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Fallbeispiele

Die wirksamste Störungsprävention: Classroom-Management (1)

Die wirksamste Störungsprävention ist, Unterrichtsstörungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Classroom-Management hilft dabei, für alle ein gutes Lern- und Arbeitsumfeld zu schaffen.

Fallbeispiele: Die wirksamste Störungsprävention: Classroom-Management (1) Entspanntes Arbeiten für alle, werden von allen Verhaltensregeln eingehalten © Jacob Lund - stock.adobe.com

Classroom-Management bietet Lehrkräften die wirksamsten Tools, den Unterricht präventiv störungsarm zu organisieren. Ziele von Classroom-Management sind, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler wohlfühlen, gut lernen können und es im Unterricht rund läuft. Wie Sie das in Ihrer Klasse erreichen können, dafür möchten Ihnen die Beiträge dieser Serie Anregungen geben. Bitte entscheiden Sie selbst, was ihnen zusagt, und passen dies an Ihre Klasse an.

Zunächst möchte ich Ihnen vier Fallbeispiele vorstellen, wie sie sich täglich in der Schule ereignen können.

Fallbeispiele aus dem Schulalltag

Fallbeispiel 1: Bei einer Kleingruppen-Arbeit einer 9. Klasse wird es immer lauter. Viele Schüler unterbrechen sich gegenseitig, einige gehen im Klassenzimmer umher. Als die Lehrperson ihre Schüler auffordert, die Kleingruppen-Arbeit zu beenden, arbeiten in drei Kleingruppen die Schüler einfach weiter. Zwei andere Kleingruppen sind aber schon fertig. Einige der Schülerinnen und Schüler der beiden fertigen Kleingruppen langweilen sich schon. Da schlägt ein Schüler einem anderen fest auf die Schulter. Der schreit in die Klasse: „Bist du verrückt?“

Fallbeispiel 2: Eine Lehrerin erklärt einem Schüler fast drei Minuten lang eine Aufgabe. Sie steht mit dem Rücken zur Klasse. Da klopft hinten in der Klasse ein Schüler mit seiner Faust auf den Tisch. Als sich seine Lehrerin umdreht, um zu sehen, wer da klopft, hört er auf, bevor ihn seine Lehrerin als den störenden Schüler identifizieren kann. Er tut so, als würde er etwas in sein Heft schreiben. Studien zeigen, dass Schüler schauen, ob ihre Lehrer sie gerade im Blick haben, bevor sie stören (vgl. Evertson, C./Weinstein, C.: Handbook of Classroom Management. Routledge, New York 2006).

Fallbeispiel 3: Selbst wenn die Lehrerin in ihrer 4. Klasse etwas Wichtiges erklärt, ist es nicht still und einige Schülerinnen und Schüler hören gar nicht zu. In der Folge wissen sie nicht genau, was sie tun sollen und lösen dann auch Arbeitsblätter falsch. Da es sich bei einigen dieser Schülerinnen und Schüler um leistungsmäßig eher schwächere handelt, sind sie durch die erlebten Misserfolge ein weiteres Mal demotiviert und dann oft nicht bereit, weiter zu lernen. Eine sehr schwierige Situation für die Lehrkraft.

Fallbeispiel 4: Kommentare und Gröhlen bei einer Präsentation: Als eine Schülerin einer 7. Klasse eine Präsentation über Donald Trump hält, beginnen einige Schüler zu gröhlen und negative Kommentare in die Klasse zu rufen. Als Rückmeldung sagt ein Schüler: „So einen Quatsch habe ich noch nie gehört.“

Literaturhinweis:

Alle wichtigen Details zum komplexen Thema Störungen erfahren Sie in: Eichhorn, C. (2018): Classroom-Management Basiswissen Kompakt: Stören — Die wirksamste Störungsprävention, Interventionsleitlinien bei kleinen Störungen, Interventionsleitlinien bei großen Störungen

Classroom-Management / Website des Autors

Und jetzt die Frage für diejenigen unter Ihnen, die sich schon intensiv mit Classroom-Management beschäftigt haben. Sie lautet: Was haben diese Fallbeispiele gemeinsam?

