Fach/Thema/Bereich wählen
Evaluation

Bin ich ein guter Lehrer? — Schüler-Feedback

Dass Schüler Lehrern zu ihrem Unterricht ein Feedback geben, ist sehr effektiv für den späteren Lernerfolg. Doch haben viele Lehrer Vorbehalte gegen eine solche Befragung. Dabei ist ein Fragebogen, eine Gesprächsrunde im Anschluss oder eine Zielscheibe mit wenig Aufwand vorbereitet und ausgewertet – und erleichtert die zukünftige Unterrichtsplanung.

Evaluation: Bin ich ein guter Lehrer? — Schüler-Feedback Feedback an die Lehrperson: Schüler dürfen Smileys für den Unterricht verteilen © 4dstudios - Fotolia.com

Oft geben Lehrer Schülern Feedback zu ihrem Verhalten und zu ihren Leistungen. Es ist auch üblich, dass die Schüler ihre Lernprozesse selbst evaluieren und sich Ziele für die Weiterarbeit vornehmen. Eher unüblich ist, dass Schüler ihren Lehrern ein Feedback zum Unterricht geben. Laut neuesten Erkenntnissen von Hattie ist ein Feedback aber am sinnvollsten, wenn die Schüler ihren Lehrern eine Rückmeldung zum Unterricht geben, damit Lernen für alle Beteiligten sichtbar wird. Wenn die Schüler mitteilen, was sie wissen und verstehen, was sie missverstehen und nicht interessiert, nur dann kann demnach der Lernprozess vom Lehrer optimiert werden.

Methode zur Rückmeldung über den Unterricht

In der Rückmeldung von Schülern an Lehrer sollen sie zunächst mit der Methode, eine Rückmeldung zu geben, vertraut gemacht werden. Sie können damit Einfluss nehmen auf den Unterricht und Verantwortung für Unterrichtsgeschehnisse und deren Ergebnisse nehmen.

Für den Lehrer geht es im Schüler-Feedback darum, seinen Standort zu bestimmen. Seine Selbstwahrnehmung wird durch die Fremdwahrnehmung seiner Schüler ergänzt und er kann die Rückmeldung zur Optimierung von Lernprozessen nutzen. Durch die Reflexion seines eigenen Handelns kann er sich selbst in seiner Unterrichtstätigkeit weiterentwickeln. Anhand von Stärken und Schwächen im Unterricht wird der Handlungsbedarf für ihn deutlich. Wenn die Schüler lernen, qualifizierte Rückmeldungen über Unterricht zu geben, trägt das zur Verbesserung des Klimas und des Lernens durch gegenseitige Wertschätzung bei.

Vorbehalte von Lehrern gegen das Schüler-Feedback

Da der Lehrerberuf in der Öffentlichkeit zuweilen in keinem guten Licht steht, haben einige Lehrer zunächst Bedenken bei dieser Art der Rückmeldung. Angst vor uneingeschränkter Beurteilung der eigenen Lehrerpersönlichkeit lässt Lehrer am Vorhaben zweifeln.

Hier muss die Intention des Feedbacks erneut deutlich gemacht werden: Es geht nicht um den Lehrer als Person mit all seinen Eigenschaften, sondern um ihn als Lehrperson und die Wirkung des Unterrichts. Da der Unterricht ein gemeinsamer Lernprozess von Lehrern und Schülern ist, können beide Seiten das Unterrichtsgeschehen als Experten beurteilen.

Doch werden Schüler ehrlich urteilen? Diese Bedenken sind laut Expertenmeinung unbegründet, da die Schüler sehr gut und sachlich beurteilen können, ob Unterricht klar, verständlich, strukturiert und interessant gestaltet ist. Die effektivste Methode mit geringem Zeitaufwand stellt hier ein Fragebogen an die Schüler dar. In diesem müssen die Fragen entsprechend der Zielsetzung formuliert sein.

Inhalte des Schüler-Feedbacks

Damit Lehrer nicht nur Feedback geben, sondern auch zu ihrem Unterricht empfangen können, sollten die Fragen folgende Bereiche abdecken: Vermittlung von Aufgaben im Unterricht, Unterstützung von Lernprozessen, Förderung von Lernbereitschaft, individuelle Förderung, Zufriedenheit mit dem Unterricht, Schüler-Lehrer-Verhältnis, Klassenmanagement, Förderung und Zulassen von selbständiger Weiterarbeit.

