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Projektunterricht

Wenn Schüler begeistert lernen

Eine Projektwoche begeistert die meisten Schüler der Grundschule, denn bei der Themenwahl und Durchführung stehen ihre Interessen im Mittelpunkt. Sie dürfen selbstbestimmt lernen — der Lehrer ist hier nur Ansprechpartner und Berater.

Projektunterricht: Wenn Schüler begeistert lernen Ein Projektwochen-Thema, das alle Schüler lieben: Haustiere © tinadefortunata - Fotolia.com

„Können wir in der Projektwoche dieses Jahr mal alle unsere Haustiere mitbringen?“, fragt Jan seine Klassenlehrerin. Doch das kann sie nicht entscheiden, da das Thema in einem gemeinsamen Prozess in der Klasse festgelegt wird. Julia möchte beispielsweise endlich alles über Delfine erfahren und in der Bücherei dazu Bücher ausleihen. Die Spannung ist groß, wenn über die Themen verhandelt wird.

Um für die Projektwoche wirklich zu Themen zu kommen, die den Projektgedanken Lernzuwachs und Eigenorganisation zulassen, sollte in der Klasse wie folgt gefragt werden: Was möchtet ihr in der Projektwoche lernen? Es soll etwas Besonderes, Neues für euch sein, das ihr bisher noch nicht kennt.

Gemeinsam ein Thema finden

Die Schüler können sich – wenn sie schon Projektunterricht kennen — bereits mit einem Partner oder in Gruppen über ein Thema verständigen, dieses in der Klasse vorstellen und dazu auch Ideen wie Unterthemen, Ausflugsziele und Gestaltung erläutern.
Haben die Schüler bisher noch keine Erfahrung mit Themen zur Projektwoche, so sollte der Lehrer zunächst den zeitlichen Umfang deutlich machen, der sich auch auf die Auswahl möglicher Inhalte auswirkt. Beliebte Themen bei Grundschülern sind: Kochen und Backen, Fußball und andere Sportarten, Gesellschaftsspiele, Chemie bzw. kleine chemische Experimente, Wald, Tiere und künstlerische Angebote wie Malen, Zeichnen, Werken, Filzen, Zirkus, Theater etc.

Dabei sollte der Lehrer steuernd eingreifen, damit die Themenwahl wirklich auch altersgemäß ausfällt und vom Umfang her bewältigt werden kann. Nicht pädagogisch sinnvolle oder kindgemäße Themen  wie beispielsweise Computerspiele, Weltkrieg oder gefährliche Sportarten wie Inlineskating, bestimmte Kampfsportarten sollten ausgeschlossen werden. Dies kann den Schülern zum einen durch die Bedingung etwas Neues kennenzulernen erläutert werden bzw. etwas für das Alter Angemessenes und Ungefährliches.
Durch demokratische Abstimmung oder Diskussion findet die Klasse schließlich zu ihrem Thema, das die Schüler eine Woche (wahlweise auch wenige Tage oder einen ausgesuchten Projekttag) beschäftigen wird.

Planung vorab ist wichtig

Drei bis vier Wochen vor der Projektwoche sollten erste Dinge besprochen und geplant werden.  Ein bis zwei Vorbereitungsstunden sollte man dafür einplanen, damit die Schüler (und eventuell auch der Lehrer) benötigte Materialien für die Durchführung besorgen können. Genügend Vorlaufzeit ist auch für Terminabsprachen bei geplanten Ausflügen etc. notwendig. Ebenso sollten Eltern und das Kollegium rechtzeitig informierte werden, besonders wenn über Betreuungsmaßnahmen bei Stundenabweichungen zum üblichen Stundenplan nachgedacht werden muss.

Als Vorbereitung für die Schüler hat sich eine Art „Stundenplan“ bewährt, in den die Schüler ihre Ideen und gewünschten Aktivitäten eintragen, die in der Projektwoche realisiert werden sollen. Methodisch kann der Lehrer für eine eventuelle Aufführung oder Ausstellung Darstellungshilfen anbieten.

Startschuss zum selbstgestalteten Lernen

Je nach Thema beginnt die Projektwoche am ersten Tag mit einer gemeinsamen Absprache, oftmals auch Einteilung in Gruppen. Gruppenarbeit bietet sich gerade bei den oft handlungsorientierten Projekten an. Hilfreich sind hierfür verschiedene Räumlichkeiten, in denen sich Schüler für das parallele und ruhige Arbeiten zurückziehen können, um im Anschluss erarbeitete Informationen im Plenum vorzustellen. Erstaunlicherweise vergessen die Schüler in Projektwochen, die ihr favorisiertes Thema beinhalten, weniger das besprochene Material als an normalen Schultagen. Erfahrungsgemäß gelingt der Start motiviert und mit allen Materialien.

