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Kooperationsbereitschaft

So gelingt die Gruppenarbeit Ihrer Schüler

Für eine abwechslungsreiche und methodisch sinnvolle Unterrichtsgestaltung ist die Kooperationsbereitschaft der Schüler ein wichtiger Faktor. Doch wann arbeiten Schüler eigentlich zusammen? Die Antwort ist einfach: Wenn sie einen persönlichen Nutzen aus der Kooperation ziehen können.

Kooperationsbereitschaft: So gelingt die Gruppenarbeit Ihrer Schüler Gruppenarbeit ermöglicht es, den Lernstoff aktiv mitzugestalten © Christian Schwier - Fotolia.com

Die Kooperationsbereitschaft von Schülern hängt wesentlich davon ab, ob die Zusammenarbeit für sie einen persönlichen Nutzen bringt. Dabei kann es sich sowohl um einen fachlichen, einen methodischen oder auch sozialen Mehrwert handeln:
Viele Schüler erleben Gruppenarbeiten als methodische Spielerei der Lehrkraft (vgl. Renkl & Mandl 1995). Dass sie über diese Methode den Inhalt besser oder vollständiger verstehen, ist eine eher seltene Erfahrung. In der Folge stellt Gruppenarbeit aus Schülersicht lediglich ein wenig gewinnbringendes Intermezzo des gewöhnlichen Unterrichts dar. Zumal immer wieder Reibungsverluste entstehen, weil die Schüler ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Thema zusammenbringen und sich dafür auch menschlich arrangieren müssen.

Inhaltlicher Mehrwert

Als Voraussetzung für eine gelingende, gewinnbringende Gruppenarbeit muss die Lehrperson also die Aufgabe so stellen, dass inhaltliche Synergien entstehen können. Wenn Schüler beispielsweise unterschiedliche Teilaufgaben bearbeiten, deren Lösungen sich aufeinander beziehen oder gar aufeinander aufbauen, erkennen sie schnell, dass sie miteinander kooperieren müssen, um das Thema vollständig zu erfassen und inhaltlich zu durchdringen (vgl. Slavin 1993). Auch wenn am Ende des Austausches eine Präsentationsphase steht, in der jeder Schüler jedes zuvor bearbeitete Thema vorstellen können soll, ist die Notwendigkeit zur Gruppenarbeit gegeben.
Eine sehr effektive Möglichkeit, die Schüler dementsprechend zu motivieren, besteht deshalb in der Ankündigung, dass potenziell jeder Schüler am Ende das Gruppenergebnis vor der Klasse vorstellen können muss. Die Auswahl dafür kann dabei zum Beispiel per Zufallsprinzip erfolgen. Im Rahmen einer Überblicksstudie konnte Slavin (1995) zeigen, dass solche kooperativen Lernformen in 64 Prozent der untersuchten Fälle zu besseren Lernergebnissen führten als in herkömmlichen Unterrichtsformen.

Literaturangaben:

Slavin, R. E.: Kooperatives Lernen und Leistung: Eine empirisch fundierte Theorie, In G. L. Huber (Hg.), Neue Perspektiven der Kooperation (S. 151-170), Baltmannsweiler 1993.

Slavin, R. E.: Cooperative Learning. Theory, Research and Practice, 2. Auflage, Englewood Cliffs, NJ, Prentice-Hall 1995.

Renkl, A. / Mandl, H.: Kooperatives Lernen: Die Frage nach dem Notwendigen und dem Ersetzbaren, Unterrichtswissenschaft, 4, S. 292-300, 1995.

Huber, A. A. (Hg.): Kooperatives Lernen – kein Problem. Effektive Methoden der Partner- und Gruppenarbeit, 3. Auflage, Seelze 2011.

