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Förderunterricht

Früher Förderunterricht für einen besseren Schulstart

Schon in der ersten Klasse können schwache Schüler gezielt gefördert werden. Klar gegliedertes, anschauliches Arbeitsmaterial und spielerisches Lernen hilft ihnen, dem Lerntempo im Unterricht zu folgen. Gleichzeitig verhindert der Förderunterricht, dass diese Schüler zu Außenseitern werden.

Förderunterricht: Früher Förderunterricht für einen besseren Schulstart Jedes Kind ist Pate eines Buchstaben, den sie als Alphabet auf dem Boden auslegen © Ilike - Fotolia.com

„Wann bin ich denn mit der Förderstunde dran?“, fragt Lena ihre neue Klassenlehrerin. Die Schulanfängerin hat bereits von ihren Mitschülern gehört, dass in der Förderstunde Spiele, Rätsel und kleine Aufgaben gelöst werden. Außerdem bietet die Stunde mit nur fünf Schülern auch die Gelegenheit, einmal in Ruhe mit der Lehrerin zu sprechen.

Da der Klassenlehrer die Schüler zu Beginn des Schuljahres noch nicht kennt und daher nicht einschätzen kann, welcher Schüler eine zusätzliche Förderung benötigt, bietet sich eine rotierende diagnostische Stunde für alle an. Dazu werden die Schüler einer Klasse in Gruppen von bis zu fünf Kindern eingeteilt, die wöchentlich wechselnd in die Förderstunde gehen. In dieser „Schnupperstunde“ lernt der Lehrer die Schüler besser kennen. Vielleicht beginnt er mit einer kurzen Erzählrunde: Jeder kann sagen, wie es ihm in der Schule bisher gefällt, was für ihn leicht oder schwierig ist. In der Regel genießen die Schüler diese anfängliche Zeit, weil sie mehr Aufmerksamkeit des Lehrers bekommen als im Klassenverband. Der Lehrer bekommt gleichzeitig einen Eindruck, wie die Schüler Schule empfinden und wie sie in der Lernsituation angekommen sind.

Stärken und Schwächen der Schüler einschätzen

Zur Einschätzung der Fähigkeiten der Schüler legt der Lehrer verschiedene Materialien bereit: Ein Bild zum Nachspuren für grafomotorische Fähigkeiten und ein Rätselbild, auf dem viele Dinge falsch eingezeichnet sind. Beide Bilder überprüfen die optische Wahrnehmung. Auch ein Buchstabenblatt mit Großbuchstaben zum Nachspuren eignet sich dazu. Hier sollen die Schüler Buchstaben umkreisen, die sie bereits kennen.

Zur Mengenerfassung dient ein Arbeitsblatt mit vielen verschiedenen Gegenständen. Der Lehrer beobachtet hier, ob die Schüler Mengen bis 6 noch abzählen oder bereits simultan zur Lösung kommen. Ebenso hält er Material für leistungsstarke Schüler bereit: ein Erstlesebuch für Schüler, die erzählen, dass sie schon lesen können und ein „Rechenblatt“ für Schüler, die bereits erste Additions- und Subtraktionsaufgaben lösen. Für leistungsschwächere Schüler gibt es zur Differenzierung eine Aufgabe, bei der sie ankreuzen müssen, welcher Gegenstand in der Reihe nicht dazu gehört. So kann der Lehrer ihre Konzentration beobachten.

Nach dem fünfwöchigen Durchlauf dieser Förderstunde für alle Schüler der Klasse und durch die Beobachtungen im Anfangsunterricht ist oft bereits deutlich, welche Schüler die Förderung benötigen.

Förderhefte mit klarer Gliederung und Lobsticker

Je jünger die Schüler sind, je motivierter arbeiten sie mit, wenn das Material für sie ansprechend ist. Nach einer Ermutigungsrunde, die mit dem Satz „Ich kann gut …“ beginnt, können die Schüler eigenständig an den Arbeitsblättern arbeiten. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Material speziell für Lernanfänger gestaltet ist. Gerade nichtlesende Schüler achten auf Bilder und Illustrationen. Alles sollte groß und klar gegliedert sein. Jede Arbeitsseite darf nur einen Lerninhalt abbilden. Einzelne Blätter sollten vermieden werden.