Die Antwort lautet: Dass wir die dort beschriebenen Störungen langfristig gesehen durch präventive Maßnahmen deutlich reduzieren können. Klar muss ein Lehrer auch auf die jeweils aktuelle Störung reagieren. Das ist aber nicht das Ziel von Classroom-Management, sondern dass der Lehrer seinen Unterricht so organisiert, dass diese Störungen möglichst kaum mehr auftreten. Ganz vermeiden lassen sich Störungen allerdings nie (Eichhorn, 2018) — auch wenn das immer wieder behauptet wird.

Sind die in den Fallbeispielen beschriebenen Störungen aber wirklich ungünstig? Die Antwort ist ein klares „Ja“. Sie belasten nämlich nicht nur den Lehrer (vgl. Schaarschmidt, U. / Kieschke, U.: Gerüstet für den Schulalltag. Psychologische Unterstützungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer. Weinheim 2007), sondern auch die Schüler. Die meisten Schüler leiden nämlich unter der Unruhe und dem Durcheinander im Klassenzimmer (Eichhorn, 2018) und wenn die Lehrperson nicht führt. Das zeigen auch unsere Fallbeispiele 1, 3 und 4.

Präventiv handeln — eine Leitidee im Classroom-Management

Aber wie könnten jetzt die Lehrkraft in unseren Fallbeispielen präventiv vorgehen? Schauen wir das der Reihe nach an.

Fallbeispiel 1: Vereinbarungen für die Kleingruppen-Arbeit mit der Klasse erarbeiten. Der Lehrer fragt: „Wie muss es sein, dass ihr euch während der Kleingruppen-Arbeit wohlfühlt und gut lernen könnt?“ Er lässt seine Schüler diese Fragen in Kleingruppen bearbeiten. Zwei Schüler sammeln dann die Ergebnisse, gewichten sie mit der Klasse, wählen die drei bis vier wichtigsten aus und zwei andere Schüler notieren sie auf einem großen Plakat. Mit diesem arbeitet die Lehrperson in Zukunft mit ihrer Klasse. Weitere Details dazu finden Sie in Eichhorn, 2018 (Literaturhinweis).

Eine 8. Klasse hat einen „Fairness-Code“ für die Kleingruppen-Arbeit erarbeitet. Zusätzlich haben die Schülerinnen und Schüler auf dem Plakat notiert, „welche Vorteile hat der Fairness-Code für mich?“, „Wie ich unseren Fairness-Code einhalte“ und „Wie ich andere unterstütze“. Die Antworten auf diese Fragen haben sie zuvor natürlich in Kleingruppen erarbeitet und ihre Ergebnisse in der Klasse präsentiert. Die Lehrkraft hat diesen Prozess sehr eng begleitet und viel Lob und Anerkennung gegeben.

Beispiel für eine Vereinbarung:

Fairness-Code Vorteile für mich Wie ich den Fairness-Code einhalte Wie ich andere unterstütze

Unterschrift

Eltern + Schüler

Carmen Ich kann in Ruhe aussprechen.
Ich kann besser lernen.
Ich melde mich, bevor ich etwas sage. Ich lobe andere, wenn sie etwas gut machen.

Herr und Frau Gruber
Carmen

Dario Ich fühle mich wohler, wenn es ruhig ist. Ich spreche leise. Ich erinnere andere, wenn sie es vergessen. Frau Kunz
Dario

Fallbeispiel 2: In Zukunft erklärt die Lehrperson dem Schüler nur kurz die Aufgabe. Vor allem aber überblickt sie dabei immer wieder ihre Klasse. Da fällt ihr auf, dass einige Schüler gerade nichts mehr zu tun haben und sich langweilen. Damit steigt jetzt das Risiko, dass diese Schüler stören. Durch mehr Präsenz — also die Klasse überblicken und Nähe zu diesen Schülerinnen und Schülern herstellen — reduziert die Lehrperson das Risiko von Störungen. Mehr dazu finden Sie in einem späteren Beitrag zum Thema Präsenz. Zusätzlich hat die Lehrperson mit ihrer Klasse vereinbart, dass sie in solchen Unterrichtssituationen in ihrem Lieblingsbuch lesen dürfen, das jeder unter seinem Tisch hat.

Anregungen zu den Fallbeispielen 3 und 4 erhalten Sie im nächsten Beitrag zum Thema Störungsprävention.

Christoph Eichhorn

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