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Interventionsmöglichkeiten

Raufereien — wehret den Anfängen!

Jede Prügelei ist eine zu viel! Kommt es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Schülern, so  sollte man sofort eingreifen und ein Repertoire an Konfliktlösungsstrategien parat haben.

Interventionsmöglichkeiten: Raufereien — wehret den Anfängen! Aus kleinen körperlichen Auseinandersetzungen kann leicht eine wüste Prügelei werden, wenn man nicht rechtzeitig eingreift © pololia - Fotolia.com

„Frau Keil, komm schnell, Julian und Hannes prügeln sich hinten auf dem Schulhof beim Klettergerüst!“ Tina kommt atemlos über den Schulhof gerannt und holt ihre Klassenlehrerin zu Hilfe. Tatsächlich liegen die beiden Jungen raufend am Boden. Als die Lehrerin kommt und ihnen zuruft, dass sie aufhören sollen, halten sie inne. Wutentbrannt schreien sich die beiden noch Schimpfwörter zu, bevor die Klassenlehrerin Julian in den Theaterraum und Hannes in den Musikraum schickt, damit sie sich beruhigen können. 

Dieses Szenario auf Schulhöfen ist nicht ungewöhnlich, haben doch einige Schüler eine geringe Frustrationstoleranz und werden schnell handgreiflich. Es bringt in der akuten Wutsituation auch nichts, mit den Streitenden zu sprechen, da die Wut noch heftig brodelt und weitere Provokationen und Beschimpfungen folgen würden.

Auseinandersetzung sofort beenden

Tina hat in der Situation genau richtig gehandelt und für den eskalierten Konflikt ihrer Klassenkameraden Hilfe geholt, in dieser gewalttätigen Auseinandersetzung nach ihrer Einschätzung am besten eine erwachsene Person. Nachdem ein Streit handfest geworden ist, muss dieser zunächst beendet werden. Im beschriebenen Fall reicht bereits ein Zuruf der Lehrerin zum Aufhören. Oft müssen die Streitenden getrennt werden, um den Streit zu beenden. Hier muss die Lehrerin selbst entscheiden, ob sie sich körperlich in der Lage sieht, dazwischenzugehen bzw. sich nicht auch in Gefahr begibt oder ob sie noch Verstärkung des Kollegiums benötigt. In der Regel schafft es eine erwachsene Person bereits durch ihre Anwesenheit und Autorität den Konflikt zu beenden. Damit die erste Wut verrauchen kann, ist die räumliche Trennung der Streitenden von großer Wichtigkeit, um eine erneute Eskalation zu verhindern. Haben sich beide beruhigt, so kann ein Gespräch stattfinden.

Links zum Thema:

Kleines Video zur Methode No Bame Approach hier.

Konflikte gemeinsam lösen 

Auch wenn es bei Hannes und Julian auf den ersten Blick und nach Beobachtung von Tina nur um den Fußball ging, den Hannes nicht zu Julian spielen wollte, klärt eine flüchtige Entschuldigung den Streit oftmals nicht ausreichend. Ebenso kann es sein, dass ein Schüler sich durch eine vorschnelle Schuldzuweisung des Lehrers oder Mitschülers ungerecht behandelt fühlt und der Streit brodelt unterschwellig weiter. 

Aus Erfahrung ist der Streit um den Fußball auch nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Meist gingen einer solch massiven Auseinandersetzung bereits Konflikte voraus. Um dies hinreichend zu klären, bietet sich ein Mediationsgespräch an. Dafür benötigt man Zeit, die sich ein Lehrer nehmen muss. Für Gespräche bietet sich eine längere Pause, eine Förderstunde oder eine an der Schule eingeführte Mediationszeit beim Vertrauenslehrer an. 

Der Mediator lässt zunächst beide Parteien den Streithergang schildern, ohne dass der andere Schüler das kommentiere darf. Bei Hannes und Julian kommt hier zum Beispiel heraus, dass Julian Hannes im Bus auf dem Heimweg gestern beschimpft und seine Mütze durch den Bus geworfen hat. Das hat Hannes so geärgert, dass er sich beim Fußballspiel geweigert hat, mit Julian in einer Mannschaft zu spielen und ihm den Ball nicht zugespielt hat. Julian wiederum fühlte sich von Hannes provoziert, weil dieser ihm keinen Platz im Bus freimachen wollte. 

Im nächsten Schritt fasst der Mediator das Gehörte zusammen und fragt, wie es besser gelaufen wäre. Hier führt Hannes an, dass er Julian den Platz nicht geben wollte, weil er versprochen hatte, neben Jan zu sitzen und ihm deshalb einen Platz freigehalten hatte. Es wäre sicher besser gewesen, keinen Platz für Jan freizuhalten und ihn Julian zu geben. 

