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Beziehungsarbeit

So klappt die Beziehungsarbeit trotz Fernunterricht

Die Bezugsperson ist gerade bei jüngeren Schüler/-innen enorm wichtig. Mit Kreativität und Ideen bauen Sie auch im Fern- oder Wechselunterricht eine stabile Beziehung zu Ihren Schüler/-innen auf.

Beziehungsarbeit: So klappt die Beziehungsarbeit trotz Fernunterricht Beziehungsarbeit legt das Fundament für das Arbeitsklima © Maria Symchych - Shutterstock.com

Schulschließungen sind für Kinder im Grundschulalter besonders hart: Sie „brauchen die direkte Ansprache und ihre Bezugspersonen in der Schule noch viel stärker als ältere Kinder“, sagt Elternbeirat Frank Schubert im Gespräch mit der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung (HNA). Die Jüngeren klebten „doch noch förmlich an den Lippen ihrer Lehrer.“ Auch sei die Schule für die Kinder „noch eher ein sozialer Raum als für Jugendliche“, beobachtet der Vater einer Tochter. Hier könnten sich die Kinder „ausprobieren, Freunde treffen, Interessen herausfinden“ – doch das alles fällt im Fernunterricht weg. Für viele Schüler/-innen ist das eine psychosoziale Ausnahmesituation, in der eine tragfähige Beziehung zur Klassenlehrkraft besonders wichtig ist.  

Doch wie halten Sie mit Ihren Schüler/-innen auch in Distanzunterrichtsphasen den persönlichen Kontakt? Die folgenden Praxistipps und Ideen unterstützen Sie dabei.

„Beziehungsarbeit ist wichtiger als Prozentrechnen“

Diesen Satz kann der Autor des Beitrags „Beziehung im Fernunterricht“ im Wiki GrundschulLERNPORTAL voll und ganz unterschreiben. Für ihn als Klassenlehrer einer 2. Jahrgangsstufe stand während des Lockdowns „über allem (...), dass die Kinder (und deren Eltern) emotional gut durch die Zeit der Schulschließungen kommen.“  

Den Eltern signalisierte er ein grundlegendes Interesse und „Verständnis für die unterschiedlichen Situationen zuhause“ (ebd.) und versuchte auch Eltern und Kinder aus „prekären“ häuslichen Verhältnissen „so gut wie möglich“ zu unterstützen. Zum Beispiel mit Lob und Anerkennung „für die geleistete Arbeit“. Die Arbeitsergebnisse der Kinder würdigte er „z. B. mit einer Ausstellung in einem virtuellen Museum“. Er gab positives Feedback in einem Video oder ermöglichte es den Kindern, ihre Lösungen in einer Video-Präsentation vorzustellen. Und am ersten Tag der Schulöffnung erhielt jedes Kind eine Urkunde für die geleistete Arbeit im Fernunterricht – eine gute Idee.  Diese können Sie ganz leicht aufgreifen, da die Urkunde als PDF-Fileunter dem oben verlinkten Artikel zum Download steht.

Obwohl die Leistungsbewertung während des ersten Lockdowns ausgesetzt wurde, gab er den Schüler/-innen stets Rückmeldung zu den abgegebenen Aufgaben. Eine Mühe, die sich unbedingt lohnt, denn: „Grundschüler [sic!] lernen oftmals vorrangig für ihren Lehrer bzw. für ihre Lehrerin und sie möchten dafür von ihm bzw. ihr gelobt werden“ (ebd.).

Persönliche Kontakte beim „Fenstern“

Für die Ausgabe der Aufgabenpläne und -blätter wurde im Zwei-Wochen-Abstand das sogenannte „Fenstern“ eingeführt: Schüler/-innen und Eltern trafen sich vor den Fenstern des Klassenraums im Erdgeschoß und nahmen die Materialien persönlich in Empfang. Dabei freuten sich die Kinder über die Gelegenheit, ihren Lehrer und einige Klassenkamerad/-innen zu sehen. Angesichts dieser Begegnungsmöglichkeit und fehlender digitaler Erfahrungen der Zweitklässler entschied sich der Lehrer ganz bewusst für die Papierform. Auch aufgrund „der Chancengleichheit und Lernmittelfreiheit“ kam für ihn das „Ausdrucken zuhause“ nicht in Frage.