Methodischer Mehrwert

Bedeutung erlangt Gruppenarbeit auch dann, wenn der einzelne Schüler sie persönlich als willkommene methodische Abwechslung empfindet. Nach einer eher frontalen, instruktiven Phase durch den Lehrer hilft die Weiterarbeit in der Gruppe oftmals, die Konzentration aufrechtzuerhalten oder zu reaktivieren.
Neben dem positiven Einfluss eines Methodenwechsels auf die Konzentration erleben Schüler den Gruppenaustausch aber auch als Möglichkeit, einen anderen Zugang zu einem Thema zu finden. Denn beim Frontalunterricht mussten sie lediglich zuhören und –schauen, sie mussten sich also eher passiv-rezeptiv verhalten. Beim Gruppenaustausch hingegen sprechen die Schüler miteinander, machen sich vielleicht Notizen oder erstellen ein Präsentationsplakat. Sie verhalten sich dadurch eher aktiv-produktiv und können eigene Sichtweisen, Ideen und Fragen einbringen. Das ist zwar theoretisch auch während eines Lehrervortrags möglich — doch vielen Schülern fällt es deutlich leichter, wenn sie sich innerhalb der eigenen „Peergroup“, also in einer tendenziell symmetrischen Konstellation, zu Wort melden können. So kommentierte zum Beispiel ein Zehntklässler einer Duisburger Realschule eine kooperativ gestaltete Unterrichtsstunde: „Wir haben heute mehr geredet als der Lehrer.“
Auch aus Sicht der Neurowissenschaften hilft ein regelmäßiger Gruppenaustausch beim Verstehen und Behalten des Unterrichtsstoffs. Denn während ein Vortrag den audiovisuellen Lernstil fördert, wird in der Gruppe darüber hinaus auch der kommunikative und gegebenenfalls sogar der motorische Lernstil stimuliert.

Sozialer Mehrwert

Der für Schüler möglicherweise wichtigste Grund, sich auf Gruppenarbeiten einzulassen, ist die soziale Komponente (vgl. Huber 2011, S. 4). Jeder Schüler hat ein Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und Wertschätzung, insbesondere aus der Gruppe der Gleichaltrigen. Dieses Bedürfnis wird im frontal ausgerichteten Unterricht nicht gestillt — sehr wohl aber in Gruppenarbeiten. Die Lehrperson darf dabei allerdings nicht davon ausgehen, dass ihre Schüler dadurch automatisch für die Zusammenarbeit in der Gruppe motiviert sind. Denn schließlich ist es zunächst einmal kognitiv umständlicher, seine eigenen Lösungsansätze und Sichtweisen mit anderen abgleichen und gemeinsame Entscheidungen oder Kompromisse finden zu müssen. Negative Gruppenerfahrungen (wie beispielsweise die angesprochenen Reibungsverluste oder Konflikte) könnten bereits vorher durchaus zu einer gewissen „Gruppenarbeitsphobie“ beigetragen haben.
Dies ist auch insofern verständlich, als dass die Schüler zum Zeitpunkt der Gruppenzusammenstellung nicht zwangsläufig schon eine Gruppe bilden, sondern eher gruppierte Individuen sind. Damit sie tatsächlich ein Wir-Gefühl entwickeln, reicht es nicht aus, sie lediglich mit einer fachlichen Aufgabe zu konfrontieren. Teambildende Maßnahmen wie etwa eine Kennenlernphase oder sogenannte Kontaktaktivitäten sollten vorausgehen, damit sich die Gruppenmitglieder auch persönlich einander annähern können und anschließend miteinander kooperieren wollen. Ein gemeinsames Gruppenziel kann ebenfalls die Bereitschaft fördern, sich aufeinander einzulassen. Es kann die Gruppe beispielsweise auch anspornen, mit anderen Gruppen in einen Wettkampf zu treten.

Fachliche Notwendigkeit, methodische Varianz und soziale Vernetzung sind also die drei zentralen Motivatoren für erfolgreiche Gruppenarbeiten. Insbesondere der soziale Aspekt ist dabei grundlegend. Gerade deshalb ist es lohnenswert, in die anfängliche Beziehungsgestaltung neu gebildeter Gruppen Unterrichtszeit zu investieren. Denn durch eine bessere Kenntnis der Personen, mit denen man kooperieren soll, können sowohl die Fähigkeit als auch der Wille zur Zusammenarbeit deutlich gesteigert werden.

Dennis Sawatzki

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