Wenn der Lehrer die Schüler besser kennt, kann er auch für jeden Schüler individuelles Material in einem Ordner zusammenstellen. Ebenso gibt es Lernhefte von verschiedenen Verlagen zu allen Förderthemen. Diese können individuell für die Förderschwerpunkte bereitgehalten werden.
Eventuell hat jeder Schüler mehrere Hefte und kann abwechselnd zum Lesen, Schreiben oder Rechnen darin arbeiten. Der Vorteil dieser vorgefertigten Förderhefte ist, dass es hier meist Lobsticker für bearbeitete Seiten gibt, oftmals auch Lösungsseiten für die Selbst- oder Lehrerkontrolle. Der Lehrer sollte daher zuvor genau prüfen, ob die Inhalte für den bestimmten Schüler passen oder ob es mehr Sinn ergibt, Arbeitsblätter für mehrere Schwerpunkte selbst zu einem individuelleren Heft zusammenzustellen.

Den Arbeitsphasen sollte bei neuen Übungsformaten eine Erklärungsphase vorausgehen. Diese kann bei mehreren Schülern mit gleichem Inhalt im Plenum oder individuell erfolgen.

Steckwürfel, Schüttelkästen und viele Spiele

Da gerade leistungsschwache Schüler Material zur Handlung benötigen, sollte in den Arbeitsphasen solches Material bereit stehen. Im Anfangsunterricht bieten sich in Mathematik Steckwürfel für die Mengenerfassung, Schüttelkästen zur Zahlzerlegung, Zehnerschiffe zum Einsortieren von Legeplättchen, Zehnerstangen, geometrische Formen und weitere Materialien zur Anschauung von Zahlmengen, geometrischen Formen und Zahlzerlegungen an. Im Deutsch-Anfangsunterricht helfen Groß- und Kleinbuchstaben aus Holz, Tücher zum Silbenschwingen und weiteres Buchstabenmaterial zum Legen von Silben und Wörtern beim Schreiben- und Lesenlernen.

Schüler mögen Spiele. Deshalb können neben konzentrierten Einzelarbeitsphasen auch immer wieder gemeinsame Lernspiele den Förderunterricht auflockern. Schließlich findet er zusätzlich zum Regelunterricht statt. Im Deutschunterricht können hier Silbenspiele für Bewegung sorgen: z. B. Wörter mit Schritten und dem Schwingen von großen Tüchern darstellen. Oder: Jedes Kind schreibt eine Silbe an die Tafel und die Gruppe erliest diese Quatschwörter. Oder: Alle suchen Dinge mit gleichem Anfangsbuchstaben im Klassenraum. Alle Wörter mit A können gesammelt werden. Es wird Rückenschreiben und Luftmalen geübt oder Buchstaben mit den Körpern der Kinder gelegt und geraten. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Im Mathematikunterricht können die Rechenschritte mit Rollenspielen dargestellt werden: „Jan hat fünf Murmeln, Kevin schenkt ihm noch zwei dazu, wie viele hat er jetzt?“ Ebenso lieben die Schüler das Spiel „Mister X“, bei dem sie eine gesuchte Zahl vor der Auflösung eingrenzen müssen: „Ist deine Zahl größer als 5? Ist deine Zahl kleiner als 3?“ etc.

Es gibt bereits geeignete Lernsoftware für Schulanfänger, oftmals begleitend zur Fibel mit den gleichen Fibelfiguren oder Figuren aus dem Mathematikbuch.

Hat der Lehrer einen Pool an kleinen Lernspielen für zwischendurch, so kann er die Förderstunde so vielfältig gestalten, dass die Schüler motiviert lernen und gern wiederkommen. Sie genießen die gemeinsame Zeit mit mehr Aufmerksamkeit und können durch ihre Lernfortschritte dem Unterricht im Klassenverband besser folgen.

Marion Keil

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