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Handlungsorientierter Unterricht

Sachunterricht — die (Um-)Welt entdecken und gestalten

Der Sachunterricht an der Grundschule ist geradezu prädestiniert dafür, die Schüler handlungsorientiert organisieren, recherchieren und experimentieren — und am Ende ihre „Forschungsergebnisse präsentieren zu lassen.

Handlungsorientierter Unterricht: Sachunterricht — die (Um-)Welt entdecken und gestalten Experimente sind immer das Highlight: Dabei entdecken die Kinder die Naturwissenschaften © Ilike - Fotolia.com

„Das liegt an der Oberflächenspannung, dass die Büroklammer auf dem Wasser schwimmt. Mit einem Tropfen Spülmittel wird sie aufgelöst und die Klammer sinkt auf den Grund des Glases!“ — Lukas ist in seinem Element. Er liebt Experimentieren und erklärt begeistert die wissenschaftlichen Hintergründe während der Vorführung seiner Gruppe.

Der Auftrag zum Thema „Wasser“ Experimente zu suchen, auszuprobieren, vorzustellen und zu erklären, gefällt auch seinen Mitschülern. Schnell wurde zum Sachunterrichtsthema „Wasser“ vereinbart, dass die Klasse handlungsorientiert arbeiten möchte und Experimente vorstellen wird.

In Kleingruppen recherchierten die Kinder nach Experimenten in der Schulbücherei, im Internet und in mitgebrachten Büchern. Die Materialbesorgung verlief im Anschluss automatisch. In jeder Gruppe wurden Listen geschrieben, wer was mitbringt und am nächsten Tag konnten die Experimente starten. Für den Vortrag wurde der wissenschaftliche Hintergrund auf Karteikarten geschrieben und die Vorstellung der Experimente wurde unter Verteilung der Aufgaben in der Gruppe geprobt. Nachdem die Experimente in der Klasse vorgestellt wurden und die Begeisterung dazu groß war, war klar: „Wir wollen auch anderen Klassen unsere Experimente vorführen.“ So entstand die große „Wasserexperimenteshow“ in der Aula für eingeladene Klassen und Eltern.

Technik hautnah ausprobieren

Neben experimentellen Vorstellungen bieten sich im Bereich Technik handlungsorientierte Vorhaben zu Licht und Schatten, Magnetismus, Kompass oder Elektrizität an. Ein Schattenspiel mit dem Vorwissen über die Entstehung von Licht und Schatten kann fächerübergreifend mit dem Deutschunterricht bzw. Kunstunterricht verbunden werden. Dazu können entweder Schattenfiguren aus Pappe gebastelt oder ein Schwarzlichttheater mit Schülern als Schauspielern organisiert werden.

Für eine Kompasswanderung bietet sich die Beschäftigung mit Magnetismus und und der Funktion eines Kompasses an. Eventuell können Gruppen von Kindern in ihrem Ort eine Wanderung dazu vorbereiten und die Mitschüler einladen, diese auszuprobieren. Alternativ gestaltet der Lehrer eine Wanderung mit Kompass im Schulort.

Das sehr faszinierende Thema „Elektrizität“ bietet vielfältige Handlungsprodukte. Vom Solarauto bis zur Gewinnung von Strom aus einer Zitrone kann hier alles ausgetestet werden. Bausätze unterstützen hier die Motivation der Kinder und führen zum schnellen Erfolg.

Sich als Teil der Gesellschaft begreifen

Im Sachunterrichtsbereich Gesellschaft und Politik kann ein Hilfsprojekt ins Leben gerufen werden. Die Hilfe für Kinder in ärmeren Ländern ist auch für Grundschulkinder bereits auf vielfältige Weise möglich. Nach einer Unterrichtseinheit zu Kindern in anderen Länder unter Einbeziehung der Kinderrechte, können die Kinder überlegen, wie sie Geld oder Spenden sammeln können und wofür sie es verwenden möchten.

