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Klippert-Methode

Eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten fördern

Schluss mit dem „Pampern“ der Schüler im lehrerzentrierten Frontalunterricht! Dr. Heinz Klippert setzt mit seinem Konzept auf die systematische Förderung von eigenverantwortlichem Lernen und Arbeiten sowie auf kooperative Lernformen.

Klippert-Methode: Eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten fördern Selbstständiges Lernen und Arbeiten beinhaltet auch intensive Gruppenarbeit © Syda Productions - Fotolia.com

Bruchrechnen ist anfangs für viele Schüler eine höchst abstrakte Angelegenheit: Meist kann man die Größe einer Zahl nicht direkt erkennen („Was ist größer, 3/5 oder 8/13?“) und auch das Veranschaulichen mit Pizza- oder Kuchenstücken hilft beim Rechnen mit Brüchen und gemischten Zahlen nur bedingt weiter. Offensichtlich herrscht hier also erhöhter Erklärungsbedarf durch den Mathematiklehrer. Die Vorstellung, dass die Schüler sich dem komplexen Thema „in Eigenregie“ nähern, erscheint eher abwegig.

Doch genau das tun die Fünftklässler in einem Video, das die Arbeit mit der Klippert-Methode vorstellt: Mithilfe von klaren Arbeitsanweisungen in den „Klippert-Heften“ erarbeiten sich die Schüler den Stoff selbstständig. Abwechselnd in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit werden sie selbst aktiv und „bohren sich regelrecht in das Thema hinein“, wie es der Sprecher im Video beschreibt. Gleichzeitig lernen die Schüler, wichtige Arbeitsweisen anzuwenden, wie zum Beispiel „Texte lesen, strukturieren, bewerten und vieles mehr“.

Auch die Kommunikations- und Teamfähigkeit der Kinder ist gefordert: Durch Losverfahren bilden die Schüler immer wieder neue Gruppen. Im Team klären sie die Fragen einzelner Gruppenmitglieder und präsentieren schließlich ihre Ergebnisse vor der Klasse.

Methodentraining, Teamtraining und Kommunikationstraining — das sind die drei Säulen des Programms zur Pädagogischen Schulentwicklung (abgekürzt PSE-Programm)  von Dr. Heinz Klippert, das Ihnen dieser Beitrag vorstellt.

Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen

Die systematische Förderung des eigenverantwortlichen Arbeitens und Lernens (abgekürzt: EVA) steht im Zentrum des Klippert-Programms. Doch die für effektives Lernen erforderlichen Kompetenzen und Methoden sind komplex und vielschichtig („zielgerichtetes Lesen und Exzerpieren, in Gruppen arbeiten, genaues Zuhören, strukturiertes Vortragen et cetera“, Klippert im Interview mit Martin Spiewak auf der Website zeit.de) und müssen den Schülern kleinschrittig vermittelt und mit ihnen geübt werden. Basisstrategie des Klippertschen Konzepts ist deshalb die Methodenschulung mit dem Ziel einer „nachdrücklichen Klärung und Festigung der betreffenden methodischen Regelwerke und Verfahrensweisen“. (Heinz Klippert: „Lernförderung konkret. — Die Grundzüge des ‚Klippert-Programms‘“).

Wenn die Schüler ihre Lernprozesse zunehmend eigenverantwortlich organisieren, nutzen sie ihre enormen Potenziale, so Klippert im oben verlinkten ZEIT-Interview: Sie „können sich gegenseitig helfen, anspornen und disziplinieren“. Dadurch verändert sich auch die Funktion der Lehrkraft. 

Lehrer als Moderator und Berater

Je mehr Verantwortung die Schüler für ihr Lernen übernehmen, desto überflüssiger wird „die anstrengende Rolle des Lehrers als Alleinunterhalter“. Lehrer würden dann „verstärkt beobachten, moderieren und beraten“, wobei sie natürlich trotzdem auch „hin und wieder (…) klassische Lehrervorträge halten oder Tafelbilder entwickeln“ (ebd.). Durch die wachsende Lernkompetenz der Schüler würden die Lehrer „deutlich entlastet“, so Klippert im Interview mit Peter Schipek auf der Website lernwelt.at. Der Alltagsstress im Unterricht wird vermindert und die Berufszufriedenheit steigt, verspricht Klippert.

