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Förderunterricht

Förderunterricht für mehr Mathe-Motivation

Im Fach Mathematik bauen die Lerninhalte aufeinander auf. Schwache Schüler verlieren dabei häufig den Anschluss. Durch spezielle Übungen in der Förderstunde und die zusätzliche Lernzeit können sie wieder zu motivierten Rechnern werden.

Förderunterricht: Förderunterricht für mehr Mathe-Motivation Spielerisch Rechnen üben können die Schüler mit Zahlenwürfeln © goodmoments - Fotolia.com

„Hast du heute wieder das Material dabei, mit dem ich so gut rechnen konnte?“, fragt Justin seine Mathematiklehrerin vor der Förderstunde. In Mathematik lernen viele Schüler zunächst über die Handlung, bevor sie Aufgaben formal, später abstrakt lösen können. Der Mathematikunterricht geht hier für leistungsschwache Schüler oft zu schnell vor. Schüler, die länger auf der handelnden Ebene üben müssen, sind deshalb überfordert. Der Förderunterricht bietet diesen Schülern mehr Zeit, um Dinge handelnd zu durchdringen.

Justin beispielsweise hat Probleme bei der Zahlzerlegung und infolgedessen beim Zehnerübergang. In der Förderstunde legt er in ein Zehnerschiff mit zehn Mulden zweifarbige Plättchen. Anschließend findet und notiert er alle möglichen Aufgaben zur Zehnerzerlegung. Als Strategie hat er dabei sogar erkannt, dass sich die Zahlenmenge gegensinnig verändert: Nimmt er auf der einen Seite ein rotes Plättchen weg, kommt auf der anderen Seite ein blaues Plättchen hinzu, die Gesamtmenge von 10 verändert sich dabei nicht. Während viele Schüler dies bereits durch die Notation bemerken, muss Justin den Vorgang handelnd durchdringen und bekommt in der Förderstunde zusätzliche Zeit, um zu legen, zu versprachlichen und zu notieren.

Arithmetik handelnd erforschen

Gerade bei leistungsschwachen Schülern ist es wichtig, dass sie Material zur Verfügung gestellt bekommen, um handelnd zu lernen. Während Justin die Zahlzerlegung bis 10 noch länger legen muss, benötigt er im Anschluss zweifarbige Plättchen für Additions- und Subtraktionsaufgaben. Im weiteren Schritt hilft ein zweifarbiger Stift zur Notation der gelegten Aufgaben.

Eine weitere Hürde der Arithmetik stellt der Zehnerübergang dar. Schüler, die an dieser Stelle noch keine ausreichende Zahlvorstellung entwickelt haben und den Zehnerübergang aufgrund fehlender Zerlegealternativen zählend rechnen, fallen zunächst nicht auf. Sie bekommen aber Probleme mit großen Zahlen, die nicht mehr mit den Fingern abzuzählen sind. Hier fehlen ihnen die Strategien. Daher sollte der Lehrer sich in der Förderstunde Zeit nehmen, damit jeder Schüler ihm vorrechnen kann, wie er eine Aufgabe löst. So kann der Lehrer die Rechenstrategien von Weiterzählen, Alleszählen, Rechnen bis 10 und weiter etc. erkennen.

Ist der Schüler noch zählender Rechner, so kann der Lehrer ihm andere Strategien erklären und der Schüler kann an weiteren Aufgaben mit Material üben. Hat er dies durchdrungen, kann er die Aufgaben zweifarbig oder bei Subtraktion durch Wegstreichen aufmalen, später die abstrakten Zahlen hinzuschreiben. Erst wenn dies alles klappt, rechnet er abstrakte Aufgaben ohne Anschauung.

In kleinen Schritten zum Ziel

Wichtig in der Mathematik ist es, keine Lernschritte zu übergehen. Selbst wenn es für ältere Schüler überflüssig erscheint, nochmals den Zehnerübergang zu üben, so ist dies oft nötig und der Lehrer sollte sich nicht scheuen, auch Dritt- oder Viertklässler noch einmal in den Zahlenraum bis 20 zurückzuführen. Schließlich haben hier bereits die Probleme begonnen und wenn die Schüler diese wichtigen Schritte nun verstehen, so können sie auch in den größeren Zahlbereichen schnell Fortschritte erzielen.

