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Boys’ Day und Girls’ Day

Zukunftstag für Mädchen und Jungen 2016

Am 28.04.2016 findet der bundesweite Zukunftstag statt. Auch viele Grundschulen nutzen die vielfältigen Möglichkeiten, um den Grundstein für eine spätere Berufswahl jenseits überkommener Rollenklischees zu legen.

Boys’ Day und Girls’ Day: Zukunftstag für Mädchen und Jungen 2016 Das Interesse für handwerkliche, technische und naturwissenschaftliche Berufe soll bei Mädchen geweckt werden © jeecis - Fotolia.com

Bei den Traumberufen von Mädchen und Jungen im Grundschulalter hat sich nicht viel verändert. Das ergab eine repräsentative Befragung von 500 Kindern und deren Eltern aus dem Jahr 2013: Demnach stehen bei den Jungs Fußballspieler (10,7 %), Polizist (9,9 %) oder Pilot ( 8,1 %) an oberster Stelle, während die meistgenannten Berufswünsche bei den Mädchen Tierärztin (12,3 %), Kinderkrankenschwester (7,1 %), Ärztin oder Lehrerin (5,6 %) waren.

Damit ähneln die Traumberufe der Kinder denen ihrer Eltern aus Kindertagen verblüffend: Diese wollten am liebsten „Kinderkrankenschwester, Arzt bzw. Tierarzt, Polizist und Lehrer“ werden, berichtete Miriam Bax in dem Magazin Wirtschaftswoche. Und noch etwas lässt sich herauslesen: Die Kinder folgen mit ihren Angaben deutlichen Rollenmustern: Während bei den Jungen „mit Risiko und Abenteuer verbundene Wunschberufe“ dominierten, erstrebten die Mädchen „mehrheitlich helfende Tätigkeiten“ und folgten damit dem „Wunsch etwas Gutes zu tun“. (ebd.)

Ziel des bundesweiten Zukunftstages am 28.04.2016 ist es deshalb gerade, geschlechtsspezifischen Rollenklischees bei der Berufswahl entgegenzuwirken und die Kinder mit geschlechtsuntypischen Berufen vertraut zu machen.

Boys’ Day und Girls’ Day 2016 in Unternehmen und Einrichtungen

Die Kultusministerien fast aller Bundesländer unterstützen den Zukunftstag, auch als Boys‘ bzw. Girls‘ Day bekannt. Ob der Tag als Schulveranstaltung durchgeführt wird, entscheiden die Schulen, Schüler können jedoch auf Antrag der Eltern vom Schulunterricht freigestellt werden. (Rechtliche und organisatorische Fragen beantworten die beiden Webseiten zum Boys‘ bzw. Girls‘ Day)

Die Ziele des Zukunftstages:

  • Mädchen lernen am Girls’ Day technische, naturwissenschaftliche oder handwerkliche Berufe kennen.
  • Jungen bekommen am Boys’ Day Einblick in soziale, pädagogische oder pflegerische Berufe.

Die Gestaltung des Zukunftstages in Grundschulen

Die Hospitationsangebote, Materialien und Ideen des Zukunftstages richten sich an Schüler ab Jahrgangsstufe 5. Doch ist es durchaus sinnvoll, bereits möglichst frühzeitig, also schon in den Jahrgangsstufen 1 bis 4, aktiv „zum Abbau vorhandener Geschlechtsrollenstereotype sowie zur Förderung flexibler Rollenbilder“ in der Berufswelt beizutragen. (Vgl. dazu genauer: Dr. Ronald Schulz, Gendersensible Lehrplangestaltung für die Grundschule, S. 8)

Wie könnte man dieses wichtige Thema mit den Kindern in der Primarstufe angehen? Hier einige Anregungen dazu:

  • Ähnlich wie in der Grund- und Mittelschule Diespeck könnten die Lehrer für die Grundschüler einen Projekttag in der Schule gestalteten: In Diespeck betätigten sich die Jungs hauswirtschaftlich und bügelten, wischten und machten Pizzabrötchen, während die Mädchen handwerklich aktiv wurden und pflasterten, bohrten, hämmerten und Fahrradschläuche flickten. — Natürlich geht es beim Zukunftstag nicht um einen einmaligen Rollentausch, sondern um eine grundlegende Erweiterung des möglichen beruflichen Spektrums. Jungs sollten also danach zum Beispiel sagen: „Kochen macht richtig Spaß, das wäre vielleicht ein schöner Beruf“, und auf keinen Fall „Bin ich froh, dass Kochen normalerweise Frauenarbeit ist“.
  • Materialien und Ideen für Lernstationen oder für einen Projekttag finden sich auf den Websites zum Zukunftstag (hier für Mädchen und hier für Jungen): Der Girls‘ Day Parcours „enthält Anleitungen zu Versuchen und Experimenten aus den Themenbereichen Handwerk, Informatik, Naturwissenschaften und Technik“. Und der Boys‘ Day Parcours „vermittelt Jungen ganz praktisch Basiskenntnisse für die selbständige Haushaltsführung, gesunde Ernährung und für verantwortungsvolles Konsumverhalten“.

Eltern nehmen Jungen oder Mädchen mit an ihren Arbeitsplatz

Besuche in Unternehmen und Einrichtungen mit Grundschulkindern bis Jahrgangsstufe 4 sollten im Vorfeld gemeinsam mit den Eltern sorgfältig geplant werden: Wer arbeitet überhaupt in typischen Girls‘ Day-Berufen beziehungsweise Boys‘ Day-Berufen und ist bereit, für die Kinder Arbeitszeit zu erübrigen? Wie lange sollte solch ein „Ortstermin“ sinnvollerweise dauern? Und — ganz wichtig: Wie sollte der Ablauf gestaltet werden? Wie kann es gelingen, dass die Mädchen oder Jungen einen wirklich praktischen Eindruck von der jeweiligen Tätigkeit gewinnen? Das ist bei der Planung und vor allem auch bei der Auswahl geeigneter Berufe für Sechs- bis Zehnjährige der springende Punkt. Denn wenn die Berufe für die Kinder abstrakt bleiben, weil sie nicht selbst aktiv eingebunden sind, werden sie vermutlich noch nicht einmal verstehen, worauf es in dem jeweiligen Beruf ankommt. So zum Beispiel die sechsjährige Lilian beim Besuch am Arbeitsplatz ihres Vaters in der Berliner Redaktion der ZEIT, den Henning Sussebach schildert. Danach befragt, was ihr Vater arbeitet, antwortet sie: „Mein Papa schreibt Zeitung.“ „Und wie geht das?“ „Na: einfach ausdrucken.“

Martina Niekrawietz

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