Weiterführende Hinweise:

Viele der in der Hattie-Studie ermittelten Lernerfolgsfaktoren decken sich mit den Ansätzen des Klippertschen Konzepts, wie der Beitrag „Wo ‚Klippert‘ draufsteht, steckt eine Menge ‚Hattie‘ drin“ auf der Website bildungsklick.de ausführt. 

Schon eine einfache Gruppenarbeit mit anschließender Präsentation birgt für ungeübte Schüler große Schwierigkeiten. Wie Lehrer bewirken können, dass sich alle Gruppenmitglieder gleichermaßen engagieren, erläutert Dr. Heinz Klippert in diesem kurzen Video.

Auf dem Kongress „Unterricht im Wandel“ stellte Dr. Heinz Klippert am 13.04.2005 sein Konzept in einem fast einstündigen Vortrag vor, den Sie hier in voller Länge sehen können.

Methodentraining fördert PISA-Kompetenzen und zieldifferentes Lernen

Im Interview mit ZEIT-Redakteur Martin Spiewak erläutert Klippert die grundlegenden Intentionen, die hinter seinem Programm stehen. Die Schulen seien „einem wahren Trommelfeuer von Veränderungen ausgesetzt“, so Klippert, doch niemand helfe den Lehrern dabei, „all diese Neuerungen bei laufendem Unterrichtsbetrieb umsetzen“ zu können (ebd.).

So orientierten sich zum Beispiel die neuen Bildungsstandards nach dem anfangs schlechten Abschneiden bei PISA „nicht nur am Stoff der Lehrpläne, sondern vor allem an übergreifenden Fähigkeiten und Kompetenzen“, es gehe weniger darum, „Wissen zu pauken“, als vielmehr darum, Probleme zu lösen und zu lernen, wie man „Fachinformationen finden, verarbeiten und rhetorisch geschickt präsentieren“ kann (ebd.).

Die vier Ebenen der Lern- und Integrationsförderung

Auch die wachsende Heterogenität im Klassenzimmer stellt Lehrkräfte vor neue Herausforderungen, die unter den „restriktiven Bedingungen des bundesdeutschen Schulalltags“ nur schwer zu bewältigen seien, so Klippert. Er schlägt eine „Lern- und Integrationsförderung“ auf vier Ebenen vor, die er in dem oben verlinkten Artikel „Lernförderung konkret — Die Grundzüge des ‚Klippert-Programms‘“ darstellt (vgl. dazu den tabellarischen Überblick auf S. 2):

  • Die „Förderung basaler Lernkompetenzen“ zur „Entwicklung von Methodenkompetenz und Methodenbewusstsein“.
  • Die „Förderung des kooperativen Lernens“ und damit den „Ausbau des Miteinander- und Voneinanderlernens“ (Teamentwicklung, Regeln festlegen, verschiedene Formen der Gruppenarbeit wie Gruppenpuzzle, Gruppenralley oder Placemat).
  • Die „Förderung verstärkten Wahlunterrichts“ im Rahmen von Freiarbeit, Werkstattarbeit, offenem Lernen, Projektarbeit etc., die den Schülern individualisiertes Arbeiten und Üben ermöglicht.
  • Die „Förderung differenzierter Lernaktivitäten“ im Rahmen von „Lernspiralen“, die Klippert folgendermaßen umreißt: „Die Schüler/innen bohren sich in variabler Weise in den jeweiligen Lernstoff hinein und praktizieren dabei vielseitiges tätiges Lernen — mal arbeitsgleich, mal arbeitsteilig, mal anspruchsvoller, mal einfacher.“ Der Ablauf einer Lernspirale wird durch festgelegte Phasen strukturiert (Inputphase, Bearbeitungsphase, Nachhilfephase in Zufallsgruppen, Konstruktionsphasen, Präsentations- und Reflexionsphase und Vertiefungs- bzw. Transferphase), wobei die Schüler „im Regelfall am gleichen Thema und mit dem gleichen Basismaterial“ arbeiten (S. 3). (vgl. ausführlicher dazu den unten verlinkten Lehrerbüro-Beitrag „Die Lernspirale als Aktivierungszirkel“ von Dr. Heinz Klippert)

