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Gruppenarbeit

Kennenlernmethoden zur Kontaktaktivierung

In einer Klasse begegnen sich nicht alle Schüler auf der persönlichen Ebene. Für das gemeinsame Lernen bilden vertrauensvolle Beziehungen allerdings die Basis. Mit spielerischen Übungen lernen sich die Schüler besser kennen und zeigen sich anschließend kooperationsbereiter.

Gruppenarbeit: Kennenlernmethoden zur Kontaktaktivierung Schüler, die sich untereinander vertrauen, arbeiten auch gut im Team zusammen © Christian Schwier - Fotolia.com

Kontaktaktivitäten initiieren vertrauensvolle Beziehungen. Wenn Schüler einander persönlich besser kennenlernen sollen, liegt in ihrem methodischen Einsatz die Chance, dass sie zueinander mehr Vertrauen fassen und gewillt sind, für andere Verantwortung zu übernehmen.

Teambuilding-Übungen verfolgen jeweils unterschiedliche Ziele. Klassische Kennenlernmethoden können am Anfang eines Schul- oder Halbjahres stehen, ebenso auch zu Beginn einer neuen Unterrichtsreihe oder auch zwischendurch eingesetzt werden. Ihr Einsatz ist auch hilfreich, wenn neue Schülerteams für eine Gruppenarbeitsphase gebildet werden sollen.

Teamübungen, bei denen mehrere Schüler - oder die gesamte Klasse - an einer spielerischen Aufgabe arbeiten, dienen der Förderung der Kooperationsbereitschaft sowie der Beziehungsauflockerung innerhalb des Klassenverbands. Gemeinsam bewältigte Herausforderungen im Wettstreit mit anderen und geteilte Erfolgserlebnisse schweißt die Mitglieder einer Kleingruppe zusammen.

Im Folgenden werden acht exemplarische Methoden aus beiden Kategorien vorgestellt.

Kennenlernbingo

Die Schüler erhalten jeweils einen schriftlich verfassten Auftrag auf einer kopierten Vorlage: Sie sollen sich gegenseitig nach bestimmten Merkmalen befragen.

Die Schüler nehmen einen Stift zur Hand und laufen kreuz und quer durch den Klassenraum. Wird eine Frage nach einem Merkmal durch einen Mitschüler bejaht, tragen sie seinen Vornamen in ein dazugehöriges Feld ein.

Ein Schüler kann je nach Klassenstärke einmal oder auch mehrfach befragt werden. Die Anzahl wird zu Beginn festgelegt. Wer zuerst alle neun bis zwölf Felder regelkonform ausgefüllt hat, ruft laut „Bingo“. Anschließend bleibt den Mitschülern noch eine letzte Minute Zeit, um ihren eigenen Bogen so weit wie möglich zu vervollständigen.

Die Fragen sollten so ausgewählt sein, dass sie auf die Klasse zutreffen und alle Felder auch tatsächlich ausgefüllt werden können.

Kommunikative Hand

Für die kommunikative Hand - im englischsprachigen Original „5-Finger-Introduction“ - zeichnen die Schüler die Umrisse ihrer Hand auf ein Blatt Papier und tragen ihren Namen auf den Handrücken ein. Jeder Finger steht für eine Frage, die sich auf den außerschulischen Kontext der Schüler bezieht. Die Fragen müssen dabei nicht einem bestimmten Finger zugeordnet sein.

Die Schüler erhalten ein paar Minuten Zeit, um ihre Antworten in ihre Finger einzutragen. Anschließend tauschen sie sich hierüber innerhalb der Kleingruppe aus. Neben der gesamtverfügbaren Zeit legt der Lehrer fest, wer zuerst seine Antworten der Klasse präsentiert und in welcher Reihenfolge es weitergeht. Zum Beispiel könnte der Schüler beginnen, der zuletzt Geburtstag hatte, und danach folgt die Runde dem Uhrzeigersinn. Erfahrungsgemäß verhindern oftmals organisatorisch-methodische Detailfragen die zügige Durchführung solcher Übungen.

