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Mediation

Schüler werden Streitschlichter

Wenn Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet werden, können sie als Mediator sowohl für ihr eigenes Streitverhalten als auch bei Streitigkeiten von Mitschülern Kompetenzen erwerben. So können sie im Streitfall eine echte Hilfe sein.

Mediation: Schüler werden Streitschlichter Statt sich zu prügeln lernen Schüler, den Konflikt verbal auszutragen und sich zu einigen © mizina - Fotolia.com

„Kann ich heute im Rollenspiel die Streitschlichterin sein?“, fragt Corinna ihre Lehrerin vor dem Sachunterricht. Gerade werden die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4b zu Streitschlichtern ausgebildet. Dazu werden die Schritte und Regeln der Mediation besprochen und praktisch in vielen verschiedenen Rollenspielen angewandt.

Heute beginnen Max und Lukas ein Rollenspiel im Plenum. Max hat Lukas beim Fußballspielen angerempelt und dieser hat ihn daraufhin einfach umgeschubst. Schnell entbrennt ein heftiger Streit zwischen den beiden. Da sie sehr wütend aufeinander sind, aber eigentlich befreundet sind und den Streit klären wollen, wenden sie sich an die Streitschlichterin Corinna. Diese beginnt nun vor der Klasse mit den besprochenen Schritten der Streitschlichtung und erklärt zunächst die Regeln.

Voraussetzung für eine Streitschlichtung ist, dass beide Schüler dies möchten. Da es trotzdem sein kann, dass die Wut noch nicht verflogen ist, müssen sich beide an Regeln halten: Jeder lässt den anderen aussprechen, keiner beschimpft den anderen und beide versuchen eine gemeinsame Lösung zu finden. Sind sie mit diesen Bedingungen einverstanden, kann eine einvernehmliche Streitschlichtung stattfinden und gelingen.

Die Rolle: Der Streitschlichter soll schlichten, nicht richten

Im Vorfeld soll die Rolle des Streitschlichters genau besprochen werden. Wichtig ist, dass er unparteiisch ist und bleibt. Es geht bei der Mediation in keinem Fall darum, Schuld zuzuweisen und Strafen zu verhängen. Für die Schüler ist die Unterscheidung zwischen Gericht und Streitschlichtung sehr anschaulich. Während im Gerichtssaal die Schuldfrage geklärt wird und Strafen ausgesprochen werden, soll der Mediator in der Mediation nur vermitteln und eine friedliche, gemeinsame Lösung herbeiführen. Diese sollte bestenfalls von beiden Streitenden selbstständig gefunden und auch von ihnen angenommen werden.

Damit dies gelingt, muss der Streitschlichter höflich und ruhig sprechen, zuhören und das Gesagte wiederholen können. Er sollte versuchen, die Hintergründe des Streits zu klären, damit Gefühle aufgedeckt und besprochen werden können: wie sich unverstanden, ausgeschlossen, ungerecht behandelt oder missverstanden fühlen. Es ist zunächst nicht einfach, die einzelnen Beteiligten nur anzuhören und keine eigenen Lösungen zu präsentieren. Dies muss im Rollenspiel immer wieder eingeübt, betont und reflektiert werden. Zudem muss der Mediator immer wieder auf die Einhaltung der Regeln achten und beispielsweise Beschimpfungen oder Zwischenkommentare unterbinden.

1.  Schlichtungsschritt: Was ist passiert?

Nach Absprache der Regeln und dem Bewusstwerden der Rolle des Streitschlichters geht die eigentliche Mediation los. Zunächst lässt der Mediator beide Seiten schildern, was passiert ist. Dies kann sehr unterschiedlich sein und oft hat der Mediator das Gefühl, dass die Schüler von verschiedenen Situationen reden. Für Max stellt es sich so dar, dass Lukas ihn böswillig geschubst hat, Lukas erzählt, er wäre beim Torschuss gegen ihn geprallt. Der Mediator wiederholt nun das Gesagte, fasst dies zusammen und fragt nach, ob er es richtig verstanden hat. In der Regel beharren die beiden Schüler zunächst auf ihrer Version des Streitgeschehens.