Die Förderstunde ist dazu optimal, weil schwächere Schüler im geschützten Rahmen ohne die vielleicht abschätzigen Blicke von leistungsstarken Mitschülern einfache Aufgaben üben können. Hat man die Schüler davon überzeugt, können sie bald wieder Anschluss an die Mathematik ihrer Jahrgangsstufe finden.

Ein Ankerpunkt sind immer schriftliche Verfahren, die schematisch ablaufen. Nach mehr oder weniger langer Einführung und Übung werden sie von vielen Schülern schnell sicher beherrscht. Bereits durch die Kenntnis des Einmaleins oder Rechnungen bis 20 können diese Verfahren ohne die Kenntnis der zugrundeliegenden Vereinfachung von Rechenprozessen schematisch angewandt werden. Daher sollten sie für sehr leistungsschwache Rechner, die mit Kopfrechnen nicht weiterkommen, ebenso angeboten werden, um große Aufgaben lösen zu können.

Größen und Gewichte zum Anfassen

Auch bei den weiteren Lernfeldern der Mathematik wie Größen oder Geometrie gilt, dass leistungsschwache Schüler vieles handelnd erlernen müssen. Für Uhrzeiten bietet sich eine Einstelluhr an, mit der Ablese-, Einstell-, Zeitdauer- und Zeitpunkteübungen absolviert werden können. Diese sollte leistungsschwachen Schülern nicht nur während der Förderstunden, sondern auch während der gesamten Unterrichtseinheit zur Verfügung stehen. Durch die zusätzliche Zeit und Übung in der Förderstunde kann es vielleicht gelingen, dass die Schüler das Material am Ende der Einheit nicht mehr benötigen.

Gleiches gilt für Längen. Reicht hier das Metermaß nicht mehr aus, so können maßstabverkleinerte Linien mit Maßangaben ähnlich eines Zahlenstrahls Unterstützung für Kilometer etc. bieten. Dass die Themen Gewichte und Volumen mit Waagen und Messbechern etc. sowieso sehr handlungsorientiert aufgebaut sind, kommt leistungsschwachen Schülern entgegen, da sie hier immer wieder auf Repräsentanten der Größenbereiche aufmerksam gemacht werden können. Zusätzliche Übungen zum Umrechnen und Rechnen mit Größen können in der Förderstunde unterstützend eingebaut werden. Auch der Geometrieunterricht fällt Schülern oft leicht, wenn er immer wieder durch Handlungen und Skizzen begleitet wird.

Die Förderstunde steigert das Selbstwertgefühl

Der Mathematikunterricht erfolgt in der Regel sehr lehrgangsmäßig. Nach einer Einzeldiagnostik, die dem Lehrer anhand vorgerechneter Aufgaben Aufschluss über vielleicht nicht zielführende Rechenwege und -strategien gibt, bietet es sich für die Förderstunde an, sinnvolle Strategien zu besprechen und durch Handlung einzuüben. Da erfahrungsgemäß viele Schüler mit der Zahlvorstellung, Zehnerübergang und fehlerhaften Rechenstrategien Probleme haben, können in der Förderstunde eine gemeinsame Einführung, Handlung mit Material, Versprachlichung der Rechenschritte im Plenum etc. sinnvoll sein.

Im Anschluss arbeiten die Schüler dann selbstständig unter Beobachtung des Lehrers an Material und Arbeitsblättern bzw. in Förderheften. Der Lehrer bietet Themen des Unterrichts an, die sowohl nachgearbeitet als auch vorbesprochen werden. Auf diese Weise erhalten die Schüler einen Lernvorsprung und können dem Klassenunterricht besser folgen bzw. ihn sogar mit Vorwissen bereichern. Das steigert das Selbstwertgefühl sehr und führt oft bereits zu neuem Zutrauen für alternative, zielführende Rechenstrategien.

Marion Keil

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