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Viertklässler

Der Klassenarbeit den Schrecken nehmen

Klassenarbeiten sollten inhaltlich und methodisch mit den Schülern gut vorbereitet und besprochen werden. Einige Tipps zur Vorbereitung und während der Klassenarbeit helfen hier, für die nötige Motivation und Gelassenheit zu sorgen.

Viertklässler: Der Klassenarbeit den Schrecken nehmen Wenn alle Schüler gut vorbereitet sind, dann ist die Klassenarbeit für die meisten stressfrei © Herrndorff - Fotolia.com

„Hier ist euer Brief für die Klassenarbeit in Mathematik in einer Woche“, erklärt die Klassenlehrerin der Klasse 4. Der Brief beginnt mit „Das musst du für die Klassenarbeit wissen“ und listet alle Bereiche auf: „Vielfache und Teiler einer Zahl, die halbschriftliche Multiplikation und Division sowie die schriftliche Multiplikation.“ Auch steht im Brief, wo die Schüler nochmals nachschauen und lernen können, wie beispielsweise die Seiten im Buch, Arbeitsheft oder die kopierten Arbeitsblätter im Schnellhefter. Nach der Besprechung des Briefes lässt die Mathematiklehrerin die Schüler durch einen „Daumen“ anzeigen, welche einzelnen Bereiche sie gut können oder nicht. Das heißt, sie fragt: „Wie gut könnt ihr den Teiler einer Zahl finden?“ Und die Schüler zeigen mit ihrem Daumen nach oben, in die Mitte oder nach unten, je nachdem wie gut sie dies bereits beherrschen. So hat der Lehrer ein Stimmungsbild und weiß, welche Bereiche er nochmals mit der ganzen Klasse oder mit einzelnen Schülern wiederholen muss.

Gute, lang geplante Vorbereitung im Unterricht

Zur Konzeption einer Klassenarbeit ist es wichtig, die Inhalte im Unterricht ausführlich besprochen zu haben. Oft drängt die Zeit, um alle Bereiche im Schuljahr „durchzunehmen“, doch sollte der Lehrer so flexibel sein, um weitere Übungszeit für einen schwierigen Bereich spontan einschieben zu können. Gerade in Mathematik, in der die Inhalte aufeinander aufbauen, sind die Basiskompetenzen für Schüler wichtig, da sie immer wieder vorkommen und man die Zeit bei guter Kenntnis später wieder einholen kann.

So ist die Kenntnis und Wiederholung aller Einmaleinsaufgaben auch in Klasse 4 zum Einstieg der schriftlichen Multiplikation wieder wichtig und der Lehrer sollte für diese Wiederholung Zeit einplanen. Doch auch die Rechtschreibregeln und -strategien müssen beispielsweise in allen Jahrgängen wieder thematisiert werden. Nur so entsteht Sicherheit bei allen Schülern. In der Klassenarbeit sollten alle gesicherten Bereiche abgefragt werden und diese den Schülern genau mitgeteilt und geübt werden. Für eine Transferaufgabe bietet sich die letzte Aufgabe in der Arbeit an. Diese Transparenz für Schüler und auch Eltern schafft auf beiden Seiten ein sicheres Gefühl und alle gehen entspannt in die Klassenarbeit.

Da sich der Lehrer nicht immer auf die Eltern als häuslichen „Lerncoach“ für die Vorbereitung auf Klassenarbeiten verlassen kann und die Schüler zunehmend selbstständiger lernen sollen, ist ebenso eine methodische Vorbereitung der Schüler sinnvoll.

Vorbereitungstipps für die Schüler

Zwischen der Bekanntgabe einer Klassenarbeit oder Lernkontrolle sollte in der Regel noch eine Woche (Vorbereitungs-)Zeit liegen, um für die Arbeit zu lernen. Daher kann der Lehrer mit den Schülern diese mögliche Übungszeit gemeinsam einteilen. Hier hilft eine Übersicht für die Schüler mit folgenden Hinweisen: „Überlege, was du noch nicht gut kannst oder noch üben möchtest!“ Auf fünf Tage verteilt notieren die Schüler ihren Wissensstand. So haben sie bereits einen visuellen Überblick, was an welchem Tag noch zu tun ist.

Als Unterstützung kann der Lehrer auch im Unterricht an den verbleibenden Tagen an jedem Tag eine Wiederholungszeit einplanen, in der er systematisch für alle oder auch nur einzelne Schüler alle Inhalte nochmals erklären kann, damit die Schüler dann zu Hause noch weitere Übungen oder Aufgaben selbstständig wiederholen können.

