klassenkameraden verteidigen, wenn er angegriffen wird, Streit zwischen zwei Mitschülern schlichten helfen — das und vieles mehr könnte angestoßen werden. Um das gegenseitige Helfen zu verstetigen, könnten die Kinder ein „Musketier-Tagebuch“ für die Klasse anlegen. Hier dokumentieren sie Hilfsprojekte mit Fotos und Texten, nehmen neue Ideen auf. Hier können sich auch die Kinder bei Mit-Musketieren bedanken, die ihnen einmal geholfen haben. Ganz sicher werden alle dabei immer wieder erfahren, was Knietzsche ihnen am Schluss des Filmes mit auf den Weg gibt: „Wenn du dem Guten einen festen Platz in dir gibst, dann fühlst du dich gut und dir passiert Gutes.“

Martina Niekrawietz

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