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Methoden

Sicher Feedback geben mit fünf Fingern

Sollen Schüler ein Feedback geben, wissen sie zuweilen nicht, wie sie genau anfangen und wie sie ihre Rückmeldungen strukturieren sollen. Dabei kann die Methode des Fünf-Finger-Feedbacks hilfreich sein.

Methoden: Sicher Feedback geben mit fünf Fingern Der hochgestreckte Daumen steht beim Fünf-Finger-Feedback für etwas, das dem Schüler gut gefallen hat © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Feedback zu formulieren, ist ein eigenständiger Kompetenzbereich. Dabei werden Metakompetenz, Beobachtungsgabe und diplomatisches Kommunikationsgeschick abverlangt, damit die Botschaft eines Feedbacks nicht in den falschen Hals gerät.
Beherrschen Schüler diese Kompetenzen (noch) nicht, sind Unsicherheiten im Feedbackprozess vorprogrammiert. Diese können auf zwei Gründe zurückgeführt werden.

Zum einen kann es an der Feedback-Situation selbst liegen, dass die Schüler sich darüber unsicher sind, ob sie wirklich ihrem Lehrer oder anderen Mitschülern entsprechende Rückmeldungen geben dürfen, d.h. ob das Feedback überhaupt sozial erwünscht ist bzw. geduldet wird.
Diese Unsicherheit kann – mittelfristig – reduziert werden, indem die Unterschiede zwischen Feedback und Kritik sowie zwischen einer Beschreibung und einer Bewertung verdeutlicht werden.


Beschreiben statt Bewerten

Man soll ja niemanden kritisieren, sondern lediglich die eigene Sichtweise beschreiben. Und das darf man selbstverständlich auch aus einer „rangniederen“ Position heraus, also beispielsweise als Schüler gegenüber seinem hierarchisch durch sein Amt höhergestellten Lehrer oder auch als Mitschüler gegenüber einem leistungsstärkeren oder beliebteren Klassenkameraden.

Zum anderen ist es auch möglich, dass die Schüler einfach noch ungeübt sind im Formulieren von Feedback. Insbesondere wenn sie wissen, dass sie nicht bewerten, sondern lediglich ihre Wahrnehmungen beschreiben sollen, fällt es mitunter schwer, sich richtig auszudrücken. Diese Unsicherheit kann minimiert werden, indem der notwendige Rahmen durch eine vorgegebene Methode absteckt wird.

Orientierung für den Schüler

Das Fünf-Finger-Feedback beispielsweise stiftet diese Orientierung. Anhand von fünf unterschiedlichen Satzanfängen kann ein Feedback zu einer erfolgten Gruppenarbeit, einer abgeschlossenen Unterrichtsreihe oder einem Schülerreferat gegeben werden. Die Satzanfänge dienen hierbei jeweils als Impuls und sollen von den Schülern vervollständigt werden.

Dazu zeichnen die Schüler die Umrisse ihrer Hand auf ein DIN-A4-Blatt oder sie erhalten alternativ einen entsprechenden Vordruck mit der Kontur einer Hand. Jeder Finger steht nun symbolisch für eine Rückmeldung, die die Schüler stichwortartig in den jeweiligen Finger schreiben sollen.

Der Daumen repräsentiert also etwas, das dem Betreffenden gut gefallen hat, wohingegen der ausgestreckte Mittelfinger für etwas negativ Bewertetes steht. Mit dem Zeigefinger kann man auf etwas zeigen bzw. hinweisen, und der Ringfinger bezieht sich im Sinne der Ringsymbolik auf etwas, das man als persönlich bedeutsam einstuft. Der kleine Finger symbolisiert schließlich eine Sache, die zu kurz geraten ist und ergänzt oder ausgedehnt hätte werden sollen.

Ein Unterrichtsbeispiel

Die Schüler besprechen mit ihrem Klassenlehrer den zurückliegenden Museumsbesuch. Der Lehrer legt die fünf nachfolgenden Satzanfänge als Folie auf den Overhead-Projektor:

  • Daumen: Besonders toll fand ich …
  • Zeigefinger: Diesen Hinweis habe ich erhalten …, Eine gute Idee war …
  • Mittelfinger: Gar nicht gefallen hat mir …
  • Ringfinger: Für mich persönlich nehme ich mit …
  • Kleiner Finger: Mir ist zu kurz gekommen …, Ausführlicher hätte ich mir gewünscht …

     

Die Schüler erhalten den Auftrag, die Kontur ihrer Hand aufzuzeichnen und innerhalb von fünf Minuten mithilfe der Satzanfänge die Finger zu beschriften. Durch die Zeichnung der eigenen Hand und die individuelle Beschriftung wird die Subjektivität der Rückmeldungen betont. Nun sollen sich die Schüler melden und dabei direkt mit dem Finger aufzeigen, zu dem sie eine Rückmeldung abgeben möchten. Dabei komplettieren sie die vorgegebenen Satzanfänge.