Die Überlegungen, wie es anders hätte laufen können, sind meist der erste Schritt — zu einer Lösungsfindung als Ziel der Mediation. Hier sollen beide sich etwas für das weitere Miteinander wünschen. So wünscht sich Julian, dass Hannes ihn nicht mehr ausschließt und Hannes, dass Julian nicht gleich so wütend wird. Die Wünsche werden vom Mediator schriftlich festgehalten und es wird eine Nachbesprechung vereinbart, bei der geprüft wird, ob sich beide an die Vereinbarung gehalten haben. Diese für beide Seiten ausreichende und einvernehmliche Aufarbeitung ist meist genug für ein weiteres friedliches Miteinander. 

Mit Unterstützungsgruppe zu einem entspannten Miteinander

Gerät ein Schüler allerdings oft als Opfer in handgreifliche Konflikte, liegt der Verdacht nahe, dass es hier um Mobbing geht. Dies ist bereits in Grundschulen möglich, leider öfter als gedacht. Hierbei gibt es einen „Bully“, der sich ein Opfer für Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten ausgewählt hat. Um den Bully scharen sich ein paar Mitläufer, die die Anweisungen zum Mobben eines Mitschülers ausführen sowie die passiven Zuschauer der Klasse, die sich aus Angst nicht einmischen und „petzen“ wollen. 

In dieser Situation kann der Ansatz von „No Blame Approach“ hilfreich sein, wenn Gespräche und Mediation mit dem Bully nicht fruchten. Dabei geht es darum, dem Opfer zu helfen, ohne Schuldzuweisungen an den Täter und diesen stattdessen mit einzubinden. Zunächst befragt der Lehrer das Opferkind nach seiner Not und seiner Bereitschaft, sich von ihm helfen zu lassen. Nimmt es die Hilfe an, so initiiert der Lehrer eine Unterstützergruppe von sechs bis acht Mitschülern, darunter der Bully und seine Mitläufer sowie Schüler, die dem Opfer wohlgesinnt und stark genug sind, Maßnahmen durchzusetzen. 

In der Unterstützergruppe muss jeder benennen, wie er dem Opfer helfen kann, aus seiner misslichen Lage herauszukommen. Der Lehrer gibt Hilfestellungen dazu und abschließend bekommt jeder eine klare Anweisung wie beispielsweise: „Wenn er allein auf dem Schulhof steht, spiele ich mit ihm!“, „Ich arbeite im Unterricht mit ihm zusammen“ etc. Auch der Bully wird hier eine Idee benennen und die Umsetzung nach einer Weile mit der Gruppe reflektieren müssen. So wird versucht, ihn auf die andere Seite der Helfer zu lenken. In der Regel ist beim Nachgespräch bereits eine Verbesserung der Situation zu bemerken. 

Mit den Eltern an einem Strang ziehen

Fruchtet auch dieses Vorgehen nicht, so sind gerade in der Grundschule die Eltern der Schüler in der Regel gut mit einzubinden. Berichten Sie von häufigen Auseinandersetzungen der Schüler untereinander, so sind sie oft bereit für ein Gespräch. Damit sich der Lehrer nicht gegenseitige Schuldzuweisungen von Eltern an andere Schüler anhören muss, ist hier ein Gespräch aller beteiligten Eltern mit der Klassenlehrerin, eventuell im Beisein der Schulleitung zu empfehlen. 

Auch in diesem Ansatz geht es nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen, sondern um Absprachen von Interventionsmöglichkeiten bzw. Verhaltensänderungen, die die Schule, das Elternhaus und die Schüler leisten können. Hier kann zum Beispiel ein außerschulisches nachmittägliches Treffen der streitenden Schüler von den Eltern vermittelt werden. Die Schule kann bei friedlichem Verhalten einen Verstärkerplan für die Schüler sowie eine wöchentliche Rückmeldung an die Eltern anbieten. Nach Absprache von Eltern und Schule kann ebenso ein Eltern-Lehrer-Kind-Gespräch stattfinden, um die Wichtigkeit der Einhaltung der Absprachen und Maßnahmen für die Schüler zu unterstreichen. 

Wichtig ist für den Lehrer von gewalttätigen Schülern, immer wieder aktiv zu werden, Maßnahmen wie Mediation, Elterngespräche, Unterstützergruppen etc. anzugehen, auch wenn sie zunächst zeit- und nervenraubend erscheinen. Sicher wird eine der Interventionsmöglicheiten hilfreich sein und letztendlich das Klassenklima so verbessern, dass sich die Energie und der Zeitaufwand dafür auszahlen.

Marion Keil

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