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Lehrerkollegen

Ratschläge, aber ja! — Für eine konstruktive Kommunikation

Das Gespräch unter Lehrerkollegen ist nicht immer leicht, zumal viele sich als Einzelkämpfer begreifen. Dabei kann eine gelebte, konstruktive Gesprächskultur, die Kommunikation im Kollegium verbessern, mit positiven Effekten fürs Arbeits- und Schulklima.

Lehrerkollegen: Ratschläge, aber ja! — Für eine konstruktive Kommunikation Wenn Lehrkräfte sich gemeinsam auch in ihrer Unterrichtsvorbereitung unterstützen, dann hat das positive Auswirkungen auch auf das Schulklima © fizkes - stock.adobe.com

Schule ist ein Raum, in dem Kommunikation eine große Rolle spielt und Lehrer kaum die Möglichkeit haben, sich aus dem Kommunikationsgeschehen zurückzuziehen. Die Komplexität dieses Bereiches zeigt sich in den verschiedenen Kommunikationssituationen wie zum Beispiel zwischen Lehrer und Schülern, zwischen Lehrer und Eltern, zwischen Lehrer und angestellten Mitarbeitern und zwischen Lehrer und Lehrer. Ein Lehrer steht stets im Mittelpunkt und muss in allen Situationen kooperationsfähig sein. Hinzukommt, dass er wenig Möglichkeiten hat, Unterstützung für Probleme im eigenen Unterricht oder Impulse für Veränderungen zu bekommen. Dazu fehlen die Gelegenheiten, sich gegenseitig im Unterricht beobachten und unterstützen zu können. Über das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern oder auch über Konfliktgespräche mit Eltern, kann man etliche Anregungen digital oder in Büchern finden. Doch wie sieht es mit der Kommunikationskompetenz zwischen Kollegen aus? Können sich Lehrer darauf einlassen, Ratschläge von Kollegen anzunehmen oder gar danach zu fragen?

Einzelkämpfer vs. gelebte konstruktive Gesprächskultur

Der Alltag zeigt, dass Lehrende in den meisten Fällen Einzelkämpfer sind. Sie stehen allein vor der Klasse und arbeiten zu Hause meist auch allein, um die Vorbereitungen zu schreiben oder Organisatorisches zu erledigen. Die Planung für den nächsten Unterricht findet hauptsächlich im eigenen Kopf statt. Wenn der Unterricht mal nicht gut gelaufen ist oder es kritische Situationen gibt, die sich in der eigenen Klasse häufig wiederholen, finden manche nicht den Mut, sich jemandem anzuvertrauen. Einige Kollegen glauben auch, dass sie ihre Probleme oder Schwierigkeiten allein bewältigen können. Zudem möchte man nicht gern kritisiert werden oder sich die Blöße geben, dass es vielleicht noch andere Methoden gibt als die eigenen.

Ein anderer wichtige Aspekt in diesem Zusammenhang ist die gegenseitige Motivation. Wie steht es mit Lob und positivem Feedback? Wann hatten Sie zuletzt die Gelegenheit, Ihrem Kollegen zu zeigen, dass er eine tolle Arbeit macht? Und wie oft haben Sie das Gefühl, Sie können Ihre Anliegen nicht richtig „rüberbringen“, weil Sie sich nicht verstanden fühlen. Jeder weiß, dass Feedback motiviert und antreibt, dass konkret vorgebrachte Probleme und Kernbotschaften in der Regel ernst genommen werden. Doch im hektischen Alltag machen wir oft eine andere Erfahrung. Eine gelingende Kommunikation ist keine einfache Sache und entsprechende Kompetenzen müssen immer wieder geübt werden, damit Sprache und Kooperation lösungsorientiert und bewusst eingesetzt werden können.

Schule hat sich in den letzten Jahren stark verändert und der Lehrerberuf ist erheblich anspruchsvoller geworden. Lehrer fühlen sich oft allein gelassen und sind stark belastet. Umso notwendiger ist es, eine gelebte Gesprächskultur und konstruktive Kommunikationsprozesse zwischen allen an der Schule arbeitenden Kollegen zu entwickeln. Durch einen Perspektivwechsel kann können eine Erweiterung der Sichtweisen und Handlungsalternativen entstehen. Dies ist jedoch nur in konstruktiven Gesprächen und Auseinandersetzungen möglich.

