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Projektideen

Frei Day: Wenn Schüler/-innen die Welt verändern

Die individuelle Förderung von Schüler/-innen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Frei Day bietet einen Rahmen, um über Projektarbeit die Schüler/innen in Ihren Interessen zu stärken. 

Projektideen: Frei Day: Wenn Schüler/-innen die Welt verändern Schüler/-innen planen ein nachhaltiges Projekt © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Die Idee ist einfach und doch genial. Margret Rasfeld, die Initiatorin des Lernformats „Frei Day“ bringt sie in einem Video auf der Website frei-day.org auf den Punkt: „Kinder kriegen Zeit geschenkt, um sich sozial und ökologisch zu engagieren.“  

Was das konkret bedeutet, erläutert Projektleiter Tobias Feitkenhauer in einem weiteren Video auf der Projekt-Website: Der Frei Day findet an einem bestimmten Wochentag während der Kernunterrichtszeit statt und ist mit vier Stunden im Stundenplan „strukturell verankert“. In dieser Zeit beschäftigen sich die Schüler/-innen „in interessenorientierter Projektarbeit mit Zukunftsfragen“ (ebd.). In jahrgangsübergreifenden Teams wählen sich die Kinder und Jugendlichen ihr Thema selbst und erarbeiten dafür ihre eigenen, praktischen Lösungen, die sie dann in ihrer Schule, Gemeinde oder Stadt direkt umsetzen. . 

Der folgende Beitrag informiert Sie über die Ziele des neuen Lernformats. Anhand eines Praxisbeispiels sehen Sie, wie einfach es ist, loszulegen und den Frei Day schrittweise zu implementieren. Und Sie erfahren, wo Sie und Ihre Schüler/-innen sich Anregungen und Input für die Ideenfindungs-Phase der Projektarbeit holen können. 

Verantwortung übernehmen: für sich und für andere 

Die Initiatoren verstehen den Frei Day als „Zukunftstag“, bei dem die Schüler/-innen mit „Kopf, Herz und Hand“ lernen, Leidenschaften und Talente entdecken und Potenziale ausloten können (vgl. dazu die Beschreibung des Konzepts auf der Projekt-Website). Dabei erwerben die Kinder und Jugendlichen „zentrale Zukunftskompetenzen“. Sie lernen, „mit Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität“ umzugehen, „im Gemeinsinn lösungsorientiert zu denken und Verantwortung zu übernehmen“. Dazu üben sie sich in „antizipatorischem Denken“ und vor allem auch in „selbstwirksamem Handeln“ (ebd.).  

Die Arbeit in jahrgangsübergreifenden Teams fördert ganz nebenbei Sozial- und Methodenkompetenzen: Die Schüler/-innen lernen einander zuzuhören und wertschätzend miteinander umzugehen. Von der Ideenfindung bis zur Projektpräsentation arbeiten sie mit vielfältigen Methoden und Techniken in unterschiedlichen Sozialformen. Entscheidungen stimmen sie demokratisch ab, und sie vernetzen sich im inner- und außerschulischen Bereich. Parallel dazu erfüllen Sie als Lehrkraft mit der Implementation des Frei Days den in allen Kerncurricula fest verankerten Auftrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). 

Projektstart: die ersten Schritte 

Wie führen Sie den Frei Day an Ihrer Schule ein? Lehrerin Tina Vahldieck erzählt im Interview mit Tobias Feitkenhauer von den ersten Schritten des Frei Days an ihrer Grundschule. Als sie und ihre Kollegin bei einem Workshop mit Margret Rasfeld von der Idee des regelmäßigen Zukunftstages hörten, waren beide sofort „total Feuer und Flamme“. Auch die Schulleiterin ließ sich von dem Konzept überzeugen und gab ihnen grünes Licht für die Einführung. 

Aus der Stundentafel reservierten sie für den regelmäßigen Projekttag jeweils „eine Stunde Deutsch, Mathe, Sachunterricht und eine [Stunde] Kunst bzw. Werken“. Zuvor allerdings mussten sie noch bei den Eltern Überzeugungsarbeit leisten, denn viele von ihnen hätten „Angst (...), dass ihre Kinder etwas verpassen“, wenn Stunden aus den Hauptfächern für die BNE-Projekte verwendet werden. Bei einem Infonachmittag mit Eltern und Kindern stellten sie Materialien aus und erläuterten den Müttern und Vätern, welche wichtigen Kernkompetenzen durch die Projektarbeit gefördert werden. 

