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Förderunterricht

Erfolgreicher Förderunterricht in der Grundschule

Förderunterricht wird oft als zusätzliche Belastung empfunden. Das muss nicht sein. Durch gute Diagnostik und die individuelle Begleitung in kleinen Lerngruppen kann der Lehrer den Unterricht abwechslungsreich gestalten und die Schüler motivieren.

Förderunterricht: Erfolgreicher Förderunterricht in der Grundschule In kleinen Gruppen klappt der Förderunterricht gut. So hat der Lehrer mehr Zeit für den einzelnen Schüler. © Christian Schwier - Fotolia.com

„Wie gestaltest du denn die Förderstunde in Deutsch motivierend?“, fragt die Klassenlehrerin der Klasse 3a ihre Kollegin im Lehrerzimmer. Eine Frage, die viele Lehrer interessiert, denn Förderstunden sind oft Zusatzstunden vor oder nach dem Unterricht. Schüler sollen differenziert gefördert werden, um dem Unterrichtstempo in ihrer Regelklasse folgen zu können. Manche können dem Unterrichtsgeschehen inhaltlich nicht folgen, andere ihre Aufgaben nicht in angemessener Zeit bewältigen. Da die zusätzlichen Stunden für Förderunterricht oft fehlen und die Fördergruppen klein gehalten werden sollen, nehmen in der Regel nur die Schüler teil, die eine Förderung am dringendsten benötigen. Das sind häufig genau die Schüler, die bereits von Leistungsversagen. Sie sind wenig motiviert, in zusätzlichen Unterrichtsstunden inhaltlich aufzuholen. Hier ist ein praktikables Konzept ebenso gefragt wie motivierendes, individuelles Material.

Kleine Gruppen und individuelle Ansprache

Damit der Lehrer die teilnehmenden Schüler individuell begleiten kann, ist es sinnvoll, Fördergruppen mit nicht mehr als sechs Schülern einer Jahrgangsstufe und eines Fachs zu bilden. Oft sind aufgrund der personellen Situation diese Bedingungen nicht für jede Klasse und die Fächer Deutsch und Mathematik gegeben. So geschieht es, dass Klassen zusammengemischt oder Fördergruppen mit mehr Schülern geführt werden.

Häufig kommen Schüler auch unmotiviert oder genervt in den Förderunterricht, weil ihre Mitschüler noch ausschlafen oder bereits nach Hause gehen können. Hier spielt die häusliche Unterstützung eine große Rolle. Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass diese Maßnahme sie beim Lernen unterstützen wird und es für eine gewisse Zeit verbindlich ist, die Förderstunde zu besuchen.

Optimal ist es natürlich, wenn Schüler freiwillig kommen und nicht von Lehrern oder Eltern „gezwungen“ werden, die Förderstunde zu besuchen.  In der Folge liegt es am Lehrer, die Förderstunde mit individueller Ansprache, passgenauem Material und Zeit für jeden Schüler zu gestalten. Nur so kann er den Lernerfolg maximieren und den Schülern zeigen, dass diese Zeit wirklich sinnvoll investiert ist.

Förderung beginnt mit der richtigen Diagnostik

Werden Schüler für die Förderstunde empfohlen, so haben sie oft schon Defizite. In einer sorgfältigen Diagnostik müssen diese Lücken herausgefunden werden, damit das Fördermaterial sie passgenau schließen kann. Hier gilt es, die Schüler da abzuholen, wo sie stehen. Wichtig ist beispielsweise herauszufinden, woran es liegt, dass ein Schüler nicht flüssig lesen kann. Kennt er alle Buchstaben? Kann er Buchstaben zusammenschleifen? Kann er Wörter in Silben unterteilen?

Ebenso ist es bei rechenschwachen Schülern wichtig zu wissen, ob sie aufeinander aufbauende Grundlagen wie den Zehnerübergang, das Einmaleins, geometrische Formen etc. beherrschen. Diagnostisches Material sollte daher kleinschrittig vorgehen, bei den Basics ansetzen und genau beleuchten, wo die Lücken entstanden sind. Ideal ist es, wenn der Fachlehrer auch in der Förderstunde unterrichtet, da er die Schüler bereits kennt und um ihre Schwächen weiß.
Doch auch im Klassenfachunterricht kann es vorkommen, dass Schüler ihre Schwächen überspielen. Leseanfängern fällt es beispielsweise leicht, kurze Texte auswendig aufzusagen, um Lesefähigkeit vorzutäuschen. Ebenso haben zählende Rechner Strategien zum schnellen Rechnen ohne Zahlvorstellungen entwickelt, die vorteilhaftes Kopfrechnen vortäuschen. Eine Diagnostik ist daher bei Förderschülern unerlässlich.

Die Förderstunde abwechslungsreich strukturieren

Wenn klar ist, welche Schüler welche Unterstützung benötigen, kann der Lehrer die Stunde entsprechend strukturieren. Die Förderstunde kann beispielsweise immer mit einer Ermutigungsrunde beginnen. „Ich möchte heute …“, sagt dabei jeder Teilnehmer. In der ersten Stunde kann der Lehrer beginnen: „Ich möchte, dass heute jeder etwas Neues/Wichtiges/Wertvolles/Nützliches lernt!“

In den weiteren Stunden berichten die Schüler von ihren Lernvorhaben. Gibt es Themen, die für alle Schüler wichtig sind, so können diese anfänglich im Plenum besprochen werden. Hier ist es entscheidend, die Schüler mit einzubinden und Inhalte beispielsweise durch kooperative Lernformen wie Placemat, Think-Pair-Share etc. zu wiederholen.

Jeder Schüler kann beispielsweise alle Wörter, die er mit „ie“ kennt, auf einen Teil seiner Placemat schreiben, diese mit zwei oder drei Partnern abgleichen und im Anschluss diese Wörter an der Tafel für alle sichtbar in einem Feld anschreiben. Mit dieser eigenen Wörtersammlung können dann verschiedene schriftliche Aufgaben wie das Notieren in einem Wörterbuch, nach dem ABC sortieren, sich gegenseitig diktieren etc. in Einzel- oder Partnerarbeit gelöst werden.
Ebenso bieten sich im Gegensatz zu einer Blättersammlung Hefte oder geheftete Blätter in einem Ordner für die Arbeitsphase an. Gegebenenfalls kann diese Fördermappe auch mit nach Hause genommen und dort weiter bearbeitet werden.

Da Schüler die Arbeit am PC lieben, dürfen sie die Stunde mit einer Arbeit an einem Lernprogramm oder mit einem gemeinsamen Lernspiel beenden. Bevor die Schüler gehen, ist eine Feedback- und Planungsrunde sinnvoll, in der jeder sich einen Satz überlegt. Er sollte beginnen mit „Heute habe ich … gelernt“ oder „In der nächsten Stunde möchte ich an … weiterarbeiten.“

So wird nochmals deutlich, ob und welche Lernfortschritte erreicht wurden und woran die Schüler weiterarbeiten möchten. Hier kann der Lehrer die Schüler auch ermutigen, Wünsche für die Weiterarbeit an bestimmten Dingen, die ihnen schwerfallen, zu äußern.

Marion Keil

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