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Diskussionsstoff

Hausaufgaben — sinnvoll oder sinnlos?

Hausaufgaben sorgen seit langer Zeit für Diskussionsstoff: Sind sie sinnvoll oder nur ein zusätzlicher und ineffektiver nachmittäglicher Ballast für Schüler — und deren Eltern?

Diskussionsstoff: Hausaufgaben — sinnvoll oder sinnlos? Wunsch aller Lehrer und Eltern: ein Kind, das konzentriert seine Hausaufgaben erledigt © Gina Sanders - Fotolia.com

„Du hast heute noch gar nicht die Hausaufgaben nachgeschaut!“, erinnert Markus seine Klassenlehrerin. Obwohl mancher Lehrer die Hausaufgaben gern vergessen oder gar abschaffen würde, sehen die Verordnungen der Bundesländer das Erteilen der Hausaufgaben als Pflicht jeden Lehrers an. Die tägliche häusliche Nachbereitung in Form von Aufgaben, die auf den gelernten Stoff aufbauen, ist deutschlandweit üblich. Kein Schüler kann sich vor diesen unliebsamen Erledigungen nachmittags drücken. Eltern sind zum Teil genervt, weil sie als Kolehrer ihren Kindern den Unterrichtsstoff erklären müssen, Lehrer, weil mal wieder die Hausaufgaben vergessen wurden.

Laut Länderverordnungen geht es bei den Hausaufgaben um die Wiederholung des schulischen Lernstoffs. Die gelernten Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen geübt, vertieft und angewendet werden. Die Schüler sollen außerdem mit den häuslichen Aufgaben selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten üben. In den meisten Fällen folgt das Erledigen der Hausaufgaben in häuslicher Ruhe und in Eigenorganisation der Schüler.

Vorteile für Eltern und Lehrer

Die Hausaufgaben stellen außerdem die Verbindung zwischen der Schule und dem Elternhaus dar. Durch die an den Lernstoff angepassten Aufgaben erfahren die Eltern (wenn sie die Hausaufgaben begleiten und verfolgen), was in der Schule gelehrt und von ihrem Kind gelernt wird.

Für den Lehrer bieten Hausaufgaben die Möglichkeit, Übungsphasen in die häusliche Umgebung zu verlegen. So kann der Schulstoff durch diese zusätzlichen Übungsphasen bestenfalls schneller erfasst und die zu unterrichtenden Inhalte des Schuljahres zügiger vermittelt werden. Gleichzeitig erhält der Lehrer ein Feedback, ob der gelehrte Stoff verstanden wird und die Schüler ihn eigenständig anwenden können.

Alltägliche, nicht zu unterschätzende Probleme

Problematisch werden die Hausaufgaben für Schüler, die dem Unterrichtsinhalt nicht folgen können und bei denen die häusliche Hilfe fehlt. Erfahren sie keine Unterstützung durch helfende Betreuer oder Eltern, Geschwister und Großeltern können sie die Hausaufgaben nicht selbstständig lösen.

Sind die Eltern bereit, ihr Kind bei den Hausaufgaben zu begleiten, endet dies in einigen Fällen auch im Streit: Die nötigen Nacherklärungen oder das schleppende Lösen der Aufgaben mangels Konzentration oder Unverständnis kann Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führen. Schließlich sollen sie ja auch nicht als Hilfslehrer fungieren. Wenn es irgend möglich ist,  wird dann die Hausaufgabenhilfe im Betreuungsangebot der Schule angenommen oder externe Hilfe in Anspruch genommen.

Für die Lehrer bedeuten die Hausaufgaben einen zusätzlichen zeitlichen Aufwand: Sie müssen passend zum Unterrichtsstoff bereitgehalten werden, mit den Schülern besprochen, von ihnen notiert und am nächsten Tag nachgeschaut werden. Hat der Lehrer zu schwierige oder zu viele Hausaufgaben ausgewählt, kommen Klagen von Eltern und Kindern.

Vorbereitung durch den Lehrer entscheidend

Es stellt sich also die Frage: Wie sinnvoll sind Hausaufgaben im Endeffekt? In der Studie „Visible Learning“ von John Hattie wird Hausaufgaben eine mittlere Effektstärke zugeordnet.

Hier lohnt sich zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit von Hausausgaben sicher ein Blick auf die Umstände: Werden Hausaufgaben nur um der Hausaufgaben willen für die ganze Klasse pauschal gegeben, so muss man sicher der Zweck infrage gestellt.

