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Konfliktlösungsstrategien

Was tun bei aggressiven und gewaltbereiten Grundschülern?

Bereits Grundschüler zeigen ein aggressives Verhaltenspotenzial, dem Lehrkräfte frühzeitig begegnen sollten. Ein Maßnahmenkatalog kann helfen, schwierigen Schülern soziale und personale Kompetenzen zu vermitteln.

Konfliktlösungsstrategien: Was tun bei aggressiven und gewaltbereiten Grundschülern? Wenn manche Grundschüler nicht in der Lage sind, Konflikte gewaltfrei zu lösen, besteht Handlungsbedarf © Africa Studio - Fotolia.com

„Ich liebe meinen Beruf. Leider wird es immer schwieriger, den Leistungsanforderungen und jedem Schüler mit seinen Problemen gerecht zu werden. Ich fühle mich oft hilflos und überfordert.“ — Die Aussage einer Lehrerin, die lange schon und engagiert in der Schule arbeitet.

In vielen Schulen trifft man auf Kinder, die sich ständig um irgendetwas Banales streiten, die nervös und unkonzentriert sind, die auf dem Schulhof treten, schlagen oder beschimpfen. Kinder, die auf eine hilflose, aggressive Weise versuchen, Kontakt aufzunehmen. Die Hemmschwelle, Aggressionen durch Gewalt auszuleben, ist erheblich gesunken. Auch Kinder im Grundschulalter haben schon häufig enorme Probleme, ihre Emotionen und Impulse zu steuern und zeigen verstörtes oder aggressives Verhalten durch körperliche Übergriffe.

Frühes Konfliktmanagement als Prävention

Immer öfter berichten Lehrer über die wachsende Frustration und Machtlosigkeit in ihrem Schulalltag. Sie erleben tagtäglich Schüler, die den Wissensstoff nur schwer erlernen und erhebliche Konzentrationsstörungen haben. Kinder, die emotional „unterernährt“ sind, die Regeln in einer Gruppe nicht beachten können und immer wieder in Konfliktsituationen mit ihren Mitschülern geraten oder den Unterricht massiv stören.

Die Vielschichtigkeit von gewalttätigen Verhaltensmustern fordert eine strukturierte und konsequente Handlungsweise, um Schülern Halt und Sicherheit zu geben und ein Lernklima zu schaffen, in dem sie ihre Fähigkeiten sinnvoll nutzen können. Durch ein frühzeitiges, effektives Konfliktmanagement und kreative Kompetenztrainingsmethoden können diese Verhaltensmuster korrigiert und durch andere Verhaltenskompetenzen ersetzt werden.

Statt um Deeskalation sollten wir uns um Prävention bemühen. In jeder Altersgruppe sollte eine Kultur der gewaltfreien Konfliktlösung etabliert werden. Thomas Gordon (Psychologe aus den USA, † 26. August 2002) entwickelte in den 70er-Jahren ein Kommunikations-Modell zur Lösung von Konflikten. Er prägte die Worte: „Ich bin wichtig — du bist wichtig — wir sind wichtig“.

Gordon ging es darum, die Beziehungen untereinander zu verbessern und Konflikte gewaltfrei und ohne Verlierer zu lösen. Somit im eigentlichen Sinne eine Friedensarbeit. Wenngleich seine Methoden sich im Schulalltag nicht immer umsetzen lassen, so ist diese Grundaussage und einige Methoden für die Arbeit heute in der Schule ein ganz wichtiger Aspekt. Allzu oft geschieht es, dass wir häufig nur „Waffenstillstand“ erreichen, ohne das eigentliche Problem zu lösen. Also keinen Frieden schaffen. Streitigkeiten, offene oder subtile Konflikte können auf Dauer nur durch Gespräche und geübte Handlungsabläufe gelöst werden. Je früher damit begonnen wird, desto früher wird die Basis geschaffen für ein gewaltfreies und produktives Miteinander und voneinander Lernen. Zusätzlich muss eine intensive Elternarbeit die Bildungsarbeit begleiten.

