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Methoden

Das Daumen-Feedback

Eine der am leichtesten einsetzbaren und gleichzeitig effektiven Feedback-Methoden ist das Daumenfeedback. Es erfordert keinerlei Vorbereitung oder Material und lässt sich vielfältig anwenden.

Methoden: Das Daumen-Feedback Das Daumen-Feedback liefert einen Gesamteindruck in kurzer Zeit © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Beim Daumen-Feedback werden vorbereitete Fragen zum inhaltlichen Verständnis, zum methodischen Vorgehen oder zum sozialen Miteinander über Daumenanzeige beantwortet. Dabei können drei Daumenpositionen vorgegeben werden (aufwärts, seitlich, abwärts) oder auch fünf (diagonal nach oben und unten).

Das Daumenfeedback kann eingesetzt werden, um als Lehrperson ohne großen Zeitaufwand einen Gesamteindruck zu erhalten, wie z.B. ein bestimmtes Thema, eine Methode oder Darstellungsform in der Klasse angekommen ist und angenommen wurde.

Zugleich kann es aber auch als Instrument der Gruppenreflexion dienen und somit als Schüler-Schüler-Feedback fungieren. Genauso denkbar ist, dass der Lehrer den Schülern über diese Methode zurückmeldet, wie zufrieden er heute mit den Gruppenpräsentationen, der Lautstärke während der Gruppenarbeisphase oder den Arbeitsergebnissen war.

Ein Unterrichtsbeispiel

Die Schüler haben in der Gruppenarbeit ein Präsentationsplakat erstellt, welches das vorangegangene Unterrichtsthema zusammenfasst. Die Plakate wurden im Klassenraum aufgehängt, der Reihe nach von zufällig ausgewählten Gruppensprechern vorgestellt und gemeinsam in der Klasse nachbesprochen.
Nach dieser inhaltlichen Auseinandersetzung und Ergebnissicherung soll nun die Zusammenarbeit gruppenintern reflektiert werden. Hierzu befinden sich die Schüler nach wie vor in ihren Arbeitsgruppen.

Der Lehrer gibt ein Kriterium für gelungene Gruppenarbeit ins Plenum, wie z.B.: „In unserer Gruppe konnte sich jede/r Einzelne einbringen". Dieses wird in jeder Gruppe gleichzeitig nach dem Schnick-Schnack-Schnuck-Prinzip per Daumenanzeige bewertet. Anschließend haben die Schüler die Gelegenheit, ihre Wahrnehmung an konkreten Situationen festzumachen und ihre Daumenwertung zu begründen. Dies sollte möglichst in dem Feedback-Dreischritt „Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch“ erfolgen.

Nach etwa anderthalb Minuten wird ein zweites Kriterium vorgegeben, wie z.B.: „Es herrschte ein konzentriertes Arbeitsklima“). Wieder signalisieren sich die Gruppenmitglieder ihre Eindrücke und erklärem sie anschließend. Gegebenenfalls kann hier auch eine gruppeninterne Reihenfolge festgelegt werden, z.B. beginnt das nächste kommende Geburtstagskind, danach geht es im Uhrzeigersinn weiter.

Weitere mögliche Kriterien können nach dem genannten Vorgehen bewertet und besprochen werden:

  • Wir haben einander ausreden lassen.
  • Es wurde Blickkontakt gehalten.
  • Bei Meinungsverschiedenheiten sind wir zu einem guten Kompromiss gekommen.
  • Bei Verständnisschwierigkeiten haben wir einander geholfen.
  • Unsere Gruppenarbeit folgte einer klaren Struktur.
  • Unsere jeweiligen Rollen und Teilaufgaben haben wir ausgefüllt.

Keine Bewertung ohne Begründung

Das Daumenfeedback bereitet das eigentliche Feedback nur vor. Bliebe es bei der bloßen Bewertung, würden die Gruppenmitglieder und der Lehrer keinerlei konkrete Anhaltspunkte erhalten, an denen die Wertung festzumachen ist. Dadurch bliebe auch unbenannt, was in Zukunft beibehalten werden soll oder verändert werden muss. Insofern ist es wichtig, dass den Schülern stets die nötige Zeit gegeben wird, die Daumenwertungen zu erläutern und zu begründen.
Bei Schülern, die bislang nur selten mit Feedback gearbeitet haben, kann es sinnvoll sein, die Methode zunächst im Klassenverband einzusetzen und regelrecht einzuüben, bevor sie für die gruppeninterne Reflexion genutzt wird.

Dennis Sawatzki


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