Offensichtlich greifen die „vier Ebenen der Lern- und Integrationsförderung“ ineinander und lassen sich nicht klar voneinander abgrenzen: So ist zum Beispiel Methodenkompetenz für kooperatives Arbeiten ebenso erforderlich wie für die komplexe Arbeit mit Lernspiralen, kooperatives Arbeiten spielt im Projektunterricht oder beim Werkstattlernen eine wesentliche Rolle usw.

Kritische Stimmen zu Klipperts Ansatz

Kritiker beanstanden immer wieder, dass Klippert zugunsten des Methodenlernens die Inhalte vernachlässigt:
Elsbeth Stern, derzeit Professorin für Lehr-Lern-Forschung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, rät in einem Beitrag in der ZEIT dringend davon ab, ein „Methodentraining à la Klippert auf den Stundenplan zu setzen“, denn eigenständige Methodentrainings seien ebenso sinnvoll „wie Stricken üben ohne Wolle“. „Viel wirksamer“ wäre es doch, Lern- und Arbeitsmethoden direkt in den Unterricht zu integrieren. So gebe es etwa Schüler mit „dramatischen“ Lese- und Textverständnis-Defiziten, denen beim Entschlüsseln jedes einzelnen Buchstabens „der rote Faden verloren“ gehe. „Dieses Problem löst man nicht dadurch, dass man mit bunten Textmarkern Unterstreichungstechniken übt, wie es Klippert vorschlägt“, so Elsbeth Stern.

Rosemarie Straub und Eugen Troendlin hinterfragen den Ansatz von Klippert auf der Website der GEW Berlin nach einer „Klippert-Fortbildung“ an ihrer Schule kritisch. Wie Elsbeth Stern sind auch sie überzeugt, dass es weder im Leben noch in der Schule ohne Methodenwissen geht. Bei Klippert jedoch „erfährt die Angelegenheit einen überbetonten Beigeschmack. (…) Entgegen aller Verlautbarungen seines Ansatzes bestimmen immer noch die Inhalte die Methoden und nicht umgekehrt“, so das Fazit der beiden Pädagogen.

Prof. Dr. Andreas Gruschka wendet sich gegen den „Methodenwahn“ im Unterricht und gegen „Strategien zur Vermeidung des Lehrens“. Die Methoden koppelten sich von den Inhalten ab und würden so „von Mitteln der Erkenntnisgewinnung zum Ziel des Lernens, so dass im besten Fall man [sic!] nur noch sie selbst als Methoden erwirbt. (…) Der Irrweg hat einen Namen: Heinz Klippert.“ (Auszüge aus Gruschkas Text „Über den Methodenwahn im Unterricht“ finden sich auf der Website lehrerfreund.de).

Prof. Dr. Reinhard Franzkes Beitrag zur Klippert-Kritik („Mit Klippert in die Katastrophe“) verteufelt das Klippert-Programm mit ebenso viel Verve („Das gesamte Konzept ist grundfalsch!“, ebd., S. 15 ff.), wie die Unterwanderung des christlichen Abendlandes durch den Dalai Lama.

Fazit

Natürlich erschöpft sich Unterricht nicht in einem Methodentraining gemäß Klipperts Konzept. Zentrale Aufgabe der Schule ist nach wie vor die Vermittlung von Lerninhalten, wie sie in den Lehrplänen festgeschrieben sind. Doch das gelingt am besten mit vielfältigen Unterrichtsmethoden, die schrittweise eingeführt, geübt und reflektiert sein wollen.

Im Lehrerbüro finden Sie dazu jetzt direkt übernehmbare Stundenkonzepte (Lernspiralen zu Unterrichtsthemen in verschiedenen Fächern) mit didaktischen Anregungen, mit denen Sie die Methodenkompetenz Ihrer Schüler und damit auch das eigenverantwortliche Lernen der Kinder und Jugendlichen fördern.

Martina Niekrawietz

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