Hausaufgaben sollten besser individuell gegeben werden. Hierzu sollte der Lehrer den Leistungsstand seiner Schüler genau kennen. Auch wie lange seine Schüler für Aufgaben benötigen, muss er wissen, um den zeitlich vorgegebenen Rahmen der Verordnung nicht zu überschreiten. Zudem müssen die Hausaufgaben gut vorbesprochen sein, damit alle Schüler verstehen, was sie machen sollen.

Zeit für Rückfragen, genaues Notieren und Einpacken muss eingeplant werden, denn nur so ist gewährleistet, dass alle Schüler mit den gestellten Aufgaben allein zurechtkommen. Können Sie die Aufgaben eigenständig meistern, entfällt auch der „Ungerechtigkeitsfaktor“, sollten sie zu Hause keine Unterstützung zur Erledigung ihrer Hausaufgaben bekommen.

Hausaufgaben als sinnvolle Zugabe — Praxisbeispiele

Praktisch empfiehlt sich für motivierende, effektive Hausaufgaben folgendes Vorgehen. Entscheidend ist dabei, dass die Hausaufgaben nicht immer nur Übungsaufgaben sind. Motivierende und gleichzeitig bereits differenzierte Ideen für Hausaufgaben bieten folgende Beispiele:
 
a) Deutschunterricht:

  • Bereite ein Stück aus deinem Lieblingsbuch zum Vorlesen vor. In der Lesestunde kannst du von deinem Buch erzählen und uns daraus deine Vorbereitung vorlesen.
  • Suche im Wörterbuch alle Wörter, die mit „V“ anfangen und schreibe sie als Vorbereitung für unser Klassenplakat auf.
  • Überlege, über welche Themen wir im Schreibunterricht schreiben könnten. Stelle deine Themensammlung vor.

b) Mathematikunterricht:

  • Schreibe drei bis fünf Rechnungen auf, die dein Partner morgen lösen kann. Notiere deine Lösungen auf der Rückseite.
  • Male einen Grundriss deines Zimmers.
  • Denke dir für die Kopfrechenzeit morgen Aufgaben aus, die du der Klasse stellen möchtest.
  • Bringe drei Dinge mit, die wir morgen mit der Balkenwaage wiegen können.

c) Sachunterricht:

  • Recherchiere zu deinem Sachunterrichtsthema und bringe dazu Material mit.
  • Welche Dinge können fliegen? Schreibe alles auf, was dir einfällt.
  • Frage deine Großeltern, wie es früher in der Schule war.

Die Interessen der Schüler berücksichtigen

Durch die Einbeziehung der Interessenlage der Schüler werden sie motivierter an Hausaufgaben herangehen als durch bloßes „Päckchenrechnen“ oder „Seitenabarbeiten“ im Buch. Es gibt viele Experimentier- und Forschungsaufträge, die die Schüler zum Weiterarbeiten und Weiterdenken anregen. Viele Dinge, die zur Vorbereitung des Unterrichts recherchiert oder mitgebracht werden können, sei es nur Aufgaben, die sie selbst für die Kopfrechenzeit ausgewählt oder Bücher, die sie für die Lesezeit mitgebracht haben. Werden die Hausaufgaben zur „eigenen Sache“ der Schüler, so kommen sie motiviert mit erledigten Aufgaben zur Schule.

Individuelle Aufgabenstellungen und Selbstkontrolle

Wenn es denn doch wieder einmal eine Übungszeit geben muss, so achten Sie auf die individuelle Aufgabenstellungen. Von einem Arbeitsblatt zum Beispiel sind schnell für drei Schüler Aufgaben abgeschnitten, die sie überfordern. Ebenso sind bei Weiterdenkaufgaben im Handumdrehen „Sternchen“ zur zusätzlichen Bearbeitung aufgemalt.

Ist die Notation und die Bereitstellung des Materials für die Hausaufgaben durch Übungsphasen erst einmal für alle Schüler klar, so gelingt dies ohne viel Unterrichtszeit in Anspruch nehmen zu müssen.

Auch das Nachschauen der Hausaufgaben kann so organisiert werden, dass Lernpartner das übernehmen. Auch das selbstständige Kontrollieren und Korrigieren der Hausaufgaben — ist es einmal eingeübt — fördert die Eigenständigkeit im Lernprozess.

Die Frage ist also nicht, wer wann und wo die lästigen Hausaufgaben begleitet, sondern wie sie für alle Seiten effektiv und produktiv gestaltet werden können. Hier sind wir Lehrer gefragt und unsere Kreativität ist gefordert.

Marion Keil

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