Überhaupt ist die Atmosphäre an diesen Tagen in der Schule viel zwangloser, die Türen stehen oft offen und alle sind voller Eifer mit ihrer Arbeit beschäftigt. Besonders aufschlussreich ist für Lehrer: Beim Bearbeiten des Themas findet man oft Experten, die im Unterricht nicht herausstechen, ebenso wie neue Lernteams, die sich in dieser Konstellation im Unterricht nicht zusammengefunden hätten.

Während der Woche werden oft alle Räumlichkeiten der Schule wie Versammlungsraum, Küche, Turnhalle, Flure, Musikraum sowie je nach Wetterlage der Schulhof genutzt. Oft finden auch Ausflüge zu außerschulischen Lernorten statt.

Allein aufgrund der Motivation und des Arbeitseifers der Schüler für ihr Produkt, lohnt es sich, als Lehrer einfach Berater zu sein und das Lernarrangement den Schülern selbst zu überlassen.

Ergebnispräsentation für alle ein Erlebnis

Zum Abschluss der Projektwoche stellt sich die Frage, ob die Schüler ein Produkt präsentieren wollen/sollen oder nicht. Dies hängt natürlich vom Thema ab und sollte daher nicht zwingend gleich zu Beginn festgelegt werden. Oft haben die Schüler während der Arbeit noch Ideen, die sie unbedingt den anderen vorstellen wollen.

Eine Theater- oder Zirkusgruppe möchte sehr wahrscheinlich ihr entstandenes Stück bzw. eingeübte Kunststücke vorführen. Vielleicht hat auch eine Gruppe der Projektwoche zum Thema Fußball etwas über ihren Lieblingsverein herausgefunden und möchte dazu ein Plakatform vorbereiten etc.. Eventuell können während der Woche Fotos gemacht und auf Tonkarton ausgestellt werden.

Gruppen, die präsentieren möchten und deren Ziel eben eine Vorführung oder Präsentation war, sollten auf jeden Fall am letzten Tag dazu eine Möglichkeit haben. Sinnvollerweise wählt man dazu im Austausch mit dem Kollegium einen Zeitpunkt, zu dem alle Schüler und womöglich Eltern die Möglichkeit haben, sich in verschiedenen Räumen der Schule die Ergebnisse der Gruppen anzuschauen. Einladung hierzu müssten bereits im Vorfeld verteilt werden.

Meist positives Feedback zur Projektwoche

Befragt man die Schüler, ob sie einen Lernzuwachs in der Projektwoche hatten und wie es ihnen gefallen hat, herrscht hier die einhellige Meinung, dass Projektwochen öfter stattfinden müssten. Obwohl sich Themen meist auch in der nächsten Projektwoche wiederfinden lassen, wird in einer Projektwoche selbstständiges Lernen angebahnt, das durch die eigenen Interessen geleitet wurde. Hier sind Kreativität und Organisationstalent gefragt, die im normalen Schulalltag oftmals zu kurz kommen. Die Schüler stehen hier nicht unter Leistungsdruck und gehen durch positive Erlebnisse meist empathischer miteinander um — ein Riesenzuwachs an sozialer Kompetenz eingeschlossen.

Jahrgangsübergreifende Projektwoche als Alternative

Neben der Möglichkeit eine Projektwoche auf einige wenigeTage oder nur einen Projekttag zu verkürzen, bietet sich als Alternative zum klasseninternen Lernen auch das jahrgangsübergreifende Lernprojekt an. Dies bedarf allerdings einer erweiterten Organisation. Das betrifft sowohl den Ablauf in der Schule als auch die Inhalte. Die Themenfindung wird dabei nicht ganz einfach sein. Alle Schüler sollten zunächst ihre Themenwünsche abgeben. Diese Themen müssen nach Häufigkeit ausgewertet und Gewinnerthemen nach Anzahl der Lehrer herausgefunden werden. Im nächsten Schritt wählt jeder Schüler mithilfe farbiger Karten (es empfehlen sich hier drei Wünsche pro Kind und eine gleiche Farbe der Karten je Jahrgangsstufe) seine Wunschthemen. Auch diese Karten müssen dann den Themen nach mit einer gleichen Anzahl an Schülern, am besten gemischt nach Jahrgangsstufen (durch die bunten Karten schneller ersichtlich), sortiert werden. So entstehen neue, jahrgangsübergreifende Schülerzusammensetzungen, die das gemeinsame Lernen und Forschen durchaus bereichern können.

In jedem Fall lernen die Schüler in einer Projektwoche viel dazu und sind besonders motiviert — und freuen sich bereits auf eine neue Projektzeit mit neuen spannenden Themen.

Marion Keil

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