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Feedback

Professionell Rückmeldung geben: Das müssen Sie wissen

Feedback begegnet uns in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Und wenn es nicht mit Kritik verwechselt wird, hält es immer wieder verblüffende Lernchancen für den Empfänger bereit. Dafür braucht es aber eine klare Definition.

Feedback: Professionell Rückmeldung geben: Das müssen Sie wissen Wer regelmäßig mit Feedback im Unterricht arbeitet, steigert die Partizipation seiner Schüler © Woodapple - Fotolia.com

Feedback bedeutet so viel wie „Rückkopplung“ oder „zurückkehrende Reaktion“. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Technik, bevor er auf zwischenmenschliche Situationen übertragen wurde. Mit dieser Kontexterweiterung hat sich auch eine Bedeutungsveränderung ergeben: In der Alltagssprache wird Feedback oft gleichbedeutend mit Kritik verwendet oder auch als Oberbegriff für jedwede Form der Rückmeldung. Die pädagogische Idee von Feedback ist allerdings eine andere. Die Funktion von Feedback ist es, Verhaltensweisen oder Aussagen zu beschreiben - es handelt sich also um eine deskriptive Vorgehensweise. Die vornehmliche Funktion von Kritik hingegen ist die Bewertung. Dabei handelt es sich demnach um eine normative Dimension. Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Philipp, Oberstufenschüler eines Dortmunder Gymnasiums, erhält für seine Textwiedergaben in Deutschklausuren in der Regel 12 oder 13 Punkte. Mit Blick auf sein Abitur will er von seiner Lehrerin wissen, wie er die volle Punktzahl erreichen könne. Diese meldet ihm zurück, dass er sich von der chronologischen Darstellung des Textinhaltes lösen solle. Fortan schafft Philipp 14 bis 15 Punkte in seinen Deutschklausuren.

Weiterführende Literatur:

Klaus Antons (2000): Praxis der Gruppendynamik. Übungen und Techniken. 8. Auflage. Göttingen/Bern/Toronto/Seattle: Hogrefe, 108-112.

Edith Slembek / Hellmut K. Geißner (Hrsg.) (1998): Feedback. Das Selbstbild im Spiegel der Fremdbilder. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag, 55-72.

Noten beschreiben nicht, sie bewerten lediglich

Unser schulisches Bewertungssystem ist mit seinen Ziffernoten darauf ausgerichtet, Schülerleistungen zu bewerten, nicht zu beschreiben. Häufig fehlt es an Zeit, Bewertungen detailliert zu begründen und Verbesserungstipps zu formulieren. Im skizzierten Beispiel ist es aber erst die Rückmeldung der Lehrerin, die dem Schüler eine Verbesserung ermöglicht. Es ist deshalb keine Überraschung, dass viele Schüler über ihre Schullaufbahn hinweg in einzelnen Fächern auf einem Notenniveau bleiben. Schließlich erfahren sie durch eine Klausurnote oder ein Zeugnis ja nicht, wo genau die dringlichste fachliche Baustelle ist, wo sie konkretes Entwicklungspotenzial haben oder welche alternativen Lernmethoden sie für sich nutzen können. Nicht zuletzt daher rühren auch die oft gehörten und selten hinterfragten Schüleraussagen wie „Ich kann einfach kein Mathe!“, die aus Sicht eines dynamischen Menschenbildes und vom Standpunkt des lebenslangen Lernens natürlich sehr komplexitätsreduzierend, um nicht zu sagen Quatsch sind. Das detaillierte, ressourcenorientierte Feedback ermöglicht dagegen, an einem solchen Selbstbild zu rütteln.

Feedback lässt sich in sehr unterschiedlichen Schulsituationen einsetzen.
Es kann…
a) …dem Zweck dienen, eine Note zu begründen und Verbesserungspotenzial aufzuzeigen.
b) …an eine Schülerleistung (zum Beispiel ein Referat) angeschlossen werden, die nicht benotet wird.
c) …nach einer Gruppenarbeitsphase eingesetzt werden, damit sich die Schüler untereinander (kriteriengeleitete) Rückmeldungen geben.
d) Und die Lehrperson kann ebenso von ihren Schülern Feedback zur Unterrichtsmethodik, zur Arbeitsatmosphäre, zur Komplexität des Stoffs oder zum Vermittlungstempo einholen.

Weiterführende Links:

Auf der Website von Werner Stangl et al. finden sich zahlreiche nützliche Hinweise rund um das Thema „Feedback“.

Feedback soll Bewusstsein schärfen

Das Ziel eines wie auch immer eingesetzten Feedbacks ist es, das Bewusstsein beim Feedback-Empfänger zu schärfen. Im Fall a) erhält der Schüler wertvolle und für ihn unter Umständen gänzlich neue Anregungen zur Leistungsverbesserung. In Fall b) ermöglicht das Feedback einen Abgleich der Selbstwahrnehmung des referierenden Schülers mit den Fremdwahrnehmungen der Mitschüler und des Lehrers. Fall c) richtet den Blick der Schüler auch auf das soziale Miteinander und das methodische Vorgehen in der Gruppenerarbeitung. Und in Fall d) kann der Lehrer seine Vermutung überprüfen, wie die Schüler seinen Unterricht erleben.

Wer regelmäßig mit einem solch vielschichtig eingesetzten Feedback im Unterricht arbeitet, fördert nicht nur die Metakompetenz seiner Schüler, sondern steigert auch deren Partizipation am Unterricht. Denn die wechselseitigen Rückmeldungen tragen dazu bei, Handlungsmuster zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern, sich also anders in den Unterricht einzubringen. Aber: Nicht jeder Schüler bringt den Mut auf, es Philipp gleichzutun und seine Lehrer zu einem detaillierten Feedback aufzufordern. Damit auch zurückhaltendere Schüler die Chance erhalten, sich zielstrebig zu verbessern, braucht es überhaupt eine Feedback-Kultur in unseren Schulen.

Dennis Sawatzki

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