Fach/Thema/Bereich wählen
Orientierungshilfe

Rituale als „roter Faden“ durch den Schulalltag

Kinder benötigen auch in der Schule einen Orientierungsrahmen. Rituale sind ein wichtiges Mittel, Schülern Sicherheit  und Struktur im Schulalltag zu vermitteln, damit sie die an sie gestellten Erwartungen auch erfüllen können.

Orientierungshilfe: Rituale  als „roter Faden“ durch den Schulalltag Geburtstagsfeiern sind eine der beliebtesten Rituale in der Klasse und werden mit Ungeduld erwartet © ChristArt - Fotolia.com

Wie wichtig Rituale für Kinder sind, merkt man, wenn man in einer Klasse Vertretung macht: „Wir lesen aber immer beim Frühstück eine Gesichte vor!“ oder „Unsere Lehrerin schreibt die Hausaufgaben aber immer an die linke Tafel!“, hört man dann von den Kindern. Rituale geben Kindern Sicherheit und Struktur durch gleiches Vorgehen, gleichen Tagesablauf und gleiche Verhaltensweisen. Im Unterricht der Grundschule bieten sich Rituale zur zeitlichen Orientierung, zum Erzählen, zum Arbeiten, zur Entspannung und Bewegungszeit, zum Feiern von Festen und zu sozialen Verhaltensweisen an.

Zeitliche Orientierung  als Grundlage

Schon Ende des 1. Schuljahres mit Einführung von Monaten und Uhrzeiten können sich Kinder am Kalender orientieren. Hier werden täglich Datum, Monat und Wochentag aufgehängt, sodass die Kinder zum Notieren der Hausaufgaben und des zeitlichen Ablaufs der Woche eine Orientierung haben. Als weiteres Ritual und Orientierung schon zu Anfang der Schulzeit bieten sich Karten mit Fächerbildern an, die zu Beginn des Tages aufgehängt werden. So müssen die Kinder nicht permanent nachfragen, welches Fach gerade dran ist  und wann Pause und Frühstück sind.

Erzählkreise — sich mitteilen und anderen zuhören

Als Rituale zum Erzählen haben sich folgende Sitzkreise etabliert:

  • Morgenkreis: Zur Einstimmung in den Tag kommen die Schüler morgens im Sitzkreis zusammen. Der Tagesablauf kann besprochen und erste Fragen können geklärt werden.
  • Erzählkreis: Hier können die Kinder vom Wochenende und/oder vom Vortag erzählen. Damit sich dies nicht zu sehr ausdehnt, kann ein Zeitwächter, mit einer großen Uhr  ausgestattet, bestimmt werden, der nach ein oder zwei Minuten abbricht. Alternativ kann verabredet werden, dass an jedem Tag nur eine bestimmte Anzahl von Kindern erzählen darf oder dass man nur von ein bis zwei Ereignissen berichtet. Üblich ist auch, dass von Medien nicht ausufernd berichtet wird.
  • Abschlusskreis: Sinnvoll ist ein Kreisgespräch am Ende des Tages und/oder am Ende der Woche. Hier können Kinder berichten, was ihnen heute gut gelungen ist, was sie sich noch vornehmen, welche Tipps sie anderen beim Arbeiten geben können und was sie sich für die nächsten Tage wünschen. Eine nette Geste ist es ebenfalls, am Freitagmittag alle Kinder an der Klassentür zu verabschieden und ihnen ein schönes Wochenende zu wünschen.

Leises Arbeiten — unterstützende Rituale

Flüsterzeit ist eine große Herausforderung für alle, da viele Kinder in der Grundschule nicht lange oder gar nicht flüstern können. So kann dies auch eine Leise-Sprech-Zeit werden. Wie man es schafft, eine angenehme leise Arbeitszeit herbeizuführen, bleibt in manchen Klassen ein Geheimnis. Hier einige Ideen für die Einübung einer leisen Arbeitszeit:

  • Lärmampel: Als Ampel oder als App fürs Handy zu kaufen. In der Klasse aufgestellt, zeigt sie wie eine richtige Ampel mit Farben an, wenn die Kinder zu laut arbeiten und sendet (wenn gewünscht) auch einen Ton, der an leises Arbeiten erinnert.
  • Signalschild an der Tafel: Ein Schild an der Tafel kann an die leise Zeit erinnern und Kinder können sich stumm mit dem Zeigen auf dieses Plakat an die Zeit erinnern.
  • Zeitarbeit: Eine Küchenuhr dient als Zeitmesser für leises Arbeiten. Erst nach der vorher angekündigten Zeit klingelt sie und die leise Arbeitszeit ist vorbei.

Leises Arbeiten muss immer wieder trainiert werden und kann durch Belohnung (Stern an der Tafel für die Tischgruppe, zusätzliche Pausenminuten, Sticker, Spiel/Lied/Vorlesezeit am Tagesende) verstärkt werden.