Nimmt ein Lehrer die „Kommunikative Hand“ dauerhaft als zeitfressende „Spielerei“ wahr, verzichtet er möglicherweise auf die gewinnbringende Komponente des Lehrens und Lernens. Daher ist die sorgsame Vorbereitung und Organisation maßgeblich für den Erfolg. Für diese Übung kann auch eine vorbereitete Kopie verteilt werden.

Lügenspiel

Beim Lügenspiel erhalten die Schüler eine Kopie mit vier Feldern. In das erste Feld tragen sie ihren Namen ein, in den anderen drei Feldern beantworten sie die dort notierten Fragen mit einem jeweiligen Stichwort. In eines der drei Fragenfelder sollen sie eine Lüge integrieren. Die anderen beiden Felder werden wahrheitsgemäß beantwortet.

Nun kleben sich die Schüler nach der kurzen individuellen Vorbereitungszeit mithilfe von Kreppklebeband den eigenen Zettel auf den Rücken und nehmen einen Stift zur Hand. Sie laufen durch den Klassenraum und kreuzen auf den Zetteln ihrer Mitschüler das Feld an, wo sie die Lüge vermuten. Sobald jeder bei jedem ein Kreuz gesetzt hat, kehren die Schüler an ihre Plätze zurück und lösen nacheinander auf, wie die Klasse mehrheitlich getippt hat und hinter welcher Antwort sich die tatsächliche Lüge verbirgt.

Alternativ können, statt der vorgegebenen Fragen, auch leere Zettel verteilt werden, auf die die Schüler ihren Namen und drei Aussagen über sich selbst notieren, von denen wiederum eine erfunden und gelogen ist.

Wer ist das denn?

Bei dieser Übung schreibt jeder Schüler drei wahre Aussagen über sich als Person auf. Hierbei sollen sie versuchen, drei Merkmale zu finden, die vermutlich auf niemand anderen in der Klasse zutreffen. Hierzu können ausgefallene Hobbys, besondere biografische Ereignisse oder spektakuläre Zukunftspläne gehören.

Die Zettel, die von ihrer Form her einheitlich aussehen, werden eingesammelt, durchgemischt und verdeckt auf dem Lehrerpult abgelegt. Nun kommen die Schüler nacheinander nach vorne, ziehen ein Blatt, lesen die drei Aussagen vor und geben eine Vermutung ab, wer der Verfasser sein könnte.

Um den Spannungsbogen zu erhöhen und gleichzeitig zu verhindern, dass einzelne vorlaute Mitschüler ihren Tipp in die Klasse rufen, kann mit einem Punktevergabesystem gearbeitet werden: Der Schüler, der nach vorne gekommen ist, liest die drei Aussagen vor. Dann erhalten alle anderen die Möglichkeit, einen Namen aufzuschreiben. Nun gibt der Schüler seinen Tipp ab. Der auserkorene Mitschüler muss durch Nicken oder Kopfschütteln signalisieren, ob er damit richtig liegt. Stimmt die Vermutung, erhalten alle Schüler, die den richtigen Namen notiert haben, einen Punkt. Stimmt sie nicht, so muss der eigentliche Urheber auflösen und all diejenigen, die ihn notiert hatten, erhalten einen Punkt.

Da diese Übung zeitlich recht aufwändig ist und da es den Schülern schwer fallen kann, drei Aussagen zu formulieren, die nur auf sie zutreffen, kann sie auch in Kleingruppen durchgeführt werden. Zu viert fällt es leichter, sich über drei Aussagen, die auf die Gruppe zutreffen, austauschen. Hierbei sollte dann allerdings auf das Punktesystem verzichtet werden.

Was steckt im Namen?

