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Leitlinien

Interventionsleitlinien bei kleinen Störungen (2)

Unterrichtsstörungen sind Teil unseres Alltags. Hier heißt es, Nerven bewahren, Leitlinien umsetzen und das Handeln unter Druck trainieren. Kleine eigene Übungsszenarien helfen dabei

Leitlinien: Interventionsleitlinien bei kleinen Störungen (2) Wenn Schüler wiederholt den Unterricht stören, ist es wichtig, auch unter Druck besonnen zu reagieren © auremar - stock.adobe.com

Lehrerin sein bedeutet unter Druck handeln (vgl. Wahl, D.: Handeln unter Druck. Weinheim1991). Und heute sogar oft unter enormen Druck, denn die Ansprüche an den Lehrberuf sind erheblich gestiegen. Wie wir aus der Stress- und Selbstregulationsforschung wissen (z. B. Baumeister, R./ Vohs, C.: Handbook of Self-Regulation. Research, Theory and Applications. New York, London 2004) ist es unter diesen Umständen sehr anspruchsvoll, souverän zu handeln und die „Interventionsleitlinien bei kleinen Störungen“ in die Praxis umzusetzen. Was Sie tun können, erfahren Sie in diesem Beitrag. Er möchten Ihnen Anregungen geben. Bitte entscheiden Sie selbst was ihnen zusagt und passen dies an Ihre Klasse an.

Handeln unter Druck: Studien aus der Selbstregulations- und Vorsatzforschung

Frau Peters hatte es besonders eilig. Unbedingt musste sie noch einige Kopien anfertigen. Und ausgerechnet jetzt wollte der Kopierer nicht mitmachen. Angespannt und zu spät kam sie in ihr Klassenzimmer. Dort herrschte erhebliches Durcheinander. Die Schülerinnen und Schüler waren laut, kaum jemand saß an seinem Platz usw.

Am Abend zuvor hatte sie sich noch bis spät abends genau auf diese Unterrichtseinheit vorbereitet. Und jetzt das. Als sie ihre Schülerinnen und Schüler anwies, ruhig zu werden und sich auf die Plätze zu setzen, tat sich erst einmal nicht viel. Dann hörte sie noch, wie ein Schüler rief: „Hallo Frau Peters — entspannen Sie sich!“ Das gab ihr den Rest. Schon fast schreiend intervenierte sie: „Jetzt seid ihr aber endlich ruhig — was seid ihr nur für eine Klasse! “ Dann notierte sie die Namen einiger Schüler, die sich besonders auffällig verhalten hatten, an der Tafel, was einer schweren Ermahnung gleichkam. Und schaffte sich damit weitere Probleme. Denn Robert rief, als er seinen Namen an der Tafel sah: „Immer schreiben Sie mich auf — dabei stören die anderen noch mehr als ich. Das sage ich meiner Mutter! “ Die Stimmung im Klassenzimmer war jetzt auf dem Tiefpunkt.

Was wir hier bei Frau Peters sehen, erklären uns die Studien aus der Selbstregulations- und Vorsatzforschung (Baumeister and Vohs, 2004). Da weiß man schon seit langem, dass hoher Druck und hohe Belastung unsere Kompetenzen zur Selbstregulation schwächen — und als Ergebnis alte Verhaltensweisen, die wir eigentlich ablegen wollten, automatisch wieder einrasten.

Unter Druck souverän handeln: Vorsatzbildung

Peter Gollwitzer (Gollwitzer, P. / Fujita, K. / Oettingen, G.: Planing and the Implementation of Goals. In: Baumeister, R., Vohs, C.: Handbook of Self-Regulation. Research, Theory and Applications. New York, London2004, S. 211–228), Universität Konstanz und New York, ist einer der ersten Wissenschaftler, die sich intensiv damit befasst haben, wie wir sogar unter Druck relativ souverän bleiben. Und zwar mit der Vorsatzbildung nach dem Muster: „wenn …, dann …“

Einige Monate nach dem Vorfall oben, arbeitet Frau Peters mit dem Vorsatz: „Wenn es in meiner Klasse drunter und drüber geht, dann weise ich meine Schülerinnen und Schüler höflich und entspannt an, was sie tun sollen.“ Das entspricht genau der Classroom-Management-Philosophie.

Hindernisse antizipieren

Natürlich wird es vorkommen, dass wir unseren Vorsatz, ruhig und souverän zu agieren, nicht immer einhalten. Das ist bei sehr anspruchsvollen Vorsätzen auch ganz normal. Anfangs könnten wir uns zum Beispiel auch vornehmen, unseren Vorsatz nur auf den heutigen Tag anzuwenden. Und morgen wieder neu schauen.

Eine starke Strategie ist, sich zu überlegen, welche Hindernisse uns von unserem Vorsatz abbringen könnten. Und uns dafür Handlungsoptionen zurechtlegen., Wie das im Detail möglich ist, beschreibt Gabriele Oettingen in „Rethinking Positive Thinking: Inside the New Science of Motivation“ (2014). Das Buch eignet sich für diejenigen, die mehr über dieses spannende Thema wissen möchten.

Regelmässiges Training — A und der O der persönlichen Weiterentwicklung

Natürlich ist regelmässiges Training nötig, bis man diese Gewohnheit wirklich relativ zuverlässig aufgebaut hat. Und der Weg dorthin ist kein geradliniger, sondern einer mit Hochs und hin und wieder auch mal ein kleineres Tief. Also so ähnlich wie beim Lernen von Vokabeln oder dem 1x1. Da müssen unsere Schüler ja auch länger dranbleiben und den Lernstoff immer wieder wiederholen, bis sie ihn auch wirklich zuverlässig und automatisiert abrufen können (zum Beispiel Felten, M. / Stern, E.: Scriptor Praxis: Lernwirksam unterrichten: Im Schulalltag von der Lernforschung profitieren. 2012).

Erinnerungshilfen

Lehrpersonen müssen nicht nur unter Druck handeln, sondern auch eine enorme Vielzahl an Informationen gleichzeitig im Kopf behalten, auf Situationen reagieren, die sie nur bedingt voraussehen können usw. Wie anspruchsvoll das ist, wissen wir ja alle. Da kann es schnell geschehen, dass man auch Wichtiges mal vergisst. Deshalb arbeiten immer mehr Lehrpersonen mit Erinnerungsstützen, wie Spickzettel, Lernkartei und ähnlichem. Indem sie sich diese wichtigen Unterlagen regelmässig anschauen, legen sie die Basis, um neues Verhalten aufzubauen und sich weiter zu entwickeln. Und das gilt auch dann, wenn man unsere „Interventionsleitlinien bei kleinen Störungen“ im Schulalltag erfolgreich umsetzen möchte.

Oder anders gesagt: Natürlich ist es sehr schön, wenn Sie diesen Artikel lesen — noch mehr profitieren Sie davon, wenn Sie sich die für Sie wichtigsten Aspekte stichwortartig notieren und in entspanntem Zustand immer mal wieder durchgehen, sodass Sie Ihre neu erworbene Kompetenz auch unter Belastung häufiger als früher abrufen können. Für dieses Extra-Engagement darf man sich ruhig auch würdigen, was sogar das Lernen vertieft.

Christoph Eichhorn

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