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Lernzielkontrolle

Tipps und Tools für eine faire Leistungsbewertung

Auch in Corona-Zeiten müssen die schulischen Leitungen der Schüler/-innen bewertet werden. Nicht ganz einfach, aber mit den entsprechenden Praxistipps und Tools kommen Lehrkräfte zu einem fairen Ergebnis.

Lernzielkontrolle: Tipps und Tools für eine faire Leistungsbewertung Kleine, kurze Minitests sind für die Schüler/-innen nicht so belastend und helfen bei der Beurteilung ihrer Leistungen © drubig-photo - stock.adobe.com

Besonders für die Erstklässler/-innen war der Start im Schuljahr 2020/2021 unter Corona-Vorzeichen nicht einfach. Die Vorschule fand häufig nicht statt und es gab deshalb keinen fließenden Übergang in die Schule. So war und ist es für Lehrkräfte eine Herausforderung, Abc-Schützen an die festen Strukturen in der Schule zu gewöhnen und gleichzeitig die „Größeren“ nach der langen Auszeit wieder auf die Spur zu bringen. Eine zu geringe Personaldecke kommt noch hinzu. Und als wäre das nicht schon genug, müssen Lehrer/-innen die Leistungen Ihre Schüler/-innen auch noch fair bewerten. So versuchen viele, in kürzester Zeit ihre Beurteilungen bzw. Noten unter Dach und Fach zu bringen, weil ein erneuter Wechsel zum Distanzunterricht jederzeit möglich ist und das Ganze zusätzlich erheblich erschweren könnte. Der folgende Beitrag unterstützt Sie deshalb mit Praxistipps und Tools dabei, die Leistungen Ihrer Schüler/-innen fair zu bewerten – und Ihnen die Arbeit zu erleichtern. 

Transparenz beugt Stress mit Eltern vor

Voraussetzung für einen entspannteren Umgang mit der Benotung ist Transparenz, denn Diskussionen über Noten und Leistungsbewertungen mit Eltern und/oder „älteren“ Schüler/-innen rauben Ihnen als Lehrkraft Zeit und Kraft – und sind in der Regel wenig konstruktiv. Es hilft ungemein, klar zu kommunizieren, wann welche Leistungserhebungen geplant sind, welche Kriterien Sie jeweils zugrunde legen und wie Sie Teilnoten bei der Berechnung von Zeugnisnoten bzw. Verbalbeurteilungen gewichten. 

Im Idealfall verständigt sich das gesamte Kollegium auf Leistungserhebungen und -bewertungen, die schulweit vergleichbar sind. Eine solche objektivierte Leistungsbewertung ist wichtig, wenn sich beispielsweise Eltern verschiedener Klassen untereinander austauschen. 

Da Elternabende vor Ort derzeit meist nicht möglich sind, nutzen Sie dafür andere Kanäle: Für einen umfassenden Überblick etwa eignet sich die Schulwebsite (vgl. dazu z. B. die Seite der Grundschule in Rettenberg). Im Idealfall stellen Sie diese grundlegenden Informationen auch in den Sprachen der Familien mit Migrationshintergrund online. 

Gelegenheit zum offenen Austausch mit den Eltern Ihrer Klasse bietet eine Videokonferenz, bei der Sie zum Beispiel die Anforderungen an Klassenarbeiten oder an die mündliche Mitarbeit erläutern könnten. Das klappt natürlich nicht überall, denn nicht jede Familie ist digital so ausgestattet, wie es wünschenswert wäre. Regelmäßige Elternbriefen sind hier eine Alternative. Sie können darüber hinaus gezielt auf bevorstehende Prüfungstermine hinweisen, Gesprächsangebote machen oder auch einfach einmal „neuralgische“ Punkte aufgreifen, zum Beispiel die Entstehung von mündlichen Noten. Last but not least: Signalisieren Sie den Eltern Ihrer Schüler/-innen bei Einzelgesprächen Wertschätzung, indem Sie sich gut vorbereiten, Klassenarbeiten und andere Belege mitbringen und mit den Eltern auf Augenhöhe sprechen.