Die Konfliktauslöser in den Fokus nehmen

Konflikte haben unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen. Sie entstehen zwischen Schülern in der Klasse, in der Pause oder auf der Straße. Es gibt jedoch auch Konflikte zwischen Lehrern und Schülern. Oft kommen Kinder aggressiv in die Schule, weil sie zu Hause Konflikte mit ihren Eltern hatten. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen müssen von allen Beteiligten gelöst werden. Eine gesunde Streitkultur ist wichtig und kann man lernen. Lehrer sollten sich ebenso diesen Situationen mit ihren Schülern stellen und nach Lösungswegen suchen. Konflikte können jedoch auch zu Eskalationen führen und sogar außer Kontrolle geraten. Es kann passieren, dass ein Lehrer immer weniger Handlungsmöglichkeiten hat und es keine gemeinsamen Lösungen mehr gibt. Die Emotionen lassen sich nicht mehr steuern und im Vordergrund geht es nur noch um Sieg oder Niederlage des Gegners.

Voraussetzungen schaffen, damit es nicht zu Konflikten kommt

In diesem Zusammenhang kommt der präventiven Arbeit eine große Bedeutung zu. Im Rahmen des Erziehungs- und Bildungsauftrages hat die Schule eine „Schlüsselposition“ erhalten. Durch verschiedene Unterrichtsformen wie Gruppenarbeiten, Partnerarbeiten und Gesprächskreise lernen die Schüler, sinnvoll miteinander zu kommunizieren und Beziehungen aufzubauen. Sie erfahren, wie es ist, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und äußern zu können. Soziale Kompetenzen, Toleranz und Teamfähigkeit können schon ab der ersten Klasse geübt werden.

Ständig begleitende Gespräche sind sinnvoll und hilfreich. Ermutigung bringt Selbstvertrauen, Toleranz erwirkt Offenheit und Ehrlichkeit bringt Vertrauen. Attribute, die für jeden Menschen besonders wertvoll sind.

Prävention in diesem Zusammenhang heißt, nachhaltiges Üben von Einstellungs- und Verhaltensstrukturen. Voraussetzungen schaffen, dass es nicht zu Konflikten kommt. Es gilt ein Konzept zu entwickeln, das auf die Entwicklung einer Streitkultur, auf die bewusste Kontrolle aggressiver Affekte und die Entwicklung sozialer Normen zielt.

Im Unterricht sollten Situationen, die zu Konflikten führen können, thematisiert werden. Wie verhalte ich mich in bestimmten Lagen? Wie bekomme ich meine Wut in den Griff? Wie kommuniziere ich in sinnvoller Weise mit anderen? Was heißt Toleranz und Akzeptanz? Dies sind Inhalte gezielter Übungen, die täglich oder zu festgelegten Zeiten in den Klassen durchgeführt werden müssen. Die positive Beeinflussung von Einstellungs- und Verhaltensstrukturen ist ein Ziel der präventiven Arbeit. Die Schüler müssen immer wieder die Möglichkeit haben, das Erlernte zu erproben und zu überprüfen. Die kontinuierliche Wiederholung der Methoden und Übungen ist unbedingt erforderlich. Das Lernen soll kumulativ, d. h. aufbauend und erweiternd angelegt sein, um ein fortschreitendes Lernen zu ermöglichen.

Förderung von emotionalen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen Kinder und Jugendliche, die nicht gelernt haben, ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen über einen längeren Zeitraum zu entwickeln, geraten eher in Konflikte. In Anlehnung an Thomas Gordon lassen sich wichtige Grundsätze in den Unterricht einbauen. Dazu gehört ein empathisches Zuhören zwischen Lehrer und Schüler, zwischen Schüler und Schüler, um einen Konflikt zu entkrampfen.
Das Problem wird weder als Vorwurf noch als Wertung formuliert. Die Schüler sollen lernen, ihre Bedürfnisse gegenseitig klar auszudrücken und Ich-Botschaften zu senden. Die Konfrontation mit der Situation durch Gespräche supponiert neue Lösungen. Die Konfliktlösung sollte ohne Niederlage und Gewinner und Verlierer sein, d. h. es ist eine Win-win-Situation anzustreben.

Wer häufig Niederlagen erfährt, entwickelt Wut und Rachegedanken. Die Lösung, die angestrebt wird, sollte für beide Seiten akzeptabel sein. Mit anderen Worten, Deeskalations- und Coolnesstrainingsmethoden werden zu wichtigen Inhalten im Schulalltag. Ein umfangreicher Maßnahmenkatalog mit Übungen zur Förderung von emotionalen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen sowie konkrete Verhaltensmaßnahmen für den Lehrer in Konfliktsituationen sollten für alle Stufen zusammengestellt werden. Eine gesunde Streitkultur, Toleranz und Aggressionshemmungen sind die Ziele, die in einer emotional liebevollen Atmosphäre angestrebt werden.

Angela Hentschel

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