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Feedback geben: Redekärtchen

Bei einem Feedback halten sich manche Schüler gern zurück und überlassen anderen das Wort. Um jedoch möglichst viele Perspektiven einzuholen, können in diesem Fall Redekärtchen Abhilfe schaffen.

Methoden: Feedback geben: Redekärtchen Redekärtchen sollen zu einer ausgewogenen Gesprächsbeteiligung der Schüler führen © iStockphoto.com/shapecharge

Der Einsatz von Redekärtchen ist für Rückmeldungen im Klassenverband oder zur Strukturierung von Kleingruppendiskussionen einsetzbar. Beide Einsatzmöglichkeiten unterscheiden sich jedoch methodisch voneinander. Sollen die Schüler beispielsweise über ein vorgegebenes Thema, wie zum Beispiel eine gesellschaftlichen Kontroverse, diskutieren, kann mithilfe von Redekärtchen gewährleistet werden, dass sich jedes Gruppenmitglied einbringt.

Hierfür erhält jeder Schüler, je nach Gruppenstärke und geplanter Länge der Diskussion, eine bestimmte Anzahl an Redekärtchen. Mit jeder Rückmeldung muss er eines seiner Kärtchen in die Mitte des Tisches legen. Sind alle Karten aufgebraucht, darf er keine weiteren Wortbeiträge beisteuern, bis alle anderen Gruppenmitglieder ihre Karten ebenfalls eingesetzt haben. Danach kehren die Kärtchen an die Schüler zurück und jeder verfügt erneut über entsprechendes Rederecht.

Strukturierungshilfe in Diskussionen

Durch diese Strukturierung von Gruppengesprächen wird nicht nur sichergestellt, dass sich alle Schüler beteiligen, sondern zugleich auch, dass die forscheren, proaktiveren Schüler sich zurückzunehmen lernen. Denn was nützt es, wenn man sein Pulver bereits in der ersten Minute verschossen hat? Insbesondere die extrovertierteren Schüler neigen dazu, ihren Standpunkt und ihre Argumente als erste kundzutun.

Wenn dann entsprechende Gegenmeinungen und Contra-Argumente folgen, darf der Schüler womöglich nichts mehr entgegnen, weil er eben keine Redekärtchen mehr besitzt. Er lernt also rasch, dass es taktisch klug sein kann, sich in Diskussionen zu Beginn ein wenig zurückzuhalten, den anderen zunächst aufmerksam zuzuhören und sich seine Argumente passgenau zurechtzulegen.

Doch auch introvertierte bzw. unmotivierte Schüler profitieren von dieser Methode: Für die meisten Schüler ist die Situation, sich zunächst schweigsam zurückzuhalten und sich dann auf Abruf einbringen zu müssen, eine unangenehme Erfahrung. Durch die Arbeit mit Redekärtchen lernen sie, auch schon zwischendurch, wenigstens kleinere Beiträge zu liefern, um am Ende nicht auf den eigenen Kärtchen sitzen zu bleiben und dann in Zugzwang zu geraten.

Redeanteile überprüfen

Somit trägt die Methode bei mehrmaligem Einsatz dazu bei, dass sich eine ausgewogenere Gesprächs- und Diskussionskultur entwickelt. Da jeder Wortbeitrag durch eine Karte symbolisiert wird, kann am Ende einer Diskussion auf sehr plastische Weise nachvollzogen werden, wie sich die Redeanteile in einer Gruppe verteilt haben. Zwar sagen die Redekärtchen noch nichts über die jeweilige Länge eines Wortbeitrages aus, doch helfen sie zumindest in einem ersten Schritt dabei, die Menge der Wortbeiträge zu erfassen und auszutarieren.

Als Redekärtchen eignen sich farbige Zettel oder Spielsteine jeglicher Art. Sehr beliebt sind auch Pokerchips. Am besten erhalten die Schüler einer Gruppe Kärtchen in einer jeweils anderen Farbe. Wenn Schüler A etwa vier rote Redekärtchen besitzt und die Schüler B, C und D jeweils gelbe, grüne und blaue, fällt die Zuordnung der bisherigen Beiträge, die sich ja in der Mitte des Tisches anhäufen, deutlich leichter.

Feedback im Klassenverband

Die Methode eignet sich , wie oben erwähnt, auch für ein Feedback im Klassenraum. Wenn etwa eine Schülergruppe einen Vortrag gehalten hat, entsteht nicht selten die Situation, dass sich nur einzelne Schüler mit ihren Wahrnehmungen und Rückmeldungen einbringen. Da es jedoch für ein Feedback gerade wichtig ist, möglichst viele verschiedene Perspektiven kennenzulernen, sollten auch möglichst viele Schüler in den Prozess eingebunden werden.

Ein Unterrichtsbeispiel: Im Rahmen einer Gruppenarbeit haben die einzelnen Gruppen unterschiedliche Ergebnisse erzielt und dazu jeweils ein Präsentationsplakat erstellt. Diese Plakate sollen den Mitschülern nacheinander vorgestellt werden. Nach jeder Präsentation folgt ein Feedback.

Hierzu wurden bereits in einer der vorangegangenen Unterrichtsstunden grundsätzliche Beobachtungskriterien ausgearbeitet, auf die es in einer Präsentation zu achten gilt, wie zum Beispiel Lautstärke, Sprechtempo, Betonung, Pausensetzung, Blickkontakt, Zielgruppenorientierung, Visualisierungsformen, transparente Struktur, Gestik, Einsatz illustrierender Beispiele etc. Diese Punkte hängen als Erinnerungshilfe auf zwei Flipchart-Plakaten neben der Tafel.

Mindestens zwei Rückmeldungen pro Schüler

Nach jeder Präsentation melden sich die Schüler, um ihre Beobachtungen zu beschreiben und eventuelle Tipps zu formulieren, was die Referenten beibehalten sollten und was sie optimieren könnten. Mit jeder Rückmeldung geben die Schüler eine Karte ab. Sie dürfen allerdings auch dann noch weitere Rückmeldungen geben, wenn sie ihre zwei Karten bereits investiert haben.

Denn sonst lehnen sich manche Schüler möglicherweise unbeteiligt zurück, sobald sie ihre beiden Rückmeldungen erteilt haben. Und andere, die an sich sehr motiviert sind, würden in ihrem Engagement unnötigerweise ausgebremst werden.  Im Laufe der sechs Plakatpräsentationen und Feedbackrunden muss jedoch ausnahmslos jeder Schüler seine beiden Karten losgeworden sein, d. h. mindestens zwei Rückmeldungen gegeben haben.

Dennis Sawatzki


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