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Filme im Unterricht

Juhu, wir gehen ins Kino!

Einen Film im Kino zu erleben, ist für Schüler ein ganz besonderes Erlebnis, das sorgfältig geplant sein will. Dabei kann sich der Lehrer von einer Reihe fundierter Materialien inspirieren lassen. Sie helfen bei der Auswahl des Films genauso wie bei der Vor- und Nachbereitung.

Filme im Unterricht: Juhu, wir gehen ins Kino! Eltern sind eine willkommene Unterstützung bei einem Kinobesuch der gesamten Klasse © serhiibobyk - stock.adobe.com

„Am Donnerstag, den 8.3.2018 hat Frau Fuchs an die Tafel geschrieben, dass wir am 9.3.2018 ins Kino gehen. JIIIIPPPPPIIIIIIIEEEEH!“, schreibt Martin aus der 2. Klasse auf der Website einer niedersächsischen Grundschule. Mit dem Bus fahren die Kinder ins Kino und sehen den Animationsfilm „Überflieger — Kleine Vögel, großes Geklapper“, die Geschichte von dem kleinen Spatz, der wie die großen Störche nach Afrika fliegen will. Und wie hat er den Kindern gefallen? „Alle fanden den Film gut, außer ein paar Jungs, die fanden Star Wars besser“, berichtet Martin, und: „Die Mädchen haben ein bisschen geweint.“

Natürlich ist das eigentliche Filmerlebnis für die Kinder die Hauptsache. Wie die Lehrerin die Kinder auf den Film vorbereitet hat, verrät Martin nicht. Der Leser seines kleinen Aufsatzes erfährt nur, dass die Schüler nach der Rückkehr in die Schule in ihr „Kinoheft geschrieben“ haben.

Für Sie als Lehrkraft hingegen stehen bei der Filmarbeit die Vorbereitung und die Nachbereitung im Fokus, die beiden Phasen, die den eigentlichen Kinobesuch umrahmen. Dieser Beitrag versorgt Sie mit Ideen und Anregungen für einen spannenden und aktivierenden Unterricht, mit dem Sie die Kinder für das Kino begeistern und — ganz nebenbei — auch gleich die mediale Kompetenz Ihrer Schüler fördern.

Materialien vor dem Kinobesuch sichten

„Die Fähigkeit, Filme zu verstehen, wird neben der Lese- und Schreibfähigkeit häufig als eine dritte Kulturtechnik betrachtet. Umso überraschender ist es, dass in Schulen diese Fähigkeit gegenwärtig noch sehr wenig gefördert wird“, schreibt der Medienpädagoge Prof. Dr. Stefan Aufenanger in seinem Geleitwort zum Leitfaden „Mit Kindern ins Kino“ (im Folgenden „MKiK“), den die Stiftung „MedienKompetenz Forum Südwest“ gemeinsam mit der „Stiftung Lesen herausgegeben hat. Der Leitfaden mit vielen handlungsorientierten Anregungen für die Filmarbeit im Unterricht der Grundschule ist im Jahr 2007 erschienen. Und auch heute, 12 Jahre später, sind kindgerechte Materialien für die Filmbildung eher dünn gesät.

Relativ gut bestückt sind die Filmbildungsportale im deutschsprachigen Raum, die Sie im unten verlinkten Beitrag „Kinofilme: Unterrichtsmaterialien per Mausklick“ finden. Hier gibt es zum Beispiel die „Filmhefte“ und weitere Unterrichtsideen des Netzwerks für Film und Medienkompetenz „Vision Kino“, die im Rahmen der alljährlichen, bundesweiten „SchulKinoWochen“ erscheinen. Aus didaktisch-methodischer Sicht sind bei den einzelnen „Filmheften“ jedoch qualitativ große Unterschiede feststellbar: So beschränken sich etwa die Materialien zum Film „Überflieger — Kleine Vögel, großes Geklapper“ im Wesentlichen auf Unterrichtsdiskussionen und das Ausfüllen von Arbeitsblättern — bis auf das Nachspielen einzelner Szenen eine eher dröge Angelegenheit für die Kinder.

