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Gedächtnistraining

Namen und Begriffe im Kopf - wie in Stein gemeißelt

„Wie eine Banane, eine Kirsche im Mund, hängt der Mond über dem UN-Gebäude in New York.“ Was verbirgt sich wohl hinter diesem rätselhaften Bild? Lernen Sie eine weiteren Kniff kennen, der Ihnen und Ihren Schülern hilft, das Gedächtnis zu trainieren.
 

Gedächtnistraining: Namen und Begriffe im Kopf - wie in Stein gemeißelt Viele Namen sich zu merken, ist nicht einfach © damato - Fotolia.com

UN? New York? Moon? Mir fiel es im Herbst 2006 ein, als die Medien meldeten, der koreanische Diplomat Ban Ki Moon sei zum neuen UN-Generalsekretär gewählt worden. Ban erinnert mich an die Banane, Ki an eine Kirsche und Moon ist schließlich der anglo-amerikanische Mond. Ich habe diesen für Europäer schwer zu merkenden Namen seitdem stets parat. Lernen Sie hier diese fantastische Assoziationsmethode näher kennen, die Ihnen, aber auch Ihren Schülern ab sofort helfen kann, sich jeden Namen, aber auch Fachbegriffe und Fremdwörter aller Art fast mühelos zu merken!

Bilder mit kleinen Geschichten fördern Lernfreude

Was genau passierte, als mir dieses stimmungsvolle Bild einfiel? Jede Silbe des Namens Ban Ki Moon bekam ein eigenes Bild: die Banane, die Kirsche, der Mond.  Den Kitt fürs gute Gedächtnis aber lieferte etwas anderes, nämlich der Sinnzusammenhang, der daraus eine kleine Geschichte zaubert und positive Stimmung vermittelt. Das komplette Bild haftet dadurch sehr viel besser im Gedächtnis als die drei Silben des Namens allein. Auch neue Begriffe können Sie sich mit dieser Methode leicht merken.

Haben Sie zum Beispiel schon mal was von Epicatechin gehört? Nein? Es ist einer jener in der Natur vorkommenden Stoffe, denen die Wissenschaft seit einigen Jahren positive Wirkungen auf die Lernfähigkeit zuschreibt. Kanadische Forscher haben nun dessen Wirkung auf das Gedächtnis der Spitzhornschnecke, einer Süßwasserschnecke, untersucht mit dem Ergebnis: Der unter anderem in dunkler Schokolade enthaltene Stoff bringt tatsächlich eine deutliche Steigerung der Gedächtnisleistung dieser Tierchen hervor. Hier erfahren Sie Näheres.

Ich merke mir den Begriff, indem ich an ein Episkop denke, den guten alten Bildwerfer, und an den Katechismus, das Glaubensbuch: Das Episkop wirft eine Seite aus dem „Gesundheitskatechismus“ auf die weiße Wand. Da steht in riesigen Buchstaben geschrieben: Edelherbe Schokolade ist gesund. Dank Epicatechin! So verankert, fällt mir dieser bis dahin fremde Begriff jederzeit ein.

Wie Schlüsselworte wirken

Bleibt die große Frage: Wie kommt man zu geschickten Einfällen? Und die schlichte Antwort lautet: durch Übung! So können Sie man beim täglichen Zeitungslesen auf besondere Namen und Begriffe achten und zu diesen sofort möglichst anschauliche, die Sinne und die Emotionen ansprechende Assoziationen bilden.

Ein Beispiel:
Fatou Bensouda aus Gambia ist neue Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. So die Tagespresse am 18. Oktober 2012 (BZ). Ich will mir den ungewohnten Namen merken. "Fat" erinnert mich an Fatima, die Ehefrau des Propheten Mohammed. Zu "tou", sprich "tu", will mir partout nichts einfallen. "Tuba" steht im Duden. "Fatima mit der Tuba"! "Ben" erinnert an "Benedikt". Also "Fatima mit der Tuba trifft in Den Haag Papst Benedikt, der statt seiner gewohnten Kleidung eine einfache Soutane trägt. Der frägt sie auf Französisch nach ihrer Heimat. Sie stamme aus Gambia, sagt Fatou Bensouda.

Der Duden leistet also gute Dienste, so die Fantasie gerade mal nichts Passendes hergibt. Grundsätzlich aber lohnt sich auch das Warten auf geschickte Einfälle. Das ist Teil des Lernprozesses; denn unwillkürlich wiederholt man den zu lernenden Namen oder Begriff  bei der Suche nach dem geeigneten Schlüsselwort immer wieder. Und Wiederholung ist auch bei dieser Methode der Schlüssel zum Lernerfolg. Außerdem entwickeln wir unseren Einfallsreichtum am besten, indem wir häufig nach solchen Einfällen suchen. Wir gehen so mit unserem Bewusstsein öfter in den Assoziationsmodus und das wirkt sich positiv aus. 

Eselsbrückensuchfunktion

Es ist wie ein Training der Eselsbrückensuchfunktion unseres Gehirns! Altes mit Neuem zu verbinden, hatte Frederic Vester 1975 in seinem bis heute lesenswerten Buch „Denken, Lernen, Vergessen“ als eine von 13 Regeln aus der Lernbiologie empfohlen. Und darum geht es hier tatsächlich: Wohlbekannte Bilder, wie wir sie zu Abertausenden in unserem fantastischen Bildergedächtnis gespeichert haben, stehen als Anker parat, bereit zum Andocken für neue Informationen. Machen Sie sich den Spaß, beim Lesen der Zeitung, beim Radiohören und Fernsehen und sonst im Alltag! Suchen Sie zum einen oder anderen neuen Namen oder Begriff geeignete „Silbenbilder“ und verbinden Sie diese zu einer kleinen Geschichte.  Nicht etwa nur, wenn es darum geht, sich etwas dauerhaft zu merken.  Auch um den Einfallsreichtum weiter zu entwickeln und jederzeit bereit zu sein dafür, wenn es um eine Information geht, von der Sie sich sagen: Das will ich mir jetzt merken!

Heute merke ich mir den Namen des palästinensischen Philosophen Sari Nusseibeh aus Ostjerusalem, der sich gerade (6. Dezember 2012) im (BZ-) Interview zum Friedensprozess geäußert hat: Ein Philosoph im indischen Frauenkleid Sari sitzt unter einer Nuss-Eibe und erklärt die Schwierigkeiten im israelisch-palästinensischen Friedensprozess. Sari Nusseibeh ist ein kluger Kopf, denke ich. Sari, Nuss und Eibe sind meine Schlüsselbegriffe, über die ich jederzeit auf den ungewohnten Namen des Philosophen komme.

Mancher mag denken, es gibt doch keine Nusseibe. Eben! Gerade das Fantastische, Unmögliche stärkt die Merk-Würdigkeit des Bildes. Die Betonung der letzten Silbe von Nusseibeh unterstreicht diese Wirkung.

 

Viel Vergnügen mit der fantastischen Schlüsselwortmethode, auch mit der Arbeitshilfe zum Thema für das Training – für Sie und Ihre Schüler!

Empfohlene Literatur

 

Vester, Frederic: Denken, Lernen, Vergessen: Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich? Neuauflage 1998. DTV München.

Voigt, Ulrich: Esels Welt. Mnemotechnik zwischen Simonides und Harry Lorayne. Hamburg 2001, Nachdruck 2011 Auf wissenschaftlicher Grundlage erklärt Ulrich Voigt hier die mnemotechnischen Methoden und ihre historischen Hintergründe, auch die Schlüsselwortmethode.

 

Horst Kasper

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