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Hausaufgaben

Lernen zu Hause – mangelhaft?

Hausaufgaben sind bei vielen Lehrkräften und Lernenden nicht gerade beliebt. Das lässt sich ändern: durch motivierende Aufgabenstellungen und -formate, die sich auch im Notfall fürs Homeschooling eignen.

Hausaufgaben: Lernen zu Hause – mangelhaft? Hier hat alles geklappt: Ein Junge macht konzentriert seine Hausaufgaben © leszekglasner - stock.adobe.com

Hausaufgaben hatten noch nie den besten Ruf – vielleicht zu Recht? Gerade in der Corona-Krise zeigte sich, wie sehr der Lernerfolg von der Unterstützung im Elternhaus abhängt. Was müssen Lehrer beachten, damit ihre Schützlinge zu Hause selbstständiger arbeiten können? Wie kann man gerade Schülern mit Lernschwierigkeiten den täglichen Hausaufgabenkampf erleichtern? Und was müssen wir gerade auch im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr zum Homeschooling verbessern?

Zunächst sollte man einen Schwerpunkt auf die Grundlagen legen, die täglich geübt werden müssen: zehn Minuten lesen und zehn Minuten Kopfrechnen. Es ist sinnvoll, sich diese Zeiten zum Beispiel durch eine Unterschrift der Eltern bestätigen zu lassen. Doch wie viel Zeit und Energie hat das einzelne Kind jetzt noch für schriftliche Aufgaben? Alle weiteren Aufgaben sollte die Lehrkraft unter diesem Aspekt abwägen: Sind die schriftlichen Hausaufgaben zu umfangreich, bleibt die Arbeit an den „Basics“ auf der Strecke.

Problem: Arbeitsblätter und Aufgabenstellung schwer verständlich

Die Auswahl der Hausaufgaben muss also wohl überlegt sein. Es reicht nicht, Arbeitshefte und Arbeitsblätter, im schlimmsten Fall ungeprüft „nur schnell“ aus dem Internet auszudrucken und zu verteilen. Manche beinhalten oft wechselnde, nicht immer gut gemachte Arbeitsaufträge, die die Kinder eher verwirren. Diese fördern dann höchstens die „Ausfüll-Kompetenz“: erraten, was in die Lücke passt. Und gerade das fällt Leistungsschwächeren schwer. 

„Was muss ich hier überhaupt machen?“ – Die Aufgabenstellung zu verstehen ist oft die größte Hürde. Vor allem für Schüler/-innen, die wenig Unterstützung zu Hause erfahren, gilt daher: gleichbleibende Übungsformate, die sich auf wechselnde Inhalte anwenden lassen. Auch manche Arbeitshefte arbeiten nach diesem Prinzip. Vor allem in Deutsch und Mathematik ist es ratsam, ausgewählte und möglichst wenige Übungsformate zu etablieren, die zu „Selbstläufern“ werden. 

Sollte es wieder zu einem Wechsel aus Präsenzunterricht und Homeschooling kommen, ist es sinnvoll, die Übungen für einen Einsatz zu Hause im Unterricht anzubahnen. Der fachliche Inhalt sollte die Aufgabe interessant machen, nicht die Aufgabenstellung. Gerade leistungsschwache Schüler sind froh, wenn sie in der Hausaufgabe Bekanntes wiederfinden.

Was sich bei den Lernwörterübungen in den meisten Klassen schon durchgesetzt hat, kann auch auf andere Fächer und Lernbereiche übertragen werden: Immer gleichbleibende Arbeitsanweisungen, die auf verschiedene Inhalte angewendet werden können. Im Bereich Lesen könnte dies zum Beispiel mit einem Lesetagebuch ähnlich verwirklicht werden. Eine überschaubare Auswahl an Leseaufgaben kann zu verschiedenen Texten gewählt werden. Eine Standardhausaufgabe wäre beispielweise: zehn Minuten lesen und eine Aufgabe dazu im Lesetagebuch bearbeiten. 

Problem: Die Hausaufgaben sind wenig motivierend

Hausaufgaben sollten motivieren und nicht nur eine Pflichtübung sein. Statt langwieriger schriftlicher Aufgaben eignen sich Spiele, nicht nur zum Kopfrechnen. Viele Verlage bieten Kopiervorlagen für Würfelspiele oder Spiele mit Quizaufgaben passend zu den Themen an.

Auch Apps wie „Anton“ können eine motivierende Ergänzung sein. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die technischen Möglichkeiten vorhanden sind und die Kinder zu Hause einen Rechner und Zugriff auf die App haben. Auch Deutsch lässt sich digital üben, zum Beispiel mit dem „RINA Wörterzug“. Die Website bietet sowohl Spiele, zum Beispiel zu den Vokalen, als auch eine App mit Übungen, die auf die Übungen im Arbeitsheft abgestimmt sind. Ganz digital und besonders geeignet fürs Homeschooling: Ein Online-Lesetraining können Sie zum Beispiel mit „Leseludi“ für Ihre Klasse einrichten. Hier finden Sie systematische, differenzierte Übungen für alle Schüler/-innen, auch für diejenigen, die stärkere Unterstützung benötigen.

Um die Arbeit zu Hause auch für leistungsstarke Schüler motivierend zu gestalten, sollte es zwischendurch auch anspruchsvollere Aufgaben geben (siehe Leseludi). Handlungsorientierte Aufgabenstellungen, wie ein Interview führen oder Rechercheaufgaben, bieten die nötige Abwechslung. Auch Grundschüler/-innen können zum Beispiel eine Person zu einem Thema befragen oder – mit entsprechenden Vorgaben – etwas im Internet recherchieren (viele weitere Anregungen siehe Verlinkungen unten). Damit hier wiederum niemand überfordert wird, sollten für Schüler/-innen mit wenig Unterstützung durch das Elternhaus alternative, möglicherweise auch leichtere Aufgaben gestellt werden.

Problem: Die Hausaufgaben sind zu schwer

Da Schüler sowohl im Leistungsniveau als auch im Arbeitstempo sehr unterschiedlich sind, kann ein- und dieselbe Hausaufgabe nicht allen gerecht werden. Während im Unterricht differenzierende Maßnahmen selbstverständlich sind, klafft bei den Hausaufgaben diesbezüglich eine große Lücke. Oftmals ist die einzige Differenzierung eine „Sternchen“- oder „Kronen“-Aufgabe, die freiwillig erledigt werden darf. Viele Schüler/-innen denken deshalb: „Das muss ich nicht, das mach ich nicht!“

Um unterschiedlichen Leistungsniveaus zu berücksichtigen und jeden Schüler/jede Schülerin zu fördern, sind daher individuelle Wochenpläne eine gute Methode, alle am gleichen Thema, aber womöglich zieldifferent arbeiten zu lassen. Je mehr diese sogenannte „Selbstläufer“ (gleichbleibende Aufgabenformate) enthalten, desto weniger aufwendig ist es für Lehrer/-innen, diese vorzubereiten. Wenn die Lehrkraft die Aufgaben passgenau auf ihre Schüler/-innen abstimmt, wird das Erledigen der Hausaufgabe hoffentlich auch für Leistungsschwächere bald zum Selbstläufer.

Daniela Harrer

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