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Motivation

Lernen mit Humor und Witz

Humorvolle Geschichten oder Witze zu Unterrichtsinhalten motivieren Schüler nachweislich beim Lernen — und komplexe Unterrichtsinhalte bleiben besser haften. Das Lernklima wird nachhaltig verbessert.

Motivation: Lernen mit Humor und Witz Selbst die Frage, warum Flugzeuge fliegen, kann man mit einer lustigen Übung einleiten © MITO images - Fotolia.com

Die Lehrerin der Klasse 3b kündigt — von den Schülern nicht erwartet — im Mathematikunterricht eine Geschichte an: Drei Personen treffen sich in einem Gasthaus und streiten sich, wer Recht hat. Die Männer sind alle an Zahlen interessiert und jeder möchte, dass seine Zahlschrift die richtige ist: Adam Riese schreibt seine Zahl so: OOOOIII… ; ein Fremder schreibt auf den Bierdeckel des Gasthauses seine Zahl so auf: 4 H, 3 Z, 5 E. „Ist doch klar“, sagt der Professor, „ihr meint die Zahl 435!“ Wer hat nun Recht, wie sollen sie sich entscheiden?, schließt die Lehrerin ihre Erzählung. Alle Schüler der Klasse schauen sie lächelnd an und viele Hände gehen nach oben, um die Antwort zu verraten.

Ungewöhnliches weckt die Aufmerksamkeit

Durch die unerwartete Geschichte als Einstimmung auf einen mathematischen Unterrichtsinhalt hat die Lehrerin die volle Aufmerksamkeit der Schüler bekommen. Das Zuhören fällt ebenso wie die Merkfähigkeit des Gesagten bei überraschenden Momenten leichter.

Dies gelingt in vielen Bereichen. So zum Beispiel zur Einführung der Tonleiter und der Notennamen im Musikunterricht. Hier erzählt die Lehrerin die Geschichte von einer Familie, die in ein anderes Haus umziehen will.

Die Familie heißt wie das Alphabet: a, b, c, d, e, f, g, h. Es gibt im neuen Haus fünf Stockwerke und auch dazwischen gibt es noch Wohnungen. Beim Umzug verschlafen „a“ und „b“, sodass sich „c“ die Kellerwohnung, „d“ die Wohnung darüber und „e“ die Wohnung im ersten Stock sichern können. „F“ und „g“ ziehen auch noch ein, erst dann kommt das „a“, die Schlafmütze. Der nette „h“ lässt „a“ vor sich einziehen. Für „b“ wird eine Wohnung angebaut, damit er der Nachbar seines Freundes „h“ sein kann.

Während der Erzählung entwickelt die Lehrerin an der Tafel ein Notensystem und lässt die Noten auf ihrer Position „einziehen“. Eine Überprüfung zeigt, dass sich die Schüler mit dieser Verknüpfung die Notennamen und ihre Positionen besser einprägen können als durch einfaches Auswendiglernen der Notennamen. Je lustiger und verrückter die Geschichten sind, desto einprägsamer sind sie für die Schüler.

Kinder erfinden eigene Gedächtnis-Geschichten

In einer 1. Klasse beispielsweise verknüpfte die Lehrerin die Schreibrichtung der Druckbuchstaben immer mit einer Geschichte für den neu eingeführten Buchstaben: Das „I“ war ein junger Bursche, in der Verwandlung zum „P“ hatte er zu viel gegessen und einen mächtigen Bauch bekommen. Die Schüler forderten nun zu jedem Buchstaben eine weitere Geschichte und hatten dann beim „R“ selbst die Idee, dass der junge Bursche mit dem dicken Bauch nun aber schnell laufen muss bis zur nächsten Imbissbude. Dies ist etwas, woran die Schüler sich in weiteren Schuljahrgängen noch immer erinnern können und die leistungsschwachen Schüler nutzen diese Verknüpfung immer noch im 2. Schuljahr zur Erinnerung. „Ach, R, das ist der Rennende mit dem dicken Bauch.“

Verrückte Eselsbrücken beim Mathelernen

Eselsbrücken helfen, durch die bessere Verknüpfung im Gehirn, die Informationen besser im Langzeitgedächtnis zu speichern.. So bietet sich im Mathematikunterricht bei der Einführung von Größenvergleichen der Zahlen durch die mathematischen Zeichen < / > /= (größer, kleiner, gleich) das Basteln eines kleinen Fisches mit dem Zeichen als Mund an. Auf beiden Seiten hat er einen Mund in Form des Zeichens <. Die Lehrerin erzählt nun, dass der Fisch sehr gierig ist und immer die größte Portion fressen möchte. Er wird also immer dahin schwimmen, wo das meiste Futter ist. So muss er sich im Unterricht zwischen zwei Haufen Legosteinen als Fischfutter in die Richtung der größten Portion drehen und seinen Mund dorthin öffnen. Dies gilt ebenso für einen Turm aus Legoklötzen und später für Zahlen. Meist begleitet so der „Fischmund“ die Schüler bis zum Ende der Grundschulzeit und in jedem Schuljahr, wenn die Zahlvergleiche anstehen, hört man den Ausruf: „Ach so, das ist ja eine Fischmund-Aufgabe!“