Um sich regelmäßig zu sehen und zu hören, führte der Lehrer eine wöchentliche Videokonferenz mit „gemeinsamen Aktionen“ ein. Anfangs war das noch ein „einfacher Erzählkreis“, später traf sich die Klasse zu virtuellen Ausflügen und unternahm z. B. einen Rundgang durch ein Museum oder besuchte via Webcam einen Zoo oder Bauernhof. Auf dieses Event freuten sich die Kinder schon Tage vorher.

Wertschätzende Wahrnehmung wirkt Wunder

Oft genügen auch schon Kleinigkeiten, um Ihren Schüler/-innen das Gefühl zu geben, dass Sie sie wahrnehmen und wertschätzen: Gratulieren Sie den Geburtstagskindern persönlich oder bringen Sie ihnen mit den anderen Kindern in der Videokonferenz ein Ständchen. Oder nutzen Sie einfach jede Gelegenheit, um die Kinder beim Namen zu nennen. „Menschen lieben es, ihren Namen zu hören“, schreiben die Autoren der „Sechzehn Tipps zur Beziehungsgestaltung“, und wenn sie auch nur kurz diejenigen Kinder aufzählen, die zum Beispiel einem Klassen-Chat bereits zugeschaltet sind. Noch ein guter Tipp zur Beziehungsgestaltung: Nehmen Sie Facetten der persönlichen bzw. familiären Umgebung des Kindes bewusst wahr (Notiz auf der Klassenliste) und knüpfen Sie bei passender Gelegenheit daran an, zum Beispiel mit einem Satz wie „Wo ist denn heute deine Katze, die wir das letzte Mal kennenlernen durften?“

Auch feste Sprechzeiten geben den Schüler/-innen das Gefühl, dass Sie ihre „Fragen, Sorgen und Nöte“ (ebd.) ernst nehmen. Wichtig ist dabei, dass die Kinder selbst entscheiden können, ob und worüber sie mit Ihnen sprechen, so die Autoren der „Sechzehn Tipps zur Beziehungsgestaltung“. Hier finden Sie übrigens auch viele direkt übernehmbare Textbausteine für eine zugewandte schriftliche Kommunikation mit Ihren Schüler/-innen.  

Die Klassengemeinschaft stärken

In Phasen des Distanzunterrichts vermissen die Kinder besonders auch andere Kinder. In dieser Situation helfen Klassenspiele und gemeinsame Aktivitäten den Schüler/-innen dabei, miteinander Kontakt zu halten bzw. die Mitschüler/-innen besser kennenzulernen. Einige Ideen dafür liefert die Methodensammlung zur Beziehungspflege der Wübben-Stiftung:

  • Stille Post per Telefonkette: Sie denken sich ein langes und möglichst schwieriges Wort aus und rufen das erste Kind an, das dann das nächste Kind anruft usw. Zuletzt teilen Sie den Anfangs- und Endbegriff im Klassenchat.
  • Gegen Langeweile hilft das Ja-Nein-Spiel: Ein Kind ruft ein anderes an und stellt ihm Fragen. „Ja“ und „Nein“ sind tabu und dürfen nicht in den Antworten vorkommen. Wenn doch, muss das Kind die Rolle des bzw. der Fragenden übernehmen.

Stellen Sie den Kindern im Klassen-Chat Rätsel oder knifflige Mathefragen mit Streichhölzern, die dann eigenständig gelöst werden. Oder Sie schlagen den Kindern „Forscher-Fragen“ vor. Beispiel: „Überlebt“ ein Ei zwei Wochen Quarantäne? Wie viele Wassertropfen passen auf eine 1-Euro-Münze? Noch eine schöne Anregung aus der Methodensammlung: Die Schüler/-innen drehen den Spieß um und stellen der Lehrkraft ein Rätsel oder eine Aufgabe.

Martina Niekrawietz


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