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Gezielt über Gefühle sprechen

Rituale (nicht nur) für den Religions- und Ethikunterricht

Für Sie als Lehrkraft ist es wichtig ein Stimmungsbarometer Ihrer Schützlinge zu haben. Die Ideen für Rituale aus diesem Artikel geben Ihnen fächerübergreifende Anregungen mit Schüler/-innen über Gefühle ins Gespräch zu kommen.

Gezielt über Gefühle sprechen: Rituale (nicht nur) für den Religions- und Ethikunterricht Über Spiele und Rituale über Gefühle sprechen © Christian Schwier - stock.adobe.com

Über die Lernlücken, die im Distanz- und Wechselunterricht bei den Schülerinnen und Schülern möglicherweise entstanden sind, wird viel diskutiert. Doch nicht nur fachliche Inhalte sind in dieser Zeit zu kurz gekommen. Wie die COPSY-Studie zeigt, hat die Pandemie auch Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden der Kinder genommen. Inwieweit sich Corona-Nachrichten, verbunden mit Angst vor Erkrankung oder Einschränkungen der Lebensqualität, auch weiterhin auf das Seelenleben der Kinder Einfluss nehmen, lässt sich nur mutmaßen. Als Pädagogen sollten wir daher gerade jetzt einen genauen Blick auf unsere Schützlinge haben und ihnen Gelegenheit bieten, über ihre Gefühle und Gedanken zu sprechen. Die Ideen für Rituale, die im Folgenden beschrieben werden, eignen sich insbesondere, aber nicht nur für den Religions- und Ethikunterricht. 

Sonne und Stein

Was lässt mich heute wie die Sonne strahlen? Oder was macht mir das Leben schwer wie ein Stein? Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für eines der Symbole Sonne und Stein und erzählen dazu. Um auch die Kinder aus der Reserve zu locken, die wenig von sich aus erzählen, empfiehlt sich vorab eine allgemeine Stimmungsabfrage: Jeder legt einen Stein oder einen Magneten zu Sonne oder Stein – oder vielleicht dazwischen? Führt man dieses Ritual jeden Morgen durch, ist es sinnvoll, die Anzahl der erzählenden Kinder auf ein bis drei zu beschränken. 

Literatur / Links

Dr. Jessica Lüttge: Kleiner Muntermacher für jedes Fach. Hamburg 2019: hier im Lehrerbüro

Mehr zu den Sorgenfressern

Gebete oder Kalendersprüche

Gebete oder Kalendersprüche vorzulesen ist als Morgenritual weit verbreitet. Sie regen Kinder an, kurz innezuhalten und – im besten Fall – über sich nachzudenken. Vielleicht hat man im Religionsunterricht die Möglichkeit, ein Buch mit von den Kindern selbst ausgewählten Gebeten zusammenzustellen. Ein gut ausgewählter Kalender mit Lebensweisheiten erfüllt denselben Zweck. Die Gebete oder Sprüche können in einer Meditationszeit für sich stehen oder auch von den Schülerinnen und Schülern mit ihren Gedanken kommentiert werden. Gerade zum Ankommen nach einem möglicherweise ereignisreichen Wochenende lohnt es sich, Zeit zum Reden zu investieren.

Stimmungsampel

Eine Ampel im Klassenzimmer kann die Lehrkraft warnen, ob die Stimmung auf „Alarmstufe Rot“ steht. An einem geeigneten Ort im Klassenzimmer werden ein roter, gelber und grüner Becher aufgestellt. Jedes Kind, das vorbeigeht, kann einen Muggelstein in den zu seiner Stimmung passenden Becher werfen. Spätestens, wenn der rote Becher voll ist, ist es Zeit für ein Gespräch. Wer Angst hat, das so eine anonyme Abfrage nicht ernst genommen wird, kann auch mit Namen beschriftete Wäscheklammern an Tonpapier-Ampelkreise befestigen lassen. 

„Sorgenfresser“ oder Klassenbriefkasten

Ein „Sorgenfresser“ ist ein Stofftier, das hungrig alle Sorgen der Kinder, notiert auf Zetteln, auffrisst. Auch ein Klassenmaskottchen kann diesen Zweck erfüllen. Für ältere Schüler/-innen ist vielleicht ein Briefkasten mit dem Angebot, der Lehrkraft Briefe zu schreiben, angemessener. Doch steht der Briefkasten oder das Sorgenfresserchen nur im Klassenzimmer, gerät er eventuell schnell in Vergessenheit. Die Lehrkraft kann beispielsweise durch Aufgabenstellungen in der Freiarbeit oder Wochenplanarbeit regelmäßig Anregungen geben, damit die Kinder dieses Angebot nutzen.

„Danke, dass…“

„Lieber Gott, ich danke dir“ oder „Lieber Gott, ich bitte dich“ – als Religionslehrkraft hört man viel von Glück und Sorgen der Kinder beim freien Gebet. Sehr motivierend für Kinder ist es, beim Sprechen des etwas auf ein Gebetstuch zu legen: zum Beispiel ein bunter Muggelstein für „Ich danke dir“ und eine Kerze für „Ich bitte dich“. Sich einfach einmal Gedanken machen, worüber man dankbar ist oder was man sich wünschen würde, das kann man auch mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer. Ob im Gespräch oder „anonym“ als stiller Schreibanlass, beides hat seine Berechtigung. 

Einen Wunsch herumschicken

Die Klasse stellt sich, wenn möglich, in einem Kreis auf. Ein Kind überlegt sich einen Wunsch, den es gerne der ganzen Klasse mitgeben würde. Es spricht den Wunsch laut aus und blinzelt das nächste Kind im Kreis an. Dieses blinzelt wiederum seinen Nachbarn an und so weiter – so lange, bis der Wunsch einmal durch die ganze Klasse geschickt worden ist. Wenn Abstandsregeln und räumliche Verhältnisse das Bilden eines Kreises nicht zulassen, kann auch eine Reihenfolge in der ursprünglichen Sitzordnung vereinbart werden. Besonders eignet sich das Ritual am Ende eines Tages oder einer Woche. Normalerweise kommt hier nur ein Kind zur Sprache, aber wenn man Ideen für den Wunsch sammeln lässt, könnte man hier auch mehreren Kindern Gehör verschaffen. Das ein oder andere ruhige Kind kommt dann auch einmal zur Lehrkraft und vertraut sich im Stillen an „Mein Wunsch wäre gewesen…“.

Das Wichtigste hier – genau wie bei den anderen oben beschriebenen Ritualen - ist, dass ein Kind sieht, dass nicht nur seine Leistungen in Deutsch oder Mathematik hier gesehen werden, sondern auch seine Gefühle und Gedanken, seine Sorgen und Nöte wahrgenommen werden. Wenn man diese Tür für die Kinder öffnet, werden sie gewiss auch so kommen, und im Fall der Fälle sich der Lehrkraft anvertrauen.

Daniela Harrer


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