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Unterrichtsgestaltung

Freiräume für die Kreativität der Schüler schaffen

Kleine Kinder sind noch kreativ, größere schon weniger. Denn Kreativitätskiller beherrschen allzu häufig den Unterrichtsalltag. Stattdessen sollte man die Schüler in ihrer Kreativität fördern und Freiräume dafür schaffen.

Unterrichtsgestaltung: Freiräume für die Kreativität der Schüler schaffen Kreative Freiräume sind im Schulalltag wichtig — und das nicht nur im Kunstunterricht © ChristArt - Fotolia.com

Die berühmte Managementtrainerin Vera Birkenbihl zeigt in ihrem äußerst unterhaltsamen wie informativen Vortrag „Ohne Worte — wortlos denken“ (auch auf DVD) den Zusammenhang zwischen Kreativität und Intelligenz auf. Sie bezeichnet Kreativität als eine intelligente Art, Dinge miteinander zu verbinden, die eigentlich nicht miteinander verbunden sind und daraus etwas Neues zu schaffen. Wir verbinden mit Kreativität solche Tätigkeiten wie Zeichnen, Musizieren oder Dichten. Doch Kreativität ist noch viel mehr — wir benötigen sie zum Lösen täglicher Probleme, für jede neue Aufgabe und in nahezu jedem Bereich unseres Lebens.

Für Kinder ist Kreativität quasi ein Naturzustand, denn die grundlegenden Entwicklungsschritte von Kindern stellen Übungen im kreativen Problemlösen dar. Das Kind „erfindet“ die Errungenschaften der Menschheit so gewissermaßen neu.

Die Psychologin und Kreativitätsexpertin Teresa Amabile zeigt, dass wesentliche Elemente von Kreativität bereits im Säuglingsalter vorhanden sind:

  • die Welt erforschen und Dinge ausprobieren wollen,
  • die Dinge auf unterschiedliche Weise benutzen
  • sowie Staunen und Spontaneität.

Kreativitätskiller in der Schule

Demgegenüber stehen psychologische Zwänge im Leben eines Kindes, die bereits frühzeitig auftreten und so die Kreativität hemmen. Amabile untersuchte, warum Schüler schon ab der 3./4. Klasse oft die Lust am Lernen verlieren und kann einige Kreativitätskiller beschreiben:

Literatur zum Thema:

Teresa M Amabile: Creativity In Context.  Westview Press 1996

Keri Smith: Sachensucher. München 2014

Daniel Goleman: Kreativität entdecken. München 1999

Horst Mauer / Norbert Müllert: Soziale Kreativitätsmethoden von A bis Z. Neu-Ulm 2007