Während es zunächst um die verständliche, interessante und informative Wissensvermittlung geht, werden die Schüler dazu befragt, wie gut sie Unterrichtsinhalte verstehen und umsetzen können. In ihrer Arbeit sollten sie vom Lehrer motiviert und unterstützt werden. Dazu erfolgen Fragen zu den Lernprozessen. Mit der Förderung von Lernbereitschaft findet Motivation durch geeignetes, ansprechendes Material statt. Wie individuell der Lehrer auf die einzelnen Schüler einzugehen vermag, wird in den Bereichen zur individuellen Förderung thematisiert. Wie strukturiert, klar gegliedert und durchschaubar Unterricht ist, schlägt sich auf die Zufriedenheit mit dem Unterricht nieder.

Weiterführende Hinweise:

Lehrerfeedback und Schülerfeedback nach Hattie.

Informationen und Tipps zum Schüler-Feedback.

Weitere Infos zur Beurteilung des Lehrers durch Schüler.

Fünf Feedback-Methoden.

Generelle Info zum Schüler-Feedback.

Ein ganz wichtiger Punkt ist das Schüler-Lehrer-Verhältnis. Nur Schüler, die sich angenommen, unterstützt, wertgeschätzt und fair beurteilt wissen, können gut lernen. Das Klassenklima trägt ebenso zum Wohlfühlen und angenehmen Lernen bei. Kann der Lehrer alle Kinder begeistern, verstehen, annehmen? Schließlich soll der Unterricht zur Selbständigkeit und dem Finden neuer interessanter Lerninhalte anregen. Wie gut der Unterricht hier vorbereitet ist, wird im Punkt Förderung zur selbstständigen Weiterarbeit erfragt.

Die Schüler beurteilen die einzelnen, kindgerechten Fragen in verschiedenen Abstufungen. In der Grundschule bieten sich hier Smiley-Bilder an: ein lachendes Gesicht für eine gute Bewertung, ein neutraler Mund für Enthaltung und ein trauriger Smiley für eine schlechte Bewertung. Da die Schüler anonym antworten, wird eine ehrliche Meinung erwartet. Auch sollte der Fragebogen Ende Klasse 1 und in Klasse 2 gemeinsam mit den Schülern erlesen und durchgegangen und die Inhalte mit Beispielen zur Frage besprochen werden. Ab Klasse 3 können die Schüler ihn selbst erlesen und selbstständig ausfüllen. Zur Auswertung bietet sich ein leerer Schülerfragebogen an, in den die Endergebnisse eingetragen werden. So hat der Lehrer einen schnellen Überblick über die Beurteilungen seiner Schüler.

Konsequenzen für den eigenen Unterricht

Viele Beurteilungen des Fragebogens sind selbsterklärend. Finden die Schüler den Lehrer in seinem Umgangston nicht freundlich genug, so kann der Lehrer selbst daran arbeiten. Verstehen viele Schüler Lernprozesse nicht, müssen die Erklärungen deutlicher werden, eventuell auch von Schülern an Schüler erklärt, da die Kindersprache hier Sachverhalte verständlicher machen könnte. Sind Beurteilungen der Schüler für den Lehrer nicht einsichtig oder er weiß nicht, wie eine Optimierung aussehen könnte, hilft eine Gesprächsrunde in der Klasse weiter. Oft können die Schüler genau erklären, warum sie diese Beurteilung gegeben haben und was sie sich zur Verbesserung vorstellen können. Fordern die Schüler beispielsweise mehr individuelle Förderung, werden sie im Gespräch erläutern, dass sie sich wünschen, dass schnell arbeitende Schüler weiterarbeiten dürfen oder langsam arbeitende Schüler sich mehr Zeit und mehr Präsenz und Unterstützung durch den Lehrer oder andere Klassenkameraden wünschen. Hier helfen bereits die Sitzordnung und zusätzliches Material weiter.

Neben Fragebogen und Gesprächsrunde können auch Zielscheiben mit Bewertungen, beispielsweise nach nur einer Unterrichtsstunde, stattfinden. Hier ist eine Scheibe ähnlich wie beim Bogenschießen abgebildet und die Schüler sollen auf jeder Achse ihren Klebepunkt weiter außen bei schlechter und weiter innen bei guter Bewertung aufkleben. Die Zufriedenheit mit der Stunde könnte anhand von Leistungskriterien der Achsen wie verständliche Erklärung, angenehmes Tempo bei den Aufgaben und Erklärungen, interessanter Unterricht, höflicher Umgang in der Klasse, gut geplanter Unterricht und ausreichend lange Übungszeit erfolgen.

Mit den vorgestellten der drei Feedback-Methoden Fragebogen, Gesprächsrunde, Zielscheibe (weitere sind in der Literatur vorhanden, doch für die Grundschule meist zu schwierig in der Umsetzung) erhält der Lehrer einen guten Überblick über lange zurückliegendes oder aktuelles Unterrichtsgeschehen und kann seine Stärken und Schwächen deutlich und zielgenau erkennen.

Marion Keil

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Unterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×