Diese Übung steht in sehr engem Verhältnis zur Person der Schüler, denn sie sollen in der Klasse über ihren Namen berichten. Hierbei können sie auf die Herkunft oder Bedeutung ihres Vornamens eingehen, auf den Namen, den sie erhalten hätten, wenn sie ein Junge oder ein Mädchen geworden wären, auf eventuelle zweite Vornamen oder auf die Bedeutung ihres Nachnamens.

Zum Teil wissen die Schüler, je nach Alter, recht wenig über ihren eigenen Namen. Dennoch verfügen sie über spannende Einzelinformationen, die diese Übung in der Summe abwechslungsreich und kurzweilig machen. Außerdem stellen Schüler bei solchen Übungen oftmals plötzlich Gemeinsamkeiten fest, von denen sie zuvor nichts wussten. Das Verständnis für die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Schüler untereinander wird sichtlich gestärkt, da sie sich als Person besser kennengelernt haben.

Steckbrief

Die jeweiligen Schulternachbarn einer Vierergruppe erhalten den Auftrag, den Vor- und Nachnamen ihres Partners von oben nach unten aufzuschreiben. Nun sollen sie die Buchstaben als Anfangsbuchstaben für jeweilige neue Wörter benutzen, die sie mit der Person verbinden. Allerdings dürfen sie einander nicht interviewen, sondern sollen die Steckbriefe in Einzelarbeit ausfüllen.

Es ist nicht nötig - und je nach Länge der Namen teilweise auch nicht möglich -, dass die Schüler innerhalb der vorgegebenen Zeit, zum Beispiel sechs Minuten, alle Buchstaben ausgefüllt bekommen. Sie dürfen Eigenschaften, Hobbys oder sonstige Persönlichkeitsmerkmale aufschreiben, müssen sich aber an die Regel halten, dass alle Begriffe ausschließlich wertschätzender Natur sein müssen. Anschließend stellen die Schüler ihren Sitznachbarn in der Vierergruppe anhand ihres Steckbriefes vor.

Gruppenzählen

Die gesamte Klasse bildet einen großen Kreis. Dabei stehen die Schüler mit dem Rücken zueinander, sodass der Blick nach außen gerichtet ist. Nun sollen alle Schüler ihre Augen schließen. Sie dürfen fortan über die Dauer der Übung nicht mehr miteinander sprechen. Ihre Aufgabe ist es nun, gemeinsam bis 20 zu zählen. Allerdings darf eine Zahl immer nur von einem Schüler in den Raum gerufen werden. Sobald zwei oder mehr Schüler gleichzeitig die nächsthöhere Zahl nennen, muss die Gruppe wieder bei „Eins“ beginnen.

Als Zusatzregeln sollte darauf hingewiesen werden, dass die Schüler erstens nicht in einer bestimmten Reihenfolge durchzählen dürfen, also beispielsweise im oder gegen den Uhrzeigersinn, und dass zweitens ein Schüler nicht mehrere Zahlen direkt nacheinander nennen darf, etwa „eins, zwei, drei, vier, fünf".

Magic Eleven

Die Schüler einer Dreier- oder Vierergruppe stehen auf und beginnen, nach dem „Schnick-Schnack-Schnuck“-Prinzip gleichzeitig eine bestimmte Anzahl von null bis fünf Fingern einer Hand zu zeigen. Allerdings dürfen die Schüler nicht miteinander reden oder sich nonverbal abstimmen.

Nun werden alle gezeigten Finger addiert. Sind es mehr oder weniger Finger als elf, so müssen sie den Vorgang wiederholen. Dabei darf nun jeder Schüler wieder eine beliebige Anzahl an Fingern zeigen. Sobald die Gruppe auf elf Finger gekommen ist, setzt sie sich geschlossen an ihren Platz. Wenn alle Gruppen sitzen, beginnt der Lehrer die eigentliche Gruppenarbeit zu erläutern.

Generell kann ein Lehrer überlegen, ob hier oder auch bei anderen Teamübungen ein Gewinner(team) gekürt und zum Beispiel mit Süßigkeiten prämiert wird.

Dennis Sawatzki

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