Entspannung und Bewegung

Neben den stillen und konzentrierten Arbeitsphasen ist Entspannung ebenso wie Austoben wichtig und geradezu notwendig. Hier einige Ideen und Beispiele:

  • Stille Minute und Fantasiereise: Wenn der Alltag allzu turbulent ist, bietet sich eine „stille Minute“ an, in der die Kinder ihren Kopf auf den Tisch legen und einfach eine Minute auf die Umgebungsgeräusche hören und entspannen. Danach kann von dem Gehörten berichtet werden und es geht mit neuer Kraft weiter. Spannend ist es auch, die Kinder die Zeitspanne einer Minute schätzen zu lassen. Wenn Kinder denken, dass eine Minute verstrichen ist, sollen sie leise aufstehen. Benötigen die Schüler mehr Zeit, um „herunterzukommen“, dann bieten sich Fantasiereisen zur vollkommenen Entspannung an.
  • Flitzepausen und Klassenspiele:  Wer keine Bewegungsspiele im Klassenraum machen kann oder möchte, kann eine Flitzepause zum Trinken, auf Toilette gehen, kurzes Rennen auf dem Schulhof oder ein kleines leises Spiel im Klassenraum ansagen. Dies bietet auch für den Lehrer die Möglichkeit zum unkomplizierten Klassenwechsel oder Bereitlegen des Materials für die nächste Stunde.

Geburtstage und andere Feierlichkeiten

Für das Feiern des Geburtstags ist natürlich auch ein Ritual nötig: Nach dem Entzünden einer Kerze und singen des Geburtstagsliedes darf das Geburtstagskind die Kerze ausblasen und sich geheim etwas wünschen. Anschließend erzählt es z. B. von Geschenken und den geplanten Geburtstagsfeierlichkeiten. Das Gratulieren kann auf eine Wunschanzahl des Kindes von fünf Kindern beschränkt werden, sodass noch Zeit für Unterricht bleibt.

Ganz zum Schluss bekommt das Kind ein Geschenk, dies kann beispielsweise ein kleines Lese- oder Rätselheft sein. Wenn das Geburtstagskind möchte, darf es für diesen Tag eine Geburtstagshusse über seinen Stuhl hängen und einen Anstecker tragen, der alle Kinder der Schule darauf hinweist, dass es heute ein Geburtstagskind gibt. Auch andere Feierlichkeiten sollten immer am gleichen Ort oder nach gleichem Vorgehen stattfinden.

Positives Klassenklima stärken

Gerade in lebhaften Klassen und für schwierige Kinder sind Rituale zur Stärkung des Klassenklimas nach langem angestrengten Arbeiten, in der Frühstückszeit oder am Tagesende wichtig wie beispielsweise diese:

  • Interaktionsspiele: Im Gegensatz zu „normalen“ Klassenspielen werden bei Interaktionsspielen immer wieder die Dinge reflektiert. Beispielsweise beim Spiel „Wer hat angefangen“. Ein „Detektiv“ wird dabei aus der Klasse geschickt. Die anderen Schüler wählen einen Anführer, der Bewegungen zum Nachmachen vormacht. Der hereingerufene Detektiv muss nun während der Bewegungen seiner Mitschüler herausfinden, wer der Anführer ist. Im Anschluss an dieses und andere Interaktionsspiele werden Fragen besprochen wie: Was hat mir am meisten Spaß gemacht? Was hat mich gestört oder geärgert? Wieso hat es geklappt? Was musstet ihr beachten? So bekommen die Kinder eine direkte Rückmeldung zu ihrem Verhalten, vielleicht auch eine neue Chance im gleichen Spiel.
  • „Empathisches Miteinander": Viele Grundschüler sind noch egoistisch und sehr auf sich fixiert. Eine Hineinversetzung in den Klassenkameraden gelingt selten schon sehr gut. Dazu gibt es die Möglichkeit, immer wieder in Alltagssituationen das Verhalten der Kinder zu spiegeln: „Was denkst du, wie es … jetzt geht?“ „Wie fühlt sich das für … an?“ „Wie würdest du das denn finden?“ Oftmals ist es wichtiger den Unterrichtsstoff für eine kurze Zeit zu stoppen, um über Situationen zu sprechen und um den Kindern ein Vorbild zu geben für spätere Situationen. Es ist ein hohes Ziel, ein empathisches Miteinander der Schüler zu erreichen, doch wenn es schon früh und beständig angebahnt wird und das Gefühl entsteht, dass ein Kind der Klasse für ein anderes einsteht, so ist viel gewonnen. Hierzu kann auch im Abschlusskreis eine ritualisierte Besprechungsphase oder eine Klassenratszeit eingeführt werden.
  • Klassendienste: Der Dienst für die Gemeinschaft ist auch für das Klassengefühl sehr wichtig. Schüler in den Ablauf mit einzubeziehen und ihnen Verantwortung für die Klasse zu übertragen, fördert ihr Selbstwertgefühl. Sinnvoll sind daher wechselnde Klassendienste wie Tafel putzen, Regaldienst, Garderobendienst, Fegedienst, Austeildienst, Stundenplandienst, Kalenderdienst. Zum einen fallen diese Tätigkeiten für den Lehrer weg (außer der nötigen Kontrolle!) und die Kinder kennen sich schnell im Klassenraum und in den schulischen Abläufen aus.

Es lohnt sich also, (Vorbereitungs-)Zeit in Rituale zu investieren: Sie sind nicht nur für die Schüler eine Stütze und ein „roter Faden“ während ihrer Schulzeit, sondern auch für Lehrer eine Hilfe in der Strukturierung Ihres Unterrichtsalltags.

Marion Keil

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Lernklima
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×