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Förderunterricht

Im Förderunterricht Deutsch Selbstvertrauen gewinnen

Zur Unterstützung und individuellen Förderung im Leselernprozess, beim Schreibenlernen und in der Rechtschreibung kann eine Förderstunde mit vielfältigen Übungsmöglichkeiten Schülern wieder Selbstvertrauen geben.

Förderunterricht: Im Förderunterricht Deutsch Selbstvertrauen gewinnen Buchstaben zu kneten kann Schülern im Anfangsunterricht helfen, sich den einzelnen Buchstaben einzuprägen © colors0613 - Fotolia.com

„Kann ich dir heute etwas vorlesen, ich habe mein Buch dabei?“, fragt Lisa in der Deutsch-Förderstunde ihre Lehrerin. Bereits nach wenigen Wochen hat sie in der Förderstunde einen enormen Fortschritt in ihrem Selbstwertgefühl erzielt. Noch zu Beginn des Schuljahres wollte sie niemandem vorlesen, schon gar nicht Klassenkameraden oder der Lehrerin. Doch im geschützten Rahmen der Förderstunde hat die Lehrerin mehr Zeit, sich um jeden Schüler individuell zu kümmern. Lisa liest immer noch schleppend, aber sie ist motiviert. Am Ende der Stunde möchte sie heute sogar ihren fünf Mitschülern den Text laut präsentieren.
Neben der Möglichkeit, mehr Lehreraufmerksamkeit zu genießen, können in der Förderstunde Defizite aufgearbeitet und neue Lerninhalte vorbesprochen werden. Dies ermöglicht es auch Lisa, sich häufiger am Unterricht zu beteiligen. Irgendwann wird sie genug Zutrauen haben, ihre gesteigerten Lesekünste vor dem Publikum ihrer gesamten Klasse zu zeigen.

Einfache Übungen erleichtern das Vorlesen

Wie Lisa fehlt es Schülern gerade im Leselernprozess oft am nötigen Selbstbewusstsein. Wenn die Mitschüler Texte bereits fehlerfrei, flüssig und sogar schon betont vorlesen während sie noch einzelne Wörter schleppend zusammenziehen, verlieren viele Schüler die Lust am Vorlesen. Gerade in der Förderstunde besteht die Möglichkeit, in einem kleineren Rahmen einfache Leseübungen ohne die Blicke der leistungsstarken Mitschüler zu bewältigen.
Als Material bieten sich hier silbenuntergliederte Texte an. Dabei sind die Silben zweifarbig unterlegt, sodass die eigenständige Zerlegung der Wörter in Silben zunächst entfällt und sich die Schüler auf das Wort und auch den Sinn konzentrieren können. Als Leseunterstützung gibt es weiterhin vielfältige Leseblickübungen, wenn alle Buchstaben beherrscht sind, aber der flüssige Leseablauf sich nicht direkt einstellen will. Schüler springen hier beispielsweise beim Lesen von Silbe zu Silbe, erlesen einzelne Silben und verbinden sie zu einem Wort, untergliedern Wörter durch Silbenunterstreichungen etc. All dies optimiert die schnelle Erfassung von Wörtern.

Zur Sinnerfassung können Schüler einen Text mehrmals lesen, Multiple-Choice-Fragen zum Text ankreuzen, später auch Fragen zum Text beantworten. Hier helfen Lesestrategien wie das Finden und Unterstreichen von Schlüsselwörtern, das Unterteilen in Sinnabschnitte und wiederholtes Lesen des Textes. Sind die Schüler an großen, silbenuntergliederten Texten erfolgreich, können die Silbentexte durch Erstlesebücher mit großer Schrift, später durch eigene interessante Kinderbücher ersetzt werden.