Das Rucksackprojekt von Mary´s Meals (siehe hier für weitere Informationen die Homepage) beispielsweise sammelt alte Kinderrucksäcke mit Schulmaterial. Damit die Schüler in den armen Ländern nicht mit Plastiktüten zur Schule gehen müssen, können für den Schulbesuch Rucksäcke gespendet werden. Ziel der Organisation ist es, die Kinder in den Schulen zu speisen, um ihnen Bildung zu ermöglichen. Vorhaben zur Spendeneinnahme könnten sein: Verteilung von Flyern zur Sammlung von Rucksäcken, Schulranzen und Schulmaterial, Organisation eines Flohmarktes, Herstellung und Verkauf von Basteleien, Sammlung in den Ortschaften etc. Sicher haben Kinder und Eltern noch weitere Ideen für die Unterstützung humanitärer Projekte.

Natur und Tiere erforschen und schützen

Um die Kinder für die Natur und Tiere und deren Lebensraum zu sensibilisieren, lohnt sich ein Besuch im Tierheim, im botanischen Garten oder im Zoo. Auch hier können Kinder initiativ werden und beispielsweise Unterschriften gegen Tierquälerei sammeln, eine Ausstellung zum Thema organisieren und Kinder und Eltern informieren. Als Haustierprojekt können die Schüler den Besuch ihres Haustieres in der Schule organisieren und über die Nahrung, die Gewohnheiten und die Pflege ihres Tieres berichten.

Den Lebensraum kennenlernen und gestalten

Um den eigenen Lebensraum kennenzulernen, geht das Curriculum vom Schulort über das Bundesland, zum Thema Deutschland und Europa. Handlungsorientierter Unterricht lässt sich auch hier vielfältig gestalten. Zum Thema Europa bietet sich zum Beispiel ein thematisches Schulfest an. Hierfür organisieren die Schüler als Vorhaben Dekoration, Programm und Bewirtung. Für ein „Europafest“ können Fahnen gebastelt, Lieder und Reime in verschiedenen Sprachen vorgestellt werden. Zur Verköstigung der Gäste können internationale Snacks angeboten werden. Ein Europarätsel mit Verlosung rundet hier das Programm für die Gäste ab.

Ein ganz anderes Handlungsprodukt in diesem Themenfeld wäre die Gestaltung eines Informationsheftes zum eigenen Bundesland oder zum Wohnort. Hierin können die Schüler gruppenweise beispielsweise über Einwohnerzahl, Sehenswürdigkeiten, Landschaften, Landwirtschaft und Gewerbe und andere interessante Dinge informieren. Wie wäre es zum Abschluss des Wissenserwerbs mit einem Quiz dazu für die Partnerklasse oder die Schulgemeinde?

Geschichte aktiv nacherleben

Geschichtliche Dinge zu erfahren, ist für die meisten Schüler sehr spannend, wenn es um ihren eigenen Erfahrungsraum geht. Einen Tag „Schule früher“ spielen, nachdem die Kinder sich in Gruppen über die Bräuche von früher zu den Bereichen Schulstrafen, Unterrichtsfächer, Freizeitverhalten etc. informiert und den Mitschülern vorgestellt haben, ist eine interessante Erfahrung. Sogar der Lehrer darf hier dann ausnahmsweise zur Demonstration den Rohrstock mitbringen. Vielleicht gibt es ein Dorf- oder Heimatmuseum, dessen Besuch zum Erkunden weiterer Details der früheren Zeit einlädt.

Gerade im Sachunterricht sollte man als Lehrer neben vorgestellten Projekten auch offen und sensibel für die Ideen der Schüler sein: hierzu die Schüler einfach mal über ihre Interessen und Vorlieben berichten lassen. Sicher ergeben sich durch die klasseninternen „Experten“ schnell weitere Ideen für handlungsorientierte Vorhaben.

Marion Keil

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