Am Tag vor der Arbeit gilt es, Tipps zur Bearbeitung der Klassenarbeit durchzusprechen, damit die Schüler die zur Verfügung stehende Arbeitszeit optimal nutzen können. Damit kein Schüler in Panik gerät, sollten die Aufgaben vor dem Start der Klassenarbeit besprochen werden und jeder Schüler sollte Verständnisfragen in dieser Zeit stellen, um die Mitschüler später nicht zu stören. Wichtig ist es, den Schülern zu erklären, dass sie nicht chronologisch vorgehen müssen, sondern mit einer Aufgabe beginnen sollten, die sie gut können. In der Regel ist dies zwar meist die erste Aufgabe, die der Lehrer zum „Hineinfinden“ als leichte Wiederholungsaufgabe ausgewählt hat, jedoch ist es auch anders möglich. Haben die Schüler zunächst ein Erfolgserlebnis, so werden sie die weiteren Aufgaben entspannter und zügiger bearbeiten können.

Auch sollte bereits besprochen werden, ob Schüler einen Extraplatz im Klassenraum möchten, an dem sie vom Nachbarn unbehelligt oder ungestört arbeiten können. Vielleicht wünschen sich manche Schüler auch besonderen Zuspruch vom Lehrer beispielsweise in Form von Ermutigungssätzen wie „Du hast noch Zeit, arbeite ruhig weiter“ oder „Versuch nochmal in Ruhe darüber nachzudenken“ etc.

Damit die Schüler nicht in Panik geraten, sind folgende Tipps wichtig, wenn sie etwas nicht gleich wissen: „Bleib ruhig, schließe kurz die Augen und atme mal tief durch“, „Such dir zuerst noch eine leichtere Aufgabe aus“, „Schau dir die schwierige Aufgabe nochmal ganz in Ruhe an“ etc.

Werden diese Tipps schon am Tag zuvor und vor der Arbeit nochmals wiederholt, so fühlen sich die Schüler sicherer und gehen am nächsten Tag entspannter an die Klassenarbeit heran.

Klare Regeln während der Klassenarbeit

Am Tag der Klassenarbeit sollten die Schüler sich zunächst ihren Platz suchen und alle Materialien bereithalten. Damit Schüler nicht beim Sitznachbar abschreiben oder von diesem gestört werden, können Sichtschutzelemente verteilt und aufgestellt werden. Diese gibt es im Handel, Ordner haben sich hier wenig bewährt, da sie leicht umfallen. Aus Erfahrung mögen viele Schüler diese Trennelemente gern, da sie ihnen beim Arbeiten einen ungestörten Raum mit viel Konzentration bieten. Dies muss jeder Lehrer jedoch selbst entscheiden, ob er dies möchte oder die Tische auseinander zieht, Einzelplätze schafft etc. Ist alles vorbereitet und sind alle Schüler leise, so können die Arbeitsblätter für die Klassenarbeit ausgeteilt und besprochen werden. Auch an die besprochenen Verhaltensmaßnahmen wie „Beginne mit der einfachsten Aufgabe, lies dir schwierige Aufgaben genau und in Ruhe durch, entspanne dich und atme zwischendurch tief durch, wenn du nicht mehr weiter weißt“ wird nochmal kurz erinnert. Im Anschluss sollen alle Schüler leise arbeiten und sich nur im Notfall melden, um den Lehrer zu rufen, um ihm eine wichtige Frage zu flüstern.

Sind die Schüler inhaltlich und methodisch gut auf die Klassenarbeit vorbereitet und eingestimmt, können sie ihr Bestes geben und entspannter arbeiten. So verliert das Schreckgespenst „Klassenarbeit“ bei Eltern und Schülern an Macht.

Zudem ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass aus dieser einen Note nicht die Gesamtnote im Zeugnis besteht und dass nicht allein diese Note die Zukunft des Kindes bestimmt. Es ist lediglich eine Abfrage des Gelernten, eine Momentaufnahme, die neben den weiteren mündlichen und schriftlichen Leistungen einen geringen Anteil an der Gesamtbewertung des Schülers in einem Fach ausmacht. Mit dieser Mitteilung werden die Schüler motiviert an die schriftlichen Leistungsnachweise herangehen können. So verlieren sie bei Misserfolgen nicht gleich den Mut, beim nächsten Mal wieder erfolgreicher sein zu können.

Marion Keil

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