Hindernisse bremsen aus

Damit Schule gut funktioniert, ist eine offene und unterstützende Kooperation notwendig. Dazu müssen jedoch entsprechende Zeiten innerhalb des Stundenplanes zur Verfügung gestellt werden. Nach einem anstrengenden Unterrichtstag fehlt dazu zuweilen die Kraft. Im Schulalltag ist eine gelingende Kommunikation nicht immer leicht zu erreichen. Die Stellenbesetzungen bzw. die Anzahl der Teilzeitlehrer, der Honorarkräfte, der befristeten Verträge oder die Fluktuation sind an allen Schulen unterschiedlich.

Die Zeit für einen kollegialen Austausch ist meist knapp bemessen. Gemeinsame Gesprächszeiten sind selten festgelegt und werden demnach häufig als zusätzliche Belastung erlebt. Die meisten Lehrer sind nach einigen Jahren Berufserfahrung in ihren Methoden festgefahren und fühlen sich als „Alleinunterhalter“, die alles wissen und können müssen. Genau an dieser Stelle ist der Gedanke an den Austausch mit anderen Kollegen unumgänglich. Nicht nur die Transparenz der Unterrichtsmethoden, sondern auch Probleme mit Schülern, können hier mit Stufenkollegen besprochen werden.

Gegenseitiger Austausch kann enorm helfen. Die Anerkennung der verschiedenen Kompetenzen der Kollegen sind dazu jedoch eine wichtige Voraussetzung. Nicht selten entstehen Missverständnisse, weil der Austausch aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat. Eine solide Grundlage für die Umsetzung kommunikativer Kernkompetenzen ist dabei eine große Hilfe.

Grundlage für gelingende Kommunikation

In der Kommunikation geht es darum, offen für die Mitteilung des Gegenübers zu sein, Sachverhalte klar und verständlich mitteilen und das Gehörte angemessen reflektieren zu können. Kern jeder Kommunikation sind zwei Ebenen. Zum einen die Inhaltsebene, in der es um den Sachinhalt der Aussage geht. Zum anderen die Beziehungsebene, in der es um die Art und Weise geht, wie ich etwas äußere. Diese Ebene macht ein Gespräch nicht immer leicht, da Körpersprache und Ton beeinflussen, was beim Gegenüber ankommt. So entstehen oft Missverständnisse.

Übung macht auch in der Kommunikation den Meister. Von großer Relevanz ist dabei, sich klar und verständlich auszudrücken, sich wertschätzend und konstruktiv dem anderen gegenüber zu verhalten und die Erwartung, die man an den anderen hat, deutlich zu formulieren.

Ruth Cohn (Psychoanalytikerin USA) hat einige Regeln für eine offene Kommunikation entwickelt:

  • „Zuhören: Hören Sie sich gegenseitig zu.
  • Ausreden lassen: Lassen Sie den Anderen ausreden.
  • Andere Standpunkte respektieren: Der Andere hat ein Recht auf seine Meinung.
  • Nachfragen und Rückmeldung geben: Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Versichern Sie sich, ob Sie den Anderen richtig verstanden haben. Wiederholen Sie, was Sie verstanden haben, mit eigenen Worten.
  • Den anderen direkt ansprechen: Sprechen Sie den Gesprächspartner direkt an: Anschauen [sic!], mit Namen anreden.
  • Jede/jeder spricht für sich: Sprechen Sie von sich: ‚Ich … .‘ Verstecken Sie sich nicht hinter man oder wir. Übernehmen Sie nicht die Verantwortung für die Ziele anderer.
  • Vermeiden Sie es, andere kritisch zu beurteilen: Sagen Sie, was Sie wollen, wie es Ihnen geht, statt anzuklagen und zu bewerten.
  • Störfaktoren ansprechen: Wenn es Dinge gibt, die Sie beeinträchtigen und hindern zuzuhören, sprechen Sie dies an und klären Sie es.“ (aus:  Dr. Irene A. Wernecke: Kommunikation verstehen — Kommunikation verbessern, S. 12)

Es ist also ausgesprochen wichtig, sich dem Gegenüber einerseits bewusst zuzuwenden und andererseits ganz bei sich selbst zu bleiben. Nur so kann ein konstruktiver Austausch gelingen.