2. Schlichtungsschritt: Wie kam es zum Streit?

Oft ist es im nächsten Schritt wichtig herauszufinden, welche Beweggründe zum Streit geführt haben, da das Schubsen und Rempeln im Fall von Max und Lukas nur das offensichtliche Streitgeschehen ist, die Beweggründe aber bereits in der Vergangenheit liegen und oft unter der Oberfläche schon lange schwelen. Dabei hilft die Frage nach den Gefühlen, die beim beziehungsweise vor dem Streit da waren. Max berichtet vielleicht, dass Lukas immer der beste beim Fußballspielen in der Pause sein will und er eifersüchtig auf den Freund ist. Nie darf er auch mal im Sturm spielen. Lukas findet es traurig, dass Max beim Spielen immer so ausflippt und kann seinen Freund dann gar nicht verstehen.

Werden die Gefühle und Beweggründe aufgedeckt, so verstehen die Schüler sich besser, denn Lukas wusste nicht, warum Max beim Fußballspielen immer so komisch reagiert und aggressiv wird. Max wiederum war schon länger eifersüchtig, weil Lukas sich immer in den Vordergrund drängt und die Rolle des Stürmers für sich beansprucht, was Lukas wiederum gar nicht so empfunden hat. Er berichtet, dass er immer nur im Sturm spielte, weil er es in der Vereinsfußballmannschaft so gewohnt ist. Eigentlich ist es ihm gar nicht so wichtig.

3. Schlichtungschritt: Wie könnt ihr den Streit lösen?

Haben beide Schüler die Sichtweise des anderen in Bezug auf den Streithergang, die Gefühle und Beweggründe gehört, so ist meist eine schnelle Lösung möglich. Der Mediator fragt nun nacheinander, welche Lösungsmöglichkeiten die Schüler für die Zukunft haben. Im Fall von Max und Lukas könnte Lukas vorschlagen, dass Max morgen im Sturm spielen darf. Max könnte versprechen, dass er schneller sagt, wenn es ihm etwas nicht passt und seinen Unmut nicht mit aggressivem Verhalten zeigt. Durch diesen einfachen Rollentausch ist der Streit geklärt und die Schüler können entspannt weiterlernen. Was als heftiger Streit begann, entpuppte sich als Missverständnis mit einer einfachen Lösung.

Wenn beide Schüler möchten, können die vereinbarten Lösungen in einem Vertrag notiert und ein Nachtreffen vereinbart werden.

In vielen Fällen kommt in der Mediation heraus, dass es wichtig ist, frühzeitig miteinander zu sprechen und Gefühle zu äußern. So kann Streit oft im Keim erstickt werden.

4. Schlichtungsschritt: Wie hat es geklappt?

Ist ein Streit heftig und ist der Mediator nicht sicher, ob die gemeinsamen Lösungsvorschläge umgesetzt werden können, kann er ein Nachtreffen vorschlagen. Dieses kann nach einem Tag oder einer Woche etc. stattfinden, je nachdem wann die brisante Situation wieder auftritt und die Lösungen umgesetzt werden sollen. Im Nachtreffen wird gefragt, ob die Streitenden sich an die Lösungen gehalten haben, sie umsetzen konnten und ob sich der Streit nun endgültig durch die Mediation geklärt hat. Haben beide keine weiteren Berichte, Wünsche oder Sorgen, gilt die Mediation als erfolgreich beendet.

Nach der Streitschlichterausbildung der Klasse können einzelne Schüler ausgewählt werden, die sich für die Klasse oder die Schulgemeinde in der Pause als Streitschlichter zur Verfügung stellen. Stellen sie sich den Mitschülern als Streitschlichter vor und erklären ihre Rolle, können sie, durch Warnweste, Stirnband, Armband oder andere Kennzeichen für andere erkennbar, von Mitschülern im Streitfall angesprochen und um Hilfe gebeten werden. So haben die Schüler nicht nur Erfahrungen für ihr eigenes Streitverhalten und den Umgang miteinander gemacht, sondern stellen ihre Kenntnisse auch den Mitschülern zur Verfügung. Aus Erfahrung werden sie als Kinderstreitschlichter lieber angenommen als die Lehrer, wenn diese auch in „harten Fällen“ immer noch mithelfen müssen.

Marion Keil

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