Für Zahlenhäuser zur Mengenzerlegung geht das mit dem „Zwergenhaus“. In jeder Etage des Hauses wohnen beispielsweise acht Zwerge. Es dürfen auch nur acht sein, weil sonst die Decke bricht. Wenn auf der einen Seite fünf Zwerge wohnen, wie viele Zwerge dürfen auf der anderen Seite einziehen?“ So werden Ergänzungsaufgaben auch später immer wieder mit dem „Zwergenhaus“ des 1. Schuljahres verknüpft.

Sehr gut gelingen die Eselsbrücken auch im Deutschunterricht bei der Speicherung der Satzglieder. Hört sich „Akkusativ“ nicht an wie eine Zahnpasta? Schnell finden hier die Schüler lustige Ideen, was Subjekt oder Dativ als Assoziation aus ihrem Lebensumfeld sein könnten. Oftmals wird über die Eselsbrücken gelacht und die Verknüpfung im Gehirn ist perfekt.

Imagination fördert das Rechtschreiblernen

Für die Rechtschreibung gibt es ebenso lustige Ideen: Ein Lernwort wird an die Tafel geschrieben und von den Schülern mit einem fiktiven Fotoapparat ins Gedächtnis „fotografiert“. Danach schließen alle Schüler die Augen und stellen sich folgendes vor: Gehe in den Zoo und bleibe beim Elefantengehege stehen. Schau dir den Elefanten genau an. Er hat eine blaue Decke auf dem Rücken. Siehst du das? Die Schüler werden dies in aller Regel bejahen. Was hat er auf seiner Decke stehen? Da steht ja mit weißer Schrift „Sommer“ (das jeweilige Lernwort!). Kannst du alle Buchstaben erkennen? Welche Buchstaben siehst du? Unglaublich, wie viele Schüler im Anschluss an die Übung das Wort korrekt buchstabieren können!

Witze und kleine Geschichten für ein gutes Lernklima

Es klingt fast viel zu einfach, aber es ist meistens so: Mit Humor verbessert sich die Stimmung der Schüler, die Klassen- und Lernatmosphäre wird angenehmer für alle. Neben der humorvollen Vermittlung von Unterrichtsinhalten sollten sowohl der Lehrer als auch die Schüler — wenn möglich — viel gemeinsam lachen. So wurde zum Beispiel der häufig störende Klassenclown in einer Klasse aufgefordert, in der Fünf-Minuten-Pause für die Klasse Witze zu erzählen. Dies war für alle eine sehr bereichernde Idee, denn er bekam seine Aufmerksamkeit in seiner „Witzezeit“, konnte sein unglaubliches Erzähltalent unter Beweis stellen, erheiterte die Lehrerin und seine Mitschüler. Alle gingen nach der Witzepause wieder fröhlich an die Arbeit. Der unruhige Schüler konnte sich im Unterricht danach besser zurückhalten und störte wenige. — Das funktioniert zwar nicht immer, aber es ist sicher einen Versuch wert.

Auch der Lehrer kann für humorvolle Unterbrechungen sorgen, sollte die Aufmerksamkeit der Schüler nachlassen und er sie wieder an sich ziehen wollen. Schüler lieben es, wenn der Lehrer lustige Anekdoten aus seinem Schulalltag, beispielsweise von ehemaligen Schülern, erzählt: Wie ein Schüler am Valentinstag einem Mädchen eine Rose überreichte, ein Schüler den Vorhang im Klassenraum im Sommer als Umkleide benutzte, wie ein Schüler sich täglich die Hausaufgaben mit dem Fotoapparat fotografierte oder einfach wie der Hund des Lehrers die Mathe-Klassenarbeiten angekaut hatte.

Und manchmal können die Schüler aus den Lehrerberichten auch etwas für sich selbst lernen: wie andere Schüler im Streitfall die Lehrerin gerufen haben, anderen Schülern aus der Klemme geholfen haben, Schüler ermutigt wurden und Erfolge hatten. Diese Lehrergeschichten können die Schüler besser annehmen als durch Belehrung und etwas für ihr Verhalten daraus ableiten.

Humor hilft einfach in allen Lebensbereichen. Vieles einfach mit Humor zu nehmen festigt Beziehungen, fördert das Zuhören und die Aufmerksamkeit, verbessert die Arbeitshaltung und Merkfähigkeit von Schülern, motiviert sie für schwierige Unterrichtsstoffe und macht den Schulalltag für alle einfach leichter.

Marion Keil

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