Tipps für den Schulalltag

Ein paar Tipps und Anregungen für den Schulalltag können Ihnen helfen, Ihre Gespräche mit Kollegen bewusster zu gestalten und Ihre Kommunikationskompetenzen möglicherweise zu erweitern.

  • Regen Sie in einer Konferenz an, festgelegte kollegiale Gesprächstermine innerhalb des Kollegiums einzurichten.
  • Veranstalten Sie öfter einmal einen Austauschtag anstatt einer Konferenz. An diesem Tag notiert jeder sein Anliegen auf einem Zettel, der gefaltet eingesammelt wird. Nach dem Zufallsprinzip wird ein Zettel mit einem „Problem“ gezogen, über das dann alle gemeinsam ins Gespräch kommen. Je nach Zeit und Dringlichkeit werden weitere Anfragen besprochen oder aufs nächste Mal vertagt.  
  • Wenn Ihr Unterricht mal schieflief, machen Sie es nicht mit sich selbst im stillen Kämmerchen ab. Fragen Sie einen Kollegen! Sie dürfen Ihre Nöte und schlechten Unterrichtserfahrungen ruhig preisgeben. Möglicherweise erhalten Sie hilfreiche Tipps für die nächste Stunde.
  • Achten Sie auf Ihren Kommunikationsstil! Es gelingt nicht immer, etwas zu sagen, ohne den anderen zu verletzen. Der Psychologe Schulz von Thun benannte acht verschiedene Kommunikationsstile, die im täglichen Umgang eine Rolle spielen. Dabei reicht es aus, sich nur einige wenige bewusst zu machen. Ein aggressiver und entwertender Stil kann zum Beispiel den Gesprächspartner vor den Kopf stoßen. Eine Gesprächsbasis ist dann nicht mehr vorhanden. Auch hilft es wenig, wenn man sich ständig im Kollegium beweisen muss, was man alles besser kann oder weiß. So entstehen Rivalitäten und Konkurrenz. Versuchen Sie mit Offenheit, Ehrlichkeit und neutraler Einstellung mit Ihren Kollegen zu kommunizieren, damit das Gespräch zum Erfolg führt.
  • Begegnen Sie Ihrem Gesprächspartner auf Augenhöhe und mit echtem Interesse, damit das, was sie denken, fühlen, und in Worte fassen auch von Ihrem Gegenüber verstanden wird.
  • Dialogging ist eine Methode (entwickelt von Dorothee und Ern Jacoby Lu), bei der man beim schnellen Gehen in den Dialog mit sich selbst, mit einem oder mehreren Wanderpartnern oder in den Dialog mit der Natur geht. So kann ein Austausch  oder die eigene Reflektion nach der Schule genutzt werden, um möglicherweise neue Perspektiven zu eröffnen.
  • Versuchen Sie, eine konstruktive Streitkultur zu entwickeln, wenn verschiedene Meinungen aufeinanderprallen. Mit anderen Worten: aktiv zuhören, andere Meinungen gelten lassen und gemeinsam Lösungen finden.
  • Fragen Sie danach, ob Sie in regelmäßigen Abständen mit der Schulleitung Entwicklungsgespräche führen können. Ein Feedback und ein offenes Gespräch, können die Beziehungsebene positiv beeinflussen und neue Sichtweisen eröffnen.
  • Aus vielen Konferenzen gehen Lehrer mit dem Gefühl heraus, dass die meiste Zeit Diskussionen über belanglose Dinge in Anspruch genommen hat. Strukturieren Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen die Tagesordnungspunkte. Legen Sie ein Zeitmaß fest, wie lang einzelne Punkte besprochen werden sollen.
  • Wenn Sie die Möglichkeit haben, machen Sie eine Weiterbildung zum Schulcoach. Das kommt Ihnen und der gesamten Schule zugute.

Sicherlich lassen sich mit diesen Tipps nicht alle Lehrer eines großen Kollegiums erreichen und Schwierigkeiten können nicht immer durch neue Methoden abgebaut werden. Das Reflektieren über die Gesprächskultur einer Schule und das Umsetzen neuer Kommunikationsimpulse kann jedoch eine Möglichkeit sein, Gespräche bewusster zu gestalten, aktiver zuzuhören und neue Kommunikationsebenen zu schaffen. Dies erleichtert die Arbeit miteinander und bringt mehr Motivation in den Alltag — ganz im Sinne eines guten Schul- und Arbeitsklimas.

Angela Hentschel

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