Schreibenlernen durch Sprechen und Bewegung

In vielen Schulen wird das „freie Schreiben“ praktiziert, das heißt, die Schüler schreiben nach Kenntnis der Buchstaben ihre eigenen Gedanken auf. Dies kann in der Förderstunde speziell trainiert werden. Da leistungsschwache Schüler dabei immer noch Buchstaben oder ganze Silben in Wörtern vergessen, hilft hier nach dem Lautieren das Silbensprechen von Wörtern. Unterstützt durch das silbenmäßige Schreiten von Wörtern, gegebenenfalls mit dem Schwingen von Tüchern in der Hand, um eine Ganzkörperbewegung zu erzielen, fällt es Schülern leichter, die einzelnen Silben im Wort exakt abzuhören. Das Mitsprechen beim Schreiben unterstützt zusätzlich den Denk- und Schreibprozess. So werden Schüler in ihren eigenen Wörtern, Sätzen und Texten immer sicherer.

Rechtschreibung im eigenen Tempo üben

Da sich die Rechtschreibung in der Regel in verschiedenen Stufen entwickelt, können diese Stufen im Förderunterricht vielfältig eingeführt, wiederholt und geübt werden. Leistungsschwächeren Schülern fällt es häufig schwer, die im Unterricht behandelten Rechtschreibregeln im Klassentempo zu verinnerlichen und anzuwenden. Sie benötigen oft mehr Zeit für das Erlernen der vielen verschiedenen Schreibungen.

Im Förderunterricht sollte da angefangen werden, wo die Schüler ausgestiegen sind. Eine Diagnostik, die Leistungen bezüglich der alphabetischen, morphematischen und orthografischen Strategie testet, ist daher zunächst sinnvoll. Danach kann kleinschrittiges Fördermaterial für jeden Schüler zusammengestellt werden.

Lisa benötigt beispielsweise immer noch Unterstützung bei der alphabetischen Strategie, da sie nach wie vor Buchstaben vergisst und vorgesprochene Wörter schwingen, mitsprechen und aufschreiben soll. Tom hat ein Problem beim Erkennen der Auslaute. Er bekommt Material zum „Verlängern“ von Wörtern, um die Auslaute b, p und g, k und d, t unterscheiden zu können. Durch Kenntnis des Plurals beispielsweise weiß er nun, dass der Berg wegen der Mehrzahl „die Berge“, am Ende mit g geschrieben wird und übt an diesem Material weiter.

Der Lehrer kann hier Arbeitsblätter selbst zusammenstellen oder nach Förderheften mit Übungen zu den einzelnen Rechtschreibstufen Ausschau halten, die vielfältig angeboten werden. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die fertigen Hefte viele Übungen zu einem Bereich anbieten und kleinschrittig vorgehen, z. B. auf einer Arbeitsseite zur eigenständigen Bearbeitung nur eine Übungsform anbieten. Jan ist bereits bei der orthografischen Strategie angekommen und legt sich beispielsweise eine Sammlung von Lernwörtern mit Dehnungs-h an.

Individueller Aufbau der Förderstunde

Gerade bei älteren Schülern können verschiedene Lerninhalte in eine Förderstunde eingebaut werden. Die Schüler können teilweise eigenständig überlegen, mit welchem Inhalt sie anfangen wollen und wie lange sie woran üben. Dies kann zu Beginn einer Stunde besprochen und vereinbart werden.

Lisa möchte heute zuerst ihre Lesefortschritte ihrer Lehrerin präsentieren, danach möchte sie einen Brief an eine Klassenkameradin schreiben und dabei schwierige Wörter schwingen und mitsprechen. Tom beginnt mit seinem Arbeitsheft zur Verlängerung von Wörtern, wählt dann einen Text mit Sinnfragen und möchte zum Abschluss noch an seiner Lernsoftware zum Grundwortschatz arbeiten. Jan will heute unbedingt seine Lernwortsammlung beenden und eine weitere mit Wörtern mit „ie“ beginnen, zum Schluss noch Leseübungen im Arbeitsheft bearbeiten.

Haben Schüler anregendes Material und können zunächst mit Lehrerhilfe ihre Stärken und Schwächen benennen, so kann der Lehrer die Schüler nach vorheriger Absprache tatsächlich frei arbeiten lassen und sich um jeden Schüler exklusiv ein paar Minuten kümmern.

Marion Keil

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