Dann starteten die ersten Projekte. Zunächst eine Gruppenarbeit mit einer dritten und einer vierten Klasse, bei der die Kinder die 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung kennenlernten. Die Ziele mit vielfältigen Unterrichtsmaterialien finden Sie hier auf dem Portal Globales Lernen. Diese Ziele, wie zum Beispiel „Keine Armut“, „Kein Hunger“, „Hochwertige Bildung“, „Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“ oder „Maßnahmen für Klimaschutz“ sind die Grundlage und Inspirationsquelle für die praktische Projektarbeit. 

Das Projekt kommt ins Rollen 

Dann ging es richtig los: Die Kinder betrieben einen Infostand auf dem „Martinimarkt“, wo sie den Besuchern „total selbstbewusst“ von ihrem Zukunftstag und den 17 Zielen erzählten. Auf diesem Markt verkauften sie auch einen Kalender mit „Nachhaltigkeitstipps (...) zum Wasserverbrauch, Bienenschutz, zur Nachhaltigkeit in der Schule und im Alltag“ (ebd.). Den Erlös spendeten sie an einen gemeinnützigen Verein, der Schulen in Sierra Leone baut.  

Zunehmend waren die Kinder „sensibilisiert (...) für die Themen und Nachhaltigkeit“. Da bekam etwa eine Mutter im Supermarkt zu hören „Ne Mama, die Weintrauben können wir nicht kaufen, die sind in Plastik eingepackt. Hast du keinen Beutel dabei?“ Eine andere, die für das Nachhaltigkeits-Projekt „Schulkiosk“ Muffins backen wollte, bekam einen Korb: „ (...), wir wollen ein gesundes Frühstück. Muffins brauchen wir nicht.“ 

Schon bald erreichte der Frei Day alle Klassen der Schule. Die Kinder der ersten Frei-Day-Klassen informierten ihre Mitschüler/-innen und starteten auch einen Podcast, um die Idee nach außen zu tragen.  

Zunehmend eigene Projektideen entwickeln 

Anfangs hatten noch die Lehrer/-innen verschiedene Vorschläge für Projekte gemacht, doch die Kinder suchten sich mehr und mehr ihre eigenen Themen. Impulse dazu bekamen sie zum Beispiel aus den logo! Kindernachrichten, die sie täglich nach dem Frühstück sehen durften. Ein Bücherwagen mit vielen aktuellen Kinderbüchern zum Thema Nachhaltigkeit machte die Runde durch die Klassen. Die Bücherwagen-Liste ist, nebst weiteren Materialien, unter dem oben genannten Interview verlinkt. 

Die Beobachtung der Lehrer/-innen: Alle Schüler/-innen sind hochmotiviert und mit viel Spaß bei der Sache. Es gelang den Pädagoginnen auch, die Förderkinder mitzunehmen, denn in dem Maß, wie die einen Schüler/-innen selbstständiger wurden, wuchs auch der Spielraum für die anderen, die mehr Unterstützung brauchen. Und wenngleich die Frei-Day-Projekte nicht benotet wurden, bekamen doch alle Kinder positives Feedback: Zum Halbjahreszeugnis gab es zusätzlich ein Zeugnis für den Frei-Day mit „Rückmeldung zur Sach- und Methodenkompetenz, zur Sozialkompetenz und Selbstkompetenz“. Ohne Noten, aber mit ausschließlich „guten Smileys“. Damit wollten die Lehrer/-innen zeigen: „Schau mal, was du schon (...) kannst“. erzählt Frau Vahldieck. Da stand dann zum Beispiel „Du kannst dich und andere motivieren, aktiv zu werden” oder „Du kannst Mitgefühl zeigen und dich für andere einsetzen“. Und das „war auch toll für die Förderkinder“, so die Erfahrung der Lehrkräfte. 

Martina Niekrawietz


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