Mit dem Filmheft zu „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ hingegen werden die Kinder aktiv: Sie lernen mit allen Sinnen und oft auch mit Bewegung: Sie improvisieren, zeichnen, basteln, experimentieren, formieren sich zu Standbildern oder geben eine „Pressekonferenz“. Und das alles in wechselnden Sozialformen, mit Lernstationen und im Unterricht aller Fächer. Es lohnt sich also durchaus, vor der Auswahl des Films zunächst die verfügbaren Materialien zu sichten.

Geeignete Filme finden, Eltern einbinden

Worauf sollten Sie bei der Filmauswahl noch achten? Die Filme sollten die Erfahrungswelt der Kinder widerspiegeln und „gezielt aktuelle Entwicklungsthemen der Kinder“ aufgreifen, „z. B. Groß werden/Selbständig werden, Provozieren/Grenzen ausloten, Freundschaft/Gruppe, Zusammengehörigkeit/Anerkennung in der Familie, Konkurrenz (z. B. Geschwister), Abgrenzung gegenüber anderen u. ä.“, raten die Autoren des Leitfadens „Mit Kindern ins Kino“ (S. 3). Im Idealfall sieht sich die Lehrkraft einige Kinderfilme vorab an, um den Kindern (und ihren Eltern) dann zwei oder drei zur Auswahl stellen.

Falls Sie einen bestimmten Film im Auge haben, könnte auch abgeklärt werden, ob Ihr Kino vor Ort Sondervorstellungen anbietet. Oft sind auch Kinoführungen möglich — die kosten allerdings zusätzlich, was für einkommensschwache Familien möglicherweise belastend ist.

Für den Kinobesuch brauchen Sie eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten. — Eine gute Gelegenheit, um die Eltern im Vorfeld auch gleich zu einem Elternabend einzuladen. Hier können Sie das bevorstehende Filmprojekt vorstellen, vielleicht auch gleich Begleitpersonen für den Kinobesuch gewinnen und den Eltern „grundsätzliche Informationen zum Thema Mediensozialisation“ vermitteln. Im Leitfaden MKiK finden Sie auch ein Konzept für diese Veranstaltung (S. 9 f.) mit Hintergrundinformationen, Handout und einem Partnerinterview als Eisbrecher.

Phase 1: Die Kinder auf den Kinobesuch vorbereiten

Die Autoren der Broschüre MKiK schlagen zum Einstieg (S. 5) ein Unterrichtsgespräch über „die Seh- und Mediengewohnheiten“ der Kinder vor. Welche Medien gibt es bei ihnen zu Hause? Auch im Kinderzimmer? Wie nutzen die einzelnen Familienmitglieder sie? Wie lange und mit wem sehen die Kinder Filme? Können sie mit jemandem darüber reden? usw.

Noch interessanter wird es, wenn die Lehrkraft vorab für sich in einer Tabelle für jedes Kind ihre eigenen Vermutungen über dessen Mediengewohnheiten einträgt, die sich dann im Gespräch mit den Kindern als richtig oder falsch herausstellen.

An dieses Gespräch schließen sich vielfältige Vorschläge für spannende Aktivitäten an: Die Kinder bringen z. B. Gegenstände mit, die etwas über ihre derzeitigen Lieblingsfilme verraten. Die Lehrkraft sammelt die Objekte dann „ganz geheim“ in einer „Schatztruhe“, aus der jedes Kind der Klasse einen Gegenstand ziehen und raten darf, zu welchem Film und welchem Mitschüler es gehören könnte.  

Dieser Vorschlag ist nur einer von vielen, die zur Auswahl stehen (ebd., S. 6 ff.): Die Kinder erstellen ein Bilderbuchkino, basteln ein Daumenkino, lesen aus dem Buch (falls vorhanden) zum Film oder gestalten aus Werbeanzeigen, Szenefotos etc. in Gruppenarbeit eine „Filmmontage“. Sie nutzen eine Pappscheibe mit drei Zentimeter Durchmesser als „Lochkamera“ und experimentieren mit Perspektiven, Abständen und Ausschnitten. Sie assoziieren zu unterschiedlichen Farben, malen Bilder zu verschiedenen Gefühlen, denen bestimmte Farben zugeordnet werden und erforschen mithilfe des Overheadprojektors und eigenen gemalten Folien, wie kleine Bilder ganz groß auf die Filmleinwand kommen.

Allein mit den praktischen und kreativen Übungen in Phase 1 ließe sich schon eine ganze abenteuerliche Projektwoche im Unterricht verschiedenster Fächer gestalten.