Arbeitshilfen für Lernentwicklungsgespräche

Viele Bundesländer haben als Alternative zu Halbjahreszeugnissen mit Noten für einige Jahrgangsstufen sogenannte Lernentwicklungsgespräche (LEG) eingeführt. Im Vorfeld des gemeinsamen Gesprächs von Eltern, Schüler/-innen und Lehrkräften füllen sowohl die Lehrer/-innen als auch die Kinder mithilfe ihrer Eltern einen umfangreichen Fragebogen aus. Dabei müssen sie ihr Sozialverhalten, ihr Lern- und Arbeitsverhalten und ihre Kompetenzen in den verschiedenen Fächern selbst einschätzen. Im eigentlichen LEG halten sich die Eltern im Hintergrund, während Lehrer/-in und Schüler/-in ihre Einschätzungen abgleichen und sich auf Ziele für das restliche Schuljahr verständigen. 

Die Lehrkraft modifiziert die umfangreichen Dokumentationsbögen (hier z. B. die bayrische Variante für die erste Klasse) zum LEG beliebig und achtet bei der Anzahl der Fragen darauf, dass die Gespräche eine maximale Dauer von 30 Minuten nicht überschreiten, um die Kinder nicht zu überfordern. 

Einer der Vorteile des LEG-Leistungsfeedbacks: Sie haben die Möglichkeit, Ihre Schüler/-innen zu motivieren, indem Sie im Gespräch die individuellen Stärken herausarbeiten. Impulse für Lernentwicklungsgespräche in herzlicher und wertschätzender Atmosphäre gibt Lehrer/-innen-Coach Lydia Clahes in ihrem positiven Lehrer-Podcast „locker lehrer“. In weiteren Podcasts auf ihrer Website (Link auf YouTube) gibt sie Ihnen zudem „Motivationsvokabular“ an die Hand, um die Kinder zu würdigen und die Beziehung zu ihnen zu festigen. 

Tipps für gerechte mündliche Noten

Mit mündlichen Noten ist das so eine Sache, findet Lehrerin Charlotte Dincher: Früher hat sie „aus dem Bauch heraus ab und an nach der Stunde Noten gegeben“, doch das erschien ihr „nicht gerade professionell“ und subjektiv. Was sie heute anders macht berichtet sie in ihrem Blogbeitrag „Sieben Tipps für gerechte mündliche Noten“. Ihr Tipp Nummer 1: „Lasse die Schüler sich selbst einschätzen“. Meist stimmten die Bewertungen des Schülers/der Schülerin und die der Lehrerin/des Lehrers sogar überein. Wenn nicht, sieht Charlotte Dincher bei dem jeweiligen Kind „genauer“ hin und erläutert ihre abweichende Sicht dann „ausführlicher“. Aber immer so, dass die Schülerin/der Schüler motiviert bleiben, weiter an sich und dem Lernstoff zu arbeiten.

Mit „Mini-Tests“ fragt sie Stoff ab, den sie vorher innerhalb einer Doppelstunde durchgenommen hat. Die Kinder beantworten dabei 10 einfache Fragen in 10 Minuten. Der Bewertungsschlüssel ist allseits bekannt und der Korrekturaufwand hält sich in Grenzen. – Eine tolle Idee, die bestimmt auch in Einzelstunden mit einer reduzierten Anzahl von Fragen funktioniert.

Nach dem Motto „Masse statt Klasse“ versucht sie zudem, intuitiv möglichst viele Noten zusammenzubekommen. Ihre Erfahrung: Je „mehr Noten man macht, desto gerechter werden sie“. Hilfreich dabei ist eine App mit einer „Schnell-benoten-Funktion“: Die Namen der Kinder poppen nacheinander auf und sie muss die Noten nur antippen. – Eine Sache von wenigen Sekunden, schreibt Charlotte Dincher. 

Und last but not least noch ihr Bonus-Tipp: „Öfter mal Dinge einplanen, die (...) in die mündliche Note eingehen, aber auch stilleren Schülern zu Gute [sic!] kommen.“ Das kann z. B. die Gestaltung eines Plakates oder die engagierte Zusammenarbeit mit einzelnenKlassenkamerad/-innen sein. Wenn das Kind dafür dann auch noch die entsprechende Wertschätzung und ein konstruktives Feedback bekommt, traut es sich immer mehr zu – und kommt vielleicht auch mehr und mehr aus der „Deckung“.

Martina Niekrawietz

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