Julia Cameron: Der Weg des Künstlers. München 2000

Vera F. Birkenbihl: Ohne Worte — Wortlos denken. DVD Crest Movies 2011

  • Beaufsichtigung: Steht ein Kind unter ständiger Beobachtung, versteckt und unterdrückt es alle Impulse zur Risikobereitschaft und Kreativität. In unserer schulischen Welt von Aufsichtspflicht und Übersicht wird dies zu einem Faktor, der Kreativität eingrenzt.
  • Bewertung: Für Kreativität wichtig wäre, ob Kinder mit sich selbst zufrieden sind. Häufig sorgen wir in der Schule (unabsichtlich) jedoch dafür, dass Schüler sich Gedanken darüber machen, was andere über sie denken oder wie andere sie beurteilen.
  • Belohnung: Ein weiterer Kreativitätskiller sind wohlgemeinte übermäßige Gaben an Verstärkern wie Sternchen, Bonbons oder ähnlichem. Die Schüler verlieren leichter die intrinsische Lust und das zweckfreie Vergnügen an kreativer Tätigkeit.
  • Wettbewerb: Wenn Schüler ständig in eine Konkurrenzsituation mit nur einem Sieger gebracht werden, so verlieren sie ihre Kreativität. Sie sollten selbst über ihr Tempo bestimmen dürfen und einen gesunden Teamgeist entwickeln.
  • Gängelung: Zu viele Vorschriften, wie Schüler etwas zu tun haben, bedeuten, dass wir Erwachsenen stark in das Leben der Schüler hineinregieren. Schüler können dadurch das Gefühl entwickeln, dass die reine Exploration pure Zeitverschwendung ist. Sie tun dann die Dinge so, wie wir es erwarten, was wiederum die Kreativität hemmt.
  • Einengung von Entscheidungsspielräumen: Auch die Vorschrift, welcher Beschäftigung das Kind machgehen möge, engt Kreativität ein. Stattdessen wäre es besser, die Schüler zu ermutigen, eigene Interessen und Vorlieben zu verfolgen, selbst zu entscheiden, wozu sie Lust haben
  • Druck: Überhöhte Leistungserwartungen wirken sogar kontraproduktiv, wenn der Schüler lernen soll, ohne sich für den Inhalt zu interessieren.
  • Der größte Kreativitätskiller ist jedoch zu wenig Zeit. Im Flow, dem losgelösten Zustand während einer kreativen Tätigkeit, spielt Zeit gar keine Rolle. Die Spiel- und Lernumgebungen sollten idealerweise Flow ermöglichen. Wenn wir Schüler ständig aus tiefster Konzentration herausreißen, führt das zu Frust. Wir Erwachsenen haben vielleicht schon viel zu schnell ein Endprodukt/ Ergebnis vor Augen, während die Schüler sich noch in der Tätigkeit „vergessen“ können.

Kreative Freiräume schaffen

Als Lehrer sind wir natürlich immer auch um das Weiterkommen der Schüler besorgt: um die Erfüllung von Lernzeiten, Noten, Leistungsmessung, Lehrplanvorgaben, Elternwünsche usw. Um kreative Freiräume zu schaffen, ist es im schulischen Alltag bestimmt notwendig, über die passende Verortung nachzudenken. Die musischen Fächer bieten traditionell einen guten Raum, ebenso alle Phasen des sozialen Lernens und des kooperativen Handelns. Aber auch in den sogenannten Kernfächern und Kulturtechniken können wir immer wieder den Aspekt der Kreativitätsförderung mit bedenken. In den neueren mathematischen Konzepten sind offene, kompetenzorientierte Aufgabenstellungen inzwischen fest verankert. In Deutsch wählen wir häufig kreative Unterrichtsmethoden wie Rollenspiel, ästhetisches Gestalten, handlungs- und produktionsorientierte Methoden.

Wollen wir also unsere Schüler fördern, die eigene Kreativität zu entwickeln, können vier grundsätzliche Aspekte dabei helfen:

  1. Glaube an die eigene Kreativität, Ermutigung zum kreativen Tätigsein,
  2. Verzicht auf Kritik, Abstand vom gedanklichen Ergebnis,
  3. genaue Beobachtung, Förderung und Angebot von passenden kreativen Elementen,
  4. unvoreingenommene Fragen, Ideen der Schüler ernst nehmen und fördern.

Vielleicht bleibt uns Lehrkräften aber vor allem und in erster Linie die schärfere Fokussierung auf das Thema Flow und Zeitmanagement. Statt der täglichen Eingrenzung und Beengung durch Stundenplan und Lehrplan-Soll können wir mutig Zeiträume — nicht nur, aber auch — zur kreativen Entfaltung zur Verfügung stellen.

Für einen praktischen Einstieg mit vielen guten Ideen zur anregenden kreativen Betätigung empfehle ich die Bücher von Keri Smith. Sie schreibt in ihrem Vorwort zu dem Buch „Sachensucher“: „Dieses Buch ist allen großartigen Lehrern der Welt gewidmet. Jeder einzelne von Ihnen kann einen Lebensweg verändern.“ (Keri Smith: Sachensucher. München 2014, S. 4)

Claudia Omonsky

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