Phase 2: Kinobesuch mit Elternhilfe

Falls Sie das Kino noch nicht kennen, ist ein Vorabbesuch sinnvoll: Gibt es Filmwerbung, die nicht für Kinderaugen geeignet ist? Brauchen Ihre Schüler im Kinosaal Sitzerhöhungen? Ist es möglich, den Filmsaal im Anschluss noch für ein erstes Filmgespräch zu nutzen? Solche Fragen sollten im Vorfeld geklärt werden, raten die Autoren des Leitfadens MKiK (S. 11).

Im Kinofoyer und während der Filmvorführung sollte zudem auf die Reaktionen der Kinder geachtet werden: „Braucht ein Kind Zuwendung/Nähe bei Angst machenden Szenen oder weil es in der Dunkelheit des Kinos unheimlich ist? Verlassen vermehrt Kinder den Kinosaal, weil die Spannung zu hoch ist, sie aufgrund der Länge des Films unruhig werden oder zur Toilette müssen?“ Im Kino sollte es die Möglichkeit „der körperlichen Nähe zu einem Erwachsenen geben“ und auch außerhalb sollte „eine Anlaufstelle für die Kinder zur Verfügung stehen“ (ebd.) — Zwei gute Gründe, um möglichst viele Eltern zum Kinobesuch mitzunehmen.

Beim ersten Filmgespräch direkt im Anschluss erzählen die Kinder frei, was ihnen gefallen hat und was nicht. Gemeinsam mit den Schülern und vielleicht mithilfe von Szenenbildern rekonstruieren Sie noch einmal den Inhalt des Films. Um „einiges von der Spannung [zu] lösen, die sich bei jedem Filmerlebnis vor allem bei jüngeren Grundschulkindern aufbaut“, malen bzw. spielen die Kinder direkt im Nachgang zentrale und vielleicht auch beängstigende Szenen (ebd.).

Phase 3: Nachbereitung mit kreativen Impulsen

Die Kinder brauchen Zeit, um das Kinoerlebnis zu verarbeiten, deshalb sollte die Nachbereitung „mit etwas zeitlichem Abstand“ erfolgen (ebd., S. 13). „Sie sollten die Kinder das Tempo dieser Auseinandersetzung mit dem Medium so weit wie möglich bestimmen lassen“, raten die Medienpädagogen (ebd.). Auch wenn die von den Kindern angesprochenen Themen nicht wirklich relevant erscheinen, sollten sie im Unterricht Raum bekommen.

An dieses Gespräch können sich wieder praktische Übungen anschließen. Auch dafür bietet der Leitfaden „Mit Kindern ins Kino“ ein breites Spektrum von Vorschlägen: Die Kinder schreiben auf, wovon der Film handelt, malen Bilder zu den Schlüsselszenen, spielen sie nach, auch mit vertauschten Rollen, verändern die Handlung an den entscheidenden Stellen des Plots und entwerfen eigene Versionen der Filmgeschichte, versetzen sich in einzelne Filmrollen oder Gegenstände und erzählen aus deren Perspektive, malen einzelne Szenen mit den im Film verwendeten Farben, versuchen Worte für die Musik in Schlüsselszenen zu finden u. v. m.

Als krönenden Abschluss kreieren die Kinder einen eigenen Film. Dazu bringen sie am Tag nach dem Kinobesuch Dinge mit, die sie an den Film erinnern. Im Sitzkreis erzählen sie, was sie mit dem jeweiligen Gegenstand verbinden. Dann erfinden sie zu den Objekten ihre eigene Geschichte. Die Autoren der Broschüre schlagen vor, anschließend die Geschichte aufzuschreiben und die Kinder Bilder dazu malen zu lassen (ebd., S. 15).

Wie macht man aus diesem „Storyboard“ einen Film? Ganz einfach: mit einem Handy und einer Stop-Motion-App. Wie das genau funktioniert, beschreibt Birgit Strohmeier, Bloggerin und Mutter von zwei begeisterten kleinen Filmemachern, in ihrem Blog „Muttis Nähkästchen“: Die Figuren werden „Stückchen für Stückchen weiterbewegt und fotografiert“ und aus „vielen, vielen, enorm vielen Einzelfotos“ entsteht der Film, den die Schüler im Nachhinein vertonen. — Klingt spannend!

Martina Niekrawietz

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