Den Umfang des Feedbacks steuern

Wenn das Feedback aus Zeitgründen kurz gehalten werden muss und nicht jede Schülersicht dargestellt werden kann, lässt sich der Umfang einer Schülerrückmeldung zum Beispiel auf zwei oder drei Finger beschränken.
Reicht es für die Nachbesprechung gar aus, wenn nicht alle Schüler zu Wort kommen, können auch nur einzelne Schüler stichprobenartig ihre Rückmeldungen geben. Hierbei kann es um der Repräsentativität willen sinnvoll sein, die Schüler per Zufall auszuwählen.
Möchte der Lehrer hingegen ein möglichst flächendeckendes Bild der Sichtweisen seiner Schüler erlangen, kann er die ausgefüllten Bögen, anonym oder mit Namen versehen, auch einsammeln.

Pädagogischer Wert trotz Mittelfinger?

Nun wird manch ein Leser zu Recht einwenden, dass das Aufzeigen mit dem Mittelfinger alles andere als pädagogisch wertvoll erscheint. Hier muss daher ergänzt werden, dass die Entscheidung für diese Variante des Fünf-Finger-Feedbacks oder für eine abgemilderte Alternative allein beim betreffenden Lehrer selbst liegt und dass sie sicher auch typabhängig ist. So kann er die Methode natürlich grundsätzlich mit einem Lächeln oder Augenzwinkern erläutern, um sie von vornherein auf eine humoristische Ebene zu befördern. Erfahrungsgemäß haben Schüler große Freude daran, endlich auch einmal ganz legitim den Mittelfinger erheben zu dürfen – und dass sogar in der Schule.

Abgemilderte Alternativen könnten darin bestehen, dass ...

  • die Schüler den Mittelfinger mit ihrer anderen Hand verdecken müssen,
  • der Satzanfang „Schade fand ich, dass …“ lauten muss,
  • sich die Schüler für eine Rückmeldung mit allen anderen vier Fingern melden sollen.

Trotz der Frage nach dem pädagogischen Wert kann diese Methode, auch in ihrer unentschärften Version, in jedem Falle als didaktisch wertvoll bezeichnet werden. Denn manchen Schülern fällt es nicht leicht, negative Rückmeldungen auszusprechen, sei es gegenüber ihrem Lehrer oder ihren Mitschülern.

Schließlich befinden sie sich dem Lehrer gegenüber in einem Abhängigkeitsverhältnis, sodass die Sorge vor Konsequenzen hinsichtlich ihrer Note dazu führen kann, eine ehrliche Rückmeldung besser zurückzuhalten.
Auch ihren Mitschülern gegenüber befinden sie sich in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis, da sie womöglich genau von denjenigen, denen sie ein Feedback geben, später ein solches zurückbekommen werden. Weiterhin spielt in Rückmeldeprozessen stets das Phänomen der sozialen Erwünschtheit eine wichtige Rolle – insbesondere innerhalb der eigenen Peer-Gruppe.

Negatives Feedback wird erleichtert

Insofern kann diese Methode dazu beitragen, dass es manchen Schülern leichter fällt, auch negative Aspekte gegenüber Lehrern oder Mitschülern anzusprechen. Schließlich ist dies ja im Rahmen der Methode erwünscht bzw. sogar gefordert, wodurch sich der einzelne Schüler in Teilen seiner Eigenverantwortung entledigt und lediglich auftragsgemäß handelt. Er kann also sein Feedback im Nachhinein erklären: „Tut mir leid, aber ich musste ja auch etwas Negatives sagen.“ Gemeint hat er es damit aber trotzdem.

Gleichzeitig lernen Schüler mithilfe des Fünf-Finger-Feedbacks, dass eine Rückmeldung sowohl beibehaltenswerte, positive Punkte als auch veränderungswürdige, negative Aspekte umfassen sollte, um dem Feedback-Empfänger sein Verbesserungspotenzial